Pfützen-Hopping in Rixdorfs guter Stube

Einem ausgeklügelten Timing ist es nicht zu verdanken, wenn der östliche Teil des Richardplatzes heute aussieht, als hätte er sich für den Welttag der Feuchtgebiete herausgeputzt. Solche kalendarischen Vorgaben sind für  den schmalen Fußweg  rund  um Schmiede und Spielplatz  nämlich bedeutungslos. Wann immer es möglich

welttag der feuchtgebiete_richardplatz neukölln

ist, mutiert er zur Gummistiefel-Teststrecke und fördert so an mehr als einem Tag pro Jahr „die öffentliche Wahrnehmung der Vorzüge von Feuchtgebieten“. Da der Pfad – ebenso wie das rumpelige Kopfsteinpflaster – zur schützenswerten „Histori- schen Anlage Richardplatz“ gehört, wird man ihn daran auch künftig kaum hindern.

Die andere Seite der Medaille

„Neukölln mal anders“, so hat die rbb-Abendschau ihren vorgestern ausgestrahlten  Beitrag  über  den  Richardplatz  genannt. Er hätte aber ebenso gut  „Der Richardplatz

großbaustelle richardplatz_neukölln

mal anders“ heißen können: Denn so idyllisch, wie Kameraführung und Schnitt sug- gerieren, hat man den Platz schon lange nicht mehr gesehen, der seit fast vier Jahren eine Umgestaltung erfährt und weitenteils eine Großbaustelle ist.

Schlimmer geht’s immer

Dass die Umgestaltung eines Platzes nicht zwangsläufig eine Verschönerung bedeutet, dürfte niemandem verborgen bleiben, der sich mit offenen Augen durch Berlin bewegt und die Vorher- wie auch die Nachher-Situation kennt. Auch in Neukölln gibt man sich viel Mühe mit Verschlechtbesserungen. Das markanteste Beispiel dürfte aktuell die westliche Seite des Richardplatzes sein.

Vor rund einem Jahr wurde damit begonnen den Platz, der Keimzelle des Bezirks ist, richardplatz neukölln, april 2011, umgestaltungzu beackern (wir berichte- ten). Vor gut einem Viertel- jahr war aus der zuvor verwilderten, von Trampel- pfaden durchzogenen Ra- senfläche ein zugepflaster- tes Areal geworden. Links und rechts davon hatte man Platz für Grünes gelassen, und wer wollte, konnte es sich auf den Bänken bequem machen, um der Flora beim Wachsen zuzusehen.

richardplatz neukölln, august 2011, umgestaltungHeute hat sich die Botanik beträchtlich entwickelt und bildet mit Unkraut und Unrat ein urbanes Still- leben. Damit der Platz ja nicht von den Anwohnern als Treffpunkt und Aufent- haltsort genutzt wird, wur- den die Bänke inzwischen wieder abgebaut. Zudem wurden, um die Vermüllung des Platzes nicht zu behindern, alle Abfallkörbe bis auf einen wieder entfernt. Eine landschaftsarchitektonische Meisterleistung, die dem Richardplatz zuteil wurde.

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Angekommen

richardplatz neuköllnNun also auch in Neukölln: Gestern Nachmittag, be- richtet die B.Z., habe ein zunächst als verdächtig erachteter und dann für harmlos befundener Koffer einen Polizeieinsatz aus- gelöst. Ausgerechnet am für viel Geld verunschönten Richardplatz, auf dem es ja – wenn nicht gerade Alt-Rixdorfer Weihnachts- markt, 48 Stunden Neukölln oder Popráci ist – vor Menschen nur so wimmelt.

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Neues vom Facelifting des Richardplatzes

Vor knapp zwei Monaten begann es: Neuköllns Baustadtrat Thomas Blesing setzte den ersten Spatenstich zur Umgestaltung des Richardplatzes und Bagger rollten an, um die saftig grüne, von einem Trampelpfad durchzogene Rasenfläche auf dem westlichen Teil des Richardplatzes abzutragen. „Die bislang teilweise ungepflegt wirkende Platzfläche wird mit neuen Wege- und Rasenflächen neu strukturiert bzw. den Bedürfnissen der querenden Passanten angepasst“ , verkündete eine Presse-Information  aus  dem Rathaus. Ebenso  erfuhr man, dass  die Bauarbeiten rund drei

richardplatz vor umgestaltung,neukölln

Monate dauern und etwa 180.000 Euro kosten würden. Knapp zwei Drittel der Zeit sind also geschafft, und der neu gestaltete Richardplatz ist schon jetzt kaum mehr wieder zu erkennen: Die Flächen, die noch frei von Kopfsteinpflaster und für Rasen übrig  sind, beschränken  sich auf ein Minimum. Dafür  finden künftig Horden queren-

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der Passanten ihren Bedürfnissen angepasste Bedingungen vor. Was war das auch immer für ein Gedränge und Gerempel auf dem schmalen Trampelpfad …

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Neukölln ist nicht Münster und ein Dixi-Klo kein Blumenkübel

dixi-klo, umgestaltung richardplatz, neukölln, rixdorf, richardkiez, blumenkübel münsterDaher ist höchst unwahr- scheinlich, dass die Nie- derlage dieses Klohäus- chens woanders als hier angemessen gewürdigt wird.

Welches Schicksal der blauen Plastikkiste wider- fahren ist, die in der Verti- kalen bestimmt eher ihren Zweck erfüllen könnte, ließ sich leider nicht heraus- umgestaltung richardplatz, berlin-neuköllnfinden. Ob sie von irgend- welchen Schwachmaten umgekippt wurde oder ob die Tatsache, dass nun wirklich mit der Umgestal- tung des Richardplatzes begonnen wurde, sie total überrascht und schlicht- weg umgehauen hat, wäre nun zu klären. Wenn Neu- kölln Münster wäre …

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