Der Sound geht, das Wasser bleibt

Auf Soundreisen durch die aktuelle Berliner Popmusik-Szene muss ab heute wieder verzichten, wer über Neuköllns Wasserstraßen schippert. Die sind mit dem Ende des Kunst-festivals 48 Stunden Neukölln passé, nicht aber die Dampferfahrten mit der Reederei Riedel: Zweimal täglich legen sie an der Kottbusser Brücke zur Tour über Landwehrkanal und Spree ab. An den Wochenenden und Feiertagen gibt es die sogenannten Brückenfahrten außerdem mit Stern + Kreis von und bis zur Station am Estrel.

Nicht nur ein Kanal, sondern auch ein Kuriosum der Berliner Wasserwege (Teil 2)

100 Jahre Neuköllner Schiffahrtskanal Schleuse Neukoellnsind auch 100 Jahre Neuköllner Schleuse und Hafen. Die Verän- derung vom Stich- zum Verbindungskanal zwischen Teltow- und Landwehrkanal machte zur Vermittlung der Wasserspiegeldifferenz den Bau einer Schleuse Schleuse Neukölln historischerforderlich. Es war eine einfache Kam- merschleuse mit ge- pflasterten Böschun- gen, massiven Häup- tern, einer Breite von 26,6 Metern und einer Länge von 67 Metern, die zwischen Lahnstraße und Grenz- allee entstand. So konnten gleichzeitig drei 600-t-Schiffe geschleust werden, und das war für damalige Verhältnisse schon eine Er- rungenschaft. Nur zum Vergleich: Heute schippern Pötte auf dem Weiterlesen

Verschmäht

Werden öffentliche Gelder in Bauprojekte gesteckt, die niemand braucht, wird schnell der Vorwurf der Verschwendung laut. Besonders mustergültige Exempel für Prasserei finden sich anschließend im Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler (BdSt) wieder: So wird in dessen 2011-Ausgabe beispielsweise die Lichtinstallation „Neuköllner Tor“  aufgeführt, die nicht nur teurer als geplant wurde, sondern zudem in puncto Sinnhaftigkeit und Effekt nach Meinung des BdSt zu wünschen übrig lässt.

Guckt man sich in diesen Tagen am Neuköllner Schiffahrtskanal um, scheint ein neuer Schwarz- buch-Aspirant in Sicht. Für insgesamt 1.860.000 Euro wurde die Peripherie der Wasserstraße im Bereich um den S-Bahnhof Sonnenallee aufgepeppt.  Allein 900.000 Euro flossen im Rahmen des Projekts „Neukölln ans Wasser“ in den Neubau der Treppenanlage Sonnenbrücke Nord. Doch wie man sieht: Vom Bedürfnis der Neuköllner, sich auf den  Granitstufen und  Holzpodesten zu verlustieren, ist nichts zu sehen. Selbiges gilt

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für die Gäste des Estrel Hotels und den Biergarten, der mittels einer Investition des Unternehmens umgestaltet wurde, um ihn optisch der Treppenanlage anzupassen.

Ebenso verwaist liegt der neu gepflasterten Gehweg entlang des Kanals am südli- chen Kiehlufer  da, der – wie auch  Egidius Knops‘ Kunstobjekt „Welle“  – Teil einer weiteren  „Neukölln ans Wasser“-Baumaßnahme  ist. Ein  Fördervolumen von insge-

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samt 960.000 Euro umfasst sie. Das gemessen an der Nutzung wohl erfolgreichste Segment ist allerdings eines, das nur sehr am Rande mit Wasser zu tun hat: die Umgestaltung des Schwarzen Wegs. Vom Wasser haben nicht nur die meisten Neuköllner in diesem Sommer schon jetzt mehr als genug.

Einen Überblick über die „Neukölln ans Wasser“-Umbaumaßnahmen verschafft ein Flyer, der im Rathaus ausliegt und hier als pdf-Download bereitsteht.

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