Weitere Flüchtlingsunterkunft in Neukölln geplant

ehemaliger bewag-sportplatz neukoellnZwei Tore stehen noch, doch genutzt werden sie schon lange nicht mehr. Der ehemalige Bewag-Sportplatz an der Karl-Marx-Straße hat ausgedient und fristet ein wertloses Dasein. So soll es aber nicht bleiben. Bereits im Frühjahr 2015 könnte auf dem Areal zwischen S-Bahn-Ring und A100 die zweite Neuköllner Flüchtlingsunterkunft in Betrieb genommen werden, teilte Neuköllns Sozialstadtrat Bernd Szczepanski (Die Grü- nen) bei der letzten Sitzung der Bezirksver- ordnetenversammlung mit, um eine Anfrage der Linke-Fraktion zu beantworten.

Dass bis zum Jahresende 10.000 Flücht- linge in Berlin ankommen und untergebracht werden müssen, hatte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) prognostiziert. Schon jetzt wurde diese Zahl vom Berliner Senat nach oben korrigiert: auf 11.500. Um die Mehrkapazitäten abdecken zu können, überprüfe zur Zeit eine eigens dafür eingerichtete Task Force „Grund- ehemaliger bewag-sportplatz_2. flüchtlingslager neuköllnstücke auf ihre Nutzbarkeit für die Auf- stellung von Wohncontainern“, so der Sozialstadtrat weiter.

Nicht ausgeschlossen, dass auch der einstige Sportplatz bei den Recherchen entdeckt und auf der Liste der Kommis- sion gelandet wäre. Das war aber gar nicht nötig, weil sich ein Investor eigen-initiativ an das Neuköllner Bezirksamt wandte und ein Konzept für die Errichtung einer „Flüchtlingsunterkunft mit drei Containerbauten für jeweils 100 Personen“ auf dem Grundstück vorlegte. Das Konzept sei bereits mit dem Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGeSo) abgestimmt, berichtete Bernd Szczepanski. Zudem hätten schon Gespräche mit Vertretern des Bezirksamtess stattgefunden, bei denen bezirkliche Vorschläge, wie z. B. die Errichtung einer Kita auf dem Gelände, auf positive Resonanz gestoßen seien. Der Betreiber beabsichtige ohnehin eine Betreuung über die vorgeschriebenen Standards hinaus und habe angegeben, dass auch die technischen Erfordernisse für dieses Bauvorhaben bereits geklärt seien, so dass die Inbetriebnahme der Einrichtung bereits im Frühjahr 2015 erfolgen könnte, informierte der Sozialstadtrat die BVV: „Das Bezirksamt steht dem Vorhaben ins- ehemaliger bewag-sportplatz neuköllngesamt positiv gegenüber.“

Sollte es tatsächlich zur Errichtung einer zweiten Unterkunft für Flüchtlinge in Neu- kölln kommen, versicherte Bernd Szcze-panski, „werde ich die in unmittelbarer Nachbarschaft lebenden Anwohner frühzeitig anschreiben und über die aktu- ellen Entwicklungen in diesem Zusam- menhang informieren.“ Als sinnvoll er- achte er außerdem eine Informations-veranstaltung, wie sie das Bezirksamt im November 2013 für die Anwohnerschaft rund um die Flüchtlingsunterkunft in der  Haarlemer Straße durchgeführt hat. Da es in Neukölln viele Unterstützer für die Etablierung einer Willkommenskultur gebe und im Umfeld des Standorts Karl-Marx-Straße das in die Flüchtlingsproblematik involvierte Kranold-Weder-Netz aktiv sei, geht der Neuköllner Sozialstadtrat davon aus, „dass auch für diese geplante Unterkunft positive Rahmenbedingungen geschaffen lageplan flüchtlingsunterkunft_faq-broschüre bezirksamt neuköllnwerden können.“

Wenig Positives rankt sich indes um die im März eröffnete und inzwischen mit rund 400 Menschen voll belegte Flüchtlingsunter- kunft in der Haarlemer Straße, weshalb die von der PeWoBe betriebene Einrichtung ebenfalls Thema bei der letzten BVV-Sitzung war. „Die Britzer Notunterkunft ist schon jetzt von Schimmelbefall betroffen. Ein Brand-schutz ist bis heute nicht sichergestellt. Zudem wurde die Heimleitung in nur 6 Mo- naten bereits 3 mal ausgetauscht“, beschreibt Anne Helm von der Neuköllner Piraten-Fraktion die Zustände. Ende September seien schließlich zwei der drei dort beschäftigten Sozialarbeiterinnen entlassen worden, was nun arbeitsgerichtlich zu klären sein werde.

Doch damit nicht genug der Skandale um das umstrittene Engagement der PeWoGe, deren vollständiger Firmenname Professionelle Wohn- und Betreuungsgesellschaft lautet: Wie die Berliner Zeitung vor zwei Wochen berichtete, stellt der Betreiber dem Berliner Senat für die Errichtung der Unterkunft in Britz  nicht knapp 5,5 sondern 8,2 Millionen Euro in Rechnung. Immerhin: Für den Betrieb des geplanten zweiten Stand- orts an der Karl-Marx-Straße ist die PeWoGe nicht im Gespräch.

=ensa=

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