Gute Nachrichten aus dem Neuköllner Untergrund

Viele gehen noch etwas ungläubig die Treppen zum Bahnsteig der U8-Station Lei- nestraße hinunter und machen erstmal Fotos, während sie auf das warten, was nach über einem Jahr das Abgehängtseins wieder fährt: Heute Morgen um 4.02 Uhr verließ

wiedereröffnete u8-station leinestraße neukölln wiedereröffnet u8-station leinestraße_neukölln
wiedereröffnung u8-station leinestraße_neukölln u8 leinestraße neukölln

der erste U8-Zug mit zahlenden Fahrgästen die Station Hermannstraße, um zwei Mi- nuten später den sanierten Bahnhof Leinestraße zu erreichen. Eine knappe halbe Stunde später war die U8-Strecke auch in der Gegenrichtung wieder an die Ringbahn angeschlossen. Nur auf die Barrierefreiheit muss noch ein wenig gewartet werden.

„Die ackern wie die Blöden“

Einige werden sich noch erinnern. Wer aus dem Schillerkiez oder Rollbergviertel kommend die Ringbahn erreichen oder in Richtung Hermannplatz wollte, stieg bis zum 11. August letzten Jahres in Höhe Aller- bzw. Leinestraße ein paar Stufen hinun-

u8 leinestraße neukölln

unter, setzte sich in den nächsten U-Bahnzug der Linie 8 und los ging‘s. Diese wunderbare Möglichkeit, die natürlich ebenfalls in umgekehrter Richtung funktionier- te, soll es bald wieder geben – und zwar ab 25. August, vielleicht aber auch schon eher. „Denn die ackern wie die Blöden“,  war Freitag auf Anfrage aus Weiterlesen

Neuköllner Feuchtgebiete

2008 war es, als Charlotte Roche mit ihrem Debüt-Roman „Feuchtgebiete“ die Bestseller-Listen stürmte. Im Sommer des nun ausklingenden Jahres kam die Ver- filmung  des polarisierenden Buches in die Kinos und wurde ebenfalls zum  Kassen-

u8 boddinstraße neukölln

schlager. Neuköllns Feuchtgebiete, die sich in der U8-Station Boddinstraße präsen- tieren, sind derweil das genaue Gegenteil einer Erfolgsgeschichte: Der U-Bahnhof, der auf nicht konkret absehbare Zeit südliche Endstation der Linie ist, wird seit über einem Jahr grundsaniert. Erst im nächsten Sommer sollen die Arbeiten voraus- sichtlich beendet und die Feuchtgebiete wieder von Wandfliesen verdeckt sein.

Umwege vergrößern die Ortskenntnisse

Die meisten Nutzer des öffentlichen Personennahverkehrs haben sich inzwischen daran gewöhnt, dass in Neukölln am S- und U-Bahnhof Hermannstraße vorläufig kein  Umsteigen von  der Ringbahn  in die  U8 möglich  ist. Wie  lange es  dauert,  bis

kein zugverkehr_u-bahnhof hermannstraße neukölln

auch die Bandansagen der S-Bahn geändert sind und am Bahnhof Hermannstraße nicht mehr – zum Ärger darauf hereingefallener Fahrgäste – das Umsteigen in die U8 empfehlen, wird sich zeigen.

Die U8-Strecke wird kürzer, die M44- und Kurzstrecke länger

u8 leinestraße neuköllnÜbermorgen ist erstmal Schluss. In der Nacht von Sonn- tag auf Montag hält der letzte U8-Zug am Bahnhof Leine-straße, danach wird die Station ebenso wie die End- haltestelle Hermannstraße für über neun Monate vom unterirdischen BVG-Netz abgehängt. „Im Zuge der lau- fenden Bahnhofsgrundinstandsetzung sollten u. a. der Deckenputz und der Anstrich des U-Bahnhofes Leine-straße erneuert werden“, begründet die Pressestelle der Berliner Verkehrsbetriebe. „Beim Entfernen des Decken-putzes wurden weit umfangreichere Schäden an der Beton- und Stahlkonstruktion festgestellt, die trotz sorgfältiger Voruntersuchungen in diesem Ausmaß nicht erkennbar waren. Zur langfristigen Sicherung muss die Unterseite der Bahnhofsdecke Weiterlesen

Bald ganz dicht: Neuköllns ehemalige Tropfsteinhöhle

Man kann es wohl als glückliche Fügung bezeichnen, dass sich die Pläne, aus dem ehemaligen Neuen St. Thomas Friedhof einen Camping- platz zu machen, zerschlagen haben. Denn wäre der Pachtvertrag zwischen der Tentstation und dem Evangeli- schen Friedhofsverband Berlin Stadt- mitte (EVFBS) Realität geworden, der noch vor einem halben Jahr be- schlossene Sache zu sein schien, wäre hinter der Friedhofsmauer an der Hermannstraße längst ein Parkplatz für die Camper entstanden. Da der aber nun nicht gebraucht wird, kann sich seit geraumer Zeit das Tiefbau-Unternehmen dort breit ma- chen, das von den Berliner Verkehrsbetrieben (BVG) mit der Sanierung des Tunnels der U8 rund um die Station Leinestraße beauftragt wurde.

Dass die im September letzten Jahres begon- nenen Reparaturen dringend nötig sind, sieht auch Thomas Blesing ein. „Der Tunnel“, sagt er, „war ja wie eine Tropfsteinhöhle.“ Nur das Timing gefällt Neuköllns Baustadtrat so gar nicht. Zeitgleiche Staustellen auf der Karl-Marx- und der Hermannstraße würden natürlich große Probleme aufwerfen. Und die belasten nicht nur den stockenden bis zähfließenden Autoverkehr und die Bewohner der angrenzenden Kieze. Insbesondere rund um den U-Bahnhof Leinestraße gibt es zudem enorme Engpässe bei den Fahrrad-Parkplätzen. Das werde wohl auch noch eine Weile so bleiben, vermutet Blesing: „Erst war nur von sieben Monaten Bauzeit die Rede, inzwischen zeichnet sich ab, dass erst im Oktober alles wieder fertig ist.“ Etwas optimistischer sind die Prognosen von BVG-Pressespre- cher Klaus Wazlak: „Die Außendich- tung des U-Bahntunnels U-Bahnhof Leinestraße (U8) wird voraussichtlich Ende April fertig gestellt. Der Straßen- bau ist beauftragt und wird voraussichtlich bis Ende Juli 2012 beendet sein.“

Wer der bessere Schätzer ist, wird sich zeigen. Fakt ist, dass mit der Sanierung des unter der Hermannstraße verlaufenden U-Bahntunnels nicht bis zum Abschluss der Umgestaltung der Karl-Marx-Straße gewartet werden konnte: Denn bis dahin werden, so der aktuelle Stand, noch etwa 15 Jahre vergehen.

=ensa=

Viel stop und wenig go in Neuköllns Hermannstraße

Wer momentan mit vier oder mehr Rädern in der Neuköllner Hermannstraße unterwegs ist, braucht vor allem Zeit und starke Nerven. Zuweilen ist außerdem die Benutzung einer Atemschutzmaske ratsam, denn die Feinstaubwolken hüllen gerne

staustelle hermannstraße, neukölln, schlaglochsanierung 2011

mal den stehenden oder zähfließenden Verkehr in dichte, stinkende Nebelbänke.

Dank eines katastrophalen Baustellenmanagements reihen sich derzeit auf der Her- mannstraße zwei Nadelöhre aneinander: In Höhe der U-Bahnhof-Station Leinestraße wird seit Wochen der U-Bahn-Tunnel saniert,  dazu schlägt seit einigen Tagen zwischen Thomas- und Emserstraße das Anti-Schlaglochprogramm zu. Infolgedessen steht für den Verkehr auf dem gesamten Streckenabschnitt nur eine Fahrspur pro Richtung zur Verfügung, was wiederum zur Konsequenz hat, dass die Stauung tagsüber bereits meist an der Werbellinstraße bzw. der Silbersteinstraße beginnt.

Ein gutes Nervenkostüm brauchen auch Autofahrer, die an den Kreuzungen vor und im Staubereich oder – nach Ausweichmanö- vern durch die angrenzenden Kieze – aus Seitenstraßen in die Hermannstraße ein- biegen wollen. Letztere dürfen dann häufig feststellen, dass auch viele andere die gleiche Idee hatten.

=ensa=