Mit vereinten Kräften

zuerich-gs_proneubritz-fruehjahrsputz_carl-weder-park_neukoellnLange bevor das Neuköllner Bezirksamt mit seiner Schön wie wir-Kampagne dazu appellierte, vor der eigenen Tür zu kehren, hatte der proNeubritz e. V. den Kampf um mehr Sauberkeit im Kiez bereits aufgenommen. Nur punktuell und temporär zwar, aber immer mit einem Erfolg, der sich in Säcken messen ließ.

Es müsse 2009 gewesen sein, als der Ortsteil-verein erstmals an einem Samstag die Anwohner zum Frühjahrsputz im Carl-Weder-Park aufrief, schätzt Bertil Wewer: „Erst seit letztem Jahr machen wir Weiterlesen

In trockenen Tüchern

Während gestern im Haushaltsausschuss des Bundestags noch über die Kürzung der Städtebauförderung debattiert wurde, konnte die von diesem Topf – ergo: Soziale Stadt-Mitteln – unabhängige Bürgerstiftung Neukölln eine Erfolgsmeldung verkünden:

Auch im nächsten Jahr wird ihr Neuköllner Talente-Projekt, das Patenschaften zwi- schen Grundschülern und erwachsenen Ehrenamtlichen initiiert, von der Bauge- nossenschaft IDEAL eG, der STADT UND LAND Wohnbauten-Gesellschaft mbH und der KJK Freies Wohnungsunternehmen GmbH mit insgesamt 10.000 Euro unterstützt. Die Wohnungsunternehmen leisten durch ihr karitatives Engagement einen wichtigen Beitrag zum Fortbestand des vor zwei Jahren gestarteten Projekts, das zu 80 Prozent durch „Aktion Mensch“-Mittel getragen wird, jedoch  eine  zu- sätzliche 20-prozentige Kofinanzierung durch Spenden erfordert.

Die Unterstützung des Trios aus der Immobilienwirtschaft gilt erneut dem Bereich Britz-Nord, wo im letzten Jahr bereits 22 Kinder der Zürich-Grundschule und der Grundschule am Teltowkanal zu Teilnehmern des Neuköllner Talente-Projekts wur- den und gezielt gefördert werden konnten. Auch zum Vorteil der Spender: „Mit der Talenteförderung“, so Friedemann Walther von der Bürgerstiftung Neukölln zur Win-Win-Situation, „stärken die Unternehmen den sozialen Zusammenhalt und damit die Qualität ihrer Wohnungsbestände.“

=ensa=

Mit 2 PS durch Neubritz

Hufgetrappel, Kutschen, Pferdeäpfel auf der Straße, schnaufende Gäule – was im Richardkiez zum Alltag gehört, führt im einige Minuten entfernten Neubritz zu jeder Menge Aufsehen. sanierungsgebiet wederstraße, neukölln,kutschenfahrtHunde bellen die Verursacher der ungewohn- ten Geräusche irritiert an. Passanten bleiben stehen, win- ken, fotografieren. Kleine Mäd- chen bestaunen mit großen Augen, was sie sonst nur in Büchern oder im Fernsehen zu sehen kriegen. Autofahrer mit Streetfighter-Attitüde reagieren genervt auf die lebendigen Ver- kehrsentschleuniger, verzichten dann aber doch lieber aufs Hupen und versuchen sie zu überholen.

An eine neue optische, akustische und olfaktorische Facette muss in Neubritz nun sanierungsgebiet wederstraße, neukölln,thomas blesing,wolf schulgenaber niemand gewöhnen: Die beiden Kutschen mit den Kaltblütern aus der Schorfheide rumpelten nur gestern durch das Gebiet. Sie waren Ab- schiedstouren für das Sanierungs- gebiet Wederstraße, das nun durch rechtskräftigen Beschluss keines mehr ist. Rund 39 Mio. Euro wurden aus verschiedenen Fördertöpfen in den letzten 15 Jahren in zahlreiche große und kleine Projekte auf dem etwa 24 Hektar großen Areal gepumpt.

„Einschließlich der Vorbereitungszeit waren es sogar 17 Jahre“, sagt Bertil Wewer, der Vorsitzende der Betroffenenvertretung, die sich aus Anwohnern und Ge- werbetreibenden formierte und den gesamten Prozess aktiv begleitete. Ende 2009 wurde er mit der Neuköllner Ehrennadel  für seinen unermüdlichen Einsatz ausgezeichnet, den er sich in einem Impuls aufgehalst hatte: „Als für die Betrof- fenenvertretung ein Kassenwart gesucht wurde, sagte ich spontan, dass ich das schon mal gemacht habe.“ Beim Posten des Kassenwarts blieb es nicht, aber Bedauern darüber lässt der omnipräsente Macher nicht erkennen.

sanierungsgebiet wederstraße, neukölln,thomas blesing,wolf schulgenEine „tolle Entwicklung“ sei es, die das Gebiet rund um den Deckel der Autobahn gemacht habe, findet Neu- köllns Baustadtrat Thomas Blesing (2. v. l.).  Insbesondere für Familien habe die Gegend durch neue Ein- richtungen für Kinder und Jugendliche deutlich an Attraktivität gewonnen, der Bau von Townhouses solle die weiter steigern. „Doch schon jetzt lässt sich sagen, dass es hier alles für ein angenehmes urbanes Leben gibt“, sagte Blesing gestern Mittag bei der Abschiedsrede vor der Abschiedstour im Carl-Weder-Park. Und er muss es als jemand, der „in fußläufiger Entfernung“ wohnt, wissen. Was er auch weiß – dass es durch den A 100-Bau, der die Grundlage für die Ernennung zum Sanierungsgebiet lieferte, „viele Opfer“ gab: Anwohner hätten umgesiedelt und Gewerbetrieben der Wegzug auch durch finanzielle Bonbons schmackhaft gemacht sanierungsgebiet wederstraße, neukölln,autobahndeckel,wederparkwerden müssen. 75 Gebäude ent- lang der Wederstraße wurden daraufhin abgerissen.

Auch um die ging es, im Vordergrund stand jedoch das Entwicklungs- potenzial, das in Neubritz erkannt und beackert wurde. Von „großen Fortschritten, die erreicht wurden“ spricht dann auch Wolf Schulgen (l.), der Projektverantwortliche des Senats für Stadtentwicklung. Grün- und Freiflächen habe man angelegt, Spielplätze entstanden und das neue Gewerbegebiet Juliushof erfreue sich so großer Beliebtheit, dass innerhalb weniger Monate alle Parzellen verkauft waren. Straßen wurden frisch asphaltiert und verkehrsberuhigt, Kitas, Freizeit- und Kulturorte geschaffen. Noch gearbeitet werde indes am Erweiterungsbau der Zürich-Schule; am 3. November werde dieser eingeweiht und die rundum erneuerte Grundschule dann fit  für den Ganztagsbetrieb.  Darüber hinaus  würden  nur noch einige Folgemaßnah-

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men im Gebiet ausgeführt werden: Schulwegsicherungen, Straßen- und Gehweg- erneuerungen und andere Kleinigkeiten. Der Berliner Senat habe mit denen nichts mehr zu tun. „Die Verwaltungshoheit und Verantwortung für das ehemalige Sanierungsgebiet“, so Schulgen, „liegt jetzt komplett beim Bezirk Neukölln.“

Montag wird Baustadtrat Blesing bereits wieder in Neubritz sein. Dann eröffnet er zusammen mit Jugendstadträtin Gabriele Vonnekold die Spiel- und Bewegungs- fläche für Hortkinder am Jugendberatungshaus Neubritz sowie dessen Kellerge- schoss, das für die Jugendarbeit hergerichtet wurde. Und auch Bertil Wewer wird es sich vermutlich nicht nehmen lassen, dieses Ereignis mitzuerleben – obwohl das Ende der Sanierungsgebiet-Ära auch das der Betroffenenvertretung bedeutete.

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