In Sichtweite – und darüber hinaus

waffelkaffel-umzug_neuköllnEnttäuschung dürfte sich auf die Mienen derer legen, die nur ab und zu ins Waffelkaffel kamen. Und nun: In der Schillerpromenade, zwischen Hermann-straße und Tempelhofer Feld, wo bisher das kleine Café war, ist das Schaufenster abgeklebt. Selbst der Wegweiser zum neuen Domizil wurde inzwischen entfernt. Wobei der auch nur bedingt hilfreich war: Wer es mit detektivischem Spürsinn nach dem Tag des Sommeranfangs geschafft hat, die Herrfurthstraße 9 als Ziel zu entlarven, konnte dort, wo sich ein Gastro- nomiebetrieb an den anderen reiht, zwar auf ein offenbar neu eröffnetes Café stoßen, aber weit und breit kein Waffelkaffel sehen. Aus gutem Grund, denn Weiterlesen

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Heute in Schweden, schon gestern in Neukölln

waffeltag_waffelkaffel neukölln„Ha en trevlig våffeldagen!“ – das wünscht man sich heute in Schweden. Und dann wird Teig gerührt, das Waffeleisen aus dem Kü- chenschrank geholt und bis zum Sättigungs- punkt der våffla gehuldigt. Bis ins 17. Jahr- hundert reicht diese Tradition zurück, die der Überlieferung nach auf einem Missverständ- nis basiert: Auf den 25. März fällt auch der christliche Feiertag Mariä Verkündigung, der auf Schwedisch vårfrudagen heißt, was wie- derum – schnell und nuschelnd artikuliert – wie  våffeldagen, also: Waffeltag, klingt. Und eben den begeht man in Schweden nun immer genau neun Monate vor Weihnachten.

In Neukölln, das schließlich gerne mal vorne ist, wartete man mit dem Waffeltag nicht bis zum 25. März, sondern feierte ihn schon ges- waffelkaffel_neuköllntern: im Waffelkaffel. „Weil Sonntage für solche Aktionen besser sind“, sagt Adrian Schefer, der zusammen mit seiner Partnerin Paula Leu das kleine Café vis-à-vis der Geneza- reth-Kirche vor einem Dreivierteljahr eröffnete.

waffelkaffel neuköllnDraußen sitzen will bei strengem Frost keiner, entsprechend voll ist es drinnen. Das liege aber nur marginal am Waffel- tag und dem mit ihm verbundenen Angebot „Gratis-Waffeln für alle“. Sonntags seien sie immer am Maximum, was in erster Linie der Nähe zum Tempelhofer Feld zu verdanken ist. Durchgefrorene Spaziergänger in Paar- bis Gruppenstärke geben sich gegen-seitig die Klinke in die Hand. Bei jedem Öffnen der Tür dringt ein warmer Schwall Waffelduft auf waffel_waffelkaffel berlin-neuköllndie Straße.

Das 23 Jahre alte und 40 Kilo schwere Doppeleisen läuft zur Hochform auf, tauscht im Akkord zähflüssigen Teig gegen goldbraune Waffeln. Mit Puder- zucker bestäubt oder mit Schlagsahne, Nuss-Nougat-Creme, Eis, Früchten und anderen  Zugaben belegt, landen sie auf verschnörkelten Vintage-Tellern. Wer Kaffee dazu bestellt, bekommt auch den in einer feinen Tasse aus Omas Geschirrschrank. frühlingsrolle_waffelkaffel neuköllnAber es ist nicht nur das Porzellan, das auf Geschichten zurückblickt. Zu jedem Stück des liebevoll gestalteten Waffelkaffel-Interieurs könn- te Adrian Schefer eine eigene Anekdote erzählen: „Das ganze Mobiliar hab ich selber gebaut, mit Abfallholz, das ich in den Straßen Neuköllns gefunden hab.“

Ganz und gar nicht retro, sondern beim Blick aufs Thermometer der Zeit voraus ist das Waffelkaffel indes mit der süßen Kreation, die für diese Woche anlässlich des Waffeltags in die Karte aufgenommen wurde: Frühlingsrolle heißt sie. In ihr steckt eine Kugel Vanille-Eis, umgeben ist die Waffel von Eierlikör und Mohn.

=ensa=