Schnee von gestern

Die Geschichte des SV Tasmania Berlin ist eine des Schnees von gestern. Schon ein schneereste_tasmania berlin_neukoellnhalbes Jahrhundert liegen die Negativrekorde des SC Tasmania 1900 Berlin, in dem der SV seine Wurzeln hat, zurück. Aktuell geht die 1. Herren-Elf des Neuköllner Fußballclubs als Tabellenzweiter der Berlin-Liga in die Rückrunde. Auf dem Vereinsgelände im Wer-ner-Seelenbinder-Sportpark kann man aber nicht nur Fußballspiele sehen, sondern auch die Seelen-binder-Gedenkstätte und einen stattlichen Haufen Schnee, der nicht von gestern ist.

Kein gutes Pflaster für StreetArt

Das Tauwetter hat ganze Arbeit geleistet. Vom Schnee, der in den letzten Tagen teppich auf kreuzung_neukoellnauf Neukölln rieselte, sind nur noch Reste übrig. Wer jedoch erwartete, dass somit der ziemlich rote Teppich, der Dienstag-mittag auf der Kreuzung Oker-/Weisestraße für den Winter ausgerollt worden war, wie-der zum Vorschein kommt, wurde ent-täuscht. Dass Neukölln kein gutes Pflaster für nachhaltige Streetart-Installationen ist, mussten vor einigen Sommern schon die-jenigen erfahren, die  in der Selchower Straße ein Stück Strandleben inszenierten.

Neukölln, ein Wintermärchen

winterdienst_maschinelle schneeraeumung neukoellnStatt weniger zu werden, werden es von Jahr zu Jahr mehr. Waren es im letzten Winter noch die Gehwegbereiche von 32 Straßen und Plätzen in Neukölln, die nicht maschinell von Schnee und Eis befreit werden durften, sind es in dieser Saison bereits 36.

Auf dem zu Neukölln gehörenden Abschnitt des Columbiadamms müssen die Bürger-steige beidseitig mit Schneeschieber oder Besen und Sand oder Split rutschfrei gemacht werden. Gleiches gilt für den westlichen Zipfel der Flughafenstraße, den Gerlachsheimer- und Jan-Hus-Weg sowie den Alfred-Scholz- und Siegfried-Aufhäu-ser-Platz. Hand anzulegen ist auch zwischen Jonasstraße und Weiterlesen

Farbe statt Winterstiefel

fußspuren_neukoellnMan muss nur fünf Jahre zurück-denken: Da haben sich viele dicke Stiefel zu Weihnachten gewünscht, um mit warmen Füßen Spuren im schon seit Wochen tief verschnei-ten Neukölln hinterlassen zu kön-nen. In diesem Jahr muss man bisher ohne das Zutun der Natur auskommen, auf Spuren aber trotz-dem nicht verzichten.  Weiße Farbe macht’s möglich, warme Stiefel sind unnötig.

Ei(n)s, zwei, drei … letzte Chance fast vorbei!

Was am 10. Oktober letzten Jahres bei spätsommerlichen Temperaturen begann, endet  heute, am bisher wärmsten Tag dieses Jahres: die  Schlittschuh-Saison 2014/ 15 im  Eisstadion Neukölln. Noch  bis 13 und von 14 bis 17 Uhr steht  die Eisbahn an

eisstadion neukölln

der Oderstraße Besuchern offen. Ab 12 bzw. 16 Uhr gilt der Happy Hour-Tarif, der den Eintrittspreis um 50 Prozent und das Leihen von Schlittschuhen auf 2 Euro reduziert..

Heiße Sache

Auch wenn die Kernkompetenz des  Erlanger Hofs nicht  in der Meteorologie, sondern im Bereich der Hotellerie liegt: Hotter als mancher  vorherige 14. Februar  in Neukölln

hotel erlanger hof_neukölln

war der gestrige durchaus. Damit es künftig nebenan in der Stadtbibliothek in den Neukölln Arcaden weniger heiß hergeht, wird dort ab März ein Sicherheitsdienst in einer zunächst dreimonatigen Testphase zu Abkühlung verhelfen.

Frei Haus geliefert

Bis zum Welttag des Schneemanns sind es zwar noch drei Wochen, aber man kann ja schon mal ein bisschen üben. Adäquates Material wurde in der vergangenen Nacht

neukölln verschneit

flächendeckend in Neukölln verteilt. Wer mit der weißen Pracht vor der eigenen Haustür nicht auskommt, findet in anderen Berliner Bezirken und natürlich auf dem Tempelhofer Feld großzügig Nachschub.

Einladung zum Kürzertreten

Die Verlockungen lauern momentan überall. Wohin man auch kommt: Teller mit Plätz- chen, Marzipankartoffeln und -broten, Fondantkonfekt, Pralinés und Schokoweih- nachtsmännern sind schon da. Bei den Hauptmahlzeiten etwas kürzer zu treten und auf schwere Kost zu verzichten, kann also nicht schaden. Auf alle, die das beherzigen

tagesgericht glühwein_neukölln

und sich sagen „Das bisschen, das ich esse, kann ich auch trinken!“, setzt nun ein Neuköllner Gastronom. Na dann: Guten Appetit bzw. Prost! Auf der Abendkarte steht bestimmt als Hauptgericht: Feuerzangenbowle.

Gegenüberstellung

Wie sich die Bilder doch nicht gleichen: Während Neukölln auf den Tag genau vor einem  Jahr noch unter  einer winterlichen Schneedecke  lag, sitzt  man heute auf  der

12.3.2013+2014_neukölln

Treppe vor dem Rathaus, um sich die Frühlingssonne ins Gesicht scheinen zu las- sen. Oder hinter bereits bepflanzten Blumenkästen auf dem eigenen Balkon.

Wenn’s hilft

Wenn die Spielplätze verwaist  sind, Schnee das Arbeiten an Open Air-Schreibtischen

spielplatz im winter_neukölln open-air-arbeitsplatz im winter_neukölln

behindert, die Sessel der Raucherecke unter blauem Himmel ungenutzt Weiterlesen

Glatt verrechnet?

Gestern, am ersten Blitzeis-Tag dieses Winters, in einem Neuköllner Supermarkt: Die Eimer mit Streusalz sind mehrreihig im Eingangsbereich aufgetürmt; wer Speisesalz braucht, hat schlechte Karten. Das Regal, in dem normalerweise die quaderförmigen

blitzeis_neukölln

Pfundpackungen stehen, ist leer. „Anscheinend rechnen viele damit, dass der Zauber morgen wieder vorbei ist und ein Eimer Streusalz zuviel des Guten wäre“, vermutet die Kassiererin. Mit dem Rest könne man ja nicht mehr anfangen, als ihn bis zum nächsten Winter aufzubewahren. Da habe Speisesalz schon den Vorteil, dass man es entweder vor die Haustür oder in die Suppe kippen könne.

Würdigung in Abwesenheit

Sein Tourplan ist äußerst wankelmütig. Ob er in dieser Saison überhaupt noch für ein Gastspiel nach Neukölln kommt, ist fraglich. Fest steht indes, wie der Reutlinger Cornelius  Grätz beschloss: Heute  ist sein Tag, der  Welttag des Schneemanns. Da

schneemänner_ekt selchower straße_neukölln

aber die Mitbringsel des Winters bisher nicht mal für eine Bonsai-Version des sym- pathischen Weißen mit der charakteristischen Physiognomie gereicht haben, erinnert manche Kita mit gemalten Fensterbildern an die existenziell bedrohte Symbolfigur. Cornelius Grätz bleiben solche Do-it-yourself-Aktionen erspart: Seine vor über 30 Jah- ren begonnene Schneemann-Sammlung ist die weltweit größte. Ob Berlins Kinder in der nächsten Woche Material bekommen, das wenigstens für kleine Schneemänner reicht, wird sich zeigen.

Wegelagerer

Derzeit sind sie – nicht nur in den Straßen Neuköllns – wieder vermehrt anzutreffen: von ihren Gegenstücken getrennte Handschuhe, die auf eine Wiedervereinigung war-

verlorener handschuh_neukölln

ten. Eine Kordel, die das Paar miteinander verbindet, hätte das verhindern können.

Der entscheidende Unterschied

verschneites tempelhofer feld_berlin-neuköllnWoran erkennt man, dass dieses Foto zwei Monate alt ist? Am Schnee, sollte man vermuten. Dem ist aber nicht so! Der liegt auch heute, am Vortag des astronomischen Frühlingsanfangs, auf dem Tempelhofer Feld – nicht immer noch, sondern schon wieder. Nein, zu erkennen ist es daran, dass auf dem Foto etwas fehlt: die Gedenksäulen, die nun gedenksäule charlotte wolff, gedenksäule fritz ausländerals Stadtmarkierung anlässlich des Berliner Themen- jahrs „Zerstörte Vielfalt“ nahe dem Neuköllner Ein- gang an der Herrfurthstraße stehen.

Eine ist dem Lehrer und Politiker Fritz Ausländer ge- widmet, der 1943 seinem Leben ein Ende setzte. Die andere erinnert an die Ärztin und Sexualwissen-schaftlerin Charlotte Wolff, die vor ihrer Inhaftierung im Februar 1933 in Neukölln arbeitete und später nach London flüchtete, wo sie 1986 starb.

Was erkennt man auf diesem knapp zwei Wochen alten Foto der beiden Gedenk-säulen außerdem? Dass sich zwischen Schnee und Schnee schon kurzfristig ein Hauch Frühling gedrängt hatte.

Hinten nicht wie vorne

In Fietswinkel geht es momentan zu wie in der Praxis eines Allgemeinmediziners während der Hochsaison grippaler Infekte. „Gearbeitetet wird vormittags. Nach- mittags, wenn wir geöffnet haben, kommen wir kaum dazu, weil sich die Leute gegenseitig die Klinke in die Hand geben“, sagt Wolfgang Mrosek, der Inhaber der Fahrradwerkstatt im Schillerkiez. Seine Patienten haben fast alle das fahrradreifen-reparaturgleiche Problem: Sie sind hinten nicht annähernd so gesund wie vor- ne. „Das Zeug, das überall ver- streut wird, damit wir nicht aus- rutschen, ist unsinnigerweise so dermaßen scharfkantig, dass man ohne unplattbare Rei- fen keine Chance hat. „Wer es nicht glaubt und die Skepsis mit blutigen Händen bezahlen will, solle einfach mal ein Häufchen der Krümel eine Weile zwischen den Handflächen reiben, rät der Zweirad-Doc.

Dafür, dass er auch außerhalb der Split-Saison keine Zeit hat, im Fietswinkel eine ruhige Kugel zu schieben, sorgt etwas völlig anderes: die Nähe des Ladens zum Tempelhofer Feld. Auf rund 600 Prozent beziffert Mrosek das Mehr an Reparaturen, die durch das Aufeinandertreffen von Flaschenscherben und Fahrradreifen nötig werden, seit der Kiez zum Ein- und Ausfallstor für Partypeople und Griller geworden ist. Freude darüber, dass er davon ebenfalls profitiert, ist ihm aber nicht anzumerken. Wahrscheinlich, weil das Reifenflicken im Akkord ähnlich unprickelnd ist wie ein hustender und schniefender Patient nach dem anderen.

=ensa=

Vorboten

Sie mag es, wenn alles ordentlich und gepflegt aussieht. Zustände, wie sie derzeit in ihrem Garten herrschen, sind ihr ein Gräuel. Eigentlich. „Sonst nehme ich die leer ge-

es grünt_neukölln

pickten Netze immer gleich ab“, sagt sie. Aber nun – in diesem Winter, dessen Ende wie die BER-Eröffnung immer weiter nach hinten geschoben wird – lässt sie die Überbleibsel der Meisenknödel und Futterstangen hängen. So sehe es dann wenigs- tens schon mal ein bisschen grün und nach Frühling aus.

Auf Eis gelegt

sonnenuntergang on the rocks_neukölln

Ob mit goldig wie die Oscars schimmernden Sonnenstrahlen klappt, was bei Fischen als probates Mittel zur temporären Frischhaltung taugt? Auf dem Tempelhofer Feld gibt  es gleich mehrere solcher  Versuchsstrecken – noch.

Durchfallende Posten

bsr-mülleimer_neuköllnÜberquellende Mülleimer sind ein Ärgernis, überall in der Stadt und nicht nur in Neu- kölln. Hier wird das Szenario jedoch immer seltener.

Daran, dass sich der gemeine Neuköllner einen Dreck um Mülleimer schert, sondern sei- nen Müll lieber da fallen lässt, wo er ihn loswerden will, liegt das auch. Aber nicht nur. Der entscheidende Grund ist viel- mehr, dass das Fassungs-vermögen etlicher Neuköllner Mülleimer durch einen klei- nen Trick erheblich vergrö- ßert wurde. Durch ihn kann oben hemmungslos nachge- stopft werden; die optische Entsorgung übernimmt dann der nächste Schneeschauer. Im Sommer klappt der Trick also nicht.

In Weiß

Handschuhe erschweren das Bedienen von Handys oder Smartphones ziemlich. Schneller geht es, die Botschaft, die einem wichtig ist, auf die nächstbeste verschnei-

1_schneebotschaft_neukölln2_schneebotschaft_neukölln

te Windschutzscheibe oder Motorhaube zu schreiben (wo sie aber auch schnell wieder weg sein können). In Neukölln wird davon derzeit trotzdem häufig Gebrauch gemacht. So liebevoll wie bei diesen auf der Karl-Marx-Straße entdeckten Beispielen geht es aber nicht immer zu.

Ironie des Schicksals

Über 350 Menschen, die 1737 ihre böhmische Heimat verlassen mussten, um weiterhin Protestanten sein  zu können, hat  er in Neukölln, das damals  noch Rixdorf

Friedrich Wilhelm I.-Statue_Böhmisches Dorf_Neukölln

hieß, zu einem neuen Zuhause verholfen. Nun hat Friedrich Wilhelm I. selber kein Dach überm Kopf und ist den Schneeflocken, die über den Platz vor dem  Museum im Böhmischen Dorf  treiben, schutzlos ausgeliefert.