Neukölln macht auf: Öffentliche Übergabe mobiler Rampen für den Richard- und Körnerkiez

Rampen verbessern die Mobilität vieler Menschen im Kiez, für die bereits eine Stufe zu einem Geschäft eine erhebliche Hürde darstellt. „Mit den mobilen Rampen“, so Sozialstadtrat Jochen Biedermann, „werden Körner- und Richardkiez ein Stück barrierefreier.“

Im Rahmen einer feierlichen Übergabe werden von Biedermann am 19. Januar mobile Rampen offiziell an Läden und soziale Träger in den beiden Kiezen überreicht. Die Übergabe im Rahmen der Aktion „Neukölln macht auf!“ beginnt um 14 Uhr an der Schudoma-/Mareschstraße im Richardkiez und wird um 15 Uhr auf dem Kirsten-Heisig-Platz im Körner-kiez fortgeführt. Bei Snacks und Getränken wird zudem das Projekt Weiterlesen

Dem Grau ein Ende: Neukölln muss noch bunter werden!

Wer auf zwei gesunden Beinen unterwegs ist, nimmt sie gar nicht wahr: die beiden Stufen vor dem Eingang zum Friseur und die hohen Türschwellen innerhalb des Lieblings-Cafés oder -Restaurants. Sie werden schlichtweg übergangen statt als potenzielle Hürden Beachtung zu finden. Und über die äußerst beengten Verhältnisse im WC des Kinos um die Ecke ärgert man sich vielleicht kurz, tut sie dann aber mit der naturgemäßen bzw. architektonisch bedingten Endlichkeit von Räumen ab.

screenshot wheelmap berlin-neukölln

Nord-Neukölln (Screenshot von wheelmap.org)

Entschieden schwieriger ist die Sache für Men- schen, die mit einer Mo- bilitätseinschränkung le- ben müssen. Für die sich der Begriff No-go- Area nicht am Krimina-litätsatlas orientiert, son- dern daran, inwieweit ein Ort rollstuhlgerecht ist. Dieser Aspekt war Impulsgeber für den Ver- ein Sozialhelden, das  Projekt wheelmap.org  anzuschieben. Es könne doch nicht sein, dass Gastronomie-Webseiten zwar über die Speisen-Angebote informieren, nicht aber darüber, ob es für Rollstuhlfahrer wie ihn überhaupt möglich ist, durch die Tür zu raul krauthausen, foto: wheelmap.orgkommen, ärgerte sich Sozial-helden-Gründer Raul Krauthausen damals. Im September 2010 ging die Online-Karte wheelmap.org an den Start, die öffentliche Orte aufführt und Transparenz über deren bauliche Hindernisse verschafft. Ein Service, der nicht nur für die rund 1,6 Millionen Rolli-Fahrer in Deutschland von ho- hem Nutzwert ist, sondern auch den Alltag von Müttern oder Vätern mit Kinderwagen und Menschen mit Gehbehinderungen und Rollatoren planbarer macht.

Zugleich will das mehrfach ausgezeichnete Projekt Behörden, Gastronomen und Hotelliers, Einzelhändler und Kulturort-Betreiber sensibilisieren, ihre Einrichtungen auf die Rollstuhlgerechtigkeit hin abzuklopfen. Beim im Dezember letzten Jahres am U-/S-Bahnhof Neukölln er- öffneten 2A Hostel floss das Augenmerk auf die Zielgrup- pe der Menschen mit Behin- derungen bereits in das Konzept und die Planung ein: Alle öffentlichen Berei- che des Hauses sind bar- rierefrei. In der – selbstver- ständlich per Aufzug erreich- baren – 1. Etage wurden zudem zwei geräumige Zimmer mit Dusche und WC explizit für Gehandicapte und ihre Begleitpersonen ausgestattet. Grund genug, die Markierung des Hostels auf der wheelmap-Karte zu aktualisieren: Aus dem Grau wurde heute ein Grün.

Jeder kann – ohne vorherige Registrierung – dazu beitragen, dass Neukölln auf der wheelmap.org-Karte wesentlich bunter und die Orientierung für Menschen mit Mobilitätseinschränkung im Bezirk erleichtert wird: Einfach bekannte, noch grau markierte Örtlichkeiten anklicken und nach dem Ampel-System bewerten oder neue Lokalitäten in die Karte eintragen.

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