Die Endlichkeit der Möglichkeiten, Platz für das Aushängeschild Neuköllns zu erhalten

kunstraum t27 neuköllnWie viele Galerien, Ateliers und kulturelle Projekträume es in Neukölln genau sind, die schon wegen unbezahl-barer Mieterhöhungen oder der Kündigungen ihrer Mietverhältnisse aufgeben mussten, sei „ganz schwer zu sagen“, muss Dr. Martin Steffens zugeben. Selbst er, der als langjähriger Leiter des Kunstfestivals 48 Stun-den Neukölln bestens in der Szene vernetzt ist, hat keinen belastbaren Überblick darüber, wer warum seinen Standort im Bezirk verlassen hat. Dass einige oder gar viele schlichtweg keine Lust mehr auf Neukölln oder die Existenz als Kunstschaffende hatten, kann und will Steffens nicht ausschließen.

Sehr genau weiß er jedoch, weshalb es den kunstraum t27 nun nicht mehr in der Thomasstraße gibt. „Uns ist regulär gekündigt worden“, sagt Martin Steffens, der auch Vorsitzender des Kunstvereins Neukölln ist, der wiederum die Weiterlesen

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Klappe für Klapp

Vierzig Jahre lang stand er Tag für Tag zwischen Tabakwaren, Lottoscheinen, Eis, Süßigkeiten, Zeitungen und Zeitschriften hinter dem Tresen seines Ladens an der Hermannstraße. Das reicht, findet  er, und auch seine Frau ist  der Meinung, dass  ih-

presse klapp_hermannstraße neukölln

nen ein wenig mehr Zeit für Zweisamkeit gut täte. Seit Montag haben sie die, denn Samstag öffnete Herr Klapp sein Geschäft zum letzten Mal. Er freue sich auf den neuen Lebensabschnitt, mochte aber auch den vorherigen sehr, sagte er: „Zu den Verdrängten gehöre ich jedenfalls nicht.“

In Sichtweite – und darüber hinaus

waffelkaffel-umzug_neuköllnEnttäuschung dürfte sich auf die Mienen derer legen, die nur ab und zu ins Waffelkaffel kamen. Und nun: In der Schillerpromenade, zwischen Hermann-straße und Tempelhofer Feld, wo bisher das kleine Café war, ist das Schaufenster abgeklebt. Selbst der Wegweiser zum neuen Domizil wurde inzwischen entfernt. Wobei der auch nur bedingt hilfreich war: Wer es mit detektivischem Spürsinn nach dem Tag des Sommeranfangs geschafft hat, die Herrfurthstraße 9 als Ziel zu entlarven, konnte dort, wo sich ein Gastro- nomiebetrieb an den anderen reiht, zwar auf ein offenbar neu eröffnetes Café stoßen, aber weit und breit kein Waffelkaffel sehen. Aus gutem Grund, denn Weiterlesen

Bildungsurlaub im eigenen Kiez

Sehr schön seien sie gewesen, die Tage mit der Enkeltochter, erzählt die Frau strah- lend dem Mann hinter dem Käsestand auf dem Wochenmarkt. „Sie glauben ja gar nicht, was man  von so einer  20-Jährigen alles  lernen kann. Das war  wie  Bildungs-

Free WiFi_neukölln

urlaub für mich.“ Ob er zum Beispiel schon die Free WiFi-Schriftzüge an manchen Ca- fés und Kneipen im Kiez bemerkt habe, fragt sie. Er schüttelt den Kopf. „Ich dachte bisher, dass die für einen Film Reklame machen.“ Free Willy, den Weiterlesen

Unter Hipstern: Mit Uli Hannemann zu den Kreuzköllnern

Ich hatte ja ein bisschen gehofft, denjenigen bei der Buchpräsentation von Uli Hannemanns erstem Roman „Hipster wird’s nicht“ zu treffen, der mich Neuköllnerin uli hannemann_heimathafen neuköllnauf diesen Autor gebracht hat: ein Kreuz- berger mit Geschmack und der gleichen Vorliebe für Hipster-Lästereien. Das Publi- kum vorgestern Abend im Heimathafen Neukölln sah auch irgendwie nach Kreuz- berg aus – ab 30 aufwärts und mehr oder weni- ger intellektuell wirkend. Nicht ein Hipster in Sicht. Für mich ein guter Start in den Abend.

Es wurde so voll im Saal, dass den begeisterten Zuhörern sogar die Ränge geöffnet wurden. Immer wieder lachend und klatschend, lauschten wir alle der Weiterlesen

„Man darf nur nicht den Geigerzähler dranhalten“

Juliane Beer_Kreuzkölln Superprovisorium„Just in dem Moment rief aus Paderborn die Groß- mutter an, bei der Sam aufgewachsen war. Die Versorgerin, wie Sam sie nannte, seit sie dem Standquartier ihrer Kindheit und Jugend entkom- men war. Als könnte die alte Dame die Szene durchs Telefon mit ansehen, beschwor sie ihre Enkelin, sie möge zur Vernunft kommen und endlich aufhören, sich die Welt in Fehlfarben aus- zumalen. Andernfalls würde es böse mit ihr enden, bevor überhaupt irgendetwas begonnen hatte. Wäre es nicht vielmehr an der Zeit, Marlon, den Freund aus großbürgerlichem Hamburger Haus, zu heiraten? Eine gut bezahlte Stelle würde der bald antreten, was das anging, war die Versorgerin zu- versichtlich.“

Nicht nur, was letzteres betrifft, lag Sams Großmut- ter mit ihren Visionen weit daneben: Die Beziehung zwischen Samanta Wellner, der Enkelin, und Marlon hielt nicht mal zwei Jahre. Gut zwei Jahrzehnte später beginnt die eigentliche Handlung von Juliane Weiterlesen

Tür ist offen!

2_seniorentheatergruppe sultaninen_nachbarschaftsheim neuköllnMit Frau Yildirim hat Kerstin Schneider leichtes Spiel. Die Tür zur Wohnung der gehbehinderten Rentnerin steht – wie meistens – offen. Deshalb muss die Wohnberaterin nicht mal klingeln, um Frau Yildirim den Umzug in eine schöne, sonnige Wohnung mit allem Komfort schmackhaft zu machen. Um sie herum würden nur Menschen ihrer Peergroup leben, schwärmt Kerstin Schnei- der. Weil Frau Yildirim aber mit dem Begriff nichts anzufangen weiß und sich ihre Zukunft in einer Biergruup weder vorstellen kann noch will, spricht die Wohnberaterin dann doch das Wort „Alten- heim“ unverblümt aus. Wenig später ist der Ver- trag unterschrieben, der Umzug besiegelt, und der Luxus-Sanierung Weiterlesen