Bis morgen wieder am Richardplatz: Weihnachtlicher Budenzauber mit internationalem und karitativem Flair

15 kleine Stände und ein Lautsprecherwagen bildeten 1972 den ersten Alt-Rixdorfer Weihnachtsmarkt, der inzwischen zu einer über alle Grenzen hinaus bekannten Institution im Veranstaltungskalender des Bezirkes geworden ist. „Ich bin ein bisschen neidisch auf diesen Weihnachtsmarkt. Er ist ein deutliches Zeichen des sozialen Zusammenhalts“, sagte Petr Hájek, Bürgermeister von Neuköllns Partnerstadt Usti nad Orlici gestern Abend zur Eröffnung des 46. Alt-Rixdorfer Weihnachtsmarktes auf der großen Musikbühne am Richardplatz, wo die Big Band des Albert-Einstein-Gymnasiums zum Auftakt spielte. Die tschechische Kreisstadt richtet selbst einmal jährlich ein großes Stadtfest mit internationalen Weiterlesen

Neuköllns Magistrale wird nach jahrelanger Pause wieder weihnachtlich illuminiert

Schon festlich geschmückt, aber noch unbeleuchtet ragte gestern, am Totensonntag, die Weihnachtstanne vor dem Rathaus Neukölln in den grauen November-Himmel. Doch heute Abend wird die Tanne mit 2.000 Lämpchen illuminiert. Auf dem Rathausturm sowie an den Bäumen rund um den Rathausvorplatz werden ebenfalls Lichter erstrahlen, die auf die Adventszeit einstimmen sollen.

Auch im bereits sanierten Bereich der Karl-Marx-Straße installierte das Bezirksamt an insgesamt 32 Straßenlaternen Weiterlesen

Märchenhaft nordisch

maerchen_weihnachtsmarkt-gutshof-britz_neukoellnÜber 50 Stände, viele Attraktionen, Live-Musik sowie Theater- und Bühnenstücke der Wanderbühne Cocolorus Budenzauber: Nach dem Alt-Rixdorfer Weihnachtsmarkt öffnet alljährlich für zwei Wochen-enden die Nordische Märchenweihnacht auf dem feuerschale_weihnachtsmarkt-gutshof-britz_neukoellnGutshof des Britzer Schlos-ses. Mit der Feuershow „Araga Mysteria“ klingt jeder Abend aus.

„Das Wetter ist genau richtig: Nicht zu kalt und nicht zu warm“, begrüßte Dr. Franziska Giffey, die als Bezirksbürgermeisterin auch der Kulturstiftung Schloss Britz vorsteht und mit der SPD-Abgeordneten Derya Caglar auf den Gutshof gekommen war, Weiterlesen

Mit Traditionen gebrochen

alt-rixdorfer-weihnachtsmarkt_neukoellnAuf den ersten Blick ist alles wie immer beim Alt-Rixdorfer Weihnachtsmarkt: Die Bäume auf dem Richardplatz sind beleuchtet, Menschenmassen drängen sich durch das Spalier aus Ständen, die von Petroleumlampen illuminiert sind, und das Bühnenprogramm  nordet musikalisch in Richtung Besinnlichkeit ein.

Bei genauem Hinsehen ist aber doch nicht alles wie immer: Die Glühbirnen in den Bäumen haben ausgedient und wurden – der Bezirkskasse und der Umwelt zuliebe – durch 1.500 LED-Leuchten substituiert. Der Budenzauber erstreckt sich nun bis Weiterlesen

Maronen-Ernte am Sasarsteig als Zukunftsvision

sasarsteig_stadtbaum berlin_ev schule neukoellnWeil die Kinder der Evangelischen Schule Neukölln und auch ihre Eltern es so wollten, hat die Rosskastanie auf dem Platz am unteren Ende vom Sasarsteig seit gestern esskastanie_stadtbaum berlin_ev schule neukoellneine Nachbarin: eine Esskastanie. Noch ist das dreibeinige Holzge-stell, das sie stützt, zwar auffälliger als die Neue selber, doch das wird sich im Laufe der Zeit ändern.

Der Standort sei gut, ebenso das Granulat, in dem der aktuell rund 4 Meter hohe Baum wurzeln soll, sagt Derk Ehlert, der Wildtierexperte und Pressereferent von der Senatsverwaltung für Stadtent-wicklung und Umwelt. Die Bedingungen für einen „Jahrestrieb zwischen 40 und 60 Zentimetern“ seien also günstig: „Ausgewachsen erreicht eine Esskastanie dann locker 20 bis 30 Meter.“ Etwa ein Weiterlesen

Unter schönem Schein

rixdorfer weihnachtsmarkt neukoellnAm zweiten Advents-Wochenende – und wirk-lich nur an dem – lässt der Rixdorfer Weih-nachtsmarkt seit eh und je die Menschen zum Richardplatz strömen. Gestern Nachmit-tag wurde er zum 43. bzw. 42. Mal eröffnet, am morgigen Abend ist er wieder vorbei. Vorher gibt es noch heute von 14 bis 21 und morgen von 14 bis 20 Uhr Gelegenheiten, die von Petroleumlampen beschienenen An-gebote der 220 Stände in Augenschein zu nehmen.

Vorboten des Höhepunkts

weihnachtsbaum_rathaus neuköllnMittwoch sah die Nordmanntanne vor dem Neu-köllner Rathaus, die im dänischen Them 12 Meter hoch wuchs, noch wenig festlich aus. Jetzt aber ist sie vom Netz befreit und mit einer Lichterkette geschmückt; seit gestern stehen außerdem vier kleinere Bäume auf der oberen Plattform des Rat-hausturms. Noch weihnachtlicher wird es Mitte nächster Woche, wenn 60 Schwibbögen von mor-gens bis Mitternacht in den Bürofenstern leuchten und illuminierte Weihnachtstransparente zwischen den Fahnenmasten hängen. Der Höhepunkt des Advents im Bezirk bricht allerdings erst am 4. De-zember an: Dann eröffnet Weiterlesen

Antizyklisch

Könnte man meinen. Doch es sind nur noch gut sieben Monate, bis die Kluft auf dem Alt-Rixdorfer Weihnachtsmarkt  wieder gebraucht  wird. Sie schonmal  kräftig durchzu-lüften, ist  also auf keinen Fall dumm. Und wenn das – wie hier  am Richardplatz – für

weihnachtsmann-kostüm-lüftung_richardplatz neukölln

alle gut sichtbar geschieht, werden gleich noch alle, die in diesem Jahr nicht wieder zu den Last-Minute-Geschenke-Shoppern gehören wollen, an ihren Vorsatz erinnert.

Alles wacht, einer schläft

Es weihnachtsmarktelt vor sich hin in Neukölln: Letztes Wochenende der Rixdorfer Weihnachtsmarkt, dieses und auch noch nächstes die Nordische Märchenweihnacht auf  dem Gutshof  Britz. Dazu kamen gestern der  1. Weihnachtsmarkt  in  der  August-

weihnachtsmarkt körnerpark neukölln

Heyn-Gartenarbeitsschule und das von Neuköllns Sozialstadtrat Bernd Weiterlesen

Das Wann und Aber des Rixdorfer Weihnachtsmarkts

plakat 42. alt-rixdorfer weihnachtsmarkt_neuköllnAb morgen geht es wieder rund auf dem Richardplatz. Um 17 Uhr eröffnen Bezirks- bürgermeister Heinz Buschkowsky und Viola Kennert, die Superintendentin des Evangelischen Kirchenkreises Neukölln, den Alt-Rixdorfer Weihnachtsmarkt. Zum 42. Mal findet der inzwischen statt, so steht es jedenfalls auf den Plakaten und wird es höchstwahrscheinlich auch bei der Eröff- nung behauptet werden. Aber … Zu dem, was in Manfred Motels „Chronik von Rixdorf“ zu lesen ist, mag die Zahl so gar nicht passen: „Dezember 1974: Rund um die alte Dorfschmiede findet  zum ersten Mal der Rixdorfer Weihnachtsmarkt statt“, hält das Heft, das zum 100. Weiterlesen

Gesundheit!

Alexander Tschöpe, der seit fast drei Jahren in seiner  Ma Tsun Kuen Schule Neu- kölln Tai Chi lehrt, würde ja gerne. Doch trotz offener Haustür lässt sich niemand blicken, dem nach einer  halbstündigen, kostenlosen  Tai Chi-Lektion mit  zwei  Übun-

ma tsun kuen schule neuköllntai chi_ma tsun kuen schule neuköllntai chi_ma tsun kuen schule_neukölln

gen zum  Loslassen zumute ist. Ob es daran liegt, dass alle eigentlich Interessierten um diese Zeit arbeiten müssen oder gar nicht vom Gesundheitstag im Weiterlesen

Nomen est omen – eher Ausnahme als Selbstverständlichkeit

zierkirschenblüte_parchimer allee_neukölln-britzWas momentan passiert, kommt nur alle Jubeljahre mal vor: In Britz stehen die Zier- kirschen in voller Blütenpracht während in dem Neuköllner Ortsteil ein Volksfest na- riesenosterhase_60. britzer baumblüte_berlin-neukoellnmens Britzer Baum- blüte stattfindet.

Es war 1927, als in einigen Straßenzü- gen der Hufeisen- siedlung weiß und rosa blühende Zierkirschen angepflanzt wurden. Ein Vierteljahrhundert später bekam Britz ob der ge- meinhin ab Anfang Mai imposant ausschlagenden Bäume den Beinamen „Werder von Westberlin“. 1954 Weiterlesen

Pflicht, Kür und ein Geschenk für den Weihnachtsmann

weihnachtsbaum_adventsbasar körnerpark_neuköllnAuf den ersten Blick gibt es nur wenig Gemeinsames zwischen dem Alt-Rixdorfer Weihnachtsmarkt auf dem Richardplatz und dem Weihnachtsbasar im aufbau_adventsbasar körnerpark_neuköllnKörnerpark: Ersterer dauert drei Tage, hat eine lange Tradition und ist ein Besucher-Magnet. Letzterer ist nach drei Stunden vorbei, eher familiär und gemütlich, und gestern fand er erst zum 7. Mal statt. Was jedoch beide eint, ist, dass kommerzielle Anbieter keine Chance haben, einen der Marktstände zu ergattern, wobei die des Weihnachtsbasars im Körnerpark fast durchweg sozialen oder Weiterlesen

Gipfel der Gegensätze

Wie sich die Bilder doch so gar nicht glichen: Noch Freitag, am Eröffnungstag, waren die – unaufgebauten, -bestückten und -dekorierten – Stände den Besuchern zahlen- mäßig klar überlegen. Ganz anders sah es dagegen gestern, als Sturmtief  Xaver sich verzogen  hatte, auf  dem Neuköllner  Richardplatz  aus. Von den etwa  140 Stän-

besuchermassen_41. alt-rixdorfer weihnachtsmarkt_neukölln leerer stand_41. alt-rixdorfer weihnachtsmarkt_neukölln

den waren nur wenige immer noch frei von verkäuflichem Handgearbeitetem und Kulinarischem in fester oder flüssiger Form, und die Menschen schoben sich dicht an dicht über den 41. Alt-Rixdorfer Weihnachtsmarkt. Heute ist er von 14 Weiterlesen

Nicht zu spät, sondern zu früh

Noch am 1. Adventssonntag war es zappenduster in den Bäumen auf dem Richard- platz, am 2. und 3. Dezember auch. Ob es wohl vor dem Alt-Rixdorfer Weihnachts- markt, der hier traditionell am 2. Adventswochenende stattfindet, überhaupt noch was wird mit der Weihnachtsbeleuchtung werden wird oder ob sie aus dem Haus- haltsplan gestrichen wurde, fragte sich schon  mancher. Aber seit  gestern ist nun un-

neukölln_richardplatz mit weihnachtsbeleuchtung

übersehbar: Dem Richardplatz sind auch in diesem Jahr wieder tausende weih- nachtlicher Lichter aufgegangen. Für den langjährigen Weihnachtsmarkt-Sachbear- beiter des Neuköllner Bezirksamts dürfte das allerdings fast ein wenig zu früh sein: Die Bäume würden immer erst zum Weihnachtsmarkt beleuchtet werden, erklärte der Montag im Brustton der Überzeugung auf Anfrage. Es könne also gar nicht die Rede davon sein, dass man in diesem Jahr spät dran sei.

(2008 fand der Alt-Rixdorfer Weihnachtsmarkt vom 5. bis 7. Dezember statt.)

Aus der Bedeutungslosigkeit aufgetaucht

Zweimal im Jahr, öfter sind sie nicht am Richardplatz. Obwohl sie seit Jahrzehnten in Neukölln leben, im südwestlichsten Zipfel. Gestern war das erste der beiden Male in diesem Jahr. Der  Laternenumzug am Martinstag um den Richardplatz  sei der stim-

st. martinsumzug_richardplatz neukölln

mungsvollste überhaupt, finden sie, und ihre Kinder und deren Kinder sehen das genauso. „Am zweiten Dezember-Wochenende zum Rixdorfer Weihnachtsmarkt sind wir wieder hier“, weiß die Familie aus Buckow schon jetzt. Danach wird der Ri- chardplatz für sie für fast ein Jahr erneut bedeutungslos.

Neukölln – Ústí nad Orlicí – Neukölln

Usti nad Orlici_StadtfestEs hat Tradition, dass eine Delegation der Freunde Neuköllns in die tschechische Part- Stadtfest_Usti nad Orlicinerstadt Ústí nad Orlicí reist, um dort am Stadtfest teilzu- nehmen. Am zwei- ten Juni-Wochen- ende war es wieder soweit. Auch drei Nachfahren einst nach Rix- dorf eingewanderter böhmischer Glaubensflüchtlinge hatten sich diesmal der Gruppe angeschlossen: Sie wohnen heute nicht nur in Neukölln, sondern auch in Biesenthal Hochwasser 2013_Tschechienund Braunschweig.

Dramatische Ereignisse verhinderten eine pünkt- liche Ankunft der Neuköllner in Ústí nad Orlicí. Zwei Stunden länger als üblich brauchte der Zug, Region Usti nad Labemder wegen Überflu-tungen im südli- chen Brandenburg, in Sachsen und be- sonders in der Region um Ústí nad Labem nur Schritt- tempo fahren konnte. Karel Pokorny, der Chefredakteur der Lokalzeitung Orlicky Denik, musste folglich eine Weile auf seine Gäste warten. Bei dem Gespräch mit ihm ging es vor allem um den örtlichen Arbeitsmarkt und die Nachnutzung des Areals der ehemaligen Textilfabrik Perla, die einst auch den Schlafanzug der Queen nähte und bei der vor ein paar Jahren 800 Beschäftigte ihren Job verloren. Das Abendessen im Hotel Uno wurde zusammen mit Mitgliedern des Chors Alou Vivat eingenommen, der schon in Neu- Aussichtsturms Andrluv Chlumkölln war, um beim Rixdorfer Weihnachtsmarkt aufzutreten.

Auf dem Besuchsprogramm des nächsten Tages standen der Flugplatz und ein Abste- cher in den Vorort Cernovir, wo Ende August wieder das Rolovani als tschechisches Pen- dant zum Rixdorfer Strohballenrollen Popráci stattfindet. Nach der Besteigung des Aus- sichtsturms Andrluv Chlum, die mit einem grandiosen Überblick belohnt wurde, ging Rathaus Usti nad Orlicies zum traditionellen Stadtfest auf dem zentralen Platz des Friedens. Zuvor aber wurde die Delegation aus Neukölln im Rathaus von Ústí nad Orlicís Bürgermeister Petr Hajek (3. v. r.) und seinem Stellvertreter Zdenek Espandr (4. v. r.) empfangen.

Horni CermnaAm Sonntag stand bereits am frühen Morgen die Abfahrt zum Ausflug nach Horní Cermná auf dem Programm. Aus diesem 1.000-Seelen-Ort stammen die meisten protestan- testantischen Glaubensflüchtlinge, die seinerzeit nach Rix- dorf gekommen waren. Nach dem zweisprachigen Gottes- dienst wurden die Neuköllner von der Gemeinde zu Kaffee und selbstgebackenem Kuchen eingeladen. Gemeinsam Grundschule Horni Cermnawurden anschließend die Grundschule und die auf dem 491 Meter hohen Marienberg erbaute Wallfahrtskirche Klein-Mariazell an der europäischen Wasserscheide zwischen Nordsee und schwarzem Meer besucht. Extra für die Gäste verwandelte sich die Dorfschänke von Horní Horni Cermna_Bürgermeisterin Hana MotlovaCermná zum Res- taurant, in das Bür- germeisterin Hana Motlova (r.) zum Mittagessen ein- geladen hatte. Hieran nahmen auch drei ehemalige Bürgermeister des Ortes teil – darunter Petr Silar, der inzwischen Mitglied des tschechischen Senats und Abgeordneter im Regionalparlament ist. Nach der Besichtigung des Heimatmuseums in Dolni Cermná, Heimatmuseum Dolni Cermnadessen Ausstellungs- stücke von den Anwoh- nern stammen und das auf dringend auf größere Räume hofft, wurde eine pensionierte Lehrerin besucht, die früher viele Schüler-Austausche zwischen den bei- den Partnerstädten organisiert hatte. Auf dem Rückweg machte die Gruppe noch beim Kloster auf dem Mut- tergottesberg nahe Kraliky und an einem Stausee Halt. Das Abendessen wurde in dem frisch restaurierten Fort Tvrz in Letohrad eingenommen.

Am letzten Tag ging es beim Gespräch mit einer Lehrerin des Gymnasiums in Ústí nad Orlicí erneut um das Thema Schüler-Austausch. Von 1993 bis 2007 wurde der zwischen der tschechischen Schule und der Neuköllner Clay-Oberschule prak- tiziert, von 1993 bis 2004 auch mit dem mit dem Albert-Einstein-Gymnasium. Wie es gelingen könnte, ihn zu reaktivieren, war der zentrale Punkt der Zusammenkunft, der Litomyslsich eine Stippvisite in der malerischen Friedrich Schloss LitomyslSme- tana-Stadt Litomysl anschloss, die be- sonders mit dem imposanten Schloss mit seiner außerge- wöhnlichen Sgraffi- to-Fassade zu beeindrucken wusste. Letzte Station auf dem Programm war schließlich eine Führung durch die Pädagogische Schule, in der Erzieherinnen und Erzieher schwerpunktmäßig in Musik, bildender und darstellender Pädagogische Schule LitomyslKunst ausgebildet werden. Überall in der Schule, selbst auf dem Dachboden, gibt es hier die Möglichkeit zur Präsentation eige- ner Werke.

Im nächsten Jahr kann die Städtepart- nerschaft zwischen Neukölln und Ústí nad Orlicí ihr 25-jähriges Bestehen feiern: Auf der Rückfahrt entwickelten die Freunde Neuköllns die Idee, anlässlich dieses Jubi- läums eine böhmische Linde in der tsche- chischen Partnerstadt zu pflanzen. Mal sehen, ob der Vorschlag eine Mehrheit bei den Mitgliedern findet. Ein Plätzchen würde sich sicher finden lassen.

=Bertil Wewer=

Ein Altersruhesitz für Praktisches und sinnloses Schönes

birgitt claus_eßkultur berlin_neuköllnNicht nur in Deutschland, auch in Neu- kölln hat sich manches verändert seit Birgitt Claus, die Ex-Krankenschwester und spätere Lehrerin für Ernährungs-wissenschaften, das Abenteuer Selbst-ständigkeit begann und ihre Ein-Frau- Firma beim Gewerbeamt anmeldete: An diesem 1. Juni 1998 hatte man bun- desweit schriftsprachlich noch Streß, wurde geküßt oder setzte einen Schluß– punkt – und  Neukölln hatte noch eine diplomatische Vertretung am Richardplatz. Erst Jahre später gab der Rechtsanwalt im Nachbarhaus des jungen Unternehmens mit dem programmatischen Namen kultur seine Tätigkeit als Honorarkonsul von Benin auf. Nur zwei Monate später handtuch-transparent_esskultur neuköllntrat die Rechtschreibreform in Kraft, die regelte, dass das ß nach einen kurzen Vokal fortan durch ein Doppel-s zu ersetzen sei. An dem Eigennamen kultur, unter dem seit nunmehr 15 Jahren Kochkurse, Caterings, kulinarische Lesungen und Reisen veranstaltet wer- henkelmann-sammlung_eßkultur berlin_schaudepot neuköllnden, konnte das nicht rütteln.

Vor fünf Jahren sicherte sich Birgitt Claus mit der Gründung des Sammlung Esskultur e. V. auch die heutzutage orthografisch korrekte Schreibweise des Begriffs. Damals, blickt sie zurück, habe sie angefangen, Objekte zu sammeln, die die Kulturgeschichte des eröffnung_schaudepot neuköllnEssens erzählen: „Irgendwann soll mal ein richtiges Museum daraus werden.“

Bei der Feier des 15-jährigen Firmenjubi- läums legte sie mit der Eröffnung des Neu- köllner Schaudepots den Grundstein dafür. „Jahrelang mussten wir die vielen Küchen- sachen, die uns bisher gespendet wurden, im Keller aufbewahren, bis der völlig über- birgitt claus_rührbesen_schaudepot neuköllnfüllt war“, erzählt die 48-Jährige. Eine umfangreiche Henkelmänner-Kollek- tion, das auf einer Kohle- oder Gasflamme zu betreibende Backwunder, Rührutensilien unterschiedlichster Epochen, Aufbewahrungsbehältnisse, ein stromlos funktionierender kühlschrank_schaudepot neuköllnKühlschrank – all das kann nun in ebenerdigen Räumen im Hof des Firmensitzes präsentiert werden. „Früher waren das Stallungen“, sagt Birgitt Claus, immer noch glücklich darüber, dass schaudepot neukölln_sammlung esskulturihr die Stadt und Land als Eigentümerin das ungenutzte, unter Denk- malschutz stehende Gebäude zu einem außerordent- lich fairen Mietzins überließ:  „Es muss zwar noch viel improvisiert werden, weil noch einiges zu machen ist, neue Fenster zum Beispiel, aber es ist absehbar, dass wir bald Räume haben, wie wir sie uns vorstellen.“ Schön im landläufigen Sinne sind die wahrlich nicht, doch sie haben Charme und Geschichte und passen damit perfekt zu den Exponaten. Und sie bieten auch größeren Objekten, die unabdingbar zum Essen gehören, Platz. „Zum Beispiel für eine alte Kücheneinrichtung aus der Hufeisensiedlung. Die zu bekomsalzstangen-halter_sammlung esskultur neuköllnmen, wünsche ich mir sehr.“

Andere Wünsche der kultur-Chefin, die inzwi- schen über 30 Mitarbeiter beschäftigt, sind kleiner: „Die älteste Konservendose der Welt und einen Sonja-Kaffeefilter aus der DDR suche ich noch.“ Ebenfalls immer willkommen sind Salzstangen-halter, die zur Erweiterung der vielen bereits vor- handenen Exemplare beitragen und langfristig die größte Salzstangenhalter-Sammlung der Welt er- piccolo-sammlung_sammlung esskultur neuköllngeben sollen. „Wir sammeln eben nicht nur Praktisches, sondern auch sinnloses Schönes.“

Was ein solcher Aufruf bewirken kann, ist Birgitt Claus durchaus bewusst. Sie führt in den Keller, der immer noch vor küchenkulturellen Schätzen überquillt, und deutet auf das Regal mit der Piccolo-Sammlung. Das Haushaltsgerät, das im Grunde nur aus einem Motor bestand, der mit verschiedensten Aufsätzen vom Entsafter bis zum Staubsauger eingesetzt werden konnte, sei früher als „der kleine Freund der Hausfrau“ vermarktet worden, erzählt sie. „Nachdem ich in der SWR-Fernsehsendung ‚Sag die Wahrheit‘ von unserem  Museum für Esskultur und der  Suche nach dem  Blattläuse-Aufsatz für

plätzchen-ausstecher_sammlung esskultur neukölln kaffeekannen_sammlung esskultur neukölln

einweckglas_sammlung esskultur neuköllnden Piccolo berichtet hatte, wurden wir förmlich mit Piccolos überhäuft.“ Ein Mit- arbeiter sei daraufhin erstmal kreuz und quer durch Deutschland gefahren, um Küchenmaschinen bei den Spenderin- nen abzuholen. Die Geschichten über oft jahrzehntelange treue Dienste des multi-funktionalen Helfers brachte er eben- falls mit: „Schließlich geht es uns nicht nur die Objekte, sondern wir wollen auch die  Geschichten  dahinter  erfahren und

ungeklärtes_sammlung esskultur neukölln unausgepacktes_sammlung esskultur neukölln

ddr-picknickkoffer_sammlung esskultur neuköllnweitererzählen können.“ Auch die sollen als Teil der Esskultur erhalten bleiben statt in Vergessenheit zu geraten.

Birgitt Claus zieht einen Koffer aus einem der Regale und öffnet ihn. Mit dem ver- bindet sie eine äußerst persönliche Ge- schichte: „Das war der Picknick-Koffer meiner Eltern und zugleich der Flucht-Koffer, mit gartenfest_15 jahre eßkultur berlin_neuköllndem sie acht Tage vor der Maueröffnung die DDR verlassen haben.“ Der Inhalt sei folglich nicht mehr authentisch.

An fünf Tagen pro Jahr wird das Neuköllner Schau- depot künftig geöffnet sein: Während der 48 Stunden Neukölln und des Rixdorfer Weihnachtsmarkt können sich die Besucher dann die gesammelten Zeitzeugnisse der Ess- und Küchenkultur ansehen, kündigt Birgitt Claus an. Nur mit der Öffnung beim diesjährigen Kunstfesti- val wird es leider noch nichts werden.

=ensa=

Wie die Zeit vergeht …

„Das kann doch wohl nicht sein, dass die es immer noch nicht geschafft haben, die Weihnachtsbeleuchtung  aus  den  Bäumen zu holen“, empört  sich  eine  Anwohnerin

weihnachtsbeleuchtung richardplatz_neukölln

des Richardplatzes. Die Adventszeit ist längst vorbei, der Alt-Rixdorfer Weihnachts- markt noch länger her. „Besser werden die Kabel und Glühbirnen dadurch bestimmt nicht“, ist die Frau überzeugt. „Aber Neukölln hat’s ja.“

Einige hundert Meter Luftlinie entfernt, in einer Parallelstraße der Karl-Marx-Straße, hängt derweil an einem Strauch in einem Hinterhof  noch der Osterschmuck vom letz-

ostereier im winter_neukölln

ten Jahr. Nur noch zwei Monate, dann sind die bunten Plastikeier wieder aktuell.

… 24 … Oder: Wann fängt Weihnachten an?

kutschen-schöneDas größte Türchen, wie bei han- delsüblichen Schoko-Adventska- lendern, wird hier heute nicht ge- öffnet. Stattdessen schieben wir zur Feier des Tages dieses an- heimelnd dekorierte Fenster ei- nen Spaltbreit auf. Was ist wohl dahinter? Das fragten sich viele, die während des Alt-Rixdorfer Weihnachtsmarktes über den Hof von Kutschen-Schöne, in den es zeigt, schlenderten. Geht es da- hinter so beschaulich zu, wie durch die in weichen Falten fal- lende Gardine, das warme Licht und die aus buntem Transparent- papier gebastelte Kerzengalerie suggeriert wird? Oder liegen gar  Welten zwischen dem Anschein und der Realität? Gehört das Fenster womöglich zu einem Büro? Befindet sich in dem Zimmer eine Hochglanz-Hightech-Küche? Lebt dort eine alte Dame, die ein Fall fürs Pflegeheim wäre, würde ihre Familie sich nicht liebevoll um sie kümmern? Schützt die Gardine vor unerwünschten Einblicken in ein unauf- geräumtes, mit Star Trek-Fanartikeln vollgestopftes Jugendzimmer?

Das stimme alles nicht, weiß Martina Rosenthal-Schöne, die das traditionsreiche Fuhrunternehmen am Neuköllner Richardplatz zusammen mit zwei Familienmitglie- dern in 5. Generation leitet: „Das Fenster gehört zur Wohnung unserer Mieter, und die haben dort ihren gemütlichen Essplatz.“

Wir wünschen schöne, friedliche Festtage ohne unliebsame Bescherungen und möchten schon jetzt darauf hinweisen, dass es auch in diesem Jahr hier wieder ein Zwischen-den-Jahren-Gewinnspiel geben wird. Und allen, die sich schon immer gefragt haben „Wann fängt Weihnachten an?“, empfehlen wir das wundervolle gleichnamige Gedicht von Rolf Kremer:

„Wenn der Schwache dem Starken die Schwäche vergibt,
wenn der Starke die Kräfte des Schwachen liebt,
wenn der Habewas mit dem Habenichts teilt,
wenn der Laute bei dem Stummen verweilt
und begreift, was der Stumme ihm sagen will,
wenn das Leise laut wird und das Laute still,
wenn das Bedeutungsvolle bedeutungslos,
das scheinbar Unwichtige wichtig und groß,
wenn mitten im Dunkeln ein winziges Licht
Geborgenheit helles Leben verspricht,
und du zögerst nicht, sondern du gehst,
so wie du bist, drauf zu, dann,
ja, dann fängt Weihnachten an.“

In diesem Sinne …