„Im Körnerpark habe ich zu Studienzeiten meine Mathematikaufgaben gelöst“

Kennen Sie ein unentdecktes Kleinod in Ihrer Nachbarschaft? Der Paritätische Wohlfahrtsverband Berlin e. V. initiierte in Pankow vor acht Jahren das Projekt LieblingsOrt. Mittlerweile wurde es in Zusammenarbeit mit verschiedenen Stadtteilzentren und Nachbarschaftsheimen berlinweit an elf Orten durchgeführt und stieß sogar in den Bundesländern Bayern und Hamburg auf Beachtung. Die erste Broschüre „Pankower LieblingsOrte – Ein Kiez-Atlas für fast alle“ aus dem Jahr 2011 ist längst vergriffen. Weiterlesen

Anwohner der Rollbergstraße wollen sich mit Verkehrslärm nicht abfinden

Einst war die Rollbergstraße bei Neuköllner Radsportfans wegen ihrer Buckelpiste berühmt-berüchtigt. Heute sorgt Verkehrslärm auf der Kopfsteinplasterstraße, die bei der Neuauflage des Rollberg-Rennens bereits 2011 aus dem Radrenn-programm gestrichen wurde, nur noch für Verdruss. Mittwochmittag trugen Anwohner aus der Seniorenwohnanlage, die in der Rollbergstraße zwischen Hans-Schiftan- und Morusstraße 108 Wohnungen zählt, mit ihren Helfern den Protest Weiterlesen

Fast vergessener Springbrunnen in der Gropiusstadt soll ab 2019 wieder sprudeln und die Neuköllner Siedlung barrierefreier werden

Menschliche Grundbedürfnisse über wirtschaftliche und industrielle Forderungen zu stellen, das war ein wesentliches Ziel von Walter Gropius, der neben Ludwig Mies van der Rohe und Le Corbusier als Mitbegründer der modernen Architektur gilt. „Bunt ist meine Lieblingsfarbe“, soll der Bauhaus-Architekt, der 1883 in Berlin geboren wurde und 1969 in Boston starb, einmal gesagt haben.

Mit drei großen Förderprojekten, die in der nach dem Architekten benannten Gropiusstadt liegen, präsentierte sich der Bezirk Neu-kölln zum bundesweiten Tag der Städtebauförderung am Weiterlesen

Sitzung der BVV Neukölln mit einem globalen und vielen lokalen Themen auf der Tagesordnung

„Wer durch das Verbrennen von Fahnen Hass sät und radikales Gedankengut verbreitet, missbraucht unser hohes Gut der freien Meinungsäußerung“, heißt es in einem Entschließungsantrag (Drucksache 0444/XX), der auf Initiative der SPD-Fraktion voraussichtlich gemeinsam mit den Grünen mit Dringlichkeit in die heutige Sitzung der Bezirksverordnetenversammlung Neukölln eingebracht wird.

Bestürzt und schockiert reagierten viele, als sie erfuhren, dass am vergangenen Sonntag in der Nähe des Neuköllner Rathauses am Rande einer 2.500 Teilnehmer zählenden Demonstration wieder eine Weiterlesen

Neuköllner Engagementbüro eröffnet, aber noch namenlos

„Seit meinem 20. Lebensjahr betätige ich mich ehrenamtlich und ich bin heute hier, weil das Ehrenamt eine Riesenrolle in unserer Gesellschaft spielt“, verriet mir Wolfgang Hecht (M.), Bezirksverordneter der SPD-Fraktion und bei der Bürgerstiftung Neukölln Sprecher des Fachausschusses Projekte, am vergangenen Dienstagmittag während der Eröffung des neuen Engagementbüros in der Hertzbergstraße 22 nah am Richardplatz. „Das Ehrenamt ist eine einmalige Gelegenheit, um eine Idee – auch ohne viel Geld und mit nur wenigen Leuten – voranzubringen“, erklärte der aktive Ruheständler weiter.“Früher, in den 1970er Jahren ist das Mitmachen ein Hauptanliegen gewesen. Weiterlesen

„Büro Leichte Sprache“ in Neukölln eröffnet

In der Schönstedtstraße 11, unweit vom Rathaus Neukölln, wurde am vergangenen Donnerstag das „Büro Leichte Sprache“ der AWO Neukölln Marketing und Service GmbH eröffnet. „Wir übertragen Texte in Leichte Sprache“, bewirbt das Büro sein Angebot, das sich an Institutionen und Unternehmen, Selbsthilfe-organisationen sowie Behörden und Verbände richtet. Zu den Leistungen des Büros gehören zusätzlich die Gestaltung von Webseiten, Flyern, Broschüren sowie Schulungen und Vorträge.

„Ich könnte auf meiner Webseite eigentlich einen Begrüßungstext in Leichter Sprache veröffentlichen“, sagte der Bundestagsabgeordnete Dr. Fritz Felgentreu, der zusammen mit Bezirksbürgermeisterin Weiterlesen

„Wir wollen da wohnen, wo alle anderen wohnen“

einfahrt mosaik-wohnheimt neukoellnRechts ein Tattoo-Studio, links ein alles andere als ansehnlicher Wohnblock und dazwischen eine dunkle Tordurchfahrt. Die Weserstraße, seit einigen Jahren Neuköllns Top-Partymeile, zeigt hier ihr anderes Gesicht. Und wer den Tunnel passiert, den Weg bis zum Ende läuft und dann nach rechts abbiegt, lernt noch ein weiteres kennen.

Im Mai 1991 bezog hier im Hinterhof das Mosaik-Wohnheim für Menschen mit Behinderung ein ehemaliges Fabrikgebäude. „Als ich das Grundstück im April 1989 zum ersten Mal sah, war alles düster und Weiterlesen

Begleitung für Demente, Entlastung für ihre Angehörigen

ev kirchenkreis neukoellnRenate, die selber schon 80 ist, möchte etwas davon zurückgeben, dass es ihr gut geht. Für Ehrenamt sei sie nicht zu alt, findet sie. In Evas Leben tat sich plötzlich eine Lücke auf: Erst wurde sie Witwe, dann zog ein Ther-momix in den Haushalt ihrer Tochter und das Bekochen der Familie durch die Oma wurde unnötig. Auf der Suche nach einer neuen Beschäftigung kam die 76-Jährige zur Diakonie Haltestelle, die seit nunmehr 10 Jahren mit einem ehrenamtlichen Betreuungs- und Entlastungs-angebot für Demenz-Erkrankte und Menschen mit einer Pflegestufe Patienten und deren Angehörige unterstützt.

Samstag wurde das Jubiläum im Tagungshaus des Evangelischen Kirchenkreises Neukölln gefeiert. Ein Mann, der von Anfang an dabei ist und sein Engagement als „echte Herzensangelegenheit“ Weiterlesen

Wenn die gewohnte Umgebung fremd geworden ist

the bread station neuköllnWie lebt es sich in einem Kiez, dessen Bewohner-struktur sich binnen weniger Jahre rapide verjüngt hat, während man selber stetig älter wurde? Der Heimat ist, sich aber nicht mehr so anfühlt. In dem Bäckereien hope-seniorenzentrum neukoellneröffnen, die The Bread Station heißen, hippe Läden und Cafés in ehemalige Eckkneipen ziehen, und viel englisch, spanisch und italienisch gesprochen statt ber-linert wird.

Sie habe nie woanders als im Reuterkiez gelebt, erzählt eine Rentnerin. Nun wohnt sie am Maybachufer, vorher in anderen Straßen, die zwar noch heißen, wie sie immer hießen, ansonsten aber ihre Gesichter verändert haben: „Durch die Entwicklung der letzten Jahre hab ich den Eindruck, in einen anderen Kiez umgezogen zu sein.“ Für das seit Oktober 2012 laufende Weiterlesen

Ein Elefant fürs Bürgerzentrum Neukölln

eröffnungsvorbereitung roter elefant_bürgerzentrum neukölln„Wir sind zum Schluss dort gar nicht mehr essen gegangen. War für das Gebotene zu teuer“, sagt eine Dame in bestem Alter, die seit Jahren mittwochs in der Gruppe von Michael Rüsche im Bürgerzentrum Neukölln tanzt und anschließend cafe atrium_bürgerzentrum neuköllnoft das Café Atrium im Haus genutzt hat. Fünf Wochen lang war das ohnehin nicht möglich gewesen, weil die gastronomische Einrichtung geschlossen hatte und allerlei Anstrengungen unternommen wurden, um sie für einen Neuanfang herzurichten. Am Montag letzter Woche war es dann soweit: Das Café Restaurant – jetzt nicht mehr Atrium, sondern Weiterlesen

Gelebte Inklusion in einer bunten Gemeinschaft auf 3.355 Quadratmetern mitten in Neukölln

Gebäude-Rückseite_RuT-FrauenKultur&Wohnen_neuköllnDass der Parkplatz hinter dem Haus schon lange nicht mehr benutzt wird, ist unübersehbar. Sogar der irgendwann dort abgestellte und verHof_RuT-FrauenKultur&Wohnen_neuköllngessene Hänger ist inzwischen zur Rankhilfe mutiert. Aber auch im Gebäude, das einst ein Supermarkt mit Verwaltungstrakt und kleinen Wohnungen in den Obergeschossen war, haben die Zeit und verlassene wohnung_böhmische str 53 neuköllnvorherige Nutzer ihre Zeichen hinterlassen: Die Deckenverkleidung hat sich zum Teil gelöst, an manchen Stellen bröckelt der Putz von den Wänden, eine Batterie geleerter Bierflaschen steht noch in einer fensterlosen Küche, und die Teppiche stehen vor Weiterlesen

Inklusion als Herausforderung für alle

eingang sonnenallee_adolf-reichwein-schule neuköllnSchulen wie die Neuköllner Adolf-Reichwein-Schule sind umstritten. Insbesondere durch die auch von Deutsch- land unterzeichnete UN-Behindertenrechtskonvention, in der 2009 u. a. ein inklusives Bildungssystem  festge-schrieben wurde, werden sie zum Auslaufmodell erklärt. Kinder und Jugendliche, die in ihren Bildungs- und Ent- wicklungsmöglichkeiten stark eingeschränkt sind, sollen hof adolf-reichwein-schule neuköllnin Regelschulen integriert werden, weil nur dort ihre Zu- kunftsperspektiven verbes- sert würden, fordern die Be- fürworter der UN-Richtlinie. Nicht nur die Direktion und Lehrerschaft des nach Adolf Reichwein benannten son- derpädagogischen Förderzentrums an der Sonnenallee sieht das kritischer, wie eine Podiumsdiskussion anlässlich des Weiterlesen

Auf eigene Faust

„Mit dem Chauffeur durch die Neuköllner Kulturszene“ – das war jahrelang der Slogan des Kunstfestivals NACHTUNDNEBEL. Nun hat er ausgedient. Bei der heutigen 11. Auflage des Events, die ob „des Rückzugs der öffentlichen Hand aus der Finanzierung von Kunst und Kultur“ von den Organisatoren unter unkomfortab- leren Bedingungen denn je gestemmt werden muss- te, müssen auch die Besucher umdenken. Großraum-taxen, die auf verschiedenen Routen zwischen den Veranstaltungsorten unterwegs sind, um Kultur-Expe- ditionsteilnehmer kostenlos von A nach N und Z zu bringen, gibt es nicht mehr. Wer heute die NACHTUNDNEBEL-Lo- cations erkunden will, muss sich erstmals selber überlegen, wie er sie anläuft oder -fährt – oder an einer der angebotenen Führungen teilnehmen.

Welche Auswirkungen der Wegfall der Chauffeure und damit eines Alleinstellungsmerkmals hat, das bisher sicher nicht unmaßgeblich zur Attraktivität des Festivals beitrugen,  wird sich zeigen. Dass sich die Zahl der Veranstaltungsorte im Vergleich mit dem Vorjahr um ein Zehntel reduziert hat, dürfte hingegen kaum jemandem auffallen, denn es sind immer noch rund 100.

Das Festival wird um 18 Uhr von Neuköllns Bezirksstadträtin Franziska Gif- fey und Katharina Smaldino, der Beauftragten für Menschen mit Be- hinderung, im  Schillerpalais  eröffnet.

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Neuköllns Vielfalt in Graustufen

ausstellung "neuköllner sicht-weisen", kunstlabor schwarzekatze/weißerkater neukölln, lebenshilfe ggmbhDie Aufregung war groß. Je näher die Eröffnung der Foto-Ausstellung „Neu- köllner Sicht-Weisen“ rückte, desto schwieriger wurde es für Passanten, sich einen Weg durch die Trauben der Wartenden vor dem Kunstlabor schwar- zekatze\weisserkater zu bahnen. Doch in die Vorfreude der Fotografen und ihrer Gäste mischte sich auch Wehmut, denn es könnte ob noch fehlender Wei- terfinanzierung die letzte Ausstellung dieser sehr besonderen Art sein.

Vor knapp einem Jahr startete das Projekt, bei dem die Kursleiter Ulli Schreier und Wolfgang Selbach vom schwarzekatze\weisserkater e. V.  Frauen und Männern mit Lern- und geistigen Behinderungen in die Kunst der Schwarz-Weiß-Fotografie ein- ausstellung "neuköllner sicht-weisen", kunstlabor schwarzekatze/weißerkater neukölln, lebenshilfe ggmbhführten. Die Technik einfacher Analog-Kameras, Motivsuche, Bildaufbau, die Fotoentwicklung im ausstellung "neuköllner sicht-weisen", kunstlabor schwarzekatze/weißerkater neukölln, lebenshilfe ggmbhLabor und fotografische Exkur- sionen – all das stand neben der Praxis, also dem Fotografieren an sich, auf dem Programm des Workshops. „Für das Projekt überhaupt einen Kooperationspartner zu finden, ist äußerst kom- pliziert gewesen. Nur das Kunstlabor schwarzekatze\weisserkater wollte es mit uns wagen. Von allen anderen im Kiez, die ich ange- sprochen habe, gab es nur Absagen“, beschreibt Heidemarie Sohnemann von der Lebenshilfe Berlin die Schwierigkeiten, aus dem Nebeneinander von Behinderten und Nicht-Behinderten ein Miteinander zu machen. Es sei definitiv eine wertvolle Erfahrung gewesen, sagt Ulli Schreier. Von Einblicken in eine andere Welt spricht er, wenn er sich an die Zusammenarbeit erinnert, und schwärmt von den Prozessen, die dabei entstanden: „Im Laufe der Zeit haben die Teilnehmer angefangen, mit den Bildern, die sie gemacht haben, Geschichten zu erzählen. Für mich sind das also ausstellung "neuköllner sicht-weisen", kunstlabor schwarzekatze/weißerkater neukölln, lebenshilfe ggmbhnicht nur Fotos, die wir nun ausstellen.“

Fast 50 Schwarz-Weiß-Aufnahmen sind es. Das Bild mit der Nummer 4 ist von Martin May und zeigt eine Kollegin, die in der Behindertenwerkstatt mit ihm zu- sammenarbeitet. Natürlich, sagt er, habe er nicht nur sie, sondern auch anderes fotografiert: „Aber das Bild hat mir am besten gefallen.“ Das Vertrauen der Frau in den Mann hinter der Kamera ist un- ausstellung "neuköllner sicht-weisen", kunstlabor schwarzekatze/weißerkater neukölln, lebenshilfe ggmbhübersehbar und macht als Kontrast zur Werkstatt-Peripherie den Reiz des Fotos aus. Für Martin May selber war es vor allem das Umdenken, das ihn reizte, am Projekt teilzunehmen. „Sonst fotografiere ich auch“, sagt er, „aber mit einer Digital-Kamera.“ Plötz- lich nur einen Film mit 36 Bildern zu haben, nicht mehr schnell löschen zu können, was verwackelt ist oder nicht gefällt, das sei schon ausstellung "neuköllner sicht-weisen", kunstlabor schwarzekatze/weißerkater neukölln, lebenshilfe ggmbh, katharina smaldinoeine große Umstellung gewesen. Und dann diese völlig andere Perspektive, die vom Sucher statt von einem Display be- stimmt wird.

Das Projekt, bei dem alle Fotografen die Werdegänge ihrer Bilder von der Aufnah- me bis zur Dunkelkammer miterleben konnten, erinnere sie sehr an einen Foto- ausstellung "neuköllner sicht-weisen", kunstlabor schwarzekatze/weißerkater neukölln, lebenshilfe ggmbh, dr. franziska giffey, katharina smaldinoKurs, an dem sie früher in der Schule teilgenommen habe, verriet Kulturstadträtin Dr. Franziska Giffey (l.) bei der Vernissage: „Allein durch das eigene Bearbeiten entstehen dann besondere Bilder.“ Und im Falle die- ser Ausstellung, lobte Giffey, würden sie die Vielfalt Neuköllns auf einzigartige Weise  widerspiegeln.

Auch Katharina Smaldino (r.), Beauftragte für Men- schen mit Behinderung im Bezirk, zeigte sich angetan von den Ergebnissen, die in der Schlussphase des einjährigen Workshops entstanden sind. „Ich versu- che gerade Geld für eine Fortsetzung des so wich- tigen Projekts aufzutreiben“, ließ sie die Teilnehmer wissen. Ein Hoffnungsschimmer.

Die Ausstellung „Neuköllner Sicht-Weisen“ ist noch bis Anfang Oktober zu sehen. Das Kunstlabor schwarzekatze\weisserkater in der Emser Str. 128 hat  morgen von 15 – 18 Uhr geöffnet. Weitere Termine können per E-Mail an info[at]schwarzekatzeweisserkater.de vereinbart werden.

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Ausbaufähig

Über ein Drittel der insgesamt 110 NACHTUNDNEBEL-Veranstaltungsorte sei barrierefrei oder -arm. Sie hätten die Betreiber der teilnehmenden Galerien, Ateliers und Läden für die Bedürf- nisse von Menschen mit Handicaps sensibilisiert und geeignete Zugänge zu den Locations angeregt, teilten die Organisatoren bei der Eröffnung des Festivals stolz mit. Was bedeutete das für Geh-, Seh- und Hörbehinderte, die Samstagabend die Neuköllner Kulturszene erkundeten? Waren sie zuhauf unter- wegs, beglückt darüber, dass endlich auch mal an sie gedacht wurde?

Die Vielzahl der barrierefreien Angebote werde für ihre Arbeit einen spürbaren Effekt haben, prognostizierte Katharina Smaldino (r.), die Behindertenbeauftragte des Be- nachtundnebel 2011, franziska giffey, claudia simon, katharina smaldinozirks, beim  Opening im Schiller- palais: „Anrufe von Menschen mit Behinderungen, die sich darüber beklagen, dass sie zwar gerne teilgenommen hät- ten, aber nicht teilnehmen konnten, werden so ausbleiben. Schon deshalb unterstütze ich das Festival gerne“, sagte Smal- dino. Zur Form der Unterstüt- zung sagte sie nichts, verlieh stattdessen zusammen mit Kulturstadträtin Franziska Giffey (l.) zwei Anerkennungs- preise an Galerien, die sich besonders für die Integration Behinderter engagiert hatten: Einen erhielt Claudia Simon (M.), die in ihrer Ladengalerie arm und sexy mit der Gruppenausstellung „Makellos“ auch Werke von Künstlern aus dem Umfeld der Psychosozialen Initiative Moabit e. V. zeigte. Der andere Preis wurde Conny Kraus und ihrem Mohnlicht Ladenatelier zugesprochen. Sie habe einerseits, erklärte die Künstlerin, „eigenhändig eine Rampe gebaut, die die 17 Zentimeter hohe Stufe zum Laden überwinden hilft“ und zum anderen die haptischen Reize ihrer eigenen Kunst- werke ausgelotet.

„Eine großartige Unterstützung war das auch wieder nicht, die ich geleistet hab“, räumte Katharina Smaldino heute selbstkritisch in einem Telefonat ein. Sie habe den Veranstaltern für Fragen zum Thema Barrierefreiheit zur Verfügung gestanden, die Preise für den Wettbewerb organisiert und das Festival zusätzlich über ihre Kontakte beworben, wobei der Fokus auf Vereinigungen für Seh- und Hörbehinderte gelegen habe. „Nun bin ich auf die Rück- meldungen gespannt“, sagt sie – wohlwissend, dass die eher bei Beschwerden als bei Lob kommen. Unterm Strich dürfe man man bestenfalls erwarten, dass der behindertengerechte Aspekt des Events das Signal an Betroffene aussendet, dass sie erwünscht sind und ein Bewusstsein für ihre Bedürf- nisse  geweckt wurde. „Mehr als einige Seh- und Hörbehinderte und zwei oder drei Rollstuhlfahrer werden es trotzdem nicht gewesen sein, die NACHTUNDNEBEL mitgemacht haben“, schätzt Katharina Smaldino die Resonanz realistisch ein.

Einer davon war im Kiez rund um den Richardplatz unterwegs – und somit wieder mal auf vertrautem Terrain, wie er betont. Dass beim Festival erstmals auf Barrierefreiheit geachtet wurde, war ihm weder bekannt, noch bei seinen Galerienbesuchen bewusst geworden. „Wenn ich irgendwo rein will, dann komm ich da auch rein!“, sagt er selbstsicher. „Andere dauernd um Hilfe bitten zu müssen ist zwar nicht schön, aber es gehört für mich schließlich zum Alltag.“ Das sah die Rollstuhlfahrerin, die sich durch den Schillerkiez schieben ließ, ähnlich. Rampen würden den Zugang zu den Locations zweifellos erleichtern, doch auch Stufen seien überwindbar – wenn ein paar Leute mit anpacken. Und so viel Hilfsbereitschaft gebe es eigentlich immer, oft sogar ohne an sie appellieren zu müssen: „Insofern sehe ich nicht, dass sich dieses NACHTUNDNEBEL vom vorherigen unterscheidet.“ Zumal auf die Piktogramme, die im Programmheft auf Barrierefreiheit hinwiesen, im Umkehrschluss nur bedingt zuverlässig waren. Will heißen: Verschiedene ungekennzeichnete Orte erwiesen sich beim Besuch als unerwartet hürdenlos.

„Es ist ein Anfang gemacht, von dem ich mir sehr wünsche, dass er auch auf das Sommer-Festival 48 STUNDEN NEUKÖLLN übergreift“, wertet Katharina Smaldino die Premiere. Indes wünscht sich mancher Veranstalter von der Behinderten- beauftragten, dass barrierefreie Event-Angebote offensiv in entsprechenden Einrichtungen angekündigt werden und die Zielgruppe erreichen. Das sei in der Tat etwas schwierig gewesen, weil sich der Beirat für Menschen mit Behinderungen als wichtigster Multiplikator wegen der Berlin-Wahl gerade neu formiere, gibt Smaldino zu. „Beim nächsten Mal wird das leichter“, verspricht sie. Schließlich soll aus dem „Gut gedacht“ ein „Gut gemacht“ werden.

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NACHTUNDNEBEL in Neukölln

Zum 10. Mal heißt es heute ab 18 Uhr in Neukölln NACHTUNDNEBEL: Über 130 Veranstaltungen hat das sechsstündige Kunst- und Kulturfestival zu bieten. Rund 110 Orte im Norden des Bezirks betei- ligen sich diesmal am herbstlichen Pen- dant zu 48 STUNDEN NEUKÖLLN; nach Auskunft der Organisatoren sind  etwa 40 Locations sind barrierefrei oder -arm und somit auch für die Besuche Kör- perbehinderter geeignet. „Das zeigt, wie groß die Bereitschaft ist, sich auf die Bedürfnisse von Menschen mit Handicap einzulassen“, erklärte Neuköllns Behindertenbeauftragte Katharina Smaldino im Vorfeld des Events.

Mobilität lag schon immer im Fokus des Festivals, das den Untertitel „Mit dem Chauffeur durch die Neuköllner Kulturszene“ trägt. Gecharterte Großraumtaxis kut- schieren die Besucher  zum Nulltarif auf zwei Routen von einem Veranstaltungsort zum anderen, von Ausstellung zu Lesung zu Per- formance zu Film zu Konzert zu Party und wieder zurück.

Abweichend von der Abbildung im gedruckten Pro- grammheft wurde der Verlauf der Süd-Route, die den Bereich unterhalb von Selchower-, Boddin- und Erkstraße bedient, leicht nachgebessert: Statt durchgehend die Schillerpromenade abzufahren, macht sie nun einen Schlenker in die Lichtenrader Straße, um die Besucher des Kunstschaufensters el41 und des LadenAteliers Brennan direkt vor der Tür absetzen zu können. Die Nord-Route führt durch den  Flughafen- und Reuterkiez. Der Knotenpunkt der Shuttledienste liegt vor dem Schillerpalais; dort wird das maßgeblich durch die STADT UND LAND Wohnbauten-Gesellschaft mbh gesponserte Festival auch um 18 Uhr offiziell von Franziska Giffey, Neuköllns Kultur-Stadträtin, und Katharina Smaldino eröffnet.

Dass es trotz eines verkehrsplanerischen Kraftakts nicht gelingen konnte, alle Veranstaltungsorte in die beiden NACHTUNDNEBEL-Taxi-Rundkurse zu integrieren, liegt in der Natur der Dinge. Deshalb hier – statt einer Top Ten – gleich 11 Locations, die etwas abseits der Routen liegen: Liesl (Süd17), Atelier Douglas Henderson (Süd22), Wohnzimmeratelier Lorilei (Süd33), Näh & Werk Studio (Süd41), Dritter Raum (Süd42), Agora (Süd50),  Sufi-Zentrum Berlin (Nord08), Atelierhaus Wiss- mannstraße – Werkstube Mo-Skito (Nord09), Bazara (Nord56), Klötze u. Schinken (Nord57) und DruckAtelier (Nord58).

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