„Unser Bestreben ist, diejenigen zu unterstützen, die schon lange in Neukölln dabei sind“

giffey_muecke_biwaq-pk_rathaus neuköllnKnapp 2 Millionen Euro konnte das Bezirksamt Neu-kölln aus dem ESF-Bundesprogramm Bildung, Wirt-schaft, Arbeit im Quartier – BIWAQ einwerben. Das Programm, das am 1. September startete und im Bezirk unter dem Namen „Unternehmen Neukölln“ bis 31.12.2018 läuft, ist ein Partnerprogramm des Städtebauförderungsprogrammes Soziale Stadt, denn es legt den Schwerpunkt bewusst auf benachteiligte Stadt- und Ortsteile.

Gestern Mittag informierten Bezirksbürgermeisterin Dr. Franziska Giffey und Clemens Mücke von der Wirt-schaftsförderung bei einer Pressekonferenz im Rixdorf-Salon des Rathauses über Einzelheiten vom „Unternehmens Neukölln“. Anwesend waren auch Sabine Slapa und Susann Liepe, die seit 2010 für das Citymanagement arbeiten und im neuen Projekt den Teilbereich „Ansiedlungs-management für das Sanierungsgebiet Karl-Marx-Straße und Sonnenallee“ über-nommen branchenausschluss gewerbeimmobilie_karl-marx-straße neuköllnhaben.

„Wir wollen den Standort Neukölln nachhaltig stärken, innovative Ideen fördern und Ansied-lungen offensiv begleiten. Neukölln setzt auf Wirtschaftsförderung und Standortmarketing“, fasste Giffey den Kerngedanken des entwickel-ten Programms zusammen: „Früher war unsere Frage, wie bekommen wir Bildung und Stadt-entwicklung zusammen. Jetzt geht es darum, auch Wirtschaftsförderung mit Stadtentwicklung zusammenzubringen.“ Neukölln blühe heute auf und sei für Unternehmen attraktiv geworden. Diese Unternehmen, Freischaffenden und Kreativen würden ein enormes wirtschaftliches Potenzial für Nord-Neukölln bergen. Vielen sei jedoch noch gemein, dass sie Defizite im unternehmerischen Handeln aufwiesen und im Stadtbild noch zu wenig sicht- und wahrnehmbar seien. „Von einem Kreativbeauftragten halte ich nichts“, sagte Giffey im Hinblick auf eine im Frühjahr aufgestellte Forderung der CDU Neukölln. Vielmehr will rathaus-turm neuköllnsie sich nach dem im April bei ihrer Antritts-Presse-konferenz vorgestellten 12-Punkte-Programm richten.

Das „Unternehmen Neukölln“ gliedert sich in fünf Teilprojekte, die gleichberechtigt nebeneinander ste-hen und ihre Kraft aus der Zusammenarbeit ent-wickeln sollen. Clemens Mücke erklärte: „Zu den projektübergreifenden Zielen gehören die Stärkung der lokalen Ökonomie ebenso wie die Förderung der Beschäftigung. Mit dem Programm wollen wir konkret 70 Arbeitsplätze schaffen, zwei Dutzend neue Unter-nehmen ansiedeln, Beratung zur Qualifizierung der Mitarbeiter und für die Professionalisierung der Unter-nehmen geben.“

Im Teilprojekt Kreativwirtschaft soll das wirtschaftliche Potenzial der rund 1.500 kreativen Solo-, Klein- und Kleinstbetriebe gestärkt werden, die ihr Unternehmen zumeist von zu hause, in Coworking Spaces oder kleinen Ladenlokalen betreiben. Das Teilprojekt Kulturwirtschaft will die Kunst- und Kulturszene mit etwa 120 Ateliers, Projekträumen und Galerien stärken, die am Kunstmarkt bisher kaum Anteil nimmt. Aufbauend auf dem über 100 Modesigner und Produzenten zählenden NEMONA – Netzwerk für Mode und Nähen setzt das Teilprojekt Modewirtschaft seinen Schwerpunkt auf das Thema Vertrieb. Die wirtschaftliche Situation der Neuköllner Modeschaffenden soll auf Grundlage eines integratives Bildungs- und Wirtschaftskonzeptes dauerhaft verbessert werden. Ziel ist es, den Bezirk als Modestandort weiter zu verankern und berlinweit bekannt zu machen. Das Modul Stadtteilmanagement Sonnenallee will die Stärkung des Nahversorgungszentrums Sonnenallee vor allem durch Qualifizierung und Professio-nalisierung alte post_neuköllnder Bestandsunternehmen sowie Ansied-lung neuer Unternehmen erreichen.

Ziel des Teilprojektes Ansiedlungsmanagement ist schließlich die Entwicklung leerstehender bzw. untergenutzter Schlüssel- und Großimmobilien im Bezirkszentrum. Primär stehen dabei die Alte Post, ehemaliger c&a neuköllndas ehemalige C&A-Haus, das Kindl-Gelände sowie das Sinn Leffers-Gebäude am Alfred-Scholz-Platz im Fokus. alfred-scholz-platz_berlin-neukoellnSabine Slapa, zuständig für das Modul, führte aus, dass es weiche, aber auch harte Instrumente gebe, um gestaltend Einfluss im Sanierungsgebiet zu nehmen: „Wir kennen die Ent-wicklung, wir haben das seit 2010 im Citymanage-ment alles mit gemacht.“ Die Schlüsselimmobilien böten Potenziale zur Heraus-bildung einer besonderen Nutzungsmischung, die sich von anderen Geschäfts-zentren abheben könne, betonte Bezirksbürgermeisterin Giffey: „Hier sind interes-sante Kombinationen klassischer Nutzungen mit denen der Neuköllner Mode- und Kreativwirtschaft gefragt.“ Auch würden durchaus Steuerungsmöglichkeiten bei kindl-brauerei_klunkerkranich neuköllnAnsiedlungen bestehen, denn Investoren hätten selbst ein Interesse daran, sich mit dem Bezirk auszutauschen.

Viel Hoffnung setzt Franziska Giffey auf die Zukunft des Kindl-Geländes, auf dem eine Schweizer Stiftung kürzlich das Vollgut-Lager erworben hat. Eine „unglaubliche Entwicklung“ werde es da geben, sagte sie voraus. Aufgabe des Bezirkes sei es, mit dem Wandel richtig umzugehen. Giffey wörtlich: „Unser Bestreben ist, diejenigen zu unterstützen, die schon lange in Neukölln dabei sind. Es geht nicht darum, Verdrängung zu organisieren. Der Bezirk muss seine Verantwortung für diejenigen übernehmen, die da sind.“

=Christian Kölling=

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