Anna Faroqhi liest aus ihrer Graphic Novel „Andersdenkerinnen“

Was verbindet die politische Philosophin Hannah Arendt, die Schriftstellerin Anna Seghers und die Bibliothekarin Helene Nathan? „Nicht nur ihre jüdische Identität, sondern auch ihre politischen Überzeugungen machten ihnen ein Leben in Nazi-Deutschland unmöglich“, bringt die Autorin Anna Faroqhi das Lebensschicksal der drei intellektuellen Frauen, die zwischen 1885 und 1906 in Deutschland geboren wurden, auf einen gemeinsamen Nenner. Ihre Lebensläufe erzählt Faroqhi in der Graphic Novel „Andersdenkerinnen“ aus der Perspektive von drei jungen Menschen der Gegenwart in Berlin. „Die historischen wie die fiktiven Protagonistinnen verbindet Weiterlesen

Antiziganistische Vorfälle in Berlin 2021: „Das ist nur die Spitze des Eisbergs“

Antiziganismus, Antisemistismus und andere Formen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit werden seit jeher in Krisenzeiten, wie wir sie gerade erleben, aufgrund einer angespannten gesellschaftlichen Situation zusätzlich angeheizt. Die Dokumentationsstelle Antiziganismus (Dosta) hat seit 2014 allein in Berlin 1054 Vorfälle gegen Personen registriert, die Romni, Rom, Sinto oder Sintizza waren bzw. dafür gehalten wurden. Am Mittwoch stellte Dosta den Kurzbericht für das Jahr 2021 vor, der zwar nicht so umfangreich wie gewohnt war, aber dennoch brisant ist. Projektleiterin Violeta Balog erklärte: „Obwohl pandemiebedingt viele unserer Meldestrukturen weggefallen sind, sind uns im Weiterlesen

Nach Großrazzia wegen Verdachts auf Subventionsbetrug: Keine Anklage gegen Neuköllner Begegnungsstätte

Ein Großaufgebot von 60 Polizeikräften – teilweise schwerbewaffnet und maskiert – durchsuchte Ende 2020 die Räume des Neuköllner Begegnungsstätte e.V. / Dar Assalam Moschee. Anlass der mehrstündigen Polizeiaktion am Morgen des 26. November: Es bestand der Verdacht, dass der gemeinnützige Verein aus der Neuköllner Flughafenstraße zu Unrecht Corona-Hilfen in Höhe von 14.000 Euro erhalten haben könnte. Rechtsanwalt Johannes Eisenberg, der die Neuköllner Begegnungsstätte (NBS) juristisch vertrat, kritisierte das Vorgehen der Staatsanwaltschaft und des Untersuchungsführers einen Tag später mit den Worten: Weiterlesen

17. Todestag von Hatun Sürücü: Gedenken in Neukölln und Tempelhof

Zahlreiche Kränze und Gebinde schmückten am Montagvormittag den Gedenkstein an der Tempelhofer Oberlandstraße, der an einen sogenannten „Ehrenmord“ erinnert, der Berlin erschütterte, und bundesweit eine Debatte über die Ehrvorstellungen muslimischer Familien in Deutschland auslöste. „Hier wurde Hatun Sürücü am 7. Februar 2005 ermordet, weil sie sich Zwang und Unterdrückung ihrer Familie nicht unterwarf, sondern ein selbstbestimmtes Leben führte. Zum Gedenken an sie und die weiteren Opfer von Gewalt gegen Weiterlesen

Bezirksamt Neukölln wählt neuen Beirat für Partizipation und Integration

Rund ein Dutzend Gremien – wie etwa die Seniorenvertretung, die Bezirksschulgremien, zu denen u. a. der Bezirkselternausschuss gehört, oder der Migrationsbeirat – beraten die Bezirkspolitik und nehmen speziell die Interessen ihrer jeweiligen Klientel in Neukölln wahr. Nun richtet das Bezirksamt Neukölln einen neuen Beirat Partizipation und Integration ein. Seine Aufgaben sind mit denen des bisherigen Migrationsbeirates weitgehend identisch. Die Mitglieder des neuen Beirates werden vom Bezirksamt gewählt. Interessierte Projekte, Vereine und Weiterlesen

Auf ein gutes Neues!

Menschen aus rund 160 Nationen leben in Neukölln zusammen. Hier im Bezirk ist es deshalb gut zu wissen, wann die Nachbarn aus aller Welt ihre wichtigen Festtage begehen. Weil die zahlreichen Feier- und Gedenktage der verschiedensten Kulturen und Religionen in herkömmlichen Kalendern oft nicht verzeichnet sind, gibt das Land Berlin jährlich kostenlos einen interkulturellen Kalender heraus. Ohne Anspruch auf Vollständigkeit sind in ihm neben den gesetzlichen und sonstigen Feiertagen Weiterlesen

„Shalom Rollberg“: Mit Bildungsarbeit gegen Antisemitismus

„Als Israeli geboren und aufgewachsen, empfand ich Antisemitismus als ein Phänomen der Vergangenheit. Hier in Deutschland war ich der andere. Und leider habe ich hier erkannt und erlebt, dass Antisemitismus nicht nur der Vergangenheit angehört.“ Yonathan Weizman leitet seit 2018 in Berlin Neukölln die Initiative „Shalom Rollberg“. Jüdische Alt- und Neu-Berliner – darunter viele aus Israel – engagieren sich in der Gruppe als ehrenamtliche Mentorinnen und Mentoren für benachteiligte, meist Weiterlesen

Häkelarbeiten made in Neukölln

Exklusive Halsketten, Colliers, Ohrringe, Handyketten und viele andere gehäkelte modische Accessoires stellt das Neuköllner Modelabel Rita in Palma in seinem Showroom in der Kienitzer Straße im Schillerkiez vor. Die Verkaufspreise der Kostbarkeiten liegen zwischen 20 Euro für ein einfaches Armband und 1.000 Euro für ein aufwändiges Schmuckstück.

Die Diplom-Modedesignerin Ann-Kathrin Carstensen gründete ihr Unternehmen 2012 mit einem ganz besonderen sozialen Anspruch: Die Fertigung ihrer Fashion-Designs sollte mit integrativer Arbeit für Frauen aus der Türkei, Syrien, Pakistan, Weiterlesen

Amaro Foro sieht zunehmenden Antiziganismus während der Pandemie

Dosta, die Dokumentationsstelle Antiziganismus, die beim transkulturellen Jugendverband Amaro Foro angesiedelt ist, veröffentlicht regelmäßig einen Report über antiziganistische Vorfälle in ganz Berlin. Der aktuelle Bericht für die Jahre 2019 und 2020 wurde kürzlich im Nachbarschaftsheim Urbanstraße vorgestellt. „Viele unserer Klienten befinden sich ohnehin in äußerst prekären Lebenslagen und waren dadurch auch von den Folgen der Pandemie in gravierendem Maße betroffen. Sie haben überproportional häufig ihre Arbeit Weiterlesen

Kundgebung gegen Antisemitismus und für Israel in Neukölln

„Weltoffenheit und Toleranz bedeuten im multikulturellen Neukölln, dass hier jede Farbe und jede Flagge, jedes Symbol willkommen ist – nur der Davidstern nicht.“ Wer sich als Jüdin oder Jude zu erkennen gibt, müsse damit rechnen, als Zionist, wenn nicht gar als Rassist beschimpft und für die Politik des Staates Israel mitverantwortlich gemacht zu werden. „Jüdisches Leben in Berlin steht unter Vorbehalt, insbesondere in Neukölln.“ Mit dieser grundlegenden und schwerwiegenden Kritik rief das neugegründete Bündnis gegen Antisemitismus Neukölln am Sonntagnachmittag zu einer Kundgebung vor dem Rathaus des Bezirkes auf. Das Motto Weiterlesen

Denkmal am Anton-Schmaus-Haus erinnert an Utøya

Am Nachmittag des 22. Juli 2011 explodierte im Zentrum von Oslo eine 950-Kilogramm-Autobombe, die acht Todesopfer forderte. Der Attentäter, ein norwegischer Rechtsextremist, fuhr anschließend als Polizist verkleidet auf die weniger als 50 Kilometer entfernte Insel Utøya, wo die Jugendorganisation der sozialdemokratischen Partei Norwegens AUF ihr jährliches Sommercamp mit 560 Teilnehmern abhielt. Dort erschoss der Täter bei einem fast anderthalb Stunden dauernden Amoklauf 69 Menschen im Alter zwischen 14 und 51 Jahren. 32 von ihnen Weiterlesen

„Wir werden so lange auf die Straße gehen, bis der Mörder von Burak hinter Gittern ist“

aufklaeren_gedenkenEin unaufgeklärter Mord in Neukölln gibt nach wie vor Rätsel auf: In der Nacht zum 5. April 2012 schoss ein Unbekannter aus nächster Nähe auf eine Gruppe Jugendlicher, die sich schräg gegenüber vom Krankenhaus Neukölln unterhielten. Der 22-jährige Burak Bektaş wurde dabei getötet, seine Freunde Jamal A. und Alex A. lebensgefährlich verletzt. Der Täter, ein weißer älterer Mann, entfernte sich ruhig vom Tatort und verschwand im angrenzenden Wohngebiet. Es gab zwischen den Jugendlichen und dem Täter keinen Wortwechsel. Sie standen Weiterlesen

Festival „Offenes Neukölln“ geht in die 5. Runde

Lesungen, Diskussionen, Nachbarschaftsfeste, Filme, Konzert und Kiezführungen: Das Bündnis Neukölln organisiert seit 2017 einmal im Jahr zwischen Rollbergviertel und Rudower Höhe ein großes Festival mit vielen Veranstaltungen, um jeder Form von Ausgrenzung und Rassismus im Bezirk entgegenzutreten. Ernster Hintergrund des dreitägigen Weiterlesen

Lichtinstallation mit Genderstern leuchtet am Rathaus Neukölln

rathausvorplatz_vernisageWeithin sichtbare Signale gegen Gewalt an Frauen und Mädchen sowie für sexuelle Selbstbestimmung hat das Rathaus Neukölln schon in der Vergangenheit gesetzt: Anlässlich des Internationalen Welt-Mädchentags im Oktober 2018 wurde der Sitz der Bezirksverwaltung drei Monate lang in sattem Rosa illuminiert, und im Sommer 2019 strahlte der Rathausturm für zwei Wochen in den Farben des Regenbogens, um ein Zeichen für sexuelle Vielfalt zu setzen.

Zum Internationalen Frauentag am 8. März, der am vergangenen Weiterlesen

„Vor einem Jahr starben Menschen in Hanau, die auch Neuköllnerinnen und Neuköllner hätten sein können“

213 Kerzen standen in dieser Wochen gut sichtbar in den Fenstern des Rathaus Neukölln. Sie erinnerten unmittelbar im Zentrum des Bezirks an alle Menschen, die in Deutschland seit 1990 als Opfer rechtsextremer oder rassistischer Gewalt getötet wurden. Die Lichter zum Gedenken an die Todesopfer waren anlässlich des 1. Jahrestages der rassistischen Morde in Hanau aufgestellt worden. Auf einem Transparent am Rathaus-Balkon waren zudem die Portraits und die Namen der neun Hanauer Mordopfer zu sehen. Der Feuerüberfall vom 19. Februar 2020 war seit dem Anschlag auf dem Münchner Oktoberfest im September 1980 der schwerste Angriff mit einem rechtsextremen Hintergrund in der Geschichte der Weiterlesen

Gemeinsam gegen Corona-Verschwörungstheorien

„Liebe Neuköllnerinnen und Neuköllner, die Lage ist sehr ernst. Allein in Neukölln sind schon über 300 Menschen an Corona gestorben. Und es werden täglich mehr.“ Mit dieser alarmierenden Nachricht wandte sich Bürgermeister Martin Hikel am vergangenen Wochenende in einer neuen Videoreihe an die Einwohnerschaft des international gemischten Bezirkes. Im Mittelpunkt der fünf Aufklärungsvideos stehen authentische Stellungnahmen Neuköllner Weiterlesen

Integrationsbeauftragte Balcı zu Gast am digitalen Stammtisch

„Es ist passiert, was ich erhofft habe: Die Arbeit macht mir riesig Spaß. Ich bedauere nur, dass derzeit kaum persönliche Kontakte möglich sind. Die unmittelbare Begegnung ist durch nichts zu ersetzen“, sagte mir Güner Balcı in der vergangenen Woche am Telefon. Die Journalistin und Autorin der Bücher „Arabboy“ und „Arabqueen“ ist seit August 2020 als Neuköllner Integrationsbeauftragte tätig. Übermorgen wird sie beim digitalen Stammtisch des Bundestagsabgeordneten Dr. Fritz Felgentreu teilnehmen.

„Ich habe die damalige Personalentscheidung begrüßt und bin Weiterlesen

„Das Wichtigste ist, das Wir-Gefühl zu stärken“

Derya Çağlar, Neuköllner SPD-Abgeordnete im Berliner Landesparlament, und Ashok Sridharan (CDU), bis vor kurzem Oberbürgermeister von Bonn, teilten sich seit Februar 2019 den Vorsitz der Fachkommission Integrationsfähigkeit. Sie war auf Grundlage des Koalitionsvertrages als unabhängiges Gremium eingerichtet worden, um in öffentlichen Anhörungen und Fachgesprächen den Dialog mit kommunalen Spitzenverbänden, Migrantenorganisationen, Weiterlesen

Vor dem Berlin Global Village soll ein dekoloniales Denkzeichen für 1,5 Millionen Euro entstehen

„Die Debatte über die Schrecken des deutschen Kolonialerbes muss raus aus den Hörsälen und Feuilletons und rein in unseren Alltag.“ Helge Lindh ist Berichterstatter für Kolonialismus der SPD-Bundestagsfraktion. Erst Mitte November forderte er während einer einstündigen Aussprache im Deutschen Bundestag, die teils hitzig verlief, eine gründliche Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit Deutschlands. Zusammen mit seinem Weiterlesen

„Es ist ein Skandal, dass in Berlin weder zum NSU noch zu den Neuköllner Anschlägen ernsthafte parlamentarische Aufklärung betrieben wird!“

Wer an Neukölln denkt, denkt nicht unbedingt an militanten Rechtsextremismus. Doch tatsächlich ist er – insbesondere im Süden des Bezirks – spätestens seit Ende der 1970er Jahre mit der ersten „Hitler-Welle“ an Neuköllner Schulen als ein ernsthaftes Problem sichtbar geworden, das sich bis in die Gegenwart fortsetzt. Anlässlich des 9. Jahrestages der Selbstenttarnung des so genannten NSU und 20 Jahre nach dem Mord an Enver Simsek, der im September 2000 der Auftakt einer Mordserie der Terror-Gruppe war, veranstalteten verschiedene antifaschistische und antirassistische Gruppen und Initiativen aus Berlin gestern Nachmittag eine Weiterlesen