Geschichtsträchtiger Schuss und sein Nachhall auf der Bühne der Neuköllner Oper

8. Mai, 17. Juni, 13. August oder 9. November – viele Daten im Kalender markieren Wendepunkte der deutschen Geschichte. Dass auch der 2. Juni 1967, der Tag an dem Schah Reza Pahlavi und seine Frau Farah das ehemalige West-Berlin besuchten und der Student Benno Ohnesorg abends beim Anti-Schah-Protest nahe der Deutschen Oper erschossen wurde, ein Datum ist, das die Bun-desrepublik Deutschland grundlegend veränderte, will die Neuköllner Oper mit ihrer neuen Inszenierung „Der Schuss 2. Juni 1967″ anschaulich machen.

Der in Teheran geborene Komponist Arash Safain, der in Bayreuth aufwuchs, wo er früh mit den Opern Richard Wagners in Weiterlesen

Mehr als doppelt so lange und für Berlin fünfmal so teuer

Vor rund einem Jahr beendete der Untersuchungsausschuss des Berliner Abgeord-netenhauses zur Sanierung der Staatsoper seine Arbeit und legte einen Abschluss-bericht vor. Er stellte ausgiebig dar, warum der ursprünglich für 2013 geplante Eröffnungstermin der seit 2010 geschlossenen Oper am Boulevard Unter den Linden mehrmals verschoben wurde und wieso sich inzwischen die Sanierungskosten des Gebäudes auf geschätzt 400 Millionen Euro erhöht und somit fast verdoppelten. Ein grundsätz-licher Unmut der freien Szene über die Mittel-verteilung sowie ein tiefsitzendes Misstrauen der Steuerzahler gegenüber dem Bausumpf in Berlin bleiben bestehen. Folglich ist die Freude über Weiterlesen

Nur für Erwachsene: „Die Fledermaus“ als zeitgemäße Interpretation der Strauss-Vorlage in der Neuköllner Oper

Klassisches Musiktheater mit sozialkritischen Inhalten für ein breites Publikum, das ist seit eh und je der künstlerische und gesellschaftspolitische Anspruch der die-fledermaus_neukoellner-operNeuköllner Oper. Nur selten greift die niedrigschwellige Musikbühne dabei auf das Repertoire zurück, wie beispielsweise im Januar 2015 mit dem Stück „Die Akte Car-men“, das knapp ein Vierteljahr vor Beginn der Flüchtlingskrise aufgeführt wurde. Jetzt gibt es wieder Repertoire an Berlins vierter Oper: „Die Fledermaus“, eines der berühmtesten Werke von Johann Strauss, hatte gestern Abend in der Fassung von Julia Lwowski, Yassu Weiterlesen

Was ist Rausch, was Realität? Erfolgsalbum „Stadtaffe“ als Musical in der Neuköllner Oper

Unter Drogen kann manches völlig anders erlebt werden. Die Zeit verläuft nicht mehr nur linear, sondern kann sich dehnen oder rasen. Der Raum kann affe_neukoellner-oper_foto-matthias-heydeverändert wahrgenommen werden. Und nicht zuletzt: Man erlebt sich anders, kommt in Kontakt mit Schönem oder/und Furchtbarem.

Vor acht Jahren veröffentlichte der Berliner Musiker Peter Fox, der zu den Gründern der Band Seeed gehört, sein Solo-Album „Stadtaffe“. Dieses katapultierte sich mit seiner eindringlichen Musik und den intelligenten Texten aus dem Stand in die Charts und hat sich bislang 1,3 Millionen mal verkauft. Am vergangenen Mittwoch hatte nun eine Adaption des Werks mit dem verkürzten Titel „Affe“ Weiterlesen

Individuen zwischen perfektionierter Selbstoptimierung und spontanem Aufbegehren in der Neuköllner Oper

Zu einem poetisch-spekulativen Abend zwischen Beethoven, Punk, Elektronik und experimenteller Musik in deutscher, spanischer sowie englischer Sprache mit Mercat de les Flors - Sala Ovidi Montllor05-07-2016deutschen Übersetzungen bittet die Neuköllner Oper in ihrer neuesten Jahresproduktion: Am Donnerstag hatte das „Büro für Postidentisches Leben“, eine Spekulation über die Freiheit, in Neukölln Premiere, nachdem die Inszenierung bereits beim GREC Festival Barcelona uraufge-führt worden war.

„Die westliche Idee der Freiheit ist mit der Vorstellung von einem autonomen und in sich widerspruchsfreien Subjekt verbunden. Doch der Glaube an Weiterlesen

„Armida“ bringt die Gefühlswelt eines Glaubenskriegers im Selbstversuch auf die Bühne der Neuköllner Oper

„Ob man die Feinde abknallt oder köpft. Ist doch egal. Tot ist tot“, dieses blindwütige Denken müssen Gewalttäter wie der islamistische Terror-Führer Abu Bakr al-Baghdadi Armida_Neuköllner Oper_Foto Matthias Heyde_US+L1003213oder der norwegische Einzeltäter Anders Breivik wohl teilen.

Das Feature „Armida“ nach der Oper von Christoph Willibald Gluck, das die Musiktheater-Regisseurin und Sängerin Ulrike Schwab am Donnerstag-abend in der Neuköllner Oper zur Uraufführung brachte, hat sich diesen „eigensinnigen Fanatis-mus“ zum Thema gemacht. Durchaus provozierend wird im Programmheft die These aufgestellt: „Wo Kulturgeschichte zum Patchwork der Weiterlesen

„Stella“ – ein Stück über die dunkelste Seite deutscher Geschichte in der Neuköllner Oper

Die Nazis waren die Bösen. Die Juden die Opfer. Natürlich stimmt das so im Großen und Stella_Frederike Haas+_A0C6364Ganzen. Doch so leicht zu kategorisieren ist das Leben nie. Denn wo gehört dann Stella Goldschlag hin? Eine Jüdin, die über 100 Juden in Berlin an die Nazi-Schergen verraten hat. Und weshalb verübt diese Frau, die die Nazi-Zeit überlebt hat, fünf Ehen eingegangen ist, im Jahr 1994 mit 72 Jahren Suizid? Wahrlich kein einfacher Stoff, für ein deutsches Singspiel: In der Neuköllner Oper trägt es den Titel „Stella – Das blonde Gespenst vom Kurfürstendamm“, und Peter Lund schrieb die Texte, Wolfgang Böhmer komponierte die Musik und Martin G. Berger führte Regie.

In der Mitte der Bühne ein einstöckiger, länglicher Bau. Doch ist es ein Bau? Nein, es ist auch ein Glaskasten, offen einsehbar für das Publikum, außerdem aber ebenfalls ein Zuhause, in dem Stella Weiterlesen