„Unser Bestreben ist, diejenigen zu unterstützen, die schon lange in Neukölln dabei sind“

giffey_muecke_biwaq-pk_rathaus neuköllnKnapp 2 Millionen Euro konnte das Bezirksamt Neu-kölln aus dem ESF-Bundesprogramm Bildung, Wirt-schaft, Arbeit im Quartier – BIWAQ einwerben. Das Programm, das am 1. September startete und im Bezirk unter dem Namen „Unternehmen Neukölln“ bis 31.12.2018 läuft, ist ein Partnerprogramm des Städtebauförderungsprogrammes Soziale Stadt, denn es legt den Schwerpunkt bewusst auf benachteiligte Stadt- und Ortsteile.

Gestern Mittag informierten Bezirksbürgermeisterin Dr. Franziska Giffey und Clemens Mücke von der Wirt-schaftsförderung bei einer Pressekonferenz im Rixdorf-Salon des Rathauses über Einzelheiten vom „Unternehmens Neukölln“. Anwesend waren auch Sabine Slapa und Susann Liepe, die seit 2010 für das Citymanagement arbeiten und im neuen Projekt den Teilbereich Weiterlesen

Wie hätten Sie ’s denn gerne?

Für viele Frauen ist sie bei Dunkelheit eine No-go-Area: die Passage zwischen Donau- und Richardstraße. Unheimlich ist es dann im Gerlachsheimer- und Jan- Hus-Weg. Kein Wohnhaus grenzt an den schmalen, von dichten hohen Büschen gesäumten Verbindungspfad, dessen uneinsehbare Kurve auf halber Strecke den Gruselfaktor noch erhöht. Tagsüber m. hühn/qm ganghoferstraßehingegen kann es vor allem dort unangenehm sein. Denn das breitere Teil- stück, wo die Kirchgasse auf die beiden Wege trifft, wird gerne als Treffpunkt für Sauf- gelage oder von Dealern als Marktplatz und Depot für Drogen genutzt.

Nun soll die Durchwegung umgestaltet werden. „Für die Landschaftsarchitekten, die den Zuschlag bekommen, wird es eine echte Heraus-forderung werden“, ahnt Tan- ja Henrich vom Quartiers-managament (QM) Gangho- ferstraße, das den im Spät- sommer startenden Umbau mit 180.000 Euro aus dem Soziale Stadt-Fördertopf finanziert. Welche Bedürfnisse und Wünsche die Anwohner hinsichtlich des Wegstücks hegen, wird momentan in einem Bürgerbeteiligungsverfahren ermittelt.

Zwei Vorort-Termine, bei denen das QM Infostände aufstellte, Fragebögen verteilte und das Gespräch mit Passanten suchte, gab es bereits. Morgen Mittag büsche_gerlachsheimer weg_neuköllnist der nächste – trotz Frost und Schnee. „Wir müssen das jetzt machen“, bedauert Tanja Henrich. Wegen der Fristen, die bei einem solchen Projekt einzuhalten sind und damit noch in diesem Jahr mit dem Umbau begonnen werden kann.

Dass der Wunsch nach einer besseren Beleuchtung des Jan-Hus- und Gerlachs- heimer Wegs Spitzenreiter bei den Anregungen ist, überrascht nicht. „Der wird auch leicht umzusetzen sein“, meint die Quartiersmanagerin. „Schwieriger wird es dann schon, das ebenfalls oft geäußerte Bedürfnis nach einer besseren Einsehbarkeit der Durchwegung mit dem zu verbinden, dass sie aber so schön grün bleiben soll, wie sie jetzt ist.“ Nicht minder kompliziert werde es, eine Strategie zu finden, wie in der umgestalteten Passage das Vermüllungsproblem in den Griff zu kriegen ist und Skeptiker eines Besseren zu belehren. „Den Einwand, dass erst für viel Geld alles schick gemacht wird und dann wieder alles verkommt, hören wir bei unseren gerlachsheimer weg_neuköllnBefragungen natürlich auch“, gesteht Tanja Henrich. Aber er sei die Ausnahme.

„Wesentlich öfter erleben wir, dass die Leute sich bedanken, dass sie überhaupt nach ihrer Meinung gefragt werden und die in die Planung einfließt.“ Was die Quartiersmana- ger auch oft erleben, ist Erleichterung: „Viele befürchten spontan, wenn sie das Wort Um- gestaltung hören, dass der Durchgang ge- schlossen werden soll.“ Das wird aber keinesfalls passieren, denn er ist sowohl als Tor zum Böhmischen Dorf, als auch als stark frequentierte Abkürzung zwischen dem U-Bahnhof Karl-Marx-Straße und der Son- nenallee unbestritten erhaltenswert. Insbe- sondere mittags und nachmittags, wenn in der direkt angrenzenden Katholischen Schu- le St. Marien der Unterricht endet, kann es dort sogar richtig eng werden.

Aber es sind nicht nur die beiden Wege, die eine Verschönerung und optimierte Nutzbarkeit erfahren. Die Verlängerung der Kirchgasse wird ebenfalls aufgewertet und so zu einem Platz mit Aufenthaltsqualität für Jung und Alt. Auch einen Namen soll dieser bekommen. „Ob er wirklich als offizieller Name in Stadtpläne eingeht oder inoffiziell bleibt, können wir aber noch nicht versprechen“, räumt Tanja Henrich ein. Vorschläge gebe es schon einige – von Böhmisches Plätzchen über Jan-Hus-Platz bis hin zu Eleonore-Prochaska-Platz. Letzterer fungiere erstmal als Arbeitstitel. „Eigentlich“, sagt die Quartiersmanagerin, „finde ich die Idee auch gut.“ Allerdings kommt ihr der Name doch „ein bisschen sperrig“ vor. Vielleicht würde man sich – mit etwas Übung – aber auch schnell an ihn gewöhnen.

Morgen ist das Quartiersmanagement Ganghoferstraße letztmalig mit Info- Ständen vor Ort. Von 12 – 14 Uhr können in Gesprächen Fragen geklärt und Anregungen zur Umgestaltung des Durchgangs sowie Ideen für die Benennung des Platzes abgegeben werden. Letzteres ist auch per form- loser E-Mail noch bis zum 24. März möglich.

Erste Entwürfe für die künftige Durchwegung werden bei einer Anwoh- nerversammlung vorgestellt, die am 15. April um 17 Uhr im Saal der Ev. Brüdergemeine in der Kirchgasse 14 stattfindet.

=ensa=

Aus Alt mach Neu mit der Weisheit der Vielen

kinder- und jugendhaus lessinghöhe_neuköllnWenn zwei Neuköllner über die Lessing- höhe reden, kann es sein, dass sie von sehr unterschiedlichen Dingen sprechen. Einer könnte die auf Trümmern des Zweiten Weltkriegs entstandene Grünan- lage zwischen Mittelweg und Kopfstraße meinen, der andere das 1950/51 erbaute Kinder- und Jugendzentrum, in dem vor einem guten halben Jahrhundert Frank Zander seine Musiker-Karriere als Sänger und Gitarrist der Band Gloomys startete. Insofern steckte in der Presseinladung zum ersten Spatenstich für den Umbau der Lessinghöhe gleich eine doppelte Doppel- blesing+liecke_bauschild-enthüllung_lessinghöhe neuköllndeutigkeit: Denn mit Spaten wäre vorgestern dem von Frost durchzogenen Boden nicht beizukom- men gewesen. Also machten sich Neuköllns Jugendstadtrat Falko Liecke (r.) und Baustadtrat Thomas Blesing (l.) daran, das Bauschild vor der bauschild_lessinghöhe neuköllnältesten Kinder- und Ju- gendfreizeiteinrichtung des Bezirks zu enthüllen, um den symbolischen Start- schuss für den Umbau und die Grundsanierung des Haupthauses des zweiteili- gen Gebäude-Ensembles zu geben. „Im November 2014“, schätzt Jürgen Schmeichler, der das Zentrum seit sechs Jahren leitet, „sollte alles abgeschlossen sein.“

1,2 Millionen Euro stellt das Quartiersmanagement Rollberg aus dem Soziale Stadt- Fonds für die Arbeiten zur Verfügung, die nach den Plänen der Architektin Gabriele fink+schmeichler_lessinghöhe neuköllnFink (r., mit Jürgen Schmeichler) erfolgen und auf einer engen Einbindung der Kinder und Jugendlichen sowie der Angestellten bei der Neukonzeptionierung basieren. raumplanung_lessinghöhe neuköllnWelche Räu- me werden für welche Ange- bote benötigt? Wo sollten sie strategisch günstig liegen? Derartige Fragen wurden zuvor in einem moderierten Prozess erörtert und durchgespielt. „Die Weisheit der Vielen zu nutzen, war für uns der wichtigste Ansatz“, beschreibt Kristina Nauditt vom Argo-Team die „nicht immer ganz einfache“ Par- tizipation der Nutzer. Bilder und Filmdokumente aus den 1950er-Jahren, die das seinerzeit von der amerikanischen Regierung finanzierte Gebäude zeigen, waren es schließlich, die Gabriele vergangenheit+zukunft_lessinghöhe neuköllnFink auf die Idee eines architektonischen Spagats brachten:  Das neu gestaltete Kinder- und Jugendfreizeitzentrum Lessing- höhe wird eine Kombination aus modernster energetischer Sanie- rung und einer Rekonstruktion des Zustands von 1951 sein, der von großen Fenstern und Türen und lichtdurchfluteten Räumen geprägt war. „Aus Sicherheitsgründen wurden viele der Glasflächen einfach zugemauert“, vermutet die Architektin, die die Düsternis ebenso aus dem Gebäude verbannen wird wie Sanitäranlagen aus der Nach- entwurf_sanierung lessinghöhe neuköllnkriegszeit, alte Stromleitungen und Hei- zungsrohre, die sich unverputzt durch alle Räume des Erd- und Kellergeschosses ziehen. Zusätzliche Eingänge und WCs sollen außerdem die Nutzung des Hauses für externe Veranstaltungen erleichtern.

Dass die Zeit bis zur Wiedereröffnung mit Schwierigkeiten einhergehen wird, liegt für Jürgen Schmeichler in der Natur der Sache: „Bei einem  Umbau bei laufenden Be- trieb geht das nun mal nicht anders.“ Die vorübergehende Schließung des Hauses wäre jedenfalls für ihn keine Option gewesen. Da nehmen er, seine Mitarbeiter und auch die Kinder und Jugendlichen lieber Einschränkungen in Kauf: „Während zuerst der Keller umgebaut wird, muss sich eben alles im Erdgeschoss abgspielen. Danach zieht der Betrieb in den Keller um und der Umbau geht im Erdgeschoss liecke_lessinghöhe neuköllnweiter.“

Doch die Umgestaltung werde sich nicht nur auf bauliche Maßnahmen beschrän- ken. „Auch das inhaltliche Profil des Kin- der- und Jugendzentrums Lessinghöhe soll“, so Jugendstadtrat Falko Liecke, „an die Bedürfnisse der Anwohner angepasst werden.“ Lose Konzepte für eine Ergän- zung durch Angebote für Familien mit Kleinkinder gebe es bereits, kündigt er an, bevor er sein Mitbringsel in die Schatzkiste stellt. Alles was der anvertraut wird, werde in Kunstharz gegossen und bei der Eröffnungsfeier der alten-neuen Lessinghöhe blesing_lessinghöhe neuköllnpräsentiert. Mit dem Dinosaurier wolle er an ein Klettergerüst erinnern, das lange auf dem Spielplatz der Freizeitzentrums stand, erklärt Liecke.

Sein Kollege Thomas Blesing ist mit klei- nerem Gepäck gekommen. Eine 1 $-Note, findet er, sei genau das richtige Souvenir für die Schatzkiste. Schon deshalb, weil sie ein Andenken an die Amerikaner ist, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Neukölln für den Wiederaufbau gesorgt haben.

=ensa=

Durchbruch für die Neuköllner Albert-Schweitzer-Schule

Noch vor einigen Jahren stand das Albert-Schweitzer-Gymnasium kurz vor dem Aus. Die Schülerzahlen waren im Keller, die Klassengrößen äußerst übersichtlich und albert-schweitzer-schule neukölln,albert-schweitzer-platzviele Räume dennoch unbenutzt. Statt die Schule aufzugeben setzten sich Neuköllns Bezirksbürgermeister und der damalige Schulstadtrat Wolfgang Schimmang für den Erhalt der Bil- dungsanstalt ein: Mit einem neuen Konzept, das die Schule zum ersten Berliner Gymnasium mit Ganztags- betrieb machte, so umstrittene wie belächelte Deutsch-Kurse für die an- gehenden Abiturienten anbot und nachmittags migrantische Schul- helfer vom Deutsch-Türkischen Zen- trum (DTZ) verstärkt wurde, gelang die Rettung. Heute ist die Schule, die seit jener Krisenzeit in der Mitte des letzten Jahrzehnts von Georg Krapp geleitet wird, Neuköllns einweihung erweiterung der albert-schweitzer-schule neuköllnzweitbeliebtestes Gymnasium.

Dass die Schule „Maßstab für Brennpunktschulen“ sein solle, meint nicht nur Heinz Buschkowsky. Auch das Bildungsministerium erklärte das Konzept zum „erfolg- reichen Modellversuch“ und zum Vorbild für Berlins Schullandschaft. Trotz mancher negativer Schlagzeilen, die der Abschaffung des Wachschutzes folgten, ist die Beliebtheit des Gymnasiums nahe dem Hermannplatz ungebremst. „691 Schülerinnen und Schüler“, so Rektor Krapp, „haben wir aktuell“. Mit denen sei eine rund 80-köpfige Lehrerschaft beschäftigt. Alles in allem be- deutet das ein er- neutes Platzproblem für das Albert-Schweitzer-Gymnasium: Es schaffte den Quantensprung von halbleer zu übervoll. Damit ist es nun vorbei.

Ende letzter Woche wurde die Lösung der Misere vorgestellt, und die bot sich durch die Zweck- entfremdung eines der benachbarten Wohn- häuser. Die Etagen 1, 3 und 4 werden nun von der Schule benutzt, das 2. Obergeschoss be- wohnt noch der Schulhausmeister. „Aber der geht demnächst in Rente, dann wird auch die Wohnung umgewandelt“, kündigt Schulstadträtin Franziska Giffey an. Rektor Georg Krapp erklärt auf Nachfrage, wie die anderen stattlichen Alt- bauwohnungen frei wurden: In einer habe eine etwa 90-Jährige gelebt, die verstorben sei. Eine andere sei einst an den Verwaltungsleiter des Bezirksamts vermietet gewesen und einfach ungenehmigt von dessen Sohn übernommen worden. „Der wollte sowieso weg und ist dann freiwillig ausgezogen. Vertrieben wurde jedenfalls niemand“, versichert Krapp im Hinblick auf die angespannte Lage auf dem Berliner Wohnungsmarkt.

Insgesamt 750.000 Euro fielen an Baukosten an, um aus den Wohnungen an- sprechende  Lehrerzimmer,  Büros  und  Unterrichtsvorbereitungsräume  zu  machen,

einweihung erweiterung der albert-schweitzer-schule neukölln, lehrerzimmer einweihung erweiterung der albert-schweitzer-schule neukölln, lehrer-lounge einweihung erweiterung der albert-schweitzer-schule neukölln, schulleiter-büro

die über Durchbrüche im Treppenhaus mit der Schule verbunden sind. Zwei Drittel der Summe stammen aus dem Bund-Länder-Programm „Soziale Stadt“, 150.000 Euro aus dem Schulanlagensanierungsprogramm und der Rest vom Bezirksamt Neukölln. „Vorher hatten wir ein Lehrerzimmer mit nur 25 Plätzen, jetzt  Arbeits- und Ruheplätze zum Wohlfühlen für die Lehrer“, schwärmt Krapp. Aufgrund des Rückbaus von zuvor administrativ genutzten Räumen im Hauptgebäude würden auch die Schüler von der Erweiterung profitieren. Zudem solle die frei werdende Haus- meisterwohnung als Freizeitbereich für die Kinder der Sekundarstufe II umgestaltet und eine Bibliothek im Keller eingerichtet werden. Von der Schulhof-Teilfläche, die durch Bewegungsgeräte neue Nutzungsmöglichkeiten bekam, haben sie bereits jetzt etwas. „Gerade im Ganztagsbetrieb“, weiß einweihung erweiterung der albert-schweitzer-schule neukölln, legat 2011Georg Krapp, „ist für die Kinder Platz wichtig, wo sie rennen, schreien und toben können.“

Was Gymnasiasten von heute außer- dem wichtig ist, erarbeitete eine Schülergruppe mit dem Projekt „Legat 2011“: Sie sammelten von ihren Mitschülern Texte, Fotos und Zeich- nungen, die veranschaulichen, wel- che Themen Kinder und Jugendliche aktuell beschäftigen, und verstauten alles in einer unverwüstbaren Kapsel. Diese lagert nun in einem Wandstück des Erweiterungstrakts der Albert-Schweitzer-Schule, das mit einer stabilen Metallplatte verschlossen wurde. „Durch dieses Vermächtnis sind wir jetzt vielleicht unsterblich“, hoffen sie. Wer jemals die Kapsel entdeckt, wird auf jeden Fall an sie erinnert werden.

=ensa=

Dufte: Neukölln hat einen Dorfbackofen

Dass das Geklapper von Hufen durch die Straßen im Neuköllner Richardkiez schallt, ist für alle, die dort leben oder sich häufig dort aufhalten, längst nichts mehr, was Aufsehen oder -hören erregt. Schließlich gehören die Pferdekutschen des Fuhr- unternehmens Schöne seit jeher zum Viertel rund ums Böhmische Dorf und tragen dorfbackofen, reformierte bethlehemsgemeinde neukölln, ganghoferkiezatmosphärisch maßgeblich zum be- sonderen Charakter des Kiezes bei.

Noch recht neu ist hingegen, dass nun zuweilen Rührschüsseln und Kuchen- formen durch die Straßen getragen werden und der Duft frischen Backwerks hinter dem Turm der Ev.-ref. Bethle- hemsgemeinde in der Richardstraße aufsteigt. Dort entstand nämlich im Sommer auf Initiative von Pfarrer Bernd Krebs, weiteren Gemeindemitgliedern und des benachbarten Alphabetisie- rungsvereins Lesen und Schreiben ein Dorfbackofen, der Ende September erstmals feierlich angeheizt wurde.

„Dass es ihn gibt und er  von den Men- schen im Kiez  zum Backen von Brot und Kuchen benutzt werden kann, muss sich natürlich erst rumsprechen“, sagt Pfarrer Krebs. Derzeit würden Flyer gedruckt, die an Kitas, Schulen und andere Einrichtungen sowie Anwohner verteilt werden sollen, um den Bekanntheitsgrad des vom Quartiersmanagement Ganghoferstraße über Soziale Stadt-Mittel finanzierten Gemeinschaftsofens zu steigern. Immer  mittwochs werde er angeheizt – wenn zuvor Anmeldungen bei der Gemeinde (Tel. 030 – 687 25 39) eingegangen sind. „Ob jemand im QM-Gebiet oder zwei Straßen außerhalb wohnt, das sehen wir aber nicht so eng“, räumt Krebs ein. Seine Vision ist, den Dorfbackofen im Garten hinter dem Kirchsaal  zum Ort der Begegnung im Kiez  zu machen.

=ensa=

Benachteiligte Quartiere

Was wird aus der Mitte? Was wird aus den ehemaligen Arbeiterquartieren, was aus den ehemaligen Stadtbrachen? – Mit diesen Aspekten beschäftigte sich die Initiative Think Berl!n bei ihrer Strategietagung, zu der mit der provokativen Frage „Ist Stadt- entwicklung nach der Wahl egal?“ eingeladen wurde. Nun erschien anlässlich der Tagung die Publikation „Berlin hat mehr verdient!“, in der auch der folgende Text von Dr. Cordelia Polinna erschien:

Die Herausforderungen, vor denen innerstädtische benachteiligte Stadtquartiere wie Nord-Neukölln, Kreuzberg, Moabit oder Wedding stehen, werden von verschiedenen Ressorts der Politik umfangreich diskutiert.

Die Probleme sind mehrdimensional, bestehen u. a. in den Bereichen Bildung, Arbeitslosigkeit, Integration, Wirtschaftskraft, Wohnungs- und Mietenpolitik und haben Auswirkungen, die sich in der städte- baulichen Struktur der Gebiete widerspiegeln, etwa durch Segre- gation, überforderte Einrichtungen der sozialen und kulturellen Infra- struktur, verwahrloste öffentliche Räume aber auch wirtschaftlich geschwächte und nicht funktionie- rende Stadtteilzentren. Gleichzeitig ist zumindest in einigen dieser Gebiete ein wachsender Entwick- lungsdruck unverkennbar – etwa durch die Zunahme von Touristen und den vermehrten Zuzug von Studenten und „Kreativen“. Diese Entwicklung ist prinzipiell sinnvoll und gewollt, denn die Quartiere zeichnen sich durch eine attraktive Bausubstanz aus, sind gut erschlossen und eignen sich als Wohn- und Arbeitsquartiere für alle gesellschaftlichen Schichten. Sie löst jedoch bei Teilen der Bevölkerung Ängste aus – vor Gentrifizierung und vor Touristifizierung. Diese Ängste müssen Ernst genommen werden. Es müssen Ideen entwickelt werden, wie in den „alternativen Szenekiezen“ mit den negativen Auswirkungen des Zuzugs von Besserverdienenden oder mit den wachsenden Touristenströmen, etwa Lärm- belästigung oder die Umwand- lung von Wohnungen in Ferien- wohnungen, umgegangen wer- den kann.

Gleichzeitig bieten sich durch das wachsende Interesse an diesen Quartieren auch viele Chancen für die polyzentrale Stadt – die Stärkung der lokalen Ökonomie und des dezentralen Tourismus in den Bezirken oder die Qualifizierung der inner- städtischen Wohnquartiere im Sinne der klimagerechten, kompakten Stadt mit Mischnutzung und kurzen Wegen.

 In den vergangenen Jahren sind umfangreiche Fördergelder in die benachteiligten Quartiere geflossen, in Form der Programme Quartiersmanagement bzw. soziale Stadt, Aktive Stadtzentren, Stadtumbau West und Aktionsräume plus; durch Vorzeigeprojekte wie den Campus Rütli sowie zuletzt im Rahmen der Festsetzung neuer Sanierungsgebiete, die zu einem großen Teil in den benachteiligten Innenstadtquartieren liegen. Mit Hilfe dieses wichtigen stadtplanerischen Instruments werden in den nächsten 15 Jahren rund 216 Millionen Euro vorrangig für die Verbesserung von Schulen, Kitas, Straßen und Grünflächen investiert. In den benachteiligten Stadtquartieren überlagern sich also mehrere Förderkulissen. Welche Erfolge mit den bisherigen Maß- nahmen erzielt wurden, wird jedoch nicht wirklich deutlich, im Gegenteil, das „Monitoring soziale Stadt“ doku- mentiert seit Jahren einen immer weiter voranschreitenden Negativtrend.

Vor allem mangelt es an innovativen Konzepten für die Gebiete. Das im Rahmen des Programms Aktive Stadtzentren entwickelte Motto “[Aktion! Karl-Marx-Straße] – jung, bunt, erfolgreich” klingt recht banal und austauschbar. Was die „Aktionsräume plus“ leisten und ob sie nicht in erster Linie Ressourcen binden, wird ebenfalls nicht deutlich, auch hier sind die bislang vorgestellten Konzepte schwammig und erschreckend visionslos.

Als zentrales Vorzeigeprojekt im nördlichen Neukölln ist der Campus Rütli geplant, die Aufwertung einer „Problemschule“. Der städtebauliche Entwurf für den Campus konnte jedoch nicht überzeugend darstellen, wie sich der Campus öffnen und das mittlerweile sehr lebendige Quartier einbeziehen wird. Im Gegenteil, hier ist immer noch eine Abschottung nach Außen geplant. Kann sich das Projekt mit dem vorhandenen Nutzungs- und Gestaltungs- konzept wirklich zu einem lebendigen, attraktiven Anziehungspunkt des Stadtteils entwickeln?

Und grundsätzlich: Welche neuen Funktionen müssen Einrichtungen der sozialen und kulturellen Infrastruktur in den benachteiligten Stadtquartieren übernehmen, um mit den Herausforderungen der Gebiete umgehen zu können? Und welche Rolle sollte die Gestaltung spielen, wenn eine Erneuerung oder der Neubau von Infrastruktureinrichtungen geplant werden?

Mit den neu ausgewiesenen Sanierungsgebieten fließt viel Geld in die benachteiligten Stadtquartiere und die öffentliche Hand hat mit der Ausweisung eine große Chance bekommen, städtebauliche Impulse zu setzen. Wie mit diesen zusätzlichen Geldern die Probleme gelöst werden sollen, bleibt jedoch unklar. Gibt es für diese „Sanierung“ überhaupt schon eine Leitidee, die über Allgemeinplätze hinausgeht? Muss nicht, bevor jetzt umfangreiche Maßnahmen in den Sanie-rungsgebieten geplant werden, erst mal eine völlig neue Definition von Sanierung und Aufwertung entwickelt und diskutiert werden, die den heutigen Anforderungen an die Gebiete gerecht wird? Können wir mit den Instrumenten der Sanierung von vor 30, 20, 10 Jahren den neuen Fragestellungen überhaupt noch begegnen? Müssen hier nicht neue Ansätze entwickelt werden, die auf Fragestellungen wie das Thema der multiethnischen Stadt oder die Angst vor der Verdrängung, den Klimaschutz und die Anpassung an den Klimawandel eingehen? Und sind die Bezirke und vor allem die lokalen Planungsämter dieser Chance, aber gleichzeitig auch dieser neuen Herausforderung überhaupt gewachsen?

Was für neue Instrumente müssen entwickelt werden, um „Sanierung“ durch- zuführen? Die Konsequenz aus der Befürchtung, durch städtebauliche Maßnahmen immobilienwirtschaftliche Aufwertungsprozesse auszulösen, kann ja nicht lauten, in diesen Quartieren auf städtebauliche Projekte zu verzichten. Wie muss also der Begriff der Aufwertung neu definiert werden? Wie kann die private Wirt- schaft stärker in diese Prozesse eingebunden werden?

Mit anderen Worten: Es wurde versäumt, vor der Ausweisung der neuen Sanierungsgebiete eine breite gesellschaftliche Diskussion anzu- stoßen, was denn überhaupt die Merkmale einer neuen Generation von Sanierungsgebieten sein sollen. Welche Rolle soll in diesen Gebieten das Thema der Baukultur, der städtebaulichen Qualität spielen. Muss nicht die städtebauliche und architektonische Gestaltung der Projekte stärker ins Blickfeld rücken – weg von „so billig wie möglich“ zu Projekten, auf die die Bewohner der Gebiete stolz sein und mit denen sie sich identifizieren können?

Doch der Blick auf die innerstädtischen Sanierungsgebiete reicht nicht aus. Wenn Menschen verdrängt werden, dann oft an den Stadtrand, in die Großsiedlungen des sozialen Wohnungsbaus. Um diese Siedlungen kümmern sich nur wenige Spezialisten. Diese Siedlungen rücken nur dann ins Blickfeld von Politikern, wenn dort radikale Parteien große Zuwächse bei Wahlen verbuchen. Das aber ist zu wenig. Wenn wir nicht aufpassen, ballen sich dort die Probleme von morgen.

=Cordelia Polinna=

Cordelia Polinna wurde in Neukölln geboren, wuchs im Böhmischen Dorf im Richardkiez auf und lebt auch heute wieder – nach Stationen in Edinburgh, London und New York – in Neukölln. Sie studierte Stadt- und Regio- nalplanung und promovierte vor vier Jahren an der TU Berlin.

Viel für wenig

Aktivieren, durchführen, schaffen, dokumentieren, präsentieren, kooperieren – die Erwartungen an den künftigen Träger des Projekts „Aktive Seniorinnen und Senioren im Reuterkiez“ sind hoch.

Im krassen Gegensatz dazu steht jedoch, was dafür locker gemacht wird: Maximal 3.000 Euro sind als Fördersumme aus dem „Soziale Stadt“-Quartiers- fonds 2-Topf für den Projektzeitraum vom 15.1. bis 31.12.2011 vorgesehen. Eine Summe, die auf eine jüngere Zielgruppe gemünzte Projekte monatlich einstreichen und die so die Zynismus-Hürde lässig überspringt. Wer sich trotzdem bewerben will, hat dafür noch knapp drei Wochen Zeit.

=ensa=