Aus dem Leben auf der Straße gerissen

U8 leinestr neukoellnEin Stück Bürgersteig an der Treppe zur U8-Station Leinestraße war für ihn so etwas wie ein Zuhause. Aus einem großen blauen Schirm hatte er sich ein Dach gebaut, das ihn und seine Habseligkeiten vor Niederschlägen oder sengender Sonne schützte; der U-Bahn-Schacht U8 leinestr berlin - neukoellnblies ein wenig Wärme  in die Unter-kunft, viele, die gerade im benachbarten Discounter eingekauft hatten, gaben ihm Lebensmittel oder das Wechselgeld. Vor genau einer Woche hatten sie noch versucht, ihm das Leben zu retten, indem sie den Notarzt riefen. Doch der Wohnungslose, den wohl die meisten aus dem Schillerkiez „kannten“, schaffte es nicht und starb; seitdem erinnern Kerzen und Blumen an der Neuköllner U-Bahn-Station an ihn. (Infos über die Berliner Kältehilfe hier.)

Stop-and-no-go auf und unter der Hermannstraße

Die erste Woche ist geschafft, vier weitere Tage sind noch zu bewältigen: Seit letztem Montag enden bzw. starten die Züge der U8 bereits bzw. erst am Hermannplatz und u8-sev_neukoellndie Stationen entlang des Streckenstummels bis zum S-Bahn-Ring, wo Gleise und Weichen zu erneuern sind, werden durch Busse bedient, was wiederum dazu führt, dass die Hermann-straße dauerverstopft ist. Eine Situation wie 2013 und 2014, als exakt dieser U-Bahn-abschnitt über ein Jahr lang gesperrt war. Sie könne jetzt „für zukünftige Jahrzehnte einen zuverlässigen U-Bahnbetrieb garantieren“, teilte damals die BVG anlässlich der Wieder-eröffnung der Strecke mit. Wie dieses Statement gemeint war, zeigt sich nun: Bis zum nächsten Jahrzehnt sind es noch ein paar Jahre.

Retrospektivisch in die Zukunft

Lange waren die beiden Zugänge zur U8-Station Hermannstraße in Höhe der Emser Straße einfach nur verschlossen. Später bekam jeder Wände und ein Dach und noch später wurden die vertikalen Flächen mit historischen Straßenansichten aus dem Ar- chiv des  Museums Neukölln  aufgehübscht. Kürzlich muss den Berliner  Verkehrsbe-

umbau u8-bahnhof hermannstraße neukölln umbau u8-station hermannstraße neukölln

trieben (BVG) dann aber doch aufgefallen sein, dass den Schwarz-Weiß-Aufnahmen jeglicher Kontext fehlt: Seitdem informieren sie über den Umbau des 83 Jahre alte U-Bahnhofs „bis Mitte 2016“. Ob bis dahin auch das Warten auf das Ende der War- tungsarbeiten am Aufzug in der U8-Station Leinestraße der Vergangenheit angehört?

Das große Warten auf die Barrierefreiheit

Seit 11 Wochen ist der U-Bahnhof Leinestraße wieder an das Streckennetz der U8 angeschlossen und geöffnet. In einigen Wochen könnte er sogar endlich barrierefrei sein. Der Bau des Aufzugs schreite jedenfalls zügig voran, sagt BVG-Presse- sprecherin  Petra  Reetz: „Wahrscheinlich  wird er schon  Anfang  Dezember  fertigge-

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stellt.“ Ob er dann gleich in Betrieb genommen werden kann, ist allerdings auch für die BVG fraglich. Denn noch gibt es keinen ampelgesicherten Weiterlesen

Gute Nachrichten aus dem Neuköllner Untergrund

Viele gehen noch etwas ungläubig die Treppen zum Bahnsteig der U8-Station Lei- nestraße hinunter und machen erstmal Fotos, während sie auf das warten, was nach über einem Jahr das Abgehängtseins wieder fährt: Heute Morgen um 4.02 Uhr verließ

wiedereröffnete u8-station leinestraße neukölln wiedereröffnet u8-station leinestraße_neukölln
wiedereröffnung u8-station leinestraße_neukölln u8 leinestraße neukölln

der erste U8-Zug mit zahlenden Fahrgästen die Station Hermannstraße, um zwei Mi- nuten später den sanierten Bahnhof Leinestraße zu erreichen. Eine knappe halbe Stunde später war die U8-Strecke auch in der Gegenrichtung wieder an die Ringbahn angeschlossen. Nur auf die Barrierefreiheit muss noch ein wenig gewartet werden.

„Die ackern wie die Blöden“

Einige werden sich noch erinnern. Wer aus dem Schillerkiez oder Rollbergviertel kommend die Ringbahn erreichen oder in Richtung Hermannplatz wollte, stieg bis zum 11. August letzten Jahres in Höhe Aller- bzw. Leinestraße ein paar Stufen hinun-

u8 leinestraße neukölln

unter, setzte sich in den nächsten U-Bahnzug der Linie 8 und los ging‘s. Diese wunderbare Möglichkeit, die natürlich ebenfalls in umgekehrter Richtung funktionier- te, soll es bald wieder geben – und zwar ab 25. August, vielleicht aber auch schon eher. „Denn die ackern wie die Blöden“,  war Freitag auf Anfrage aus Weiterlesen

Oben hui, unten pfui?

Wer erinnert sich noch an die schlichten Portale des U8-Bahnhofs Leinestraße? Zwi-

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schendurch gab es auch schon mal Provisorisches. Jetzt aber wird richtig aufge- hübscht: Die zehneckigen Transparente, die bei vielen U-Bahnhöfen Weiterlesen

So was kommt von so was: Verlängerung der U8-Sperrung bremst Umgestaltung der Karl-Marx-Straße aus

bauabschnitte karl-marx-straße_neuköllnFußgänger, die sich über behelfsmäßige Gehwege schieben. Anwohner, die ihre Haustüren nur über Stege erreichen können und deren Geschirr im Takt des Sounds der Presslufthämmer durch die Schränke hüpft. Autofahrer, die sich in einer Falle wähnen, aus der es nur durch die Kraft des ausblick 2014_karl-marx-straße_neuköllnBeamens ein Ent- kommen gäbe. Ge- schäftsleute, die we- nig Kunden und viel Zeit zum Grübeln, weshalb sie ihre Lä- den überhaupt noch öffnen, haben. „80 Wochen Bauzeit sind für die Umgestaltung der Karl-Marx-Straße zwischen Uth- mann- und Jonasstraße veranschlagt“, kündigte Thomas Blesing gestern Abend im SchwuZ beim Treffen der [Aktion! Karl-Marx-Straße] an, während eine Leinwand hinter ihm die wichtigsten Fakten verdeutlichte. Es sei Weiterlesen

Die U8-Strecke wird kürzer, die M44- und Kurzstrecke länger

u8 leinestraße neuköllnÜbermorgen ist erstmal Schluss. In der Nacht von Sonn- tag auf Montag hält der letzte U8-Zug am Bahnhof Leine-straße, danach wird die Station ebenso wie die End- haltestelle Hermannstraße für über neun Monate vom unterirdischen BVG-Netz abgehängt. „Im Zuge der lau- fenden Bahnhofsgrundinstandsetzung sollten u. a. der Deckenputz und der Anstrich des U-Bahnhofes Leine-straße erneuert werden“, begründet die Pressestelle der Berliner Verkehrsbetriebe. „Beim Entfernen des Decken-putzes wurden weit umfangreichere Schäden an der Beton- und Stahlkonstruktion festgestellt, die trotz sorgfältiger Voruntersuchungen in diesem Ausmaß nicht erkennbar waren. Zur langfristigen Sicherung muss die Unterseite der Bahnhofsdecke Weiterlesen

Neue Säugetierart in Neuköllner U-Bahn-Station entdeckt

Die Strecke der U 8 ist 18 Kilometer lang. Eine der 24 Haltestellen entlang der Route ist die Station Leinestraße, an der seit fast einem Jahr nicht nur gehalten, sondern der kleine tunnelpfeifer, u8 leinestraße, neuköllnauch gebaut wird. Im Rah- men der Grundinstandset- zung sei geplant, informiert die BVG-Pressestelle, „die Treppenanlagen zu erneu- ern, Hintergleiswände so- wie Stützen neu zu ver- fliesen und die Beleuch- tungsanlage zu moderni- sieren sowie Aufzüge ein- zubauen.“

Ungleich sensationellere Informationen liefert indes ein Plakat an der östlichen Hintergleiswand: Im Zuge der Erneuerungsarbeiten, heißt es es auf dem, sei eine neue Säugetierart entdeckt worden – der Kleine Tunnel- pfeifer. Gefangen werden konnte zwar noch keines der scheuen Tiere, die sich insbesondere von Müll ernähren, aber diverse dokumentierte Sichtungen kann das Tunnelpfeifer-Forschungsteam bereits  auf  seiner  Webseite  präsentieren.

=kiezkieker/ensa=

Bald ganz dicht: Neuköllns ehemalige Tropfsteinhöhle

Man kann es wohl als glückliche Fügung bezeichnen, dass sich die Pläne, aus dem ehemaligen Neuen St. Thomas Friedhof einen Camping- platz zu machen, zerschlagen haben. Denn wäre der Pachtvertrag zwischen der Tentstation und dem Evangeli- schen Friedhofsverband Berlin Stadt- mitte (EVFBS) Realität geworden, der noch vor einem halben Jahr be- schlossene Sache zu sein schien, wäre hinter der Friedhofsmauer an der Hermannstraße längst ein Parkplatz für die Camper entstanden. Da der aber nun nicht gebraucht wird, kann sich seit geraumer Zeit das Tiefbau-Unternehmen dort breit ma- chen, das von den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) mit der Sanierung des Tunnels der U8 rund um die Station Leinestraße beauftragt wurde.

Dass die im September letzten Jahres begon- nenen Reparaturen dringend nötig sind, sieht auch Thomas Blesing ein. „Der Tunnel“, sagt er, „war ja wie eine Tropfsteinhöhle.“ Nur das Timing gefällt Neuköllns Baustadtrat so gar nicht. Zeitgleiche Staustellen auf der Karl-Marx- und der Hermannstraße würden natürlich große Probleme aufwerfen. Und die belasten nicht nur den stockenden bis zähfließenden Autoverkehr und die Bewohner der angrenzenden Kieze. Insbesondere rund um den U-Bahnhof Leinestraße gibt es zudem enorme Engpässe bei den Fahrrad-Parkplätzen. Das werde wohl auch noch eine Weile so bleiben, vermutet Blesing: „Erst war nur von sieben Monaten Bauzeit die Rede, inzwischen zeichnet sich ab, dass erst im Oktober alles wieder fertig ist.“ Etwas optimistischer sind die Prognosen von BVG-Pressespre- cher Klaus Wazlak: „Die Außendich- tung des U-Bahntunnels U-Bahnhof Leinestraße (U8) wird voraussichtlich Ende April fertig gestellt. Der Straßen- bau ist beauftragt und wird voraussichtlich bis Ende Juli 2012 beendet sein.“

Wer der bessere Schätzer ist, wird sich zeigen. Fakt ist, dass mit der Sanierung des unter der Hermannstraße verlaufenden U-Bahntunnels nicht bis zum Abschluss der Umgestaltung der Karl-Marx-Straße gewartet werden konnte: Denn bis dahin werden, so der aktuelle Stand, noch etwa 15 Jahre vergehen.

=ensa=