Not macht erfinderisch

Dieses Schild im Museum Neukölln soll keinesfalls besagen, dass dort Logis-Gäste aufgenommen werden. Es ist lediglich ein Exponat der Dauerausstellung “99 x Neu-kölln”. Gleichzeitig dokumentiert es aber, dass hohe Mieten und Wohnungsnot schon vor über 100 Jahren für viele Berliner ein Problem waren. Da virtuelle Immobi-lien- und Mitwohnportale noch erfunden werden mussten, wurde mit derartigen Tafeln

möblierte schlafstelle-schild_museum neukölln

an den Häusern um Schlafgänger geworben. Die Hauptmieter konnten so gegen Aufgabe der Privatsphäre ihre Mietkosten reduzieren und die Wohnungen halten; Geringverdiener hatten wenigstens für Stunden ein Bett samt Dach überm Kopf.

Wirbel um die Präsenz eines Bezirksstadtrats im Untergrund

karla bareiss+beate dittrich+falko liecke_kjgd-begrüßungspaket neuköllnWenn Politiker in die Öffentlichkeit gehen, um Bürgernähe zu beweisen und für ihre Arbeit zu werben, ist nie so ganz genau zu unter-scheiden, ob die Sache an sich oder der Wunsch nach Selbstdarstellung ihr Motiv dafür ist. Als im Februar 2013 Falko Liecke höchstpersönlich mit dem Begrüßungspaket für Neugeborene zum ersten Hausbesuch bei den jungen Eltern erschien, um medien-wirksam auf die Neuköllner Präventions-strategie hinzuweisen, blieb Kritik an der Aktion aus. Bei der jüngsten Öffentlich-keitskampagne des Stadtrats für Jugend und Gesundheit (CDU) platzte nun aber dem SPD-Bezirksverordneten Marko Preuß der sprichwörtliche Weiterlesen

Neuköllner Schwimmbär zeigt, wie es geht

Schon das Projekt Neuköllner Schwimmbär an sich wertete Marco Guhl als “bahn-brechende Entwicklung”. Von der Bilanz nach dem ersten Durchgang mit rund 500 Zweitklässlern aus 11 Neuköllner Schulen dürfte der Schulsportleiter des Bezirks ebenfalls sehr angetan sein. “Allen Kindern konnte die Angst vor dem Wasser ge-nommen werden”, teilte Schirmherrin Dr. Franziska Giffey dieser Tage mit. Zudem ha-

neuköllner schwimmbär_rämer_giffey_foto ba neukölln

be sich jedes den Sprung vom Startblock oder vom Ein- oder Dreimeterbrett zuge-traut. 98 der Kinder schlossen die von der SG Neukölln betreute Projektwoche mit Schwimmprüfungen ab: 62 machten das Seepferdchen, 31 das Weiterlesen

Was macht eigentlich die A100?

3_info-ausstellung a100 ein starkes stück berlin_sonnenallee neuköllnNatürlich kann man sich weiterhin über die Verlängerung der A100 aufregen, kann die Sinnhaftigkeit des Bauprojekts bezwei-feln oder das Gegenteil proklamieren. Weder das Eine noch das Andere ändert aber etwas daran, dass seit 2013 und – so alles nach Plan verläuft – noch bis 2022 am Autobahnstück von der a100-baustelle_sonnenallee neukoellnAnschlussstelle Neukölln zur AS Am Treptower Park gebaut wird. Es ist also an der Zeit, sich damit abzufinden. Für diejenigen, die auf Hintergründiges über die 473 Mil-lionen Euro-Baumaßnahme aus sind, wurde Mitte Juli an der Son-nenallee ein Info-Punkt eingerichtet, der immer mittwochs von 16 bis 18 Uhr geöffnet ist.

“Wir haben früher auf Kleingärten geguckt, gucken jetzt auf eine Großbaustelle und in ein paar Jahren dann, so Gott will, auf die Autobahn”, schildert ein Ehepaar, das an der Einfahrt zum Gelände steht. Fans der A100-Verlängerung seien Weiterlesen

Sympathische Minderheit

Besonders in der warmen Jahreszeit ist es in Neukölln schwer angesagt, ein Weg-bier mit sich herumzutragen. Die mobile Gerstensaft-Pulle avancierte so zum ge-meinsamen Nenner von Alteingesessenen und Hipstern, die sich anfangs noch mit Club Mate-Flaschen von ersteren abgrenzten. Uncool scheint es dagegen in Wegbier-Träger-Kreisen zu sein, die leere Flasche in ein paar Cent zu verwandeln. Lieber wird

wegbuch_neukölln

sie auf Straßen und Bürgersteige geschmissen, damit auch andere etwas davon haben: lädierte Füße, Pfoten und Reifen oder – im Falle der BSR – Arbeit. Altruisti-sche Wegbuch-Träger, die allerdings noch eine Minorität sind, genießen folglich grö-ßere Sympathien: Ihre Vermächtnisse schmerzen weder finanziell noch körperlich.

Rixdorfer Reigen erzählt Historie mit Mode und “ganz normalen Leuten jeden Alters und jeder Statur”

marion czyzykowski_mc-design neuköllnDie Wörter Muße oder Langeweile kramt Marion Czyzykowski nur selten bis nie aus ihrem Wortschatz. Muße ist bestenfalls etwas, was im Urlaub stattfinden kann. Im Alltag der Schneidermeisterin ist dafür zwischen der 32 Stunden-Stelle an der Werkschule Löwenherz, der Arbeit für ihr Label MC-Design und den Nähkursen, die sie an der Volkshochschule Schöneberg und in ihrem Atelier gibt, kein Platz: “Die historische Modenschau ‘Rixdorfer Reigen’ ist für mich deshalb eine zeitliche, aber keine handwerk-liche Herausforderung.” Früher, begründet sie, habe sie Roben und Kleider restauriert.

Im Organisieren ist Marion Czyzykowski ebenfalls geübt. Martina Rosenthal-Schöne, Chefin des Fuhrunternehmens Gustav Schöne am Richardplatz, sprach also genau die Richtige an, um sie für ihre Idee zu gewinnen. Damals, 2010, hatte Weiterlesen

Grüne Vergangenheit und Gegenwart, betonierte Zukunft

Der klingende Name nützt ihr auch nichts: Die Kolonie Steinreich gehört zu den 17 Kleingartenanlagen in Neukölln und den 159 im gesamten Berliner Stadtgebiet, de-ren Schutzfrist in fünf Jahren abläuft. Sein 100-jähriges Jubiläum wird das seit 1928 bestehende Kleinod mit 52 Parzellen auf knapp 1,8 Hektar folglich nicht mehr erleben, das  wie die meisten anderen  als  Wohnbaufläche  im  Stadtentwicklungs-

kolonie steinreich_neukölln

plan Wohnen 2025 des Senats ausgewiesen ist. “Es wäre eine Sünde und Natur-frevel, es einer Betonwüste preis zu geben. Für Wohnungsbau gibt es genug andere Flächen in Berlin”, reagierte Kolonie-Vorstand Joachim Rüterbusch Weiterlesen

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