Wieder was gelernt

„Wissen Sie, was es mit der 9. Sozialkommission auf sich hat?“, fragte uns ein Leser und schickte das passende Foto, das er in der Mainzer Straße im Flughafenkiez sozialkommission neukölln, lori kaatschgemacht hatte, gleich mit. Wir wussten es nicht, aber wir haben einen ge- troffen, der es weiß: Neuköllns Sozial- stadtrat.

„Es gibt eine Sozialkommission mit einem Hinweisschild an der Haus- wand?“, fragte Bernd Szczepanski erst- mal verwundert zurück, bevor er erklär- te, dass etwa 200 Ehrenamtliche für die bezirklichen Einrichtungen namens Sozialkommission aktiv seien und jeder von ihnen einen wenige Straßen umfassenden Zuständigkeitsbereich habe. „Die Hauptaufgabe der Sozialkommissionsmitglieder ist es, Senioren an runden Geburtstagen zu besuchen, um ihnen im Namen des Bezirksamts zu gratulieren“, so der Sozialstadtrat. „Außerdem geben sie bei Bedarf Tipps zu sozialen Fragen.“

Da schloss sich der Kreis dann wieder: Denn wir wussten natürlich, dass es Ehren- amtliche gibt, die diese Aufgaben übernehmen, aber nicht, dass sie es für Ein- richtungen tun, die Sozialkommissionen genannt werden.

Denn sie wissen nicht, was es alles gibt

1. interkultureller seniorentag neuköllnComputerkurse, Tanz- und Theatergruppen, Gymnas- tikstunden, Bastel-, Strick- und Singnachmittage, Aus- flüge in andere Bezirke und das Berliner Umland – es ist ja nicht so, dass sich Neuköllner Senioren mangels Alternativen in den eigenen vier Wänden einigeln müssen. Ange- bote für sie gibt es reichlich, wenn auch nicht in jedem Kiez, was vor allem Alten mit Mobilitätseinschränkungen den Zugang erschwert. Zudem, so die Erfahrungen 1. interkultureller seniorentag neukölln, haus des älteren bürgers neuköllneinschlägiger Einrichtungen, reagieren besonders Senioren mit Migrationshintergrund mit größter Zu- rückhaltung auf die Offerten.

Deshalb fand gestern auf dem Vorplatz des Neuköll- ner Rathauses der 1. Interkulturelle Seniorentag statt. An diesem schönen Herbsttag gehe es vorrangig um Menschen, die im Herbst des Lebens stehen, betonte 1. interkultureller seniorentag neukölln, candan ögütcu (navitas ggmbh), bernd szczepanski (sozialstadtrat neukölln)Sozialstadtrat Bernd Szczepanski (r.), der auch Schirmherr der Veranstaltung war, bei seiner Eröffnungs-ansprache. Es gebe von Hilfs- und Beratungs-organisationen viele Angebote zur Freizeit-gestaltung und sozialen sowie rechtlichen Aspekten im Bezirk, doch die, so Szczepanski seien oft nicht bekannt: „Diesem Informations-defizit  soll der Seniorentag  abhelfen.“ Candan Ögütçü (l.), Geschäftsführer der navitas gGmbH, die den Infotag gemeinsam mit dem Neuköllner Bezirksamt organisierte, unterstrich dieses Anliegen und hob die Verantwortung des Landes hervor, das für Einwanderer zur zweiten Heimat wurde. „Sie sind als junge Leute gekommen und haben mitgeholfen, Deutschland zu einem lebenswerten Land zu machen.“ Folglich seien jetzt alle gefordert, diesen Menschen auch ein lebens- 1. interkultureller seniorentag neukölln, navitas ggmbhwertes Altern  zu ermöglichen – trotz sprachlicher Barrieren und kultureller Traditionen, die von denen der Mehr- heitsgesellschaft abweichen.

Mit dem interkulturellen Seniorenzen- trum EM-DER, dessen Name mit „Verein für die Rentner“ frei übersetzt werden kann, ist Ögütçüs Einrichtung schon seit 2006 im Bereich der kul- tursensiblen Altenhilfe aktiv. Andere Instititutionen haben erst später be- gonnen, multiethnische Bedürfnisse in ihren Programmen zu bedienen, oder scheinen dem noch ein gutes Stück hinterher zu hinken. Weil entsprechendes Personal fehlt oder das Umdenken auf die grundsätzliche Neuausrichtung der Angebote für Senioren konzentriert ist, die eben längst nicht mehr mit 75 per se alt und einzig auf gemütliche Kaffee-und-Kuchen-Runden aus sind.

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Zu Wort gekommen

ausstellung "arbeit ohne wert?", nachbarschaftsheim schöneberg, rathaus neukölln„In den Neubau des Rathauses, wo auch Publikumsverkehr ist, hätte die Ausstellung viel besser gepasst“, findet Bernd Szczepanski. Doch alle seine Bemühungen nützten nichts. Eben we- gen des Publikumsverkehrs und der damit verbundenen Brandschutzverord- nungen komme der Neubau nicht in- frage, musste Neuköllns Sozialstadtrat  erfahren. Deshalb ist die Ausstellung „Arbeit ohne Wert?“, die 14 im öffent- lichen Beschäftigungssektor tätige Frau- en und Männer porträtiert, nun in der 2. Etage des Altbaus vom Rathaus zu se- hen. Dort, wohin sich kaum Besucher verirren. „Wer hier zu einem der Büros will“, so Sczcepanskis Eindruck, „nimmt den Aufzug.“ Und wer den nehme, kriege leider von der Ausstellung  im Foyer vor dem Eingang zum BVV-Saal  nichts mit. Mehr

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Treppensteiger würden Szczepanski folglich freuen: „Es ist ja nicht so, dass die ausstellung "arbeit ohne wert?", nachbarschaftsheim schöneberg, rathaus neuköllnDiskussion um öffentliche Beschäftigungsprogramme an Aktualität verliert.“

Die Erlebnisse und Empfindungen derer, die in Maßnahmen wie MAE, Bürgerarbeit, ÖBS etc. stecken, können wichtige Beiträge dazu leisten und zum Nachdenken über Wert- schätzung und gesellschaftliche Perspektiven anregen. „Arbeit ohne Wert?“ hat 14 von ihnen unverblümt zu Wort kommen lassen.

Die vom Nachbarschaftsheim Schöneberg konzipierte Wanderausstellung gastiert noch bis zum 28. September im Rathaus Neukölln; Öffnungs- zeiten: Mo. – Fr. 8 – 20 Uhr.

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