Geschützt oder doch lieber klassisch? Diskussion über die Radstreifenplanung auf der Karl-Marx-Straße

Um den Radverkehr in Neukölln zu fördern, haben sich SPD und Grüne in der Bezirksverordneten-versammlung viel vorgenommen: Eine Machbarkeits-studie für die Einrichtung eines Radstreifens auf der Hermannstraße, ein integriertes Verkehrskonzept für den Verkehrsraum Sonnenallee sowie die Markierung eines Fahrradstreifens im nördlichen Teil der Karl-Marx-Straße noch vor dem Umbau der Magistrale, sind drei Forderungen der rot-grünen Zählgemeinschafts-vereinbarung, die „nicht nur ein Stück Papier, sondern ein echter Arbeitsvertrag für die nächsten fünf Jahre“ sein soll.

„Erste Überlegungen für Radverkehrsanlagen auf der Karl-Marx-Straße zwischen Weichselstraße und Hermannplatz“ standen am vergangenen Mittwoch als Punkt 9 auf der Tagesordnung des BVV-Auschusses für Straßen, Grünflächen und Ordnung. Vorgestellt wurden sowohl ein „klassischer Radstreifen“ mit einer 75 Zentimeter breiten Sicherheitszone zum Schutz vor öffnenden Autotüren als auch ein „geschützter Radstreifen“ zwischen Bord-steinkante und Parkspur.

Dass der Bezirk nur Vorschläge machen könne, die endgültige Entscheidung über die Anordnung einer Radverkehrsanlage aber letztendlich beim Berliner Senat und der Verkehrslenkung Berlin (VLB) läge, betonten Wieland Voskamp, Leiter des Straßen- und Grünflächen-amts, und Bezirksbürgermeisterin Dr. Franziska Giffey, die dem Amt vorsteht, ausdrücklich. „Das sind Varianten, aber keine Entscheidungen. Ich sage das ganz deutlich“, betonte Voskamp bevor er anhand von Karten aufzeigte, wie ein „geschützer Radstreifen“ oder ein „klassischer Radstreifen“ auf dem nördlichen Abschnitt der Karl-Marx-Straße realisiert werden könnte.

Die Einrichtung eines „geschützten Radstreifens“ nach dem Vorbild der „Protected Bike Lane“ in Chicago, fordert das Netzwerk Fahrradfreundliches Neukölln. Der geschützte Radstreifen mit einer Breite von 2,25 Metern soll unmittelbar neben Bürgersteig und Bordstein am rechten Fahrbahnrand angelegt werden, wo derzeit die parkenden Kraftfahrzeuge stehen. Links vom Radstreifen sollen Poller den Sicherheitsabstand zu parkenden Autos gewährleisten. Neben dem 2,25 Meter breiten PKW-Parkstreifen schließt sich links die 3,50 Meter breite Fahrbahn an. Derart geschützte Radstreifen präferiert das Netzwerk Fahrradfreundliches Neukölln, weil sie ein sicheres Fahrgefühl auch für Kinder und ältere Menschen böten.

Nur unwesentlich anders sähe die Straßenaufteilung bei Einrichtung eines klassischen Radstreifens aus: An den 5,46 Meter breiten Bürgersteig schließen sich 2.50 Meter Parkstreifen an. Zum Schutz vor öffnenden Autotüren wird ein 75 Zentimeter breiter Sicherheitsstreifen links neben der Parkspur auf die Fahrbahn aufgetragen. Daneben liegen ein 2,25 Meter breiter Radstreifen sowie eine 3,50 Meter breite Fahrbahn.

„Beim ADFC Neukölln ist die Meinung 50:50, ob ein geschützter oder ein klassischer Radstreifen auf der Karl-Marx-Straße angelegt werden soll“, gab Christa Emde zu Protokoll. Persönlich würde sie einen geschützten Radstreifen bevorzugen, weil der unsichere Radfahrer eher ermutigen würde, das Rad zu benutzen. Die Zweckmäßigkeit eines geschützten Radstreifen zwischen Bordstein und parkenden Autos wurde aber während der Präsentation auch bezweifelt. Roland Jannermann, Mitarbeiter der Abteilung Planung und Finanzierung von Radverkehrsinfrastruktur der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klima, wies daraufhin, dass Falschparker den geschützten Radstreifen blockieren könnten. Radfahrende müssten sich in diesem Fall durch die parkenden Autos zwängen, um auf die Fahrbahn auszuweichen, wenn sie nicht auf den Bürgersteig wechseln wollen. Problematisch sei ein geschützter Radstreifen auch für Lieferanten und die Fahrgäste der Nachtbuslinie, die die Poller passieren und den Radstreifen queren müssen, bevor sie den Bürgersteig erreichen. Die Einrichtung eines geschützten Radstreifens sei zwischen Hermannplatz und Reuterstraße eher möglich als zwischen Reuter- und Weichselstraße, wo es viele Grund-stückseinfahrten gibt. „Die machen aus der geschützten Radspur einen Schweizer Käse“, machte Voskamp die Situation anschaulich.

Und wie geht es weiter? Bis Mitte August soll nun die Abstimmung beider Vorschläge mit der Verkehrslenkung Berlin stattfinden. Parallel werden Arbeiten an der maroden Asphaltdecke ausgeschrieben, ohne die die Markierungsarbeiten nicht durchgeführt werden können. Wenn nichts dazwischen kommt, können die Markierungsarbeiten für einen geschützten oder einen klassischen Radstreifen im Frühjahr 2018 beginnen.

=Christian Kölling=

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2 Antworten

  1. Geschütz oder klassisch? Was soll ich darunter verstehen? Hauptsache Radweg, alles andere kostet zuviel und bringt nicht viel….

  2. 75 cm breiter Radweg reicht vollkommen aus…

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