„Die Siegfried-Sage ist für mich die zeitlose Geschichte von einer neuen Idee, die auf eine eingefahrene Gesellschaft trifft“

Liebe und Eifersucht, Treue und Ehre – Rache, Verrat und Mord: Diese dramatischen und zeitlosen Themen gelten für gewöhnlich als Stoff des Nibelungenliedes. Legendäre Protagonisten des Werkes, das ein anonymer Dichter ungefähr um das Jahr 1200 auf Grundlage alter germanischer Sagen schuf, sind Siegfried – der heldenhafte Königssohn aus Xanten – sowie die Burgunder Prinzessin Kriemhild, ihr Bruder Gunther, Königin Brünhild aus Island und Hagen von Tronje, sinister Ratgeber der Burgunder Weiterlesen

#gemeinsambunt: Heteronormative Mehrheitsgesellschaft und LSBTI*-Community feierten in der Neuköllner Oper

Täglich gibt es Diskriminierungen und Gewalttaten gegen Schwule, Lesben, Transpersonen und andere Menschen, die sich nach heteronormativen Kategorien nicht eindeutig als männlich oder weiblich einordnen lassen wollen. Homo- und transphob motivierte Überfälle in der Sonnenallee beantwortete die LSBTI*-Community im Mai 2018 in Neukölln mit einer großen Demonstration und einem Tuntenspaziergang.

Jetzt setzte auch die Mehrheitsgesellschaft im Bezirk ein deutliches Zeichen: Um für ein buntes und vielfältiges Neukölln zu werben, das gegen Gewalt und Weiterlesen

1926 uraufgeführt und noch 92 Jahre später hochaktuell

Restlos ausverkauft sind alle zehn Vorstellungen der tragischen Oper „Der Diktator“, die bis zum 5. Dezember auf dem Programm der Neuköllner Oper stehen. „Wir sind mit der Planung der Wiederaufnahme befasst. Zunächst kommt, wie verbindlich zugesagt und auch bereits veröffentlicht, die Studioproduktion ‚Ocaña, Königin der Ramblas‘ ab 12. Dezember wieder auf die Bühne“, teilte Pressesprecher Benjamin Stein für die Neuköllner Oper mit.

Die Rolle des Offiziers in der knapp einstündigen Vier-Personen-Oper übernahm kurzfristig für Sotiris Charalampous, der voraussichtlich weiter Weiterlesen

„Die Weise von Liebe und Tod“: Zeitgenössische Fortschreibung eines uralten Stoffes in der Neuköllner Oper

Eine der wichtigsten Inszenierungen war in der frühen Geschichte der Neuköllner Oper die Aufführung von Viktor Ullmanns Oper „Der Kaiser von Atlantis“, die der NO-Gründer Winfried Radeke 1989 und 2000 auf die Bühne brachte. Mit der Produktion „Die Weise von Liebe und Tod“ von Regisseur Fabian Gerhardt, die am Freitagabend auf der Studiobühne uraufgeführt wurde, präsentiert die Off-Oper an der Karl-Marx-Straße nun wieder ein Werk Viktor Ullmanns, der einst als begabter Pianist in den Wiener Schülerkreis von Arnold Schönberg aufgenommen wurde und ab 1923 seine ersten musikalischen Erfolge mit Schönberg-Variationen hatte.

Viktors Eltern, die aus jüdischen Familien stammten, waren schon vor seiner Geburt zum katholischen Glauben konvertiert. Sein Vater war Berufsoffizier in der österreich-ungarischen Armee, wurde im Ersten Weltkrieg zum Oberst befördert und in den Adelsstand erhoben. Erst durch die Rassenpolitik der Nationalsozialisten wurde Viktor Ullmann, ein geborener Katholik, zum Juden gemacht. 1942 deportierten ihn die Nazis ins Ghetto Theresienstadt. Im Oktober 1944 wurde er nach Auschwitz-Birkenau verschleppt und dort wenige Tage später ermordet.

„Ich habe in Theresienstadt ziemlich viel neue Musik geschrieben, zu betonen ist, dass wir keineswegs bloß klagend an Babylons Flüssen saßen und dass unser Kulturwille unserem Lebenswillen adäquat war“, erklärte Ullmann einmal selbst. Trotz größter Probleme engagierte er sich für ein reiches Musikleben im KZ Theresienstadt, wo er unter extremen Bedingungen einen beträchtlichen Teil seiner Werke schuf – u. a. „Der Kaiser von Atlantis“ und „Die Weise von Liebe und Tod“.

Das Melodram, das er im September 1944 komponierte, basiert auf Auszügen der Erzählung „Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke“ von Rainer Maria Rilke. Der Dichter schrieb 1899 die Geschichte eines jungen Adeligen, der 1664 als Fahnenträger (Cornet) in den Krieg gegen die Türken zieht. Er erfährt das raue Leben der Soldaten, erlebt mit einer geheimnisvollen Gräfin seine erste Liebesnacht und zieht waffenlos, aber mit fliegender Fahne in die Schlacht, in der er unter 16 Säbelhieben schließlich stirbt. Das kurze, düster-romantische Stück erzielte erst im Jahr 1912 seinen großen Durchbruch. Der Cornet wurde Rilkes größter Erfolg, vor allem bei deutschen Soldaten, die mit dem Heftchen im Gepäck in beide Weltkriege zogen.

Für die Aufführung der Neuköllner Oper schufen Regisseur Fabian Gerhardt und Komponist Malte Giesen eine Neufassung und Interpretation des Urspungswerkes. Anders als bei Ullmann umfasst die Produktion erstmals Rilkes vollständigen Text. Für die neuen, 1944 nicht vertonten Passagen, schrieb Giesen, der sich insbesondere mit seinen elektro-akustischen Arbeiten einen Namen gemacht hat, die Musik. Begleitet vom Solopianisten Markus Syperek, der Klavier und Keyboard spielte, vokalisierte und deklamierte die Sopranistin Hrund Ósk Árnadóttir den Text im Wechsel mit dem Schauspieler Dennis Herrmann. Mit einfachen Mitteln und viel Kreativität gestaltete Rebekka Dornhege Reyes die Kostüme und das Bühnenbild. Videos von Cavo Kernich rundete die einstündige Aufführung im Studio der Neuköllner Oper ab.

„Ich kenne kein anderes Werk, das die Abgründe und Absurditäten des deutschen 20. Jahrhunderts so bündelt“, urteilt Fabian Gerhardt über Ullmanns letztes Musikstück im Programmheft. In Zeiten wachsender Verbreitung und drohender Akzeptanz rechtspopulistischer Parolen rüttelt die komponierte Interpretation von Giesen und Gerhardt auf – macht aber auch traurig und nachdenklich.

Weitere Aufführungen von „Die Weise von Liebe und Tod“ vom 21. bis 23. und 27. bis 30. September sowie 11. bis 14. und 19. Oktober um 20 Uhr im Studio der Neuköllner Oper (Karl-Marx-Str. 131/133); Karten ab 17 Euro.

=Christian Kölling=

Das war der Gipfel: Ereignisse aus Hamburg als Musical in Neukölln

Eigentlich wollte sich die Hansestadt Hamburg, um international an Popularität zu gewinnen, für die Ausrichtung der Olympischen Sommerspiele 2024 bewerben – das verbaten aber per Referendum die Bürger. Keine Chance hatten sie jedoch, den G20-Gipfel mitten in ihrer Stadt zu verhindern, der Hamburg im Juli vergangenen Jahres zweifellos auch bekannt machte: als Hochburg von Zerstörungen und Straßenschlachten.

Peter Lund (l.) hat den Stoff nun aufgegriffen, um in Kooperation mit Dozenten und Studierenden der UdK Berlin daraus für die Neuköllner Oper ein Musical mit dem programmatischen Namen „Welcome to Hell“ Weiterlesen

Spanplatten am Musikhaus Bading als Pinnwand der Bestürzung und Anteilnahme

„Was für eine sinnlose Tat – liebes Musikhaus Bading-Team: Wir drücken Euch für einen guten Neuanfang die Daumen!“, so macht die Neuköllner Oper auf ihrer Facebook-Seite ihre Anteilnahme öffentlich, nachdem in der Silvesternacht Randalierer erst eine Scheibe des Musikgeschäftes gesprengt und dann Feuerwerkskörper in den Verkaufsraum geworfen hatten, bis er völlig ausbrannte. „Bading repräsentierte wie kein anderes Geschäft die große Musikgeschichte Neuköllns“, erinnert – ebenfalls bei Facebook – die langjährige Neuköllner Kulturamtsleiterin Dr. Dorothea Kolland Weiterlesen

„Bei uns brauchen Sie keinen Opern-Führerschein!“: Kooperation von Neuköllner Oper und Stadtbibliothek gegen Berührungsängste

Als ein Unikum der pulsierenden Berliner Kulturszene hat sich die Neuköllner Oper mit ihrem Spielort im Zentrum des einstigen Arbeiterbezirkes in den letzten 40 Jahre tatsächlich weltweit einen Namen gemacht – zumindest in musikinteressierten Kreisen. Am vergangenen Donnerstagabend ließ Andreas Altenhof (r.), Mitglied des dreiköpfigen Direkto-riums der Neuköllner Oper, im Mehrzweckraum der Helene-Nathan-Bibliothek die wichtigsten Stationen dieser Erfolgsgeschichte Revue passieren. „Bei uns brauchen Sie keinen Opern-Führerschein“, brachte Altenhof den Anspruch der Neuköllner Oper auf eine anschauliche Formel. Bernhard Glocksin, künstlerischer Leiter Weiterlesen