Zu Statisten verdammt

Kaum scheint die  Sonne und klettert  die Temperatur  in den  Angenehm-Modus, wer-

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den in der Hasenheide wieder die Bäume festgebunden, damit sie sich ihrer Sta- tistenrolle bei den Slacklinern nicht entziehen können. Baumarbeiten mal anders.

Ohren zu und drauf!

Multitasking hin oder her: Slacklining und schallendes Gelächter sind Beschäftigun- gen, die sich  nur schwerlich miteinander  vereinbaren  lassen. Wer  heute  Mittag auf

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dem Tempelhofer Feld aufs Seil will, hat deshalb nicht nur den Wind als Gegner, sondern auch die  Initiative  Hauptstadt lacht, die dort  zum  Weltlachtag  einlädt.

Gefahr erkannt, Gefahr gebannt?

Eichhörnchen haben es in Neuköllns Nachbarbezirk Treptow-Köpenick nicht leicht. Insbesondere Versuche, über den Müggelseedamm zu kommen, zahlen die Tiere häufig mit dem Leben. Deshalb wurde dort vorgestern Berlins erstes Eichhörnchen- seil gespannt, das den Nagern das gefahrlose Überqueren der Straße ermöglichen soll. Das Risiko, plattgefahren zu werden, ist  für  Eichhörnchen im Neuköllner  Volks-

slackline_hasenheide neukölln slackline_volkspark hasenheide_neukölln

park Hasenheide zwar äußerst gering. Trotzdem wurde in der Weiterlesen

Ohne Netz und Zirkuskuppel: Slacklining par excellence

Bei schönem Wetter sind sie eine Mischung aus Open Air-Wohnzim- mer, Trainingscamp und Probe- bühne: die Neuköllner Parks. Viele Besucher bringen Stühle, Tische, Grills, massenweise Verpflegung und ihre Familien oder Freunde mit, andere ihr Jonglier-Equipment oder mehr oder weniger transport- freundliche Musikinstrumente.

Wenn Adrian Umlauft in den Volkspark Hasenheide kommt, um seinem Hobby – das auch gerne zum Beruf werden dürfte – zu frönen, fällt das Gepäck schon etwas schwerer aus. Auf das Gewicht eines Kleinkinds im schönsten Trotzalter bringt es die Ausrüstung, die er zum Slacklinen braucht, locker. „Aber es lohnt sich, sie hier her zu schleppen, weil die Bedingungen einfach perfekt sind“, schwärmt er. Die Senke, die sich in Nordsüdrichtung durch die Hasenheide zieht, sei ein wahres Geschenk für Slackliner. „Wenn die nicht wäre“, erklärt er, „müsste ich bei meinem Gewicht und der Slackline-Länge von etwa 100 Metern ziemlich weit in einen Baum klettern, um die Line zu befestigen und die Dehnung des Bands ausgleichen zu können“. Sieben Meter hoch müsste der Fixpunkt schon angebracht werden, schätzt er. Dass das Aufsteigen dadurch komplizierter und verletzungsträchtiger würde, steht auf einem anderen Blatt.

Spaziergänger bleiben stehen, Radfahrer halten an und die Leute, die auf der Wiese sitzen oder liegen, sehen Adrian Umlauft gebannt zu, wie er das Seil erklimmt. „Will der da etwa rüber?“, fragen sich alle staunend. Ja, er will und verschwindet  mental in  einer Welt, die  nur  noch  aus  dem  schmalen Band unter seinen  Füßen  besteht.

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Etwa 10 Minuten dauert es, bis Adrian Umlauft sein Ziel erreicht hat. Eine sportliche Höchstleistung für die Konzentrationsfähigkeit und jeden Muskel seines Körpers. „Besonders“, sagt er, „geht es aber in die Schultern und Arme.“ Nach einer kurzen Pause im Schatten  macht er sich auf den Rückweg. Zwei Bänder an der Line  zeigen

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ihm an, dass eine leichte Brise aus nordwestlicher Richtung weht. Die Zahl derer, die dem Slackliner zusehen wollen, wächst stetig. Dass das Band auf halber Strecke nur slacklining hasenheide neukölln, adrian umlauftnoch etwa einen halben Meter von festem Boden ent- fernt ist, beruhigt einerseits. Doch die Spannung, ob Ad-

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rian Umlauft die Strecke erneut ohne unfreiwilligen Abgang schaffen wird, bleibt bis zum Schluss. „Die größte Gefahr sind freilaufende Hunde, die mich anspringen, oder Leute, die in die Line greifen“, sagt er, als er wieder festen Boden unter den Füßen und die In-Ear-Kopfhörer aus den Ohren gezogen hat: „Musik brauch ich, um störende Geräusche auszuschalten und mich besser konzentrieren zu können.“ Das sei schon zu Beginn seiner Slackliner-Laufbahn vor etwa 1 1/2 Jahren so gewesen, anderes habe sich hingegen komplett verändert: Die Länge der Strecken und das Gefühl für den schmalen Grat. „Früher hab ich mich am Anfang und Ende des Seils sicherer gefühlt, weil es dort stabiler ist. Aber je mehr Erfahrung ich hab, desto lieber mag ich die Mitte und das Schwingen.“ Irgendwann will Adrian Umlauft auch eine 200 Meter-Distanz in der Hasenheide in Angriff nehmen. Geeignete Bäume, findet er, gebe es durchaus.

=ensa=