Berliner Betriebe und Behörden für einen grundlegenden Mentalitätswandel in der Arbeitswelt

„Wenn ich vorher gewusst hätte, wie herzlich ich im Bezirksamt Neukölln aufgenommen werde, dann hätte ich mich früher beworben!“, erklärte der junge Mann in grün-schwarzer Arbeitskleidung beim feierlichen Auftakt der Kampagne „Ausbildung: Eine Frage der Einstellung“, zu dem der Integrationsbeauftragte des Senats von Berlin, Andreas Germershausen und Bezirksbürgermeisterin Dr. Franziska Giffey am vergangenen Donnerstagvormittag in den BVV-Saal des Rathaus Neukölln eingeladen hatten. Gemeinsam präsentierten sie vor rund 80 Vertretern namhafter Behörden und Betriebe die eigens entwickelte Plakat- und Postkarten-Serie. Beim Kampagnenstart mit dabei waren u. a. die Polizei Weiterlesen

Das Grauen am Wegesrand

Als würden zwei Geisterbahnen nicht reichen: „Gruselig kann ich auch!“ ist überdies momentan das Motto der Pfaffenhütchen im Volkspark Hasenheide. Statt Blättern und Knospen tragen die Büsche ein dichtes Netz aus weiß-silbrigen Spinnweben, das viele angewidert aus sicherer  Distanz betrachten. Laut  Rainer Sodeikat vom Grünflä-

pfaffenhütchen-gespinstmotte_hasenheide neukölln

chenamt  Neukölln gibt es dafür aber keinen Grund: Für Menschen ist die Gespinst- motte total harmlos, ebenso für die Büsche. Wer jedoch den kostenlosen, natürlichen Gruseleffekten das Hightech-Grauen namens Geisterbahn vorzieht, kann diesem morgen bei den Neuköllner Maientagen zu Preisen wie vor 50 Jahren frönen.

Neuer Leitfaden durch das Neuköllner Grün

rosskastanie_baumlehrpfad hasenheide_neuköllnAn einer riesigen Rosskastanie am Columbiadamm beginnt er – oder an einer der 26 anderen Stationen: der  Baumlehrpfad im Volkspark Hasen- heide. Um ihn ein wenig bekannter zu machen, hat das Bezirksamt Neukölln zum diesjährigen Tag des Baumes, der morgen ist, eine Broschüre her- ausgegeben.

„Seit 1996 pflanzen wir jährlich in der Hasenheide den Baum des Jahres und stellen dazu eine Hinweistafel auf“, sagt Bernd Kanert, der Leiter des Neuköllner Grünflächenamts (NGA). „Außer- dem steht ein Gingko, der zum Jahrtausendbaum ernannt wurde, Weiterlesen

„Ich glaub, dass sich der Bezirk Neukölln nie wieder mit jemandem namens Kolland belasten wird“

Es fällt schwer, sich den Zustand der imposanten Galerie im Körnerpark anno 1982 vorzustellen. „Rohbau, kein Fußboden, unverputzt, kein Licht, kein gar nichts. Der ganze Raum wurde vom Neuköllner Garten- bauamt als Abstellfläche für Gerätschaften und Pflanzen genutzt“, beschreibt Dorothea Kolland, die junge, unverbrauchte Verrückte von damals. Nein, ein Dienstvergehen von ihr sei es nicht gewesen, die Orangerie zum prächtigen Rahmen für kulturelles Leben zu machen, nur eine Guerilla-Aktion – gemein- sam mit dem damaligen Leiter des Hoch- bauamts. Dass der gesamte Park seinerzeit zum Gartendenkmal umgestaltet und „ordentlich Geld für die Renovierung des Gebäudes“ in die Hand genommen wurde, kam der zugute. „Aber das Entscheidende war“, so Kollands Einschätzung, „dass ich einfach voller Überzeugung mein Ding durchgezogen hab und auch andere Leute damit überzeugen konnte.“ Daraus, dass das leichter war als es heute wäre, macht sie keinen Hehl: „So  massive Neins wie jetzt von Buschkowsky, hab ich früher nie erfahren.“ Obwohl es auch mit den vier anderen Bezirksbürgermeistern oft nicht leicht gewesen sei. Zwischenmenschlich habe es mit Frank Bielka am besten geklappt, der den Bezirk von 1989 bis 1991 lenkte und heute Vorstandsmitglied der Wohnungsbaugesellschaft degewo ist: „Aber das war finanziell durch die Wende und den Wegfall der Berlin-Förderung eine schwierige Zeit.“

Schwierigkeiten anderer Art hatte Dorothea Kolland dagegen in den Anfangsjahren zu bewältigen: Sie musste die Rollen als junge Mutter sowie als Chefin des Kulturamts und Leiterin der neuen Galerie im Körnerpark, die furios mit einer Ausstellung von Markus Lüpertz eröffnet hatte, unter einen Hut bringen. „Weil ich oft bis Mitternacht in der Galerie war, war meine Tochter meistens auch mit dabei. Anders ging es nicht.“ Sehr prägend sei diese Zeit gewesen, sagt sie rückblickend. Natürlich habe es zu ihren Hauptaufgaben gehört, Kunst zu managen und Rahmenbedingungen zu schaffen, dass sich das Publikum Kunst einverleibt und ins Theater, zu Ausstel- lungen oder in Konzerte geht. „Aber wenn ich mich nur mit Administration aufge- halten hätte, wäre ich verrückt geworden. Deshalb wollte ich bis zuletzt auch oft da sein, wo Kunst gemacht wird.“

Doch Dorothea Kolland hat sich in Neu- kölln nicht nur als Entwicklungshelferin in Sachen Kunst und als Kulturmanagerin verdient gemacht. Auch manche ge- schichtsträchtige Immobilie, wie zum Beispiel das so genannte Büdner-Dreieck zwischen Saalbau und Passage, konnte durch ihren Einsatz vor dem Abriss gerettet werden. „Da, wo die ältesten Häuser der Karl-Marx-Straße stehen, sollte Mitte der 1980er-Jahre auf die Schnelle ein Kaufhaus hochgezogen werden“, erzählt sie. „Als ich das erfuhr, haben wir in Windeseile eine Ausstellung fürs Heimatmuseum gemacht, die die Historie des Büdner-Dreiecks dokumentierte und den Landeskon- servator eingeschaltet.“ Das sei auch wieder so eine Guerilla-Aktion gewesen: „Innerhalb von 14 Tagen haben wir jeden- falls so etwas wie Denkmalschutz auf den Häusern gehabt, und der geplante Abriss musste zum Ärger der Grundstückeigen- tümerin abgeblasen werden.“

Wie es nun mit der Karl-Marx-Straße wei- tergeht, das hält die scheidende Kultur-amtsleiterin neben der noch wichtigeren Frage der Mietenentwicklung für einen der entscheidenden Schlüssel für die Zukunft des Bezirks. „Um die festen Kultureinrichtungen mache ich mir keine Sorgen, die sind in gutem Zustand und gut akzeptiert.“ Sie hält kurz inne. „Eigentlich bin ich optimistisch, dass es bei einigen gentrifizierungsgefährdeten Kiezen bleibt und der Norden des Bezirks an sich auch künftig international gemischt sein wird.“ Aber das werde nicht von alleine passieren. Da hätten der Staat, der Senat und natürlich auch der Bezirk durchaus Aufgaben: „Sie müssen Rahmenbedingungen schaffen und das Bleiben attraktiv machen. Aber die Erkenntnis, ist zumindest mein Eindruck, ist noch nicht genügend an den entsprechenden Stellen angekommen. Dazu, dass eine Horde von Künstlern oder Studenten kurz einfällt und dann wieder weg ist, darf es nicht kommen. Und außerdem muss verhindert werden, dass Familien mit Kindern wegziehen, wenn die eingeschult werden.“ Darum müssten sich Senat und Bezirk kümmern, weil in erster Linie davon die Zukunft Neuköllns abhänge.

Für ihre eigene Zukunft hat Dorothea Kolland profanere Wünsche, die jedoch auch nicht ohne Tücken sind: „Viel lesen will ich, alles. Und reisen, viel reisen, was allerdings etwas schwierig ist, weil ich sehr gerne zusammen mit meinem Mann reise, der aber blöderweise als Präsident der Landesmusikrats dauernd ehrenamtliche Termine hat. Und außerdem möchte ich natürlich Zeit für mein Enkelkind haben, das in wenigen Monaten zur Welt kommen wird.“

Es ist zweifellos die 31-jährige Er- folgsgeschichte einer so engagierten wie nonkonformistischen und unbe- quemen Frau, die am letzten Tag die- ses Monats zu Ende geht. Das meiste von dem, was Dorothea Kolland an- packte, hat sie auch geschafft. „Aber leider nicht alles“, gibt sie zu. „Ich hätte zum Beispiel unheimlich gerne ein Ausstellungsprojekt mit Kindern, Medizinern, Pfarrern und Psychologen zum Thema „Kinder und Tod“ gemacht, weil das Thema so wichtig ist, aber nie richtig behandelt wird.“ Und außerdem sei es ihr nicht gelungen, die Politik davon zu überzeugen, dass man die Künstlerförderung finanziell stärker ausgestattet werden muss. „Neukölln“, erklärt sie, „hat in diesem Topf für dezentrale Kulturarbeit genauso viel Geld wie vor fünf Jahren. Bloß war eben damals höchstens die Hälfte der Künstler in Neukölln.“ Darauf müsse man doch reagieren und könne das nicht einfach so treiben lassen. „Und was mir wirklich sehr leid tut, ist, dass dieses Jahr zum ersten Mal kein Kiez International stattgefunden hat, weil es mir nicht gelungen ist, in den letzten 12 Monaten eine neue Konzeption zu entwickeln.“ Das sei letztlich an der mangelnden politischen Unterstützung und den nur sehr beschränkten personellen Möglichkeiten des Kulturamts gescheitert. „Ich hatte oft in der Kulturszene und auch im Kollegenkreis die Rolle ‚Die Kolland wird’s schon richten‘, aber es gibt eben auch Situationen, wo das nicht funktioniert, vor allem nicht alleine.“ Für solche konzeptionellen Arbeiten habe sie lediglich eine Mitarbeiterin gehabt.

Eben die, die derzeit – nach einem Intermezzo von Museumsleiter Udo Gößwald – kommissarisch den Chefinnensessel im Neuköllner Kulturamt übernommen hat: Bettina Busse. „Ich werde die Letzte sein, die erfährt, wer meine Nachfolge antritt“, glaubt Dorothea Kolland. Ebenso, dass sich der Bezirk Neukölln nie wieder mit jemandem namens Kolland belasten wird.  „Was klar ist, ist, dass ich den Posten schon gerne in guten Händen wüss- te. Egal ist es mir also absolut nicht“, versichert sie.

Die FACETTEN-Magazin-Redaktion und die Brennans danken für die spannende Zeitreise durch die Neu- köllner Kulturgeschichte, wünschen Dorothea Kolland einen wunderbaren Ruhestand und ihrem/r Nachfolger/in viel Erfolg.

Von Baum zu Baum

baumlehrpfad volkspark hasenheide neuköllnSitzungen heißen Sitzungen, weil man sie – meist in geschlossenen Räumen – im Sitzen absolviert. Schon deshalb wich die letzte Sitzung des  Ausschusses für Grün- flächen, Natur- und Umweltschutz  der Neu- köllner Bezirksverordnetenversammlung (BVV) gehörig von der Norm ab. Denn bei der gab es für die Lokalpolitiker mehr zu laufen als zu sitzen. Mit Bernd Kanert, dem Leiter des Naturschutz- und Grünflächen- baumlehrpfad volkspark hasenheide neukölln, bvv-ausschusssitzungamts, und Neuköllns Naturstadtrat Thomas Blesing an der Spitze erkundeten sie den  Baumlehrpfad im Volkspark Hasenheide.

Der wurde zwar schon im Oktober 2009 eingeweiht, doch um seinen Bekanntheitsgrad unter den Be- zirksverordneten war es nicht wirklich gut bestellt. Dass es in der Hasenheide einen Baumlehrpfad gibt, hatte vielleicht jeder von ihnen schon mal gehört, aber wo der ist, was es mit ihm auf sich hat und mit welchen Bäumen er bestückt ist, hätte kaum jemand vor der Exkursion beantworten können.

Nun sind die Ausschussmitglieder um einiges schlauer. Dank Bernd Kanert, der mit seinem Wissen jedes Botanik-Lehrbuch in den Schatten stellt, wissen sie, dass  alle 24  Baumarten, die seit 1989 zum  Baum des Jahres  ausgerufen wurden, mit einer

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baumlehrpfad volkspark hasenheide neuköllnHinweistafel entlang des nicht-chronologisch sortierten Lehrpfads stehen. Sie haben erfahren, dass die Euro- päische Lärche Baum des Jahres 2012 wurde und sogar der zum Baum des Jahrtausends ernannte Ginko in der Hasenheide zu finden ist. Auch durch den vis-à-vis dem Tierpark Hasenheide gelegenen  Heide- garten  (geöffnet von 9 – 18 Uhr) schlenderte der Tross der BVV-Politiker, der von manchem Passanten  für eine Touristengruppe gehalten  wurde: „Heide“, erklär- te heidegarten, volkspark hasenheide neuköllnBernd Kanert, „ist hier aber schon lange nicht mehr zu sehen. Die ist völlig vom Unkraut verdrängt worden.“ Mit dem Etat, der dem NGA Neukölln zur Verfügung steht, sei es eben schwierig, eine Grünanlage mit den Ausmaßen der Hasenheide bis in den letzten Winkel zu pflegen. Zumal dort nicht nur unliebsame Auswüchse der Natur gebändigt werden müssen, sondern auch durch Menschenhand verursachte dazu kommen. „Immer wieder“, so Kanert, „werden  Hinweistafeln am Baumlehrpfad durch Graffiti beschädigt. Oder gleich ganz geklaut.“ Deshalb müsse aktuell nicht nur die etwa 300 Jahre alte Deutsche Eiche im Heidegarten ohne informatives Edelstahlschild baumlehrpfad volkspark hasenheide neuköllnbaumlehrpfad volkspark hasenheide neuköllnauskom- men.

In einem anderen Fall hat es andere Gründe, dass die botanische Weiterbil- dung von Baumlehrpfad-Flaneuren zum Erliegen kommt. „Fällt Ihnen hier etwas auf?“, fragt Bernd Kanert und zeigt auf zwei mächtige Ahornbäume, die samt Hinweistafeln einen Gehweg in der Senke der Hasenheide flankieren. Statt die Frage zu verneinen warten die Bezirksverordneten darauf, dass der NGA-Chef erklärt, was ihnen hätte auffallen können: „Der Bergahorn ist ein Spitzahorn und der Spitzahorn ein Bergahorn.“ Wegen der Neuköllner Maientage hätten die Schilder entfernt werden müssen, und beim Wiederaufstellen, sagt Bernd Kanert schmun- zelnd, seien sie schlichtweg vertauscht worden. Inzwischen dürfte das korrigiert sein.

=ensa=

So was von behämmert!

baum mit nägeln, hasenheide neukölln, vandalismus, foto: jennifer jennselVielleicht gucken Künstler einfach genauer hin. Auf Willi Büsing und seine Frau Jennifer Jennsel trifft das jedenfalls zu. Was sie dann sehen, baum mit nägeln, hasenheide neukölln, vandalismus, foto: jennifer jennselkurbelt das gesamte Karussell der Emo- tionen an: von Be- geisterung bis Ärger ist alles drin. Manch- mal, wie dieser Ta- ge, gibt es aber auch Rätsel auf. „Wozu soll das gut sein?“, fragte Willi Büsing nicht nur sich nach einem Spaziergang durch Neuköllns Hasenheide, bei dem er etliche mit Nägeln und Schrauben gespickte Baumstämme entdeckt hatte. Sind es Spuren von Vandalismus? Oder werden die Metallstifte womöglich gezielt amtlicherseits in die Stämme geschlagen, um eine baumpflegerisch positive Reaktion hervorzurufen?

baum mit schraube, hasenheide neukölln, vandalismus, foto: jennifer jennselDas daraufhin von der FACETTEN-Redaktion zur Klärung der Frage eingeschaltete Naturschutz- und Grünflächenamt (NGA) Neukölln reagierte prompt: Mitnichten baum mit schraube, hasenheide neukölln, vandalismus, foto: jennifer jennselseien die Nägel und Schrau- ben baumpflege- risch von Nutzen, teilte Rainer Sodei- kat vom Zuständigkeitsbereich Grünflächenunterhal- tung Nord per E-Mail mit. „Leider“, führte er aus, „gibt es immer wieder Mitbürger, die aus Langeweile zur Tat schreiten.“ Die Bäume würden natürlich nicht sofort absterben, jedoch sei „jede Wunde, die man ihnen zufügt, ein Einfallstor für Bakterien, Viren und Pilze. Diese Infektionen bringen den Baum mittel- fristig um. Da unsere Bäume eh schon geschwächt sind, belastet sie derartiges Handeln noch mehr.“ Es ist keine rosige Perspektive, die Sodeikat für Neuköllns malträtierte Bäume zeichnet: „Wir sind leider völlig machtlos gegenüber jedweden Vandalismus.“

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Schön für die Neuköllner, teuer für den Bezirk

Sechs Monate lang lag der Körnerpark im Winterschlaf. Damit ist es nun vorbei. Die Beete der denkmalgeschützten Neuköllner Gartenanlage sind neu bepflanzt, die brunnenanlage körnerpark neuköllnBäume und Sträucher gestutzt, die Grünflächen ohne Herbstlaub und kleine Schönheitsreparaturen erle- digt. Seit gestern Mittag ist auch erneut in Betrieb, was als ultimatives Indiz für den Beginn der Sommer- saison gesehen werden darf: der Brunnen vis-à-vis der Orangerie.

Bis Oktober können sich die Besu- cher des Körnerparks wieder an den Wasserspielen erfreuen, die täglich von 12 bis 20 Uhr geschaltet sind. Im alternierenden Dreier-Rhythmus, wie Stadtrat Thomas Blesing nach seinem „Wasser marsch!“-Kommando erklärte. Eine Stunde wasser marsch, auftakt brunnensaison 2012, stadtrat thomas blesing, körnerpark neuköllnlang seien die Wassersäulen der Hauptfontäne zu sehen, danach sprudeln für jeweils eine Dreiviertelstunde die Kas- kaden in den terrassenartig an- gelegten Becken und die Quelle.

Rund 20.000 Euro investiert der Bezirk Neukölln in das nasse Vergnügen – pro Saison und Brunnen. „Und das sind nur die normalen Betriebskosten“, sagt der Stadtrat für Bauen, Natur und Bürgerdienste. „Bei Reparaturen“, ergänzt Bernd Kanert, Leiter des Neuköllner Natur- und Grünflä- chenamts, „kommt leicht noch mal der gleiche Betrag dazu.“ Die mit normalem Stadtwasser gespeisten Wasserspiele im Körnerpark führen ob ihrer Übernutzung und Zweckentfremdung die Hitliste der unkalkulierbaren Zusatzkosten der bezirks- finanzierten Brunnen konkurrenzlos an. Die filigrane Technik mit Düsen und Pumpen sei vor allem im Hochsommer, wenn der Park von vielen als Freibadersatz genutzt wird, förmlich einem Dauerbelastungstest ausgesetzt, sagt Kanert: „Was meine hauptfontäne körnerpark neuköllnMitarbeiter dann alles aus dem Wasser holen müssen, ist unglaublich.“ Spielzeug, Zeitun- gen, Flaschen, Socken. Es gäbe kaum etwas, was noch nicht die Siebe verstopfte. Verhin- dern ließe sich das nur, indem man die Ordnungsamt-Patrouillen verstärke, meint Tho- mas Blesing, aber „die haben Wichtigeres zu tun als erholungsbedürftige Neuköllner aus Grünanlagen zu verscheuchen.“ Und die rund 60 Mitarbeiter im operativen Bereich des Natur- und Grünflächenamts könnten auch nicht überall sein, da sie bezirksweit für die Pflege der Straßenbäume, Spielplätze und anderer Gartendenkmäler zuständig seien.

Selbstverständlich, sagt Blesing, hätte es auch für Neukölln die Option gegeben, wie andere Bezirke die Betriebskosten für die Wasser- anlagen durch ein Brunnensponsoring der Wall AG einzusparen: „Der Preis dafür wäre aber ein Mehr an Wall-Straßenwerbung gewesen und dagegen gab es einen parteiübergreifenden Konsens.“ In monetärer Hinsicht sei es also durchaus von Vorteil, dass nur noch sechs der ursprünglich neun Brunnen im Bezirk in Betrieb sind: Die im Körnerpark, vor dem Neuköllner Rathaus und im Von-der-Schulen- burg-Park sprudeln zulasten der Bezirkskasse, die im Britzer Garten, vor dem Schloss Britz und auf dem Parkfriedhof auf Kosten anderer.

=ensa=