… runter wie Öl

werbung olivenöl-eis_erste sahne neuköllnUm es vorweg zu nehmen: Es geht um Eis, genauer um Speiseeis, und um die Zahl 3. Denn seit 1843 kann Speiseeis in Eis- maschinen produziert und seit 1873 mit Apparaten, in denen Ammoniak verflüssigt wird, dauerhaft kalt und somit haltbar gehalten werden. Tja, und 2013, genauer ab heute, gibt es in Neukölln das ver- mutlich erste Eis aus Olivenöl, das ganz ohne Milch, Sahne und tierische Produkte entsteht. So schlüssig es scheint, aus Speiseöl Speiseeis zu machen, so ungewöhnlich ist es doch auch. Carpaccio mit Olivenöl: unabdingbar. sara tricoli_erste sahne neuköllnAber Gelato?

Wieder spielt die 3 eine Rolle, denn es waren drei Dinge, die Sara Tricoli und Domenico Richichi, die beiden Inhaber des Eiscafés Erste Sahne, bewegten, sich daran zu versuchen: Zum einen produziert Domenicos Vater in Kalabrien von eigenen Olivenbäumen hochwertige Öle, die zum Einsatz kommen sollten. Zum anderen war das Wissen um Kunden, die bisher auf Sorbets zurückgreifen mussten, weil sie Veganer sind oder wegen einer Laktose-Intoleranz nur wenig Freude am sara+domenico_erste sahne neuköllnherkömm- lichen Eis haben. Und außerdem haben die beiden Jungunternehmer den Wunsch, nicht nur kommerziell, sondern auch kreativ tätig zu sein und im Eislabor zu experimentieren.

olivenöl-eis_erste sahne neuköllnDas Schoko-Olivenöl-Eis hat einen tie- fen Dunkelbraunton, ist intensiv schokoladig und so cremig wie das Erste Sahne-Sahneeis. „Wir verkaufen Eis und keine Luft“, sagt Domenico Richichi schmunzelnd. Wer nicht weiß, dass hier Öl ver- arbeitet wurde, käme nicht auf die Idee. Das ist bei der Geschmacksrichtung Pistazie anders. Schon die Farbe hat nichts mit gewöhnlichem Pistazieneis gemein, weil keine Farbstoffe zugesetzt sind. Auf der Zunge macht sich eine leichte Olivenöl-Nuance be- merkbar, die das Pistazien-Aroma harmonisch abrun- sara tricoli_erste sahne_neuköllndet. Außerdem gibt es das außergewöhnli- che milch- und sahnefreie Eis mit Haselnüssen und Pinienkernen.

Sara Tricoli (r.) strahlt, als sie von den neuen Eis- Kreationen erzählt, die ihre Cremigkeit durch eine ausgeklügelte Mixtur aus Olivenöl und biointegralem Sojamehl erhalten und fortan die Sorbets mit Hasel- nuss und Kakao ersetzen. Neu im Sortiment der kleinen Eisdiele in der Kienitzer Straße 116 ist auch eine Joghurt-Linie, die von Eis und Eistorten otivm erste sahne neuköllnbis zu Semifreddi reicht und ebenfalls für Lakto- se-Intolerante geeig- net ist.

Die von den Erste Sahne-Machern ausgesprochene, selbstironische Warnung „Es macht sehr schnell abhängig: Fangen Sie gar nicht erst an!“ behält somit auch in dieser Eissaison ihre Gültigkeit.

=kiezkieker=

Bilder, die unter die Haut gehen

Eine Wand haben Sara Tricoli und Domenico Richichi extra frei und weiß gelassen, um in ihrem Eiscafé auch wechselnde Kunstausstellungen zeigen zu können. Bei 5_dermacakes_ale senso_erste sahne neuköllnder, die aktuell dort zu sehen ist, waren sie aber zunächst zögerlich, ob sich die Bilder wirklich mit italienischem Eis der Spitzen-klasse, feins- erste sahne otivm_neuköllnten Patisse- rie-Produkten und dem Ge- schmack der Kunden ver- tragen würden. „In den ersten Tagen war es sehr aufregend“, gesteht Sara Tricoli. Würden einem Kind oder Erwachsenen beim Blick auf die Werke die Gesichtszüge entgleisen und die Lust auf Süßes schlagartig vergehen? Inzwischen, knapp vier Wochen nach der Vernissage und zwei Wochen vor der Finissage, geht sie ganz entspannt mit dem Risiko um.

Ein knappes Dutzend eher kleinformatiger Bilder der Künstlerin Ale Senso hängt an der Wand. Ein filigranes Netz aus roten 4_dermacakes_ale senso_erste sahne neuköllnund blauen Fäden verbindet sie. Das sei eine Anspielung auf die farbliche Darstel- lung von Venen und Arterien in Bio- logie-Büchern, erläutert die Italienerin.

Die Bilder, die in der Ausstellung mit dem Titel „Dermacakes“ gezeigt werden, belassen es nicht bei An- spielungen.  Sie demonstrieren sehr konkret, wie Ale Senso ihre Leiden- schaften für medizinische Bücher und fürs Kochen künstlerisch ver- 2_dermacakes_ale senso_erste sahne neuköllneint. Beide wurden der 35-Jährigen quasi in die Wiege gelegt: Ihre Mutter ist eine begnadete Köchin, zwei Familienmitglieder sind Ärzte.

Auf den ersten Blick glaubt man sich in der Ausstellung bunten Grafiken gegenüber, die mit organischen und geometrischen Formen spielen. Wer sich jedoch jemals im Biologie-Unterricht mit dem beschäftigt hat, was unter der Haut im menschlichen Körper steckt, erkennt rasch Be- kanntes: Organe, die Struktur eines Auges, das Gehirn, einen Querschnitt der Haut mit Subcutis, Dermis, Epi- dermis, Schweiß- und Talgdrüsen, Haarwurzeln und Blutgefäßen. Schon die von Ale Senso durch Farben künstlerisch verfremdete Darstellung, die Konkretes zu Abstraktem macht, ist sehenswert. Aber die Italienerin, die in der Nähe des Eiscafés 1_dermacakes_ale senso_erste sahne neuköllnwohnt und Domenico Richichi beim Deutsch- Kurs kennen lernte, setzt noch einen drauf, indem sie die kulinarischen Fertigkeiten ihrer Mutter gepaart mit eigener Phantasie und mehr als einer Prise Ironie zum Zug kommen lässt: Durch Verzierungen und die Darstellung in bäckereiüblichen Portionen wirken die anatomi- schen Detailzeichnungen wie Kuchenstücke.

3_dermacakes_ale senso_erste sahne neuköllnSogar ein Backbuch mit den Rezepturen aller ausgestellten Werke wurde von Ale Senso angefertigt. Bezeichnenderweise hat sie dafür den Schelmenroman vom Simplicissimus re- cycelt. Eben diese Kombination von Kunst und Humor ist es, vermutet Sara Tricoli, die es schafft, dass niemand an den Dermacakes Anstoß nimmt, sondern sie als Beigabe zu den angebotenen Kaffee- und Eisspezialitäten, Des- serts und Kuchen gern gesehen sind.

Ale Sensos „Dermacakes“-Ausstellung ist noch bis zum 10. März im Eiscafé Erste Sahne zu sehen; Öffnungszeiten: Fr. – So. 13 – 20 Uhr.

=ensa=

„Erste Sahne“ – der Name ist Programm

gelateria "erste sahne" otivm, berlin-neukölln, semifredderiaEs war eine Reise ins Ungewisse, zu der Sara Tricoli und Domenico Richichi  vor zwei Monaten  aufbra- chen. Natürlich, die beiden Neuköllner ahnten, dass es im Kiez eine Nachfrage nach gutem Eis geben müsste, wussten, dass keine wirkliche Konkurrenz gelateria "erste sahne" otivm, berlin-neukölln, semifredderiada ist, und wa- ren sicher, dass die Nähe zum Tempelhofer Feld vorteilhaft sein würde. „Aber wir hatten trotzdem auch etwas Angst, dass unser Eis, das nach traditionellen Rezepten hergestellt wird, nicht ankommen könn- te“, gesteht Sara Tricoli. Daran änderte auch der Eröffnungstag nichts, der 30. Juni, an dem sich die Schlange derer, die das Erste gelateria "erste sahne" otivm, berlin-neukölln, semifredderiaSahne-Eis mal probieren wollten, bis zum Nachbarhaus zog. Schließlich wurden die Ku- geln damals verschenkt und nicht verkauft.

„Mit dem ersten Eis am Eröffnungstag haben sie mich angefixt“, sagt eine Frau, die „zum Glück nicht weit entfernt“ wohnt. Fast täglich holt sie sich seitdem ihre Dosis in der Kienitzer Straße ab. Eine Kugel Pistazien-Eis ist immer dabei, die gelateria "erste sahne" otivm, berlin-neukölln, semifredderiaandere variiert: „Weil die Auswahl so schwierig ist, werden es auch öfter insgesamt drei.“ Inzwi- schen gibt es viele, denen die Problematik ver- traut ist. Ohne ihre Stammkunden, die regel- recht süchtig nach dem Erste Sahne-Eis sind, fiele die Bilanz für die ersten beiden Monate weitaus weniger rosig aus. Das Wetter, finden sie, habe es ja bisher alles andere als gut mit ihnen gelateria "erste sahne" otivm, berlin-neukölln, semifredderiagemeint. Und das Wetter ist für Eis- verkäufer das Wichtigste überhaupt.

Für die Kunden von Sara Tricoli und Domenico Richichi haben dagegen der Geschmack und die gelateria "erste sahne" otivm, berlin-neukölln, semifredderiaQualität der Pro- dukte den höchs- ten Stellenwert. Hergestellt werden die Köstlichkeiten im eigenen Eislabor in Schöneweide; Zutaten wie Milch und Sahne stammen aus der Region, Pistazien und andere Ingredienzien werden aus Italien geliefert. Dort, im Süden des Landes, wo das beste Eis gemacht werde, haben die Existenz- gründer auch ihr Handwerk erlernt. Der Trick, die frostigen Schätze in traditionellen Kühlapparaten zu verstecken statt sie in offenen Behältern hinter Glas auszustellen, kommt ebenfalls aus der Heimat der beiden und vor allem der Hygiene und der Haltbarkeit zugute. „Unser Eis ist 100 Prozent bio und total ohne chemische gelateria "erste sahne" otivm, berlin-neukölln, semifredderia, sara tricoliZusatzstoffe“, versichert Sara Tricoli. Des- halb müssten sie auch bei der Präsen- tation andere Wege gehen.

Die Auswirkungen auf das Verhalten der Kunden sind unübersehbar. Wer die kleine Gelateria betritt und noch unentschlossen ist, was diesmal in die Waffel oder den Becher soll, stürmt nicht in Richtung Theke, sondern wendet den Blick nach links: Auf Plexiglastafeln an der Wand steht, welche Sorten momentan vorrätig sind. Milcheis von Nocciola über Ingwerschokolade und Fior di Latte bis hin zu Crema della Nonna und der Neu-Kreation Istanbul. Sorbets von Mango bis Schokolade für gelateria "erste sahne" otivm, berlin-neukölln, semifredderia, sara tricoliVeganer und Laktose-Intolerante. Shakes auf Wasser- oder Milchbasis und Obstsäfte gehören selbstverständlich auch zum Angebot. Ebenso verschiedene Kaffee-Spezialitäten, die auf Wunsch mit Sojamilch zubereitet werden.

„Gibt’s irgendwas Neues?“, fragt ein Mann und will das nicht als Interesse am aktuellsten Kiez-Klatsch verstanden wis- sen. Sara Tricoli zählt die neuen Milcheis-Sorten auf. Ihm sei doch ausnahmsweise eher mal nach etwas Fruchtigem, sagt er und wird gefragt, ob er das Zitroneneis schon kenne. Im nächsten Moment hat Löffelchen voll zum Probieren in der Hand. „Uih, das ist aber sehr sauer“, findet er gelateria "erste sahne" otivm, berlin-neukölln, semifredderiaund entscheidet sich für zwei andere Sorten.

Die Kunden kosten zu lassen, das gehört bei Erste Sahne zum Programm. Schließlich gehe es nicht nur darum, jedem irgendein Eis zu verkaufen, sondern vor allem um den Genuss, um den Wohlfühlfaktor und ein Stück italieni- scher Lebensart. Letztere wollten Sara Tricoli und Domenico Richichi auch durch ihre Semifreddi, kleine halbgefrorene Desserts aus Bio-Sahne, in den Kiez bringen: „Aber gelateria "erste sahne" otivm, berlin-neukölln, semifredderiadas läuft nicht so. Die Leute wollen entweder Eis oder heiß, also Kaffee.“ Ganz verwerfen will Sara Tricoli den Gedanken an ein Semifreddo-Angebot aber nicht: „Im Herbst und Winter werden wir die Auswahl auf einige Eissorten reduzieren, zusätzlich heiße Milchgetränke anbieten und es mit Semifreddo-Kuchen probieren.“

Die für kleine italienische Eisdielen fast typische mehrmonatige Winterpause wollen sie nicht einlegen. Aber  zwei Wochen Urlaub sollten schon drin sein. Denn zum Resümee nach den ersten beiden Monaten gehört auch die Feststellung, dass die Selbstständigkeit an den Kräften zerrt. „Aber insgesamt sind wir glücklich, den Laden hier gefunden zu haben, und sehr zufrieden“, sagt Sara Tricoli – dem doch nur mäßigen Sommer zum Trotz.

=ensa=