10 von 13 von 27: Enthüllung neuer Infotafeln zur Geschichte des Tempelhofer Feldes

flughafengebäude_tempelhofer freiheitEs herrschte Segelwetter gestern Vormittag am Platz der Luftbrücke. Hier, vor dem Gebäude des ehemaligen Flughafens Tempelhof,  sollen zwei Tafeln des Infor- mationspfades feierlich enthüllt werden – stellvertretend für 10 Tafeln, die an diesem Tage der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Genau genommen sind es 13, für die rund 60.000 Euro in Weiterlesen

Musikalischer Teppich fürs Tempelhofer Feld

Es sind eigenartige Dinge, die an diesem Wochenende über das Tempelhofer Feld geschleppt  werden. Zu verdanken ist der ungewöhnliche Anblick der amerikanischen

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Komponistin Lisa Bielawa (r.), die sich bei einem Besuch vor drei Jahren in das Areal verliebte und sofort die Idee hatte, dass man hierlisa bielawa_tempelhof broadcast_tempelhofer feld berlin mit ihren Kompositionen ein Fest der Freude und Musik veran- stalten müsste.

Nun wird dieser Traum mit Tempelhof Broadcast von etwa 250 Hobby- und Profi-Musikern aus Deutschland und den USA verwirklicht: Seit zwei Jahren bereiten sich die Ins- trumentalisten und Chöre auf das Raum-Klang-Event vor, seit zwei Monaten auch durch Vorort-Proben. Denn der Wind spielt eine – im wahrsten Sinne des Wortes – tra- gende Rolle für das Gelingen von Bielawas Vision, einen musikalischen Teppich auf dem  Feld auszulegen. „Mit  dem Wind ist  der Sound durchschnittlich etwa 400 Meter

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hörbar, gegen den Wind sind es immerhin noch 180 Meter“, erklärt Manuela Kugler-Knape, die Pressesprecherin des Projekts. „Spielt also nicht zu vorsichtig, sondern gebt richtig Gas!“, instruiert der Orchesterchef der Leo Kestenberg Musikschule seine Bläser vor der Ouvertüre auf der nördlichen Start- und Landebahn. Sechs Minu-

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ten spielen hier alle Musiker gemeinsam, danach verteilen sich die Gruppen in choreographierten, zeitlich exakt eingetakteten Bewegungen über das Gelände, um sämtliche  Besucher  in ein  60-minütiges akustisches Erlebnis  und einen  urbanen

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Klangkörper nie dagewesener Größe einzubinden. Dabei bleibt es jedem selber überlassen, den Chören, Blechbläsern, Streichern und Alphornisten zu folgen oder eine individuelle  Position innerhalb der  Klangsphäre einzunehmen. Was man  in ihr

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zu hören bekommt, besteht zwar aus identischen Kompositions-Bausteinen, klingt aber immer und überall anders.

Tempelhof Broadcast ist nochmals heute ab 15 Uhr und morgen ab 14 Uhr zu erleben.

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Futuristisch

„Ja, ist denn schon IGA?“ Das fragt sich wohl so mancher, der dieser Tage durch den  Eingang Oder-/Herrfurthstraße auf  das  Tempelhofer Feld  kommt.  Absperrgitter hin-

dern noch bis morgen tagsüber (bis 19 Uhr) am Zugang zum gesamten nördlichen Bereich des Areals inklusive des Biergartens und der Hundeauslaufzone. Mit der Internationalen Gartenausstellung haben die jedoch nichts zu tun: Es ist die Michelin Challenge Bibendum, die einen kleinen Vorgeschmack auf 2017 liefert.

So’ne und solche: das Tempelhofer Feld und seine Pioniere

Auf den Tag genau vor einem Jahr war es soweit: Die Eingangstore im Maschen- drahtzaun zum Tempelhofer Feld öffneten sich und jeder, der  es wollte, durfte  nun das

riesige Gelände betreten, die Weite inmitten des Molochs Berlin genießen und erkunden. „Bedeutend frischer und windiger hier als außerhalb des Zauns“, war für viele einer der ersten Eindrücke.

Inzwischen haben laut Grün Berlin GmbH, der Betreiberin des Tempelhofer Feldes, rund 1,5 Millionen Menschen die gi- gantische innerstädtische Grünfläche besucht, auf der bis zum Oktober 2008 noch Flugzeuge    starteten    und   landeten   und

Bremsspuren auf den asphaltierten Runways hinterließen. An Spitzentagen seien es 50.000 Besucher, die sich auf dem Areal verlustieren, das erst Tempelhofer Park genannt werden sollte und nun Tempelhofer Freiheit genannt werden soll.

Heute wird das Ende des ersten Jahres, in dem das Feld zur öffentlichen Nutzung zur Verfügung stand, mit einem kleinen Bürgerfest gefeiert. Zugleich ist der Tag offizieller Start- schuss für die ersten Pionierpro- jekte. Auf drei abgezir- kelten Pionierfeldern dürfen sie durch gärtnerische und andere Aktivitäten das Fähnchen der Bürger- beteiligung aus dem Zeitfenster bis zur IGA 2017 in den Wind halten.

Die wahren Pioniere des Tempelhofer Feldes sind aber zweifellos die, die sich wacker  und unbeeindruckt von offiziellen Planungen, epischem Gelüscher und lukrativen Ausschreibungen durch Beton und Asphalt gekämpft haben und nun ihre neue Freiheit genießen.

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Drei auf einen Streich

Während die Neuköllner Bezirksverordneten des Ausschusses für Eingaben und Beschwerden heute hinter verschlossenen Türen, d. h. nichtöffentlich, tagen und es damit dem Hauptausschuss gleichtun, machen andere weniger Geheimnisse um ihre Sitzungen.

So kommt der Sozialausschuss mor- gen ab 17 Uhr zu einer öffentlichen Sitzung im Puschkin-Zimmer des Neuköllner Rathauses zusammen. Auf seiner Tagesordnung steht u. a. die Entwicklung der Wohnungs- losen-Situation in Neukölln.

Zeitgleich treffen sich im BVV-Saal die Mitglieder des Ausschusses für Stadtentwicklung und des Ausschusses für Naturschutz und Grünflächen zu einer gemeinsamen Sitzung. Sinnvoll ist das schon insofern, als es beim dicksten Brocken auf der Tagesordnung um die Gesamtentwicklung der Tempelhofer Freiheit (besser bekannt als Tempelhofer Feld) geht.

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Acht Hektar fürs Wunschdenken auf dem Tempelhofer Feld

Vorgestern wurden im Hangar 1 des ehemaligen Flughafens Tempelhof die ersten 19 (möglichen!) Pionier-Projekte vorgestellt: Vormittags eine Pressekonferenz mit Berlins Stadtentwicklungssenatorin Ingeborg Junge-Reyer, abends eine Infor- mationsveranstaltung mit Senatsbaudirektorin Regula Lüscher und Verantwortlichen vom „Tempelhof Projekt“ sowie von der Grün Berlin GmbH fürs Volk. Ziemlich viel forum thf,pioniernutzung tempelhofer freiheit,tempelhofer  feld,berlin-tempelhofGetöse für die Pläne von 19 Pro- jektträgern, die momentan mehrheit- lich vor allem aus Ideen und Ab- sichtsbekundungen bestehen. Das Wichtigste fehlt jedoch den meisten noch: eine Finanzierung. Doch das konkret zur Sprache zu bringen, schien so gar nicht im Interesse der Offiziellen zu liegen.

Auch Ingeborg Junge-Reyer trug im rbb-Abendschau-Interview kräftig zur Verschwiemelung des Sachverhalts bei. So könnte ihr auf die Projektinitiatoren gemünzter Satz „Ich bringe die Finanzierung mit!“ leicht den Eindruck erwecken, dass diese bereits mit Geldkoffern in den Startblöcken hocken. Dem ist aber nicht so. Und auch die durch Junge-Reyers Aussage genährte Annahme, öffentliche Mittel würden bei der Realisierung der Pionier-Vorhaben gar keine Rolle spielen, ist mit Vorsicht zu genießen. So soll beispielsweise die Finanzierung des Kulturnetzwerk Neukölln-Projekts „Jet Set“ im Pionierfeld Oderstraße zum Großteil durch den Hauptstadtkulturfonds und mit 5.000 Euro aus dem Soziale Stadt-Topf des Quar- tiersmanagements Schillerpromenade gespeist werden. Bewilligt ist bislang nur letzteres.

Gut möglich also, dass im Frühjahr 2011, wenn die meisten der 19 Pioniere der ersten Stunde starten wollen, einige von ihnen ihre Konzepte für die große Tempelhofer Freiheit ob fehlender finanzieller Mittel wieder in den Schubladen versenkt haben.

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