25-jähriges Jubiläum der Partnerschaft zwischen Neukölln und Ústí nad Orlicí

Stadtwappen_von_Ústí_nad_OrlicíDie Berliner Mauer stand noch, als am 6. November 1989 der erste Teil des Städtepartnerschaftsvertrages zwischen Neu- kölln und Ústí nad Orlicí in der böhmischen Kreisstadt unterzeichnet wurde. Keine drei Wochen später, am 24. No- vember, konnten Tschechen und Deutsche in Neukölln bei der Unterzeichnung des zweiten Teils der Partnerschaftsverein- F1_Petr Šilar mit Teilnehmern der Partnerschaftsreise und Begleitern aus Horní Čermnábarung gemeinsam den Fall der Mauer feiern.

Der Verein Freunde Neuköllns e. V. machte anlässlich dieses geschichtsträchtigen Er- eignisses vom 25. bis 29. Oktober eine Jubiläumsreise nach Horní Čermná, dem Ort, aus dem die ersten böhmischen Exu- lanten 1737 nach Rixdorf kamen. Besucht wurden ebenfalls die tschechische Kreis- stadt Ústí nad Orlicí und die Landeshauptstadt Prag. Am 28. Oktober, dem tschechischen Nationalfeiertag, der an die Staatsgründung der ersten Republik im Jahr 1918 erinnert, wurde eine von den Freunden Neuköllns gestiftete Linde an der F4_Tschechisch-Deutsches HinweisschildGrenze zwischen den Gemeinden Horní Čermná und Dolní Čermná gepflanzt. Sie ist mit einem tschechisch-deutschen Hinweisschild versehen, das besagt: „Diese Linde wurde am 28.10.2014 anlässlich des 25-jährigen Jubiläums der kom- munalen Partnerschaft zwischen Berlin Neukölln (Deutschland) und Ústí nad Orlicí in Horní Čerm- ná gepflanzt“. Krönender Abschluss der vier- tägigen Reise war ein Besuch im Senat der Tschechischen Republik bei Senator Petr Šilar, dem früheren Bürgermeister von Horni Cermna und Abgeordneten des Regionalparlaments Pardubice.

„Die Partnerschaft der Gemeinden Neukölln und Ústí nad Orlicí ist eine Herzens- sache für mich“, bekannte Alena Vojtková, die als Bürgermeisterin von Ústí nad Orlicí F2_Hana Motlová_Horst Bölsdorf_ Alena Vojtková_Petr Hájekan der Partnerschaftsvereinbarung 1989 maß- geblich mitgewirkt hatte, bereits beim ersten gemeinsamen Essen in Horní Čermná. Auch Hana Motlová (l., neben Horst Bölsdorf, Alena Vojtkova und Petr Hájek), Bürgermeisterin der rund 1.000 Einwohner zählenden Gemeinde Horní Čermná, war von der freundschaftlichen und herzlichen Atmosphäre sofort begeistert. Verantwortlich für diese fast familiäre Stimmung war vor allem die Zusam- mensetzung der Reisegruppe.

Da war zum Beispiel Jörg Weprajetzky, der über acht Generationen nachverfolgen kann, wie er mit Paul Weihprachtizky, dem ersten böhmischen Dorfschulzen in Rixdorf verwandt ist: „Mit dem Dušek, dem Rychtář F3_Jörg Weprajetzkyund dem Motel bin ick ooch verwandt“, erklärte Weprajetzky (l., beim Abladen der Linde) seinen staunenden Zuhörern. Aber auch Susanne Lehmann, eine geborene Motel, und Lutz Janke vom Museum im Böhmischen Dorf sowie Stefan Butt, Archivar der Brüder- gemeine Berlin, kennen die lange und oft auch leidvolle deutsch-tschechische Geschichte sehr genau. „Versöhnung hängt vom Engagement einzelner Menschen ab“, betonte letzterer am Rande des Kulturabends am Nationalfeiertag in der Dorfgaststätte Krčma, der mit über 50 F5_Kulturabend Dorfgststätte Krčma_Hana Motlováeinheimischen Gästen aus Dolní Čermná und Horní Čermná sehr gut besucht war. Gezeigt wurde eine Dokumentation zur Geschichte der böhmischen Exulanten, es gab Leierkastenmusik aus Berlin und Horní Čermná sowie ein reichhaltiges kaltes Buffet. Archivar Butt bedauerte, dass Beate und Man- fred Motel sowie die Familie Schönleber aus Berlin bei der Partnerschaftsreise nicht dabei sein konnten. „Das persönliche Engagment wirkt und F6_Elfriede Manteuffelhält an, es ist deshalb wichtiger als alles Offizielle“, sagte Butt.

Elfriede Manteuffel (r.), Bezirksverordnete der Neuköllner CDU-Fraktion, war so angetan, dass sie eine improvisierte Rede hielt, um sich für den freundlichen Empfang in Horní Čermná zu F7_Grab von Wilhelm Hartwigbedanken. Für die Ar- beit des Waisenhau- ses, das von Wilhelm Hartwig gegründet wurde und in Sichtweite seines Grabes liegt, spendete sie spontan 100 Euro. Bewegend waren nicht zuletzt die Kranzniederlegungen in Horní Čermná und Nepomuky an den beiden Denkmälern für die Gefallenen des 1. Weltkrieges. Bertil F8_Lenka Ptáčková_Bertil Wewer_Hana Motlová_Freiwllige FeuerwehrWewer (2. v. l.), Bezirksver- ordneter der Grünen und stellvertretender Vorsitzender der Freunde Neuköllns, legte wäh- rend des feierlichen Akts an beiden F9_Musikgruppe Grundschule Horní ČermnáMahnmalen jeweils ein Blumen- gebinde für den Städ- tepartnerschaftsverein zum Gedenken an die Opfer nieder. Am Mahnmal in Horní Čermná ist auch eine Tafel für die Opfer des 2. Weltkrieges angebracht.

Im gut gefüllten Reiseprogramm, zu dem ein Besuch des Gottesdienstes der Evangelischen Kirchengemeinde, eine Besichtigug der Tvrz Orlice Letohrad und ein Ausflug nach Litomyšl gehörten, war am Sonntag auch Zeit für einen Spaziergang F10_Hana Motlová_Manfred Herrmannzum Aussichtsturm Marianka. Manfred Herr- mann (r.), Reiseleiter und Beauftragter der Freunde Neuköllns für die Partnerschafts- verbindung mit Ústí nad Orlicí, ließ sich hier von Hana Motlová erklären, wie Polen und die Tschechische Republik als Mitglieder der Europäischen Union im gemeinsamen Grenz- gebiet bei der Verbesserung des Tourismus kooperieren. Herrmanns Fazit der Reise: „Die Resonanz bei der örtlichen Bevölkerung war überwältigend, und über die ausführliche Berichterstattung der lokalen Medien habe ich mich sehr gefreut.“

=Christian Kölling=

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