Einladung zum Kürzertreten

Die Verlockungen lauern momentan überall. Wohin man auch kommt: Teller mit Plätz- chen, Marzipankartoffeln und -broten, Fondantkonfekt, Pralinés und Schokoweih- nachtsmännern sind schon da. Bei den Hauptmahlzeiten etwas kürzer zu treten und auf schwere Kost zu verzichten, kann also nicht schaden. Auf alle, die das beherzigen

tagesgericht glühwein_neukölln

und sich sagen „Das bisschen, das ich esse, kann ich auch trinken!“, setzt nun ein Neuköllner Gastronom. Na dann: Guten Appetit bzw. Prost! Auf der Abendkarte steht bestimmt als Hauptgericht: Feuerzangenbowle.

Gegenüberstellung

Wie sich die Bilder doch nicht gleichen: Während Neukölln auf den Tag genau vor einem  Jahr noch unter  einer winterlichen Schneedecke  lag, sitzt  man heute auf  der

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Treppe vor dem Rathaus, um sich die Frühlingssonne ins Gesicht scheinen zu las- sen. Oder hinter bereits bepflanzten Blumenkästen auf dem eigenen Balkon.

Wenn’s hilft

Wenn die Spielplätze verwaist  sind, Schnee das Arbeiten an Open Air-Schreibtischen

spielplatz im winter_neukölln open-air-arbeitsplatz im winter_neukölln

behindert, die Sessel der Raucherecke unter blauem Himmel ungenutzt Weiterlesen

Glatt verrechnet?

Gestern, am ersten Blitzeis-Tag dieses Winters, in einem Neuköllner Supermarkt: Die Eimer mit Streusalz sind mehrreihig im Eingangsbereich aufgetürmt; wer Speisesalz braucht, hat schlechte Karten. Das Regal, in dem normalerweise die quaderförmigen

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Pfundpackungen stehen, ist leer. „Anscheinend rechnen viele damit, dass der Zauber morgen wieder vorbei ist und ein Eimer Streusalz zuviel des Guten wäre“, vermutet die Kassiererin. Mit dem Rest könne man ja nicht mehr anfangen, als ihn bis zum nächsten Winter aufzubewahren. Da habe Speisesalz schon den Vorteil, dass man es entweder vor die Haustür oder in die Suppe kippen könne.

Würdigung in Abwesenheit

Sein Tourplan ist äußerst wankelmütig. Ob er in dieser Saison überhaupt noch für ein Gastspiel nach Neukölln kommt, ist fraglich. Fest steht indes, wie der Reutlinger Cornelius  Grätz beschloss: Heute  ist sein Tag, der  Welttag des Schneemanns. Da

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aber die Mitbringsel des Winters bisher nicht mal für eine Bonsai-Version des sym- pathischen Weißen mit der charakteristischen Physiognomie gereicht haben, erinnert manche Kita mit gemalten Fensterbildern an die existenziell bedrohte Symbolfigur. Cornelius Grätz bleiben solche Do-it-yourself-Aktionen erspart: Seine vor über 30 Jah- ren begonnene Schneemann-Sammlung ist die weltweit größte. Ob Berlins Kinder in der nächsten Woche Material bekommen, das wenigstens für kleine Schneemänner reicht, wird sich zeigen.

Wegelagerer

Derzeit sind sie – nicht nur in den Straßen Neuköllns – wieder vermehrt anzutreffen: von ihren Gegenstücken getrennte Handschuhe, die auf eine Wiedervereinigung war-

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ten. Eine Kordel, die das Paar miteinander verbindet, hätte das verhindern können.

Der entscheidende Unterschied

verschneites tempelhofer feld_berlin-neuköllnWoran erkennt man, dass dieses Foto zwei Monate alt ist? Am Schnee, sollte man vermuten. Dem ist aber nicht so! Der liegt auch heute, am Vortag des astronomischen Frühlingsanfangs, auf dem Tempelhofer Feld – nicht immer noch, sondern schon wieder. Nein, zu erkennen ist es daran, dass auf dem Foto etwas fehlt: die Gedenksäulen, die nun gedenksäule charlotte wolff, gedenksäule fritz ausländerals Stadtmarkierung anlässlich des Berliner Themen- jahrs „Zerstörte Vielfalt“ nahe dem Neuköllner Ein- gang an der Herrfurthstraße stehen.

Eine ist dem Lehrer und Politiker Fritz Ausländer ge- widmet, der 1943 seinem Leben ein Ende setzte. Die andere erinnert an die Ärztin und Sexualwissen-schaftlerin Charlotte Wolff, die vor ihrer Inhaftierung im Februar 1933 in Neukölln arbeitete und später nach London flüchtete, wo sie 1986 starb.

Was erkennt man auf diesem knapp zwei Wochen alten Foto der beiden Gedenk-säulen außerdem? Dass sich zwischen Schnee und Schnee schon kurzfristig ein Hauch Frühling gedrängt hatte.