Neukölln ohne Deutsche = Türkei

Direkt auf der Diagonalen zwischen „Wir (mit Bayern)“ alias Deutschland und „Pro- bleme“ alias Griechenland kam auf Frank Höhnes amüsanter Infografik „Die Welt aus deutscher Sicht“  Berlins wohl bekanntester  Bezirk  zu  neuen  Ehren. „Neukölln

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ohne Deutsche“ heißt dort das Land, das seit 1923 in gängigen Atlanten den Namen Türkei trägt. Höhnes Grafik, die auch als Poster zu haben ist, ist Bestandteil des Wimmelbuchs „Deutschland verstehen“, das auf 240 Seiten zu einer kurzweilig-informativen Bildungsreise durch Wir (mit Bayern) einlädt.

Durch Wände und Dächer gucken – das Wimmelbuch über die Neuköllner Passage macht’s möglich

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Gabriele Fink im Gespräch mit Winfried Radeke

Was ein Wimmelbuch ist, erfuhren „Genial da- neben“-Zuschauer am vorletzten Samstag. Schon einen Tag später konnten die Geburtstagsgäste der Neuköllner Passage selber in einem blättern. Denn die Illustratorin Gabriele Fink und ihre Freundin Regina Gößwald, die die Texte beisteuerte, haben dem Bauwerk zum 100. Bestehen ein Wimmelbuch geschenkt, das sie beim Passage-Fest vorstellten.

Es heißt „Kreuz und quer durch die Passage“ und kommt mit gleich neun faszinierenden Wimmelbildern daher, auf denen sich schier unzählige Details ent- wimmelbuch, kreuz und quer durch die passage,passage  neukölln,gabriele fink,regina gößwalddecken lassen. Schon beim Cover- bild wird deutlich: Hier war jemand am Werk, der jeden Winkel der Neuköllner Passage kennt, sich intensiv mit deren Geschichte be- schäftigt hat und zudem über eine beneidenswerte Gabe zum räum- lichen Denken und akkuraten per- spektivischen Zeichnen verfügt. Bei Gabriele Fink liegt das in der Natur der Sache: sie ist Architektin.

Für die Aquarelle in dem großfor- matigen, 36-seitigen Buch hat sie Mauern, Fußböden und Dächer der Passage gedanklich eingerissen und durch Glas ersetzt. Das bedeutet für den Betrachter, dass er unge- wöhnliche Einblicke in die Räume sämtlicher Etagen bekommt und anschaulich erfährt, was sich im Laufe der vergangenen Jahrzehnte in ihnen zutrug. „Ich hab die Ergebnisse meiner Recherchen einfach in Bilder umgesetzt“ , beschreibt Gabriele Fink das unprätentiös.

Ergänzt wurden ihre Wimmelbilder durch alte Fotos, abgelichtete Zeitungsartikel und Dokumente. In den Texten des Buches, das für Kinder und Erwachsene gleichermaßen spannend ist, führt Regina Gößwald durch die Geschichte der Passage und lässt auch Zeitzeugen zu Wort kommen: Kirsten Kuwatsch, die in den 70er-Jahren mit ihrem Mann das Gesellschaftshaus im Keller der Passage betrieb. Erika Cohn, die direkt gegenüber wohnte und nach dem 2. Weltkrieg ihren Mann in der Passage kennen lernte.  Victor Kopp, den jetzigen Besitzer des historischen Bauwerks. Und Winfried Radeke, der bis 2007 künstlerischer Leiter der Neuköllner Oper war, die in den 80er-Jahren in die Passage zog.

„Kreuz und quer durch die Passage“ ist im Selbstverlag erschienen und kann direkt bei den Herausgeberinnen bestellt werden (12,50 € + 0,85 € Versandkosten). Außerdem ist das Buch im Museum Neukölln und bei der Neuköllner Oper erhältlich.

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