„Immer dienstags trifft sich die Neuköllner Kulturszene in einer Telefonzelle aufm Richardplatz“

gruppenbild mitglieder_20 jahre kulturnetzwerk neukoellnMit diesem Bild beschrieb Klaus Dieter Ryrko die Situation anno 1995 in seiner Video-Bot-schaft. Gezeigt wurde der Einspieler zwischen denen zahlreicher anderer Gratulanten am vergangenen Dienstag, als das Kulturnetz-werk Neukölln in der Neuköllner Oper sein 20-jähriges Bestehen feierte.

Ryrko, Programmbereichsleiter bei der VHS Neukölln, saß derweil im Publikum und erlebte einen Abend, der zurückblicken und in die Zukunft schauen ließ. Zunächst aber war es – nach der Weiterlesen

Ausgezeichnet: Neukölln hat sechs neue Ehrennadel-Träger

137 Träger der Neuköllner Ehrennadel gab es bis gestern. Seit gestern sind es sechs mehr: Bei einer Feierstunde im Schloss Britz verliehen Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky und Bezirksverordnetenvorsteher Jürgen Koglin die höchste neuköllner ehrennadel-verleihung 2012Auszeichnung für Menschen, die sich um den Bezirk verdient gemacht haben, an Soran Ahmed, Beate Hau- ke, Christian Korb, Lam-Thanh Ly, Brigitte Merten und Peter Renkl.

Aber wie kommt man überhaupt an diese Ehrung, wenn man sie denn will? „Geehrt werden besonders Per- sonen, die langjährig auf dem Gebiet des kulturellen, sozialen, religiösen, wirtschaftlichen, sportlichen, gesell- schaftspolitischen und partnerschaftlichen Bereichs im Sinne Neuköllns tätig gewesen sind“, erklärt Andrea Liedmann aus dem Büro des Bezirksbürgermeisters. Politische Funktionen und Mandate seien für eine Ehrung nicht hinreichend.

Vorschläge für Auszuzeichnende, die samt einer kurze Begründung sowie einer Biographie der betreffenden Person an das Bezirksbürgermeister-Büro zu richten sind, könnten von Vereinen, Vereinigungen oder anderen Organisationen gemacht neuköllner ehrennadelwerden. Wer letztlich die Neuköllner Ehrennadel bekommt, werde dann von einem Gremium entschieden, das sich aus dem Bezirksverordne-tenvorsteher, der stellvertretenden Bezirksver-ordnetenvorsteherin, dem Bezirksbürgermeister und dem stellvertretenden Bezirksbürgermeister zusammensetzt.

Begünstigungen sind mit der Mini-Trophäe fürs Revers, die seit 1984 einmal jährlich verliehen wird, nicht verbunden. Allein mit der Ehrennadel und einer feierlichen Zeremonie müssen sich die Ausgezeichneten aber auch nicht begnügen: Sie erhalten zusätzlich eine Urkunde, werden ins Ehrennadelbuch eingetragen und im Foyer der 2. Etage des Neuköllner Rathauses namentlich auf einer Messingtafel verewigt. So wie vor ihnen bereits Wolf Henri, der Schmied vom Richardplatz, der heute 100 Jahre alt geworden wäre, Victor Kopp, der Eigentümer der Neuköllner Passage, die ehemaligen SG Neukölln-Schwimmerinnen Cathleen Rund und Britta Steffen, der Ex-Profiboxer Oktay Urkal, die Ricam Hospiz-Gründerin Dorothea Becker, der Schriftsteller Horst Bosetzky, Konrad Tack, der ehemalige Geschäftsführer des JobCenters Neukölln, der Sprach- woche-Initiator Kazim Erdogan und Christina Rau, die Schirmherrin des Campus Rütli – um nur einige zu nennen.

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Durch Wände und Dächer gucken – das Wimmelbuch über die Neuköllner Passage macht’s möglich

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Gabriele Fink im Gespräch mit Winfried Radeke

Was ein Wimmelbuch ist, erfuhren „Genial da- neben“-Zuschauer am vorletzten Samstag. Schon einen Tag später konnten die Geburtstagsgäste der Neuköllner Passage selber in einem blättern. Denn die Illustratorin Gabriele Fink und ihre Freundin Regina Gößwald, die die Texte beisteuerte, haben dem Bauwerk zum 100. Bestehen ein Wimmelbuch geschenkt, das sie beim Passage-Fest vorstellten.

Es heißt „Kreuz und quer durch die Passage“ und kommt mit gleich neun faszinierenden Wimmelbildern daher, auf denen sich schier unzählige Details ent- wimmelbuch, kreuz und quer durch die passage,passage  neukölln,gabriele fink,regina gößwalddecken lassen. Schon beim Cover- bild wird deutlich: Hier war jemand am Werk, der jeden Winkel der Neuköllner Passage kennt, sich intensiv mit deren Geschichte be- schäftigt hat und zudem über eine beneidenswerte Gabe zum räum- lichen Denken und akkuraten per- spektivischen Zeichnen verfügt. Bei Gabriele Fink liegt das in der Natur der Sache: sie ist Architektin.

Für die Aquarelle in dem großfor- matigen, 36-seitigen Buch hat sie Mauern, Fußböden und Dächer der Passage gedanklich eingerissen und durch Glas ersetzt. Das bedeutet für den Betrachter, dass er unge- wöhnliche Einblicke in die Räume sämtlicher Etagen bekommt und anschaulich erfährt, was sich im Laufe der vergangenen Jahrzehnte in ihnen zutrug. „Ich hab die Ergebnisse meiner Recherchen einfach in Bilder umgesetzt“ , beschreibt Gabriele Fink das unprätentiös.

Ergänzt wurden ihre Wimmelbilder durch alte Fotos, abgelichtete Zeitungsartikel und Dokumente. In den Texten des Buches, das für Kinder und Erwachsene gleichermaßen spannend ist, führt Regina Gößwald durch die Geschichte der Passage und lässt auch Zeitzeugen zu Wort kommen: Kirsten Kuwatsch, die in den 70er-Jahren mit ihrem Mann das Gesellschaftshaus im Keller der Passage betrieb. Erika Cohn, die direkt gegenüber wohnte und nach dem 2. Weltkrieg ihren Mann in der Passage kennen lernte.  Victor Kopp, den jetzigen Besitzer des historischen Bauwerks. Und Winfried Radeke, der bis 2007 künstlerischer Leiter der Neuköllner Oper war, die in den 80er-Jahren in die Passage zog.

„Kreuz und quer durch die Passage“ ist im Selbstverlag erschienen und kann direkt bei den Herausgeberinnen bestellt werden (12,50 € + 0,85 € Versandkosten). Außerdem ist das Buch im Museum Neukölln und bei der Neuköllner Oper erhältlich.

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Glückwunsch, altes Haus!

passage neukölln, 100 jahre passage, neuköllnWenn Häuser Geschichten erzählen könnten, kä- me die Neuköllner Passage aus dem Plappern gar nicht mehr raus. Die alte Dame, die genau genommen aus mehreren Häusern besteht, die die Karl-Marx- mit der Richardstraße verbinden, blickt nämlich auf inzwischen 100 bewegte Jahre zurück, und das runde Jubiläum wird an diesem Wochenende groß gefeiert.

passage neukölln, 100 jahre passage, passage-kinoLos ging es ges- tern Abend mit der Eröffnung der Aus- stellung „1oo Jah- re Passage“ im Foyer des Passa- ge-Kinos. Etliche große Schautafeln mit Texten, Fotos und Skizzen laden hier nun bis zum 10. Oktober ein, Stationen der von Tief- und Höhepunkten geprägten Karriere der Passage kennen zu lernen. Sie begann damit, dass der Sohn von Auguste Barta und damalige Fahrradhändler Paul Daedrich das Grundstück 1908 kaufte und  erstmal alles abreißen ließ, was zuvor darauf gestanden hatte. Im Juli 1909 starteten die Neubauarbeiten nach Plänen des Wiener Architekten Paul Eduard Hoppe, neun Monate später war die Passage fertig und zugleich Berlins erster offener Passagenbau und Deutschlands erste Fußgängerzone. Sie war flankiert von einem Häuserensemble mit Läden, einem Kino und riesigen Wohnungen. 1922 verkaufte Daedrich das Grundstück. In den folgenden knapp 70 Jahren wurde es quasi wie ein Wanderpokal von einem Besitzer an den victor kopp, dorothea kolland, 100 jahre passage neuköllnnächsten weitergereicht.

Bis Victor Kopp (l.) kam, der seit Juni 1989 alleiniger Eigentümer der Pas- sage ist. Der aus einer Theater- und Schauspielerfamilie stammende Im- mobilienkaufmann sei, wie Dorothea Kolland (r.) bei ihrer Begrüßungs- ansprache sagte, ein „absoluter Glücksfall“ für die Passage – damals wie heute. Der seit 1981 amtierenden Leiterin des Neuköllner Kulturamts gelang es, Kopp den Gedanken schmackhaft zu machen, kulturellen Einrichtungen eine Heimstatt in den Gebäuden zu schaffen und auf lukrativere Vermietungen zu verzichten. Die Neuköllner Oper war die erste, die von Kopps genetisch bedingter Kulturaffinität profitierte. Die Künstler und ihr Leiter, der Kirchenmusiker Winfried Radeke, hatten das Dasein als Wanderbühne gründlich satt, waren auf der Suche nach einer festen Spielstätte und fanden sie in der Passage. „Ob sich die Kombination mit dem Kino als direktem Nachbarn akustisch verträgt, war bis zuletzt nicht klar“, erinnert sich Kolland.  Die seitdem bestehende 100 jahre passage neuköllnKoexistenz spricht Bände.

Und Victor Kopp wirkt nicht wie jemand, der un- glücklich darüber ist, den für Vermieter nicht gerade konventionellen Weg gewählt zu haben.  Er ist die „Ausnahme von der Regel“, lobt Dorothea Kolland. Einer, der sich kümmert. Nicht nur um das Innenleben der alten Dame Passage, die seit 1985 unter Denkmalschutz steht, sondern auch um ihr Äußeres: Noch einen Tag vor dem Fest waren Handwerker mit kleinen Korrekturen und der Auffrischung ihres Teints beschäftigt.

Das 100 Jahre Passage-Festprogramm im Einzelnen:

14 – 18 Uhr: Familienrallye und Fotostudio / 14, 16 und 18 Uhr: Führungen durch die Passage / 15 und 16.30 Uhr: „Die Capriolas“ treten mit ihrem Songprogramm mit Menschen und Puppen im großen Saal der Neuköllner Oper auf / 15.30 Uhr: Gabriele Fink und Regina Gößwald präsentieren ihr Buch „Kreuz und Quer durch die Passage“ im Foyer des Passage-Kinos / 16, 17 und 18 Uhr: Caféhaus-Musik mit YeDo im Café Hofperle / 17.15 Uhr: Anna Faroqhi und Dorothea Kolland stellen im großen Saal der Neuköllner Oper den Neukölln-Comic „Weltreiche erblühten und fielen“ vor / 18 Uhr: Auslosung der Gewinner der Familienrallye am Infostand im Hof

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