Bücherverbrennungen – in der Antike aufgekommen und noch in der Gegenwart praktiziert

Das Museum Neukölln startete kürzlich begleitend zur Jahresausstellung „Die Magie des Lesens“ eine fünfteilige Veranstaltungsreihe: Am vergangenen Sonntag hielt helber_museum-neukoelln Dr. Patrick Helber (r.) einen Vortrag unter dem Titel „Die Bücherverbrennung auf dem Tempelhofer Feld 1921“.

Die öffentliche und feierliche Verbrennung von Büchern sei eine Praktik, die bereits in der Antike aufkam und ihren Höhepunkt in der Vormoderne erreichte. Eine symbolische Bücherverbrennung „undeutscher Bücher“ habe es beispielsweise nach dem Ende des Wartburgfestes bei Eisenach im Jahr 1817 gegeben. „Als geistiger Motivator für die dortige Bücherverbrennung gilt Friedrich Ludwig Jahn“, erklärte Dr. Patrick Helber, der als wissenschaftlicher Volontär im Weiterlesen

711 erstaunliche Fakten über Berlin – und einige davon über Neukölln

fernsehturm berlinDass der Fernsehturm am Alex offiziell Fernmel- deturm 32 heißt, dürfte kaum einen Berliner in Erstaunen versetzen. Amtliche Bezeichnungen sind den meisten ohnehin egal. Dass die 32 aber gleich zweimal bei den Maßen des Bauwerks auftaucht, das so hoch wie 77 Giraffen ist, könnte schon eher zu Verblüffung führen: Nicht nur seine Basis hat einen Durchmesser von 32 Metern, sondern auch die Turmkugel. Sogar, wie viele Badewannenfüllungen in diese passen würden, haben André und Mirela Stanly für ihr kürzlich erschienenes Buch „Unnützes Wissen Berlin“ recherchiert, das „711 erstaunliche Fakten“ ver- sammelt.

Selbstverständlich bleibt auch Neukölln in dem Kuriositätenkatalog nicht unerwähnt. Nur bis zur Seite 14 muss man sich schmökern, um erstmals auf Bemerkenswertes aus dem Bezirk zu stoßen: Um den Spätkauf „Eck-Oase“ geht es Weiterlesen

Von einem roten Mercedes 300 SL, Kartoffelläden, Trümmerbergen und einer Kindheit und Jugend in der „Topgegend von Neukölln“

schillerpromenade 42_neukölln„Da oben haben wir gewohnt.“ Ralf Lambertz zeigt zur ersten Etage des Hauses Schillerpromenade 42. Wir, das waren die Eltern und seine beiden Schwestern. In einer 2-Raum-Wohnung lebten damals alle. „Aber schon mit schillerpromenade_selchower straße_neuköllnBad!“, fügt er gleich noch dazu. In dieser Wohnung verbrachte der heute 73-Jährige die ersten 22 Jahre seines Lebens. Erst 1963 zog er dort aus: „Meine Eltern waren wohl um 1938 eingezogen und wohnten noch bis zum Jahr 1972 in der Schillerpromenade 42.“ Lambertz schaut sich überrascht um. Seit Jahren war er schon nicht mehr am Ort seiner Kindheit und Jugend. „An der Ecke zur Selchower Straße gab es damals ein Le- bensmittelgeschäft, wo man – wie fast überall – anschrei- ben lassen konnte, und im Parterre unseres Hauseingangs war erst ein Kartoffelladen und dann ein Klempner.“ Heute ist eine Weiterlesen

Morgens um halb 10 in Neukölln

tib 1848-gruppe_tempelhofer feld_neuköllnEs waren nur etwa 20 der insgesamt über 4.000 Vereinsmitglieder und wenige Gäste, die letzten Sonntag der Einladung der Turn- gemeinde in Berlin (TiB) zu einem Spazier- gang auf dem Tempelhofer Feld und zum Denkmal des Turnvaters Jahn in der Hasen- heide folgen wollten. Vielleicht schreckte der frühe Beginn (um 9.30 Uhr) einige Interes- sierte ab. Das wäre schade, denn – um das Resümee gleich an den Anfang zu stellen – die von Vereinsmitglied Frank-Dieter Zielke organisierte Führung hat sich in vielerlei Hinsicht gelohnt. Der Weiterlesen

Statt Hirn

Schmierereien am Sockel, zertrümmerte Gedenktafeln, Taubenkot auf dem Kopf und den Schultern, Schriftzeichen und Graffiti an den Stiefeln und am Mantel – die bronzene Statue des Turn- vaters Friedrich Ludwig Jahn im Volkspark Hasen- heide hat sich in den letz- ten 140 Jahren schon eini- ges gefallen lassen müs- sen. Mit den aktuellen Van- dalismusschäden ist nun eine neue Dimension der Zerstörungslust am vor ei- nem Jahr sanierten Denk- mal erreicht:

Seit vorletzter Woche sind nicht nur erneut die Ehren- tafeln am Sockel mit Farb- schmierereien überzogen, sondern steckt zudem Jahns Kopf in einem mit Bauschaum ausgefüllten blauen Sitzball. „Das ist nichts, was man spontan tut, sondern war eindeutig geplant“, echauffierte sich der Neuköllner Baustadtrat Thomas Blesing dieser Tage am Rande einer Ver- anstaltung. Schon Ende September habe es einen Anschlag auf das Jahn-Standbild gegeben: „Rund 3.000 € hat das Bezirk aus dem Etat investiert, der eigentlich für die Pflege der Grünanlagen im Bezirk gedacht ist, um die Bitumen-Schicht, die über das Denkmal gekippt wurde, wieder zu entfernen.“ Für die Beseitigung der aktuellen Schäden, schätzt Blesing, würde ein ähnlicher Betrag fällig werden. „Deshalb lassen wir das Denkmal jetzt erstmal so wie es ist.“

„Mehr als Bauschaum können die auch nicht im Kopf haben, die das gemacht haben“, stellte ein Spaziergänger beim Anblick der verschandelten Statue fest. Laut Blesing gibt es gesicherte Erkenntnisse, dass die Vandalismus-Schäden linken Gruppierungen zuzuordnen sind. Begründet werden die Aktionen damit, so der Baustadtrat, dass „Turnvater Jahn eine rechte Socke“ gewesen sei.

=ensa=

Im Konsum und im Grünen

200 jahre turnplatz hasenheide, karstadt am hermannplatz, mobiles museum neuköllnNoch drei Tage, dann jährt sich die Inbe- triebnahme des ersten deutschen Turn- platzes in der Hasenheide zum 200. Mal. Bereits heute wurde bei Karstadt am Her- mannplatz die Ausstellung „200 Jahre Turn- platz Hasenheide“ eröffnet.

14 Schautafeln skizzieren auf einer Sonder- fläche im Erdgeschoss – zwischen Hüten, Dessous und Süßwaren – die Entwicklung des Areals, der Turnbewegung und Sta- tionen aus dem Leben des Initiators. Fried- rich Ludwig Jahn, der mit seinen extremen politischen Positionen polarisierte, schuf mit dem Turnplatz in der Hasenheide die Möglichkeit zur standesübergreifenden Lei- besertüchtigung. „Er verfolgte“, so Bezirks- stadträtin Franziska Giffey bei der Vernissage, „schon damals das, was man heute 200 jahre turnplatz hasenheide, karstadt am hermannplatz, mobiles museum neuköllnals  ganzheitlichen  Ansatz  bezeichnen  würde.“

200 jahre turnplatz hasenheide, karstadt am hermannplatz, mobiles museum neuköllnNeukölln könne stolz sein, dass die deutsche Turnbewegung hier im Bezirk ihren Anfang ge- nommen habe. Einen Teil der Anerkennung stellt die bis zum 6. Juli dauernde Ausstellung des Mobilen Museums Neukölln dar, die den Turnvater ins Alltägliche integriert. Nur ein paar Hundert Meter entfernt, am Jahn-Denkmal in der Hasenheide, hat der Ehrung zweiter Teil deutliche Spuren hinterlassen.

Am Platz rund um die bronzene Statue von Friedrich Ludwig Jahn, der kürzlich noch einen vernachlässigten Anblick bot, wurde in den letzten Wochen gründlich Hand angelegt. Je- weils 15.000 Euro haben der Bezirk Neukölln und der Berliner Senat laut Franziska Giffey in die  Sanierung der Anlage in- vestiert: In eine Treppe, die hinauf zum Denkmal führt, in die Bepflanzung der Blumenbeete, vor allem aber  in die Reinigung der Ehrentafeln am  Sockel, die durch

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Schmiereien nahezu unkenntlich geworden waren. Nun sind die Inschriften – zu- mindest vorübergehend – wieder leserlich und die Steine neue gesetzt. „Der Ort ist Jahn wieder würdig und sieht so aus, dass man dem Turnvater dort gedenken kann“, jahn-denkmal, turnplatz hasenheide, neuköllnsagte die Bezirksstadträtin für Bildung, Schule, Kultur und Sport. Samstagnachmittag wer- de dort der Landesturnverband Sachsen-Anhalt eine Feier- stunde abhalten.

Viel Zeit ist also nicht mehr, um auch die Jacke des Turnvaters auf Vordermann zu bringen.

=ensa=