Verboten ist verboten, basta!

Anfangs konnte man sie nur in Florenz, Bologna und Rom entdecken, später noch in London. Nun war der französische Künstler  Clet Abraham  auch in Berlin, um seine StickerArt-Spuren zu  hinterlassen. Und das tat  er nicht nur in der  historischen  Mitte am  Gendarmenmarkt,  in der  Nähe des Alexanderplatzes oder im Bezirk  Charlotten-

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burg, sondern ebenfalls in Neukölln. Seitdem werden  zwischen Rathaus und Amts- gericht die weißen Balken des Verkehrszeichens 267 einerseits  zersägt und ande- rerseits gleich weggetragen. Die kleinen Kunstwerke von Clet Abraham ändern trotzdem nichts daran, dass die  Einfahrt von der Karl-Marx- in die Schönstedtstraße verboten  ist.

Sie zumindest Radfahrern zu erlauben, war im Dezember 2009 durch Politik statt durch Kunst in greifbare Nähe gerückt: Dem entsprechenden Antrag der Neuköllner Grünen  stimmte erst der Ausschuss für Verkehr und Tiefbau bei seiner Sitzung im Oktober 2009 zu, knapp zwei Monate später wurde dessen Beschluss von der Bezirksverordnetenversammlung bestätigt. Damit sollte die Sache entschieden und alles für ihre praktische Umsetzung in die Wege geleitet sein – könnte man meinen.

Doch das Ignorieren der Einbahnstraßenregelung  in der Schönstedtstraße ist Radfahrern bis heute nicht erlaubt, weil das  Bezirksamt Neukölln den Beschluss der BVV kurzerhand aushebelte. In seinem Schlussbericht teilte es den Mitgliedern der BVV-Fraktionen mit, dass die Schönstedtstraße mit 4 Metern für eine Aufhebung der Regelung zu schmal sei. Auf der linken Fahrbahnseite der Schönstedtstraße gebe es Schrägparkplätze, und zum Ausfahren aus diesen in einem Winkel von 45 Grad sei eine Fahrbahnmindestbreite von 3 Metern erforderlich.  Für den Rad- fahrverkehr entgegen der Einbahnstraßenregelung sei ferner eine Mindestbreite von 1,25 – 1,60 Metern vorgesehen. Da diese Mindestbreiten nicht erreicht würden, könne das  Radfahren in der  Schönstedtstraße entgegen der  Einbahnstraßenregelung aus verkehrlicher Sicht nicht eingerichtet werden, informierte die am 18. Mai 2010 datierte Vorlage zur Kenntnisnahme die gewählten Bezirksverordneten: Damit sehe das Bezirksamt den Beschluss als erledigt an.

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Missverständlich

Dass es sich bei StreetArt im Guerilla Knitting-Stil nicht um Kunst zum Mitnehmen handelt, ist offenbar längst  nicht  jedem  bekannt, der  sich durch  Neuköllns Straßen

bewegt. Für dieses liebevoll von der Französin Emmanuelle Esther gestrickte Woll- graffiti kommt der Hinweis de facto zu spät: Es ist weg und nun bestenfalls bei jemandem, der es so sehr mochte, dass er nicht widerstehen konnte.

Eingewickelt und umklammert

Was woanders noch für Bewunderung sorgt und Nachahmer aktiviert, konnte sich in Neukölln nie wirklich durchsetzen: Guerilla Knitting, also das  – auch Yarn Bombing genannte – Bestricken von Bäumen, Laternenpfählen und Regenrohren, kam im Bezirk nie über einige wenige Exponate hinaus. Ob das neue Streetart-Genre Guerilla Wrapping erfolgreicher wird  und das  Straßenbild in Neukölln  auffallender verändert,

wird sich zeigen. Ein Anfang ist jedenfalls gemacht, und das Talent, stricken oder häkeln zu können, bei dieser künstlerischen Spielart lässlich. Unverzichtbar ist dagegen eine gewisse feinmotorische Begabung, was auch für die gilt, die Gas- laternen durch geklammerte Backenbärte zu Gesamtkunstwerken machen wollen.

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Überraschung!

streetart neukölln, street-yoga, street-peopleViele Neuköllner Bürgersteige fordern des Fußgängers ungeteilte Aufmerksamkeit. Schlaglöcher, knöchelhohe Bodenwellen ob wuchernder Baumwurzeln und Hundehaufen führen sonst leicht zu unerwünschten Anhaftungen oder Verletzungen der unteren Extremitäten.

In der Natur der Sache liegt es, dass einem bei der Vorwärtsbewegung mit konzen- triertem Blick zu Boden aber auch manches entgeht, das sich in höheren Sphären ent- streetart neukölln, street-yoga, street-people, waiting for a surprisedecken lässt – zu- weilen mühelos, oft erst bei genauerem Hinsehen.

Zu den Fundstücken letzterer Kategorie zählen die über ganz Nord-Neukölln verteilten Street-People, die es beispiels- weise an der Friedhofsmauer in der Thomasstraße in der Variante „Waiting for a surprise“ gibt. Ähnlichkeiten mit den populären korkigen Street-Yoga-Männchen sind unverkenn- bar und alles andere als zufällig. Sie sind nämlich miteinander verwandt.

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Gut gedacht, aber leider …

Ein Klo würde sich in dieser versifften Ecke direkt am Ausgang des U-Bahnhofs Lei- nestraße in der Tat gut machen und trüge erheblich zu ihrer olfaktorischen Entlastung bei. Der eindimensionale Proto-Typ eines StreetArt-Künstlers ist aber leider eine ziem- liche Fehlkonstruktion und deshalb nur bedingt geeignet, 1:1 übernommen zu wer- den: Schon die Höhe dürfte für Otto-Normal-Wildpinkler eine Herausforderung sein, der heruntergeklappte Klodeckel höchstwahr- scheinlich eine weitere. Da muss also noch kräftig nachgearbeitet werden.

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Zum Vorfreuen sind nun nur noch zwei Tage Zeit: Am 25. Dezember startet un- ser Zwischen-den-Jahren-Gewinnspiel. Frei nach dem Motto „Die Besche- rung geht weiter!“ verlosen wir ab übermorgen täglich unter allen, die die richtige Antwort auf die Frage des Tages wussten, facettenreiche Preise, die nach Neukölln führen oder aus Neukölln kommen.

Über den Köpfen der Neuköllner – nicht nur

Wenn Josef Foos vom Fahrrad steigt, es auf dem Bürgersteig abstellt und mit gezückter Digitalkamera in einem Hauseingang verschwindet, hat das einen Grund: Oft den, xxcrew, streetart, neuköllndass er wieder ein neues Graf- fito entdeckt hat. Eines, das Kunst und keine Schmiererei ist und es wert ist, in seine Neuköllner StreetArt-Galerie auf- genommen zu werden. Die Dreiaugen der XXCrew gehören für ihn definitiv dazu.

Doch Josef Foos sammelt nicht nur im öffentlichen Raum präsentierte Kunst- werke anderer, er macht auch selber Kunst. Aus Korken und Streichhölzern bastelt der Neuköllner Heilpraktiker sei- ne Street-Yoga-Figuren, die zunächst nur in Neukölln ihre Übungen vorführten, längst aber auch in vielen anderen Bezirken Berlins auf Straßenschildern rumturnen.

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Neukölln rüstet sich für den Winter

schaufensterpuppe auf neuköllner balkonDas ganze Dilemma dieser klima- tischen Zwischenzeit namens Herbst zeigt sich  derzeit an einem Neu- köllner Haus im Radius von wenigen Metern:

Während in der zweiten Etage in puncto Outfit noch Sommer angesagt ist, laufen weiter unten die Vorbe- reitungen für den nächsten Winter bestricktes regenrohr,neukölln,winterprophylaxeschon auf Hochtouren. Und da erwartet man offenbar so Schlimmes, dass schon mal damit begonnen wurde, die Regenrinnen-Abflussrohre mit wärmenden, bun- ten, handgestrickten Stulpen zu beziehen.Vorbildlich?!

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