Erstmals breite Beteiligung an Aktionen rund um dem Welt-Alpha-Tag

„Noch nie gab es in Berlin rund um den Weltalphabetisierungs-Tag am 8. September so viele Aktionen wie in diesem Jahr. Wir feiern diesmal im kleinen Kreis und haben niemanden offiziell eingeladen, weil bei uns gerade gebaut wird und im Hof ein großes Gerüst steht“, sagte mir Urda Thiessen, Geschäftsführerin des 1983 gegründeten Lesen und Schreiben e. V., am Tag vor dem Aktionstag beim diesjährigen Hoffest des Vereins am Freitagmittag im Herrnhuter Weg.

In ganz Berlin wurden knapp 30 Veranstaltungen ge-zählt. Allein in Neukölln hatten der Lernladen und der Jobpoint in der Passage am U-Bahnhof Karl-Marx-Straße ihre Weiterlesen

Abschied von Berlins Pionierin für Alphabetisierung

Mit über 50 Bündnispartnern trägt das Alpha-Bündnis Neukölln die Themen Alphabetisierung und Grundbildung in die Öffent-lichkeit, denn noch immer ist An-Alphabetismus ein großes Tabu-Thema. Schätzungsweise 28.000 Menschen in Neukölln haben – obwohl sie Deutsch sprechen – Schwierigkeiten beim Lesen und Schreiben. Sie können nicht gut genug lesen und schreiben, um am gesellschaftlichen Leben in angemessener Weise teilzuhaben und im Beruf zurecht zu kommen. Viele besitzen zudem keine ausreichende Grundbildung. Ihnen fehlen grundlegende Kenntnisse in Mathematik, PC-Kompetenz Weiterlesen

Wie Parteien die Tore zu ihren Wahlprogrammen öffnen

Jedes Jahr am 8. September ist der Weltalphabetisierungs-Tag. Zwei Tage vorher, am lesen und schreiben e.v., neukölln,weltalphabetisierungstag, aktionsbündnis alphabetisierung und grundbildung neuköllnkommenden Mittwoch, wollen Aktive vom Bündnis für Alphabetisierung und Grundbildung auf dem Alfred-Scholz-Platz mit Passanten ins Gespräch kommen. Vielleicht wird dabei auch über Politik und die bevorstehende Bundestagswahl gesprochen. Jedenfalls bieten fast alle großen Parteien seit der Bundestagswahl 2009 vereinfachte Zusammenfassungen ihrer offiziellen Wahlpro-gramme in „Leichter Sprache“ an. Leichte Sprache bedeutet: Kurze Sätze, keine Fremdwörter, viele Verben, wenig Substantive und möglichst Weiterlesen

Lob für die Grundbildungs- und Alphabetisierungsarbeit in Neukölln

werkstatt_lesen und schreiben ev neuköllnJedes Jahr am 8. September ist der Weltalphabetisierungs-Tag. Der Verein Lesen und Schreiben (LuS) lud letzten Freitag zum Tag der offenen Tür ein, um daran zu erinnern. In der LuS-Werkstatt hängt ein gelb lackiertes Fahrrad unter der Decke. Am Rad ist ein Schild an- gebracht. Darauf steht, dass es 28.000 An-Alphabeten in Neukölln gibt. Auf dem Hof gab es Bratwurst, Hamburger, Salate und Kuchen zu essen. Und es gab Säfte, Brause sowie Kaffee zu trinken. Die Besucher sprachen viel miteinander darüber, wie alle Menschen Weiterlesen

Was ist ein Wort? Warum schreibt man nicht „NT“ statt „Ente“? Wie finde ich etwas im Lexikon?

Der Weltalphabetisierungstag ist zwar erst morgen, aber in Neukölln beim Lesen und Schreiben e. V. wird schon heute an ihn erinnert. Gefeiert wird er nicht, denn dazu gibt weltalphabetisierungstag, tag der offenen tür, lesen und schreiben e.v. berlin-neuköllnes wahrlich keinen Grund angesichts 7,5 Millionen Volljähriger unter 65, die laut Level-One Studie (leo) in Deutschland leben und als funktionale An-Alphabeten ihren Alltag meistern. Die bestenfalls einfachste Sätze lesen und oft nur wenige Wörter schreiben können. Dass  58 Prozent der 7.500.000 Menschen mit Deutsch als Muttersprache aufwuchsen, ist ein weiterer alar- mierender Fakt, den die Studie zur Literalität aufdeckte.

In Berlin, schätzt man, liegt die Zahl der funktionalen An-Alphabeten bei 300.000 – das heißt: etwa jeder elfte erwachsene Hauptstädter kann mit dem, was ihn hinter der Tür zur Welt des Schriftsprachlichen erwartet, nur wenig bis gar nichts anfangen. Ob das Defizit vom Umfeld  unentdeckt bleibt oder bemerkt wird, hängt einerseits von der Geschicklichkeit des Betroffenen ab, andererseits aber auch von der Sensibilität des Gegenübers für die Problemlage. Schließlich lässt sich An-Alphabetismus nicht wie ein Schnupfen an der triefenden Nase oder ein ver- knackster Knöchel am Humpeln erkennen. Und es gibt auch keine Checkliste mit 10 Punkten, die man nur abgleichen muss, um zu wissen: Aha, das ist einer von denen, alphabetisierung, alpha-bündnis neuköllndie nicht/kaum lesen und schreiben können.

Auch Siggi, der in Nordrhein-West- falen aufwuchs und lebte, bis er nach Berlin kam, mogelte sich lange durch. Dass er irgendwann beim Arbeitsamt auf eine Sachbearbeiterin stieß, die ahnte, welches Problem er hat, und ihn auf die gangtägigen Alphabetisierungskurse beim Lesen und Schreiben e. V. aufmerksam machte, sei sein großes Glück gewesen, sagt er. Überzeugt, dass ein VHS- Lehrgang, bei dem in Abendkursen in der Kindheit versäumter Stoff nachgeholt wird, lesen und schreiben e.v. neukölln, alphabetisierung, grundbildungnichts für ihn gewesen wäre.

Heute ist Siggi  Botschafter für Alpha-betisierung und quasi beratend dabei, wenn sich das  Alpha-Bündnis Neukölln  zum Plenum trifft. Vorrangige Ziele des Projektes, das unter der Schirmherrschaft von Bildungsstadträtin Franziska Giffey steht, sind die  interdisziplinäre Vernetzung  im Bezirk tätiger Einrichtungen, die mit An-Alphabeten in Kontakt kommen, und die Vorbereitung von ihren Mitarbeitern auf solche Situationen. Sprich: Es geht um das Erkennen, es mit Menschen mit eklatanten Literalitätslücken zu tun zu haben und deren Vermittlung in Alpha- lus lesen und schreiben e.v. berlin-neukölln, alphabetisierung und grundbildungbetisierungskurse. Doch es ist nicht das Erlernen des Lesens und Schrei- bens allein, auf dem das Augenmerk liegt. „Es geht ganz grundsätzlich um die Förderung der Grundbildung der Betroffenen“, hält Theresa Hamilton fest, die das Projekt gemeinsam mit Claire Paturle-Zynga leitet. Erst das Gesamtpaket aus Alphabetisierung, Allgemeinbildung, mathematischer, personaler, methodischer, digitaler sowie sozialer Kompetenz ermögliche eine angemessene Teilhabe am gesellschaftlichen Leben.

Damit, dass die Einen lernen und ihre Fähigkeiten auf Vordermann bringen, ist es allerdings nicht getan. Auch die Gesellschaft um sie herum ist gefordert. Die  Igno- ranz für das Thema An-Alphabetismus aufzugeben, wäre ein erster Schritt, sind sich die Betroffenen einig.

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„villen dank für ihr versetenis“

Die Chance, täglich mit mindestens einem von ihnen zu sprechen, ist rein rech- nerisch selbst bei einem nicht übermäßig ausgeprägten Kommunikationsgebaren lesen und schreiben e.v., neukölln,weltalphabetisierungstag, aktionsbündnis alphabetisierung und grundbildung neuköllngroß: Über 316.000 Berliner gehören zu denen, die nicht oder nicht aus- reichend lesen und schreiben kön- nen, die totale oder funktionale An- Alphabeten sind. Das ist knapp jeder zehnte Hauptstädter. In Neukölln  sind mindestens 28.000 Erwachsene be- troffen. Über sie wird jedoch eher sel- ten gesprochen.

Einmal im Jahr, am Weltalphabeti- sierungstag, der heute sein 45. Jubi- läum feiert, ist das anders. Danach flaut das öffentliche Interesse an Menschen wie Frauke und ihrem Alltag meist rasch wieder ab – die Probleme, die nicht nur die Betroffenen sondern auch die Gesellschaft an sich tangieren, aber bleiben.

Anlässlich des Weltalphabetisierungstags lädt der Neuköllner Verein Lesen und Schreiben heute von 14.30 bis 18 Uhr zum Tag der offenen Tür ein. Eine gute Gelegenheit, sich über Alphabetisierungsangebote sowie das von LuS e. v. und Lokale Agenda 21 initiierte Aktionsbündnis Alphabetisierung und Grundbildung Neukölln zu informieren, das auch vom FACETTEN-Magazin ausdrücklich unterstützt wird.

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… 18, 19, 20, 1, 2, 3 …

Wird hier für etwas geworben, ein Beitrag im Feuilleton angekündigt oder über die Geburt von Sechslingen informiert? Wer nicht gerade der chinesischen Schriftsprache mächtig ist, könnte diesen Zeitungsausschnitt drehen und wenden und würde trotzdem nicht das Geringste verstehen.

So – oder so zumindest fast so – geht es rund vier Millionen Menschen in Deutschland, wenn sie Ge- schriebenes in deutscher Sprache sehen, denn sie sind Analphabeten. Genau genommen: funktionale An- alphabeten. Gegenüber totalen Analphabeten haben sie den Vorteil, dass sie immerhin einzelne Schriftbilder lesen oder ihren Namen schreiben können. Doch ihre Kenntnisse reichen – trotz Schulbesuch! – bei weitem nicht aus, um den Alltag zu meistern ohne aufzufallen.

Wenn sie über Sonderangebote auf dem Laufenden sein wollen, brauchen sie Hilfe, was wiederum ein vor- heriges Outing bedeutet. Entschließt sich der Hersteller der Butter, die sie schon lange kaufen und mögen, das Aussehen der Verpackung gründlich zu ändern, ist der Artikel für sie plötzlich fremd und unauffindbar. Sollen sie spontan etwas aufschreiben, haben sie  eine akute Sehnenscheidenentzündung, die Brille vergessen oder eine andere Entschuldigung parat, es nicht tun zu können. Dass Turmstraße, Rathaus Neukölln, Alexan- derplatz oder Spandau auf dem Schild im U-Bahn-Tunnel steht, wissen sie nur, wenn sie sich zuvor die Optik und Umgebung eingeprägt haben. Müssten sie sich beim Fernsehen nur auf ihre Augen verlassen, hätten sie keine Chance, einen Batzen Geld für die richtige Antwort auf die Frage zu gewinnen, ob Kota Kinabalu a) auf Borneo liegt oder b) der Name einer renommierten Designerin ist – selbst wenn sie es wüssten. Etwa jeder 20. in Deutschland führt dieses Leben, Seite an Seite mit allen, die lesen und schreiben können.

Heute ist Weltalphabetisierungstag, um an die Problematik zu erinnern. Übermorgen wird er mit einem Tag der offenen Tür beim Neuköllner Verein Lesen und Schreiben (LuS) gefeiert, der als einzige Einrichtung Berlins ganztägige Alphabetisierungskurse für Erwachsene anbietet. Zusammen mit der Ortsgruppe der Lokalen Agenda 21 initiierte er jüngst das Aktionsbündnis Alphabetisierung und Grundbildung Berlin-Neukölln, um den etwa 15.000 Analphabeten in Neukölln eine noch stärkere Lobby geben zu können.

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