Wenn sich eine weiße Decke auf die Hauptstadt legt …

Mit einem Bußgeld von bis zu 10.000 Euro kann belangt werden, wer in Berlin schnee-hasenheide-neukoellnStreusalz einsetzt, ohne dafür eine Sondergeneh-migung zu haben. Soweit die Theorie, nur: In der Praxis erweist sich die Vorschrift als Papiertiger, weil sie nicht durchgesetzt wird, wie der BUND Berlin kritisiert. Zudem vertreibe der Handel wei-terhin „scharfe“ Taumittel, die zwar die Rutsch-gefahr auf Gehwegen minimieren, aber auch Tierpfoten und Pflanzen schädigen. „In den letzten Jahren zeigen sich wieder vermehrt Salzschäden an Berlins Straßenbäumen. Gerade unsere Weiterlesen

Neukölln, ein Wintermärchen

winterdienst_maschinelle schneeraeumung neukoellnStatt weniger zu werden, werden es von Jahr zu Jahr mehr. Waren es im letzten Winter noch die Gehwegbereiche von 32 Straßen und Plätzen in Neukölln, die nicht maschinell von Schnee und Eis befreit werden durften, sind es in dieser Saison bereits 36.

Auf dem zu Neukölln gehörenden Abschnitt des Columbiadamms müssen die Bürger-steige beidseitig mit Schneeschieber oder Besen und Sand oder Split rutschfrei gemacht werden. Gleiches gilt für den westlichen Zipfel der Flughafenstraße, den Gerlachsheimer- und Jan-Hus-Weg sowie den Alfred-Scholz- und Siegfried-Aufhäu-ser-Platz. Hand anzulegen ist auch zwischen Jonasstraße und Weiterlesen

Nicht zuständig!

Vorbildlich geräumt ist dieser Bürgersteig vor einer Neuköllner Schule. Auf der nach der aktuellen Winterdienstregelung vorgeschriebenen Breite verdient  er das Prädikat

winterdienst_gehwegräumung neukölln

„schnee- und eisfrei“. Was links und rechts davon ist, fällt nicht in den Zustän- digkeitsbereich der Winterdienste, sondern ist Job des Tauwetters. Da sich das aber, so die Prognose der MeteoGroup, übermorgen aus Berlin verabschiedet und das Feld für Frost und Neuschnee räumt, bleiben vorbildliche Grundlagen für Hals- und Beinbrüche zurück.

Alle Jahre wieder …

… ist plötzlich Winter. Wer konnte damit rechnen?

So, dann hatten wir jetzt 2012 in Berlin und somit auch in Neukölln immerhin drei Tage mit Schneefall. Der erste Tag lieferte uns einen knappen Zentimeter lockeren Schnee, der ohne Zutun am nächsten Tag wegsublimiert wäre. Dies war natürlich das  Zeichen für die Winterdienste, die wahrscheinlich vor lauter Langeweile voller Tatendrang waren, die Radwege entlang der Oderstraße und des Columbiadamms zentimeterdick mit Split zu bedecken. Denn klar, Split hilft gerade bei so kleiner Auflagefläche wie einem Fahrradreifen ganz immens!

Das Streuen von Radwegen ist im Straßenreinigungsgesetzt explizit nur bei extremer Glätte zugelassen, das muss ich der BSR oder ihren Sub- unternehmern sicher nicht erklären. Die parallel geführten Gehwege wurden entweder nur vorbildlich freigefegt und waren entsprechend gut – wenn auch illegal – befahrbar. Oder sie wurden gar nicht geräumt, was natürlich dazu führte, dass Fußgänger auf dem für sie gesplitteten (Rad-)Weg liefen.

Nunja, der Schnee war vorerst weg, der Split blieb. Dann kam es zur zweiten Katastrophe: ganze drei Zentimeter Schnee, die auch noch liegen blieben. Hier trat man aber natürlich erst einen Tag später in Aktion. Wer will schon Samstag oder Sonntag vor die Tür? Was wurde getan? Zufällige Wege mit möglichst wenig Aufwand geräumt – nur nicht zweimal die selbe Strecke fahren, um die gesamte Breite zu räumen. Zweispurige Radwege wurden nur irgendwie in der Mitte gefegt und natürlich brav gesplittet. Teilweise wurde auch gar nichts getan, die Radfahrer fuhren sich also an Hauptverkehrsadern wie zum Beispiel am Columbiadamm selber die Spur frei. Denn wozu sollte man auch Radwege räumen? Es blieb also bei Lippenbekenntnissen des letzten Jahres.

Meine Frage ist: Wie faul oder merk- befreit darf man bei einem Winter- dienst sein, der in diesem Winter bisher viel Standby aber nur drei Tage Arbeit hatte? Der gesunde Men- schenverstand sagt doch, dass Kurven besonders gefährlich sind, wenn sie schneebedeckt sind und dass sich ein luftgefüllter Fahrradreifen nicht mit scharf- kantigem Split verträgt. Gibt es keinen Sand mehr zum Abstumpfen der Wege? Oder ist es gar Anweisung, maximal die Hälfte der Wege zu räumen und besonders die Gefahrenzonen zu ignorieren? Wird nur nach GPS-Karte gefahren und das ZNS bleibt derweil aus?

Wenn die Berliner Stadtreinigung oder ihre Subunternehmer Nachhilfe in Sachen „Was macht Sinn beim Radwegräumen?“ brauchen, stelle ich mich gerne zur Verfügung. Ich denke viele der Radpendler, die mit mir die Oderstraße und Umgebung benutzen, haben sicherlich auch noch den ein oder anderen Hinweis abzuliefern. Was uns allerdings neben dem schlechten Beigeschmack des erneuten Winterdienst-Versagens  bleibt, das sind – geschätzt: bis März – die Splitschichten.

=Ze evil Kohl=

Draußen vor der Tür

„Die im November 2010 beschlossenen Gesetzesänderungen haben sich im ver- gangenen Winter erstmals positiv ausgewirkt. Die Schnee- und Eisräumung klappte bedeutend besser als im Winter 2009/2010″, befand Berlins Umwelt- senatorin Katrin Lompscher wohl zur Überraschung vieler Hauptstädter dieser Tage. Anlass war die ab 1. November gültige, im novellierten Straßenreinigungsgesetz verankerte Änderung in Sachen Winterdienst. Die legt fest, dass künftig Bürgersteige der Reini- gungsklassen 1 und 2 (Straßen-reinigungsverzeichnis; Neukölln: S. 48 – 55) auf einer Breite von 1,50 Metern von Eis und Schnee zu räumen sind. Damit werde, so Lompscher, den Fußgängern besser Rechnung getragen.

Voraussetzung für diesen Effekt wäre allerdings, dass der Win- terdienst wirkungsvoller agiert, als es  in der letzten Saison streckenweise häufig der Fall  war. Denn der Unterschied, ob 50 Zentimeter mehr oder weniger nicht geräumt sind und zum fröhlichen Schlittern oder schmerzhaften Stürzen einladen, ist marginal.

=ensa=

Und die Neuköllner Ehrennadel 2011 geht an …

Jedes Jahr verleiht Neuköllns Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky die Neu- köllner Ehrennadel an Menschen, die sich in besonderer Weise um den Bezirk verdient gemacht haben. In diesem Jahr wurden Henriette Abitz, Edelgard Baatz, Klaus-Peter Doettloff, Kazim Erdogan, Christina Rau und Bernd Szymanski mit dieser Auszeichnung dekoriert.

Ob es Buschkowsky sein wird, der auch im nächsten Jahr wieder die Ehrungen vornimmt, wird sich zeigen. Vorher sind schließlich noch Wahlen. Ein aussichts- reicher Anwärter auf eine Neuköllner Ehrennadel 2011 sollte aber definitiv der pflichtbewusste Schneeschipper sein, der den Bürgersteig vor diesem Haus in der Leinestraße vorbildlichst konsequent auf ganzer Breite eis- und schneefrei hält und so allen Fuß- gängern ein ge- sundheitlich unbe- denkliches, kom- fortables Stück Weg beschert. Ein Geschenk, das die für den Bürgersteig vor einer Neuköllner Schule zuständigen Winterdienstler offensichtlich nicht aus dem Sack holen wollen.

=ensa=