Fotos und „schriftliche Selfies“ hunderter Frauen in einer neuen Ausstellung in der Galerie im Körnerpark

ausstellung die berlinerin_galerie im körnerpark neuköllnPortraits von 375 Berlinerinnen – ohne Auf-wand und Filter bei natürlichem Licht aufgenommen – fertigte Ashkan Sahihi für sein Fotoprojekt „Die Berlinerin“ von Sep-tember 2013 bis August 2015 an. „Jede Frau wurde in der Umgebung ihrer Wahl und in eigener Kleidung aufgenommen, sodass sie ihrer Individualität volle Geltung verschaf-fen konnte“, erklärt der Fotograf sein künstlerisches Konzept. Außerdem sei es wichtig, mit der Kamera keine Angst zu machen oder mit einer aufwändigen Fotoausrüstung zu drohen. Um möglichst viele der Bilder in der Galerie im Körner-park zeigen zu können, werden die eindrucksvollen Fotografien in drei Etappen präsentiert. Gestern Vormittag gab es für Medienvertreter die Gelegenheit zur Vorbesichtigung der Foto-Ausstellung, die am Abend von Neuköllns Bezirksbürger-meisterin sahihi_bieler_galerie im körnerpark neuköllnDr. Franziska Giffey eröffnet wurde.

„Die Art von Arbeit, die ich machen wollte, gab es in Europa nicht“, erklärt der 1963 in Teheran geborene Fotograf, der als Siebenjähriger nach Deutschland kam: „Ich zog deshalb 1987 nach New York.“ Ashkan Sahihi (l., neben der Neuköll-ner Kulturamtsleiterin Dr. Katharina Bieler) fotografierte für renommierte internationale Magazine. „Heute müsste ich vielleicht nicht mehr auswandern, weil die Menschen in Europa inzwischen auch anders arbeiten“, fügt er hinzu. Sein Fotoprojekt „Die Berlinerin“ entstand aus dem Wunsch, diese Dynamik, in der die Stadt einen Entwicklungssprung erfährt, zu erfassen: „Berlin macht gerade eine Entwicklung durch, die Paris in den 1950-er und in London in den 1960er Jahren erlebt hat. Berlin entwickelt sich sowohl zum Ziel für Arbeitsmigration als auch zum Sehnsuchts-ort!“, ist Sahihi sich sicher. Dennoch will er sein Projekt nicht als Dokumentar-fotografie verstanden wissen: „Ich behaupte mit meinen Fotos in keiner Weise: Das war‘s. So ist Berlin. Genau das wollte ich nicht“, sagt er bestimmt.

Mit 35 Suchbegriffen, die in enger Zusammenarbeit mit den Ethnologen Olin Roenpage und Thomas Hüsken entwickelt und während des Arbeitsprozesses leicht aepfler_ausstellung die berlinerin_galerie im körnerpark neuköllnmodifiziert wurden, legte Ashkan Sahihi vielmehr zunächst Kategorien fest, nach denen anschließend Berliner Frauen als Fotomodelle gesucht wurden. Um die Porträtierten anzusprechen, die z. B. in die Kate-gorien Politikerin/Lobbyistin, Mutter oder auch Frau in Uniform passen, wurde der Fotograf von Lisa Aepfler (r.) und einer zweiten Kollegin unterstützt. Die beiden Mitarbeiterinnen stellten u. a. auch Kontakte zu Fran-ziska Giffey, Monika Bräutigam und Brigitte Zypries her, die zu den Porträtierten gehören. Am Ende jeder Sitzung konnten die fotografierten Frauen zusätzlich einen kurzen Fragebogen ausfüllen. „Ein schriftliches Selfie“, wie Ashkan Sahihi sagt. katalog die berlinerin_galerie im körnerpark neuköllnAuch diese sind in der Ausstellung zu sehen.

„Während der Portraitaufnahmen ist eine Atmo-sphäre des Vertrauens entstanden!“, lobt Katha-rina Bieler, Leiterin  des Fachbereiches Kultur in Neukölln, die Arbeit des Fotografen. Bielert wurde von Ashkan Sahihi ebenfalls fotografiert, ohne dass ihr Bild allerdings ausgestellt wird. Dafür, dass seine Auswahl auf Frauen beschränkt ist, hat der Fotograf eine einfache Erklärung: Er ist überzeugt, dass sie es sind, die heute verstärkt einflussreiche Positionen erobern.

Ashkan Sahihis Ausstellung „Die Berlinerin – Das Porträt einer Stadt“ wird noch bis zum 10. Januar in der Galerie im Körnerpark (Schierker Str. 8; Öffnungszeiten: Di. – So. 10 – 20 Uhr) gezeigt; jeden Sonntag um 15 Uhr finden kostenlose Führungen statt. Die Etappen 2 und 3 werden am 10. November bzw. 8. Dezember eröffnet.
Der Katalog zur Ausstellung, der alle 375 Fotografien enthält, kann in der Galerie eingesehen werden, wird dort aber nicht verkauft.

=Christian Kölling=

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