Das Grauen am Wegesrand

Als würden zwei Geisterbahnen nicht reichen: „Gruselig kann ich auch!“ ist überdies momentan das Motto der Pfaffenhütchen im Volkspark Hasenheide. Statt Blättern und Knospen tragen die Büsche ein dichtes Netz aus weiß-silbrigen Spinnweben, das viele angewidert aus sicherer  Distanz betrachten. Laut  Rainer Sodeikat vom Grünflä-

pfaffenhütchen-gespinstmotte_hasenheide neukölln

chenamt  Neukölln gibt es dafür aber keinen Grund: Für Menschen ist die Gespinst- motte total harmlos, ebenso für die Büsche. Wer jedoch den kostenlosen, natürlichen Gruseleffekten das Hightech-Grauen namens Geisterbahn vorzieht, kann diesem morgen bei den Neuköllner Maientagen zu Preisen wie vor 50 Jahren frönen.

So was von behämmert!

baum mit nägeln, hasenheide neukölln, vandalismus, foto: jennifer jennselVielleicht gucken Künstler einfach genauer hin. Auf Willi Büsing und seine Frau Jennifer Jennsel trifft das jedenfalls zu. Was sie dann sehen, baum mit nägeln, hasenheide neukölln, vandalismus, foto: jennifer jennselkurbelt das gesamte Karussell der Emo- tionen an: von Be- geisterung bis Ärger ist alles drin. Manch- mal, wie dieser Ta- ge, gibt es aber auch Rätsel auf. „Wozu soll das gut sein?“, fragte Willi Büsing nicht nur sich nach einem Spaziergang durch Neuköllns Hasenheide, bei dem er etliche mit Nägeln und Schrauben gespickte Baumstämme entdeckt hatte. Sind es Spuren von Vandalismus? Oder werden die Metallstifte womöglich gezielt amtlicherseits in die Stämme geschlagen, um eine baumpflegerisch positive Reaktion hervorzurufen?

baum mit schraube, hasenheide neukölln, vandalismus, foto: jennifer jennselDas daraufhin von der FACETTEN-Redaktion zur Klärung der Frage eingeschaltete Naturschutz- und Grünflächenamt (NGA) Neukölln reagierte prompt: Mitnichten baum mit schraube, hasenheide neukölln, vandalismus, foto: jennifer jennselseien die Nägel und Schrau- ben baumpflege- risch von Nutzen, teilte Rainer Sodei- kat vom Zuständigkeitsbereich Grünflächenunterhal- tung Nord per E-Mail mit. „Leider“, führte er aus, „gibt es immer wieder Mitbürger, die aus Langeweile zur Tat schreiten.“ Die Bäume würden natürlich nicht sofort absterben, jedoch sei „jede Wunde, die man ihnen zufügt, ein Einfallstor für Bakterien, Viren und Pilze. Diese Infektionen bringen den Baum mittel- fristig um. Da unsere Bäume eh schon geschwächt sind, belastet sie derartiges Handeln noch mehr.“ Es ist keine rosige Perspektive, die Sodeikat für Neuköllns malträtierte Bäume zeichnet: „Wir sind leider völlig machtlos gegenüber jedweden Vandalismus.“

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