Wenn gestern Bundestagswahl gewesen wäre …

u18-wahlkabine_rathaus neuköllnWas Deutschlands Wahlberechtigten noch bevorsteht, haben die Kinder und Jugendlichen bereits gestern u 18-wahlkabine_rathaus neuköllnhinter sich gebracht: bei der  U18-Wahl.

In über 1.500 Wahllokalen zwischen Flensburg und Oberstdorf, Aachen und Görlitz konnten sie ihre Stimmen abgeben. 312 der Wahlurnen stan- den in den Berliner Bezirken, 30 da- von in Neukölln – in Schulen, Kinder- und Jugendclubs, aber auch in zwei mobilen Wahllokalen im Norden und Süden des Bezirks.

„Man unterschätzt die Jugendlichen deutlich, wenn man ihnen vorwirft, dass sie für Politik nichts übrig haben“, stellt Renate Baier vom Neu- köllner Jugend- und Kinderbüro fest, die das Wahllokal im Rathaus des Bezirks betreut. „Alle, die wir hier angesprochen haben, haben jedenfalls großes Interesse.“ Dass nicht bei jedem das Interesse durch einen Abstecher in eine der beiden Wahlkabinen im Foyer des Rathauses unterstrichen wurde, sagt sie, habe vor allem u18-wahl_rathaus neuköllndamit zu tun, dass viele der U18-Genera- tion schon in ihren Schulen oder Jugend- einrichtungen gewählt haben.

Julian (l., neben Renate Baier) scheint mit einem feinen Riecher für die ausgestattet zu sein, deren Stimmzettel noch in den Wahlurnen fehlen. „Ich bin erst seit einer Viertelstunde hier und hab in der schon fünf Leute zur Wahlkabine gebracht“, erzählt der 16-Jährige, der auf seinen Einsatz als Moderator nicht zuletzt durch ein politisches Speeddating bestens vorbereitet wirkt. Den Unterschied zwischen Erst- und Zweitstimme erklärt er bei Bedarf so souverän und verständlich, als handele sich um eine banale Alltäglichkeit: „Es wirkt u18-stimmzettel_wahlkreis 82_berlin-neuköllnabsolut profan, dass man Leuten beibringen muss, wie man wählt, und dass zum Beispiel jede verfallene Stimme schlecht ist.“

Eine 14-Jährige braucht Julians Erklärungen nicht, auch an dem Poster, das in Kurzform die Parteien und ihre Programme auflistet, geht sie vorbei, ohne einen Blick darauf zu werfen. „Ich wusste sofort, was ich wähle, weil es für mich dazu gehört, sich dafür zu inte- ressieren“, sagt die Schülerin, nachdem sie ihren mit vier Kreuzen versehenen u18-wahlurne_rathaus neuköllnStimmzettel in die Wahlurne geworfen hat: Zwei davon waren für die Erst- und die Zweitstimme, ein weiteres setzte sie vor „weiblich“ und das letzte vor „14“. Auch bei einer anderen Jugend- lichen geht es ruckzuck mit der Stimmabgabe für die U18-Wahl; ihre gleichaltrige Freundin gesellt sich indes zu den Nicht-Wählern. Wenn sie rich- tig wählen dürfe, werde sie sich vorher natürlich mit Politik und den Parteien beschäftigen, sagt sie. „Jetzt schnell  irgendwo ein Kreuz zu machen, ist mir zu doof.“ Zwei Jungen finden es lediglich doof, dass sie ihre u18-wahllokal_rathaus neuköllnStimmzettel selber falten müssen: Mit einer Eistüte in der Hand sei das ja kom- plizierter als das Wählen an sich.

Vor zwei Jahren, bei der Berliner Abge- ordnetenhauswahl, waren es 2.727 Neu- köllner Kinder und Jugendliche, die in den damals 24 Wahllokalen des Bezirks ihre Stimmen abgaben. Für die gestrige U18-Wahl steht bislang nur ein deutschlandweites vorläufiges Endergebnis fest: Wenn gestern Bundestagswahl gewesen und die Kinder an der Macht wären, wäre es vorbei mit einer schwarz-gelben Regierung, denn die FDP scheiterte mit 4,6 Pro- zent der abgegebenen gültigen Stimmen an der 5 %-Hürde. Auf über 41.000 Stimmen und 27,4 % brachte es die CDU/CSU, 20,32 % schaffte die SPD. Bündnis 90/Die Grü- nen landeten in der Gunst der U18-Wähler mit 17,57 % vor den Piraten, die es auf 12,32 % brachten. Mit 7,84 Prozent rutschte Die Linke in den Bundestag; alle anderen Parteien hatten zu wenig Stimmen, um dort künftig ein Wörtchen mitreden zu dürfen.

=ensa=

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