„Unsere Erinnerungskultur ist keine Schande“

Einst war die Neuköllner Synagoge in der Isarstraße das religiöse und kulturelle Zentrum von mehr als 2.000 Rixdorfer Jüdinnen und Juden. Als jedoch die spd-gedenken-auschwitz_synagoge-neukoellnNationalsozialisten in ganz Deutschland am 9. No-vember 1938 gewalttätige Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung initiierten, bei denen Geschäfte und Wohnungen geplündert und zerstört wurden, war auch die Neuköllner Synagoge von diesem organisierten Pogrom betroffen.

Gestern, am 27. Januar, erinnerte die SPD Neukölln mit einer Gedenkfeier vor der ehemaligen Syna-goge an den 72. Jahrestag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz. „Jedes Jahr gibt es weniger Zeitzeugen, die der Nachwelt vom Gräuel der national-sozialistischen Verbrechen berichten können“, sagte die Weiterlesen

„Es gibt immer mehr Menschen, die mit dem Wort Demokratie nichts mehr anfangen können“

„Der Wert eines Dialogs hängt von der Vielfalt der konkurrierenden Meinungen ab“, mit diesem dem Philosophen Karl Popper zugeschriebenen Zitat begrüßte gestern Abend im plakat-aktion-n_heimathafen-neukoellnHeimathafen Neukölln Ofer Waldman als Moderator ein mit Experten gut besetztes Podium zu einem Gespräch über „Strategien gegen Rechtspopu-lismus“. Ein Zitat, das wie eine Binsenwahrheit klingt: Ofer Waldman, der in Jerusalem geboren wurde, zum Musikstudium nach Berlin zog und hier seit 2015 als freier Autor für Deutschlandradio arbeitet, kam es aber im Saalbau nicht unbedingt leicht über die Lippen.

Das Podiumsgespräch war der finale Programmpunkt einer Sonderveranstaltung namens „Aktion N! Es lebe die Demokratie!“, die zusammen mit Stolperstein-Verlegungen in Neukölln stattfand. Zur Geschichte des Theatersaales gehört nämlich, dass während der NS-Zeit im Saalbau das Eigentum von deportierten jüdischen Neuköllnern gelagert und verkauft Weiterlesen

Zu Wasser und Lande: Erinnerungen an einen Rütli-Schüler

Zuerst war nur der Gedanke, dass es auch einfach eine Namensgleichheit sein könnte. Doch ein Anruf bei dem Schiffseigentümer, der Angel und Seetouristik GmbH, kutter-hanno-guenther_warnemuendebrachte die Gewissheit: Der 1949 erbaute Fischkutter „Hanno Günther“, der vom Alten Strom in Warnemünde aus regelmäßig zu Angel-Törns in See sticht, wurde tatsächlich nach dem Widerstandskämpfer aus Neukölln benannt.

Hanno Günther war in den 1920er Jahren Schüler der Neuköllner Rütli-Schule und gründete zur Nazizeit, während er eine Bäcker-Lehre machte, eine Widerstands-gruppe. Nach deren Aufdeckung wurde er im Dezember 1942, mit  Weiterlesen

Bücherverbrennungen – in der Antike aufgekommen und noch in der Gegenwart praktiziert

Das Museum Neukölln startete kürzlich begleitend zur Jahresausstellung „Die Magie des Lesens“ eine fünfteilige Veranstaltungsreihe: Am vergangenen Sonntag hielt helber_museum-neukoelln Dr. Patrick Helber (r.) einen Vortrag unter dem Titel „Die Bücherverbrennung auf dem Tempelhofer Feld 1921“.

Die öffentliche und feierliche Verbrennung von Büchern sei eine Praktik, die bereits in der Antike aufkam und ihren Höhepunkt in der Vormoderne erreichte. Eine symbolische Bücherverbrennung „undeutscher Bücher“ habe es beispielsweise nach dem Ende des Wartburgfestes bei Eisenach im Jahr 1817 gegeben. „Als geistiger Motivator für die dortige Bücherverbrennung gilt Friedrich Ludwig Jahn“, erklärte Dr. Patrick Helber, der als wissenschaftlicher Volontär im Weiterlesen

Würdigung des mutigen Widerstands von unten: „Glaubt endlich mehr an euch selbst!“

portraits otto und elise hampel_hampel-ausstellung_stadtbibliothek neukoellnWeite Teile der Geschichte von Otto und Elise Hampel sind vielen bekannt, denn auf ihr basiert Hans Falladas Roman winterstein_hampel-ausstellung_stadtbibliothek neukoelln„Jeder stirbt für sich allein“. In dem Ende 1946 verfassten Werk des Schriftstellers heißen die Protagonisten allerdings nicht Hampel, sondern Quangel. „Außerdem ist das Ende im Roman von Fallada anders“, sagt Christian Winterstein.

Der Sozialpädagoge, dessen Ausstellung „Otto und Elise Hampel – Karte bitte wandern lassen“ vor einigen Tagen in der Neuköllner Stadtbibliothek eröffnet wurde, ist durch die Recherchen dafür zum Experten der Vita des Ehepaars aus dem Wedding geworden. „Aufmerksam auf die Hampels wurde ich durch mein Interesse an Interventionen im Weiterlesen

Neukölln feiert das Erbe des Grubenkönigs

ausstellung 100 jahre koernerpark_neukölln arcaden

Wer Leute mal so richtig überraschen will, die im Neuköllner Norden gähnende Leere zwischen Hippem und Problemen vermuten, der führt sie gerne zum Körnerpark. Die verblüffte Feststellung „So was Schö-nes gibt’s in Neukölln?!“ kennt auch Jan-Christopher körnerpark-brunnen_neuköllnRämer, der mehr als 10 Jahre in unmittelbarer Nachbarschaft des Klein-ods wohnte.

Gestern eröffnete der Kul-turstadtrat in den Neukölln Arcaden eine Ausstellung, die vom Mobilen Museum Neukölln zum 100-jährigen Bestehen des Körner-parks gestaltet wurde und auf 16 Schautafeln die wechselvolle Geschichte des 3,6 Hektar großen Gartendenkmals darstellt. „Sie ist aber auch der Auftakt zu einem großen Fest“, kündigt Rämer, Weiterlesen

Erinnern durch Comics

1_redrawing stories from the past_galerie saalbau neukoelln„Vergangenheit und was sie in der Gegenwart bedeuten kann, historische Ereignisse und wie sie persönlich erlebt wurden – das bringt das Format Graphic Novel besonders gut zusammen. Mit Bild und Text vereint es mehrere Erzählweisen in sich. Das hilft uns, einen kritischen Umgang mit Ge-schichte und ihrer Darstellung zu entwickeln“, sagt Elisabeth Desta, die mit Ludwig Henne für das Ausstellungsprojekt verantwortlich, das seit einem Monat in der Galerie im Saalbau gezeigt wird.

„Redrawing Stories from the Past“ heißt es, und dahinter steckt die Idee, Geschichten von Opfern des Nationalsozialismus im Comic-Stil darzustellen, um eine neue Form des Erinnerns zu Weiterlesen