Durchbruch für die Neuköllner Albert-Schweitzer-Schule

Noch vor einigen Jahren stand das Albert-Schweitzer-Gymnasium kurz vor dem Aus. Die Schülerzahlen waren im Keller, die Klassengrößen äußerst übersichtlich und albert-schweitzer-schule neukölln,albert-schweitzer-platzviele Räume dennoch unbenutzt. Statt die Schule aufzugeben setzten sich Neuköllns Bezirksbürgermeister und der damalige Schulstadtrat Wolfgang Schimmang für den Erhalt der Bil- dungsanstalt ein: Mit einem neuen Konzept, das die Schule zum ersten Berliner Gymnasium mit Ganztags- betrieb machte, so umstrittene wie belächelte Deutsch-Kurse für die an- gehenden Abiturienten anbot und nachmittags migrantische Schul- helfer vom Deutsch-Türkischen Zen- trum (DTZ) verstärkt wurde, gelang die Rettung. Heute ist die Schule, die seit jener Krisenzeit in der Mitte des letzten Jahrzehnts von Georg Krapp geleitet wird, Neuköllns einweihung erweiterung der albert-schweitzer-schule neuköllnzweitbeliebtestes Gymnasium.

Dass die Schule „Maßstab für Brennpunktschulen“ sein solle, meint nicht nur Heinz Buschkowsky. Auch das Bildungsministerium erklärte das Konzept zum „erfolg- reichen Modellversuch“ und zum Vorbild für Berlins Schullandschaft. Trotz mancher negativer Schlagzeilen, die der Abschaffung des Wachschutzes folgten, ist die Beliebtheit des Gymnasiums nahe dem Hermannplatz ungebremst. „691 Schülerinnen und Schüler“, so Rektor Krapp, „haben wir aktuell“. Mit denen sei eine rund 80-köpfige Lehrerschaft beschäftigt. Alles in allem be- deutet das ein er- neutes Platzproblem für das Albert-Schweitzer-Gymnasium: Es schaffte den Quantensprung von halbleer zu übervoll. Damit ist es nun vorbei.

Ende letzter Woche wurde die Lösung der Misere vorgestellt, und die bot sich durch die Zweck- entfremdung eines der benachbarten Wohn- häuser. Die Etagen 1, 3 und 4 werden nun von der Schule benutzt, das 2. Obergeschoss be- wohnt noch der Schulhausmeister. „Aber der geht demnächst in Rente, dann wird auch die Wohnung umgewandelt“, kündigt Schulstadträtin Franziska Giffey an. Rektor Georg Krapp erklärt auf Nachfrage, wie die anderen stattlichen Alt- bauwohnungen frei wurden: In einer habe eine etwa 90-Jährige gelebt, die verstorben sei. Eine andere sei einst an den Verwaltungsleiter des Bezirksamts vermietet gewesen und einfach ungenehmigt von dessen Sohn übernommen worden. „Der wollte sowieso weg und ist dann freiwillig ausgezogen. Vertrieben wurde jedenfalls niemand“, versichert Krapp im Hinblick auf die angespannte Lage auf dem Berliner Wohnungsmarkt.

Insgesamt 750.000 Euro fielen an Baukosten an, um aus den Wohnungen an- sprechende  Lehrerzimmer,  Büros  und  Unterrichtsvorbereitungsräume  zu  machen,

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die über Durchbrüche im Treppenhaus mit der Schule verbunden sind. Zwei Drittel der Summe stammen aus dem Bund-Länder-Programm „Soziale Stadt“, 150.000 Euro aus dem Schulanlagensanierungsprogramm und der Rest vom Bezirksamt Neukölln. „Vorher hatten wir ein Lehrerzimmer mit nur 25 Plätzen, jetzt  Arbeits- und Ruheplätze zum Wohlfühlen für die Lehrer“, schwärmt Krapp. Aufgrund des Rückbaus von zuvor administrativ genutzten Räumen im Hauptgebäude würden auch die Schüler von der Erweiterung profitieren. Zudem solle die frei werdende Haus- meisterwohnung als Freizeitbereich für die Kinder der Sekundarstufe II umgestaltet und eine Bibliothek im Keller eingerichtet werden. Von der Schulhof-Teilfläche, die durch Bewegungsgeräte neue Nutzungsmöglichkeiten bekam, haben sie bereits jetzt etwas. „Gerade im Ganztagsbetrieb“, weiß einweihung erweiterung der albert-schweitzer-schule neukölln, legat 2011Georg Krapp, „ist für die Kinder Platz wichtig, wo sie rennen, schreien und toben können.“

Was Gymnasiasten von heute außer- dem wichtig ist, erarbeitete eine Schülergruppe mit dem Projekt „Legat 2011“: Sie sammelten von ihren Mitschülern Texte, Fotos und Zeich- nungen, die veranschaulichen, wel- che Themen Kinder und Jugendliche aktuell beschäftigen, und verstauten alles in einer unverwüstbaren Kapsel. Diese lagert nun in einem Wandstück des Erweiterungstrakts der Albert-Schweitzer-Schule, das mit einer stabilen Metallplatte verschlossen wurde. „Durch dieses Vermächtnis sind wir jetzt vielleicht unsterblich“, hoffen sie. Wer jemals die Kapsel entdeckt, wird auf jeden Fall an sie erinnert werden.

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Eine Neuköllner Besonderheit und ihre Folgen

Einige müssten eigentlich, tun’s jedoch bestenfalls sporadisch. Viele machen’s mehr oder weniger gerne aber regelmäßig. Und manche würden gerne, dürfen allerdings nicht! Die Rede ist von Neuköllner Kindern im schulpflichtigen Alter und dem Schulbesuch.

„Es ist ein Skandal, dass die vom ehemaligen Neuköllner Bildungsstadtrat Schimmang be- schlossene Regelung immer noch gültig ist, dass nur polizeilich gemeldete Kinder in Neuköllns Schulen angemeldet werden kön- nen“, findet Anna Schmidt von Amaro Drom. Der Verein führte jüngst eine Befragung im Flughafen- und Donaukiez durch, um die Situationen und Bedarfe der dort lebenden Roma zu ermitteln. Insbesondere für aus Rumänien und Bulgarien stammende Roma-Familien, so die Erkenntnis, stelle eine wahre Kette von Probleme eine enorme Belastung dar: Sie leben mit viel zu vielen Menschen in viel zu kleinen Wohnungen, erhalten deshalb oft keine Meldebescheinigung und können demzufolge ihre Kinder nicht in wohnortnahe Schulen schicken. Der Ausweg des Besuchs von Schulen in anderen Bezirken, wo es keine derartigen bürokratischen Hürden gibt, sei oft nicht praktikabel: „Die Konsequenz ist daher  meist, dass die Kinder beim Zugang zu Bildung außen vor bleiben.“

Auch Erich Mitbach, Regionalleiter des Jugendamts Neukölln, fand bei der Präsentation der Amaro Drom-Studie deutliche Worte für die Gangart der Behörden des Bezirks. „Die Nichtbeschulung ist das gravierendste Problem bei der Eingliederung von Roma“, stellte er fest. Das Thema müsse mit Dringlichkeit auf politischer Ebene behandelt werden, da es nicht sein dürfe, dass Kindern im schulpflichtigen Alter der Schulbesuch verwehrt bleibe. Kürzlich, wusste Mitbach zu berichten, habe sich der Neuköllner Migrationsbeirat mit einem Schreiben an Franziska Giffey, die amtierende Bildungsstadträtin, gewandt und um eine Stellungnahme gebeten. Nicht ausgeschlossen, dass das Thema bei der heutigen Sitzung des Ausschusses für Bildung, Kultur und Schule behandelt wird.

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