„Antiziganistische Beleidigungen und Angriffe geschehen überall“

rathausturm neukoellnAm vergangenen Sonnabend fand zum achten Mal das Herdelezi-Straßenfest in der Boddinstraße unweit des Neuköllner Rathausturmes statt. Herdelezi, der St. Georgstag, ist für christlich-orthodoxe und muslimische Roma einer der wichtigsten Feiertage, der vor allem in Südost-europa zelebriert wird. Georgi Ivanov vom Amaro Foro e. V. erinnert sich, dass das erste Herdelezi im Mai 2009 aus einer spontanen Musik-Performance in der Boddinstraße enstand. Seitdem kommen Roma und Nicht-Roma aus ganz Berlin Weiterlesen

Klischees früher – und heute?

ruiz_barica_reuss_rodriguez_outreach neukoellnEin Merkmal, das jemanden in seiner besonderen negativen Art kennzeichnet, wird Stigma genannt. „Kontinuitäten der Stigma-tisierung“ heißt das Buch von Anja Reuss. Montagabend stellte die Wissenschaftlerin ihre Forschungsarbeit über Antiziganismus rund 30 Interessierten vor. Alvaro Rodriguez (r.) und Emanuel Barica vom Amaro Foro e.V. sowie Guillermo Ruiz (l.) von der Sozialfabrik hatten dafür zur Informationsveranstaltung unter dem Titel „Missgunst und Feindseligkeit – Antiziganismus in der Nachkriegs-zeit“ in die Räume von Outreach Neukölln eingeladen. „Ich will Weiterlesen

Einblicke in das Leben im Hof der Sorgen und die Arbeit der Perlen von Neukölln

haus arnold fortuin_neukölln„Die Geschichten halten fest, was keinem Menschen zuzumuten ist.“ Mit diesem Satz beginnt Eva Ruth Wem-mes Buch „Meine 7000 Nachbarn“, bevor es überhaupt richtig anfängt. Die gebürtige Westfälin lebt in Berlin und arbeitet seit 2011 als Kultur- und Sprachmittlerin für Roma in Neukölln. Für das im Verbrecher Verlag erschienene Buch hat sie ihre Erfahrungen mit Migranten niederge-schrieben, von denen heute – angesichts der aktuellen Flüchtlingssituation – kaum noch jemand spricht, die aber lange als Synonym für Integrationsprobleme, Armut, Sozialschmarotzerei und Kriminalität standen.

Eva Ruth Wemme ist es jedoch wichtig, auch einmal den Fokus auf die andere Seite dieser Medaille zu richten – und das tut sie als Ich-Erzählerin in einer so lakonischen wie bildhaften Sprache, die äußerst untypisch für ein Sachbuch ist. Die Inhalte, die sie in vielen Weiterlesen

Ein gutes Beispiel – in Neukölln

tag der sinti und roma_wildenbruchbruecke neuköllnGestern, nachmittags gegen 14 Uhr: Rund 80 Menschen haben sich mit bunten Tulpen auf der Wildenbruchbrücke in Neukölln ein- gefunden, um wie überall auf der Welt den Internationalen Tag der Sinti und Roma zu begehen. Einige tragen eine grüne und blaue Flagge mit rotem Chakra. Die Farben der Fahne stehen symbolisch für Himmel und Erde, während das Rad an den gemein- samen indischen Ursprung der Roma und Sinti erinnert. Die Versammelten werden gleich ihre Blumen über die Brüstung ins Wasser werfen, als Erinnerung an die Opfer, die der Porajmos Weiterlesen

Roma-Kultur-Europa: Diskussion über Klischees und Auswege im Young Arts Neukölln

young arts nk_neuköllnVier Steppkes mit tiefschwarzen Haaren und braunen Augen von der Trommelgruppe der Jugendkunstschule Neukölln machten vorges- tern Abend den Auftakt beim Fachgespräch „Roma-Kultur-Europa“. Zu dem hatten Bettina Jarasch, Landesvorsitzende der Berliner Grü- nen, und die direktgewählte Neuköllner Wahl- kreisabgeordnete Dr. Susanna Kahlefeld ins Young Arts Nk in der Donaustraße eingeladen. „Wir sind eine pro-europäische Partei. Alle The- men, die uns wichtig sind, sind eigentlich nicht innerhalb der nationalstaatlichen Grenzen zu lösen. Europa ist eine Riesenchance für uns alle, friedlich und gut zusammenzuleben. Wir wollen nicht auswählen, wer aus Europa zu uns nach Berlin kommen darf und wer nicht.“ Mit wenigen Sätzen umriss Bettina Jarasch, wofür ihre Partei im Europa-Wahlkampf eintreten will. Positionen, für die es wahrscheinlich viel Gegenwind geben wird, wie die Anfang des Jahres geführte Debatte über Armutswanderung und Weiterlesen

„In Mitte wird die Problematik totgeschwiegen“: Neukölln startet als erster Berliner Bezirk Impf-Aktion an Schulen

impfung_dr. gundert_hans-fallada-schule neuköllnRoxana guckt lieber weg. Wie der Arzt die feine Kanüle in ihren linken Oberarm piekst und den Impfstoff injiziert, das will sie nicht sehen. „Nein, hat nicht weh getan“, lässt die Neunjährige Dr. Dietrich Gundert wissen, als der ein Pflaster auf spritze_grundimmunisierung von neuköllner kinderndie Einstich- stelle klebt.

Roxana und ihre vier Ge- schwister, die gestern ebenfalls geimpft wurden, ge- hören zu den 90 Kindern, die in den letzten 2 1/2 Jahren überwiegend aus Rumänien nach Neukölln kamen und nun die Hans-Fallada-Schule besuchen. „Roma-Kinder machen damit fast ein Viertel der gesamten Schüler-hans-fallada-schule_neuköllnschaft aus“, stellt Schulstadträtin Dr. Franziska Giffey fest, die kürzlich den 3. Neuköllner Roma- Statusbericht  veröffentlichte. Auf das in dem thematisierte Problem fehlender Impfnach- weise von Kindern zugewanderter Familien aus Südosteuropa  reagiert der Bezirk nun mit einer großangelegten Impfaktion zur Grund- immunisierung. Dazu habe, so Giffey, insbe- sondere Prof. Dr. Rainer Rossi, Chefarzt des Bereichs Kinder- und Jugendmedizin im Vivan- tes Klinikum Neukölln,  geraten, um die Gefahr der Ausbreitung von Infektionskrankheiten an Schulen effektiv einzudämmen. Den Eltern von 802 Kindern, die derzeit Willkommens- oder Regelklassen von Neuköllner Schulen besu- chen, wird nun diese Grundimmunisierung ihrer Töchter und Söhne gegen Tetanus, Diphterie, Keuchhusten, Kinderlähmung, MMR (Masern, Mumps, Röteln), Hepatitis B sowie Meningokokken angeboten.

Zwar könne man nicht sagen, dass die Kinder per se keinerlei Impfschutz in ihren Herkunftsländern erhalten haben, schränkt die Lehrerin Anita Wodatschek ein. „Aber ob und wann sie wogegen geimpft wurden, das hängt stark davon ab, ob sie impfpass_grundimmunisierung von neuköllner kindernländlich oder in einer Stadt gewohnt haben, und dokumentiert ist es oft auch nicht.“

Voraus ging der Impf-Aktion ein Info- Abend für die Eltern, bei denen sie von den Sprachmittlern der Schule behutsam in die Problematik einge- führt wurden. „Schriftliche Mitteilungen an die Eltern bringen auch in der Muttersprache meist wenig, weil viele An- alphabeten sind“, weiß Schulleiter Carsten Paeprer. Wichtig sei zudem, ihnen zu verdeutlichen, dass die Kinder nicht geimpft werden sollen, weil sie Roma-Kinder sind, sondern weil ihnen das fehle, was in Deutschland vom Säuglingsalter an zur gesundheitlichen Basisversorgung gehört. Dass die sechsfache Grundimmu-nisierung, die in fünf Durchgängen durchgeführt wird, im schulischen Umfeld am besten aufgehoben ist, um die notwendige Kontinuität zu erlangen, davon sind nicht giffey+paeprer+liecke_hans-fallada-schule_neuköllnnur Paeprer (M.) und Giffey (r.) über- zeugt, sondern auch der Neuköllner Gesundheitsstadtrat Falko Liecke (l.).

„Roma-Familien haben oft keine Krankenversicherung“, weiß Liecke. „Oder sie haben eine in ihrem Her- kunftsland, die aber für die Kosten- übernahme nicht zuständig ist, wenn der Hauptwohnsitz nach Deutsch- land verlegt wurde.“ Konsequenz dieser bisher auf bundes- und europapolitischer Ebene vernachlässigten Sachlage sei, dass Arztbesuche aus finanziellen Gründen vermieden werden und Patienten erst als Notfälle der völlig überlaufenen Ret- tungsstelle im Mutter-Kind-Zentrum des Vivantes Klinikums vorgestellt würden und nicht abgewiesen werden dürfen: „Die Kosten müssen dann aus der Bezirkskasse beglichen werden.“ Aus der wurden auch 127.000 Euro für die Anschaffung von Impfstoff vorfinanziert. Später würden die Kosten vom Berliner Senat erstattet.

Für die medizinisch fachgerechte Durchführung der für die Kinder kostenlosen Grundimmunisierung greift der Bezirk auf pensioniertes Personal wie beispielsweise Dr. Dietrich Gundert, den ehemaligen Leiter des kommunalen Kinder- und Jugend- gesundheitsdienstes, zurück. Wie viele der 802 neu zugezogenen Kinder im Rahmen der Aktion zunächst an der Hans-Fallada-, der Eduard-Möricke- und der Rixdorfer-Schule komplett durchgeimpft werden müssen, steht noch nicht fest. „Mehrere hundert sind es definitiv, wenn ein gewisser Impfstatus an den Schulen vorhanden sein soll“, ist Franziska Giffey überzeugt. Im Bezirk Mitte, ergänzt Stadtrat Liecke, habe man übrigens ganz ähnliche Probleme: „Aber in Mitte wird die Problematik tot- geschwiegen. Warum, weiß ich nicht.“ In Neukölln geht man einen anderen Weg.

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Neuköllner Jugendliche zeigen ihre Sicht auf Berlin

Als Roland Hägler kurz vor Ostern gefragt wurde, ob an der Hermann-von-Helmholtz-Schule, wo er Rektor ist, eine Kleinklasse für Roma-Kinder eingerichtet werden könne, war er zunächst skeptisch. Was würde das für die Lehrer- und Schülerschaft bedeuten? Welche Probleme würden auf sie zukommen und welche auf die Neuen? Das waren Fragen, die ausstellung "die stadt in meinen augen", rathaus neukölln, hermann-von-helmholtz-schule neukölln, cordula simon, joscha remus, dr. franziska giffey, roland häglerihn beschäftigten – bevor er entschied, es probieren zu wollen. Inzwischen findet Roland Hägler (r.): „Die Roma-Klasse ist eine große Bereicherung für uns alle, weil die 14 Kinder äußerst lernwillig, neugierig und motiviert sind.“ Vier von ihnen, das zeichne sich bereits ab, seien schon zum nächsten Schuljahr so- weit, dass sie in eine Regelklasse wech- seln können.

Nun zeigen 12 Schülerinnen und Schüler mit der  Foto-Ausstellung „Die Stadt in meinen Augen“, wie sie ihre neue Heimat sehen. „Für die meisten Roma“, weiß ausstellung "die stadt in meinen augen", rathaus neukölln, hermann-von-helmholtz-schule neukölln, joscha remusHägler, „ist die erstmal ein Kulturschock, weil sie aus Dörfern kommen, die sich mit deutschen Dör- fern nicht vergleichen lassen.“ Initiiert und geleitet wurde das bislang einmalige, mit LSK-Mitteln geför- derte Fotoprojekt von Joscha Remus (2. v. l.), der nicht nur fachliches Know-how dazu beitrug, sondern auch selber väterlicherseits Wurzeln in Rumänien und bereits drei Bücher über ausstellung "die stadt in meinen augen", rathaus neukölln, hermann-von-helmholtz-schule neukölln, joscha remusdas Land geschrieben hat. „Bei dem Pro- jekt“, sagt er, „ging es mir in erster Li- nie um das Team- work unter den Ju- gendlichen und darum, ihnen die Chance zu geben, ihre  Kreativität zu entdecken und zu beweisen und durch das Bewegen in der Stadt und den Kontakt zu den Berlinern spielerisch die Sprachkompetenz zu erweitern.“ Das Ergebnis sind rund 40 Fotos, die teils überraschende Eindrücke von Berlin zeigen, vor allem aber die Lebensfreude und Ausgelassenheit der jungen Roma widerspiegeln. Auch er selber, so Remus, habe durch die Zusammenarbeit viel über sein Deutsch gelernt und zugleich ausstellung "die stadt in meinen augen", rathaus neukölln, hermann-von-helmholtz-schule neukölln, joscha remusEinblicke in ein „neues Sehen des Alltäg- lichen“ bekommen.

Alltäglich neue Herausforderung bedeutet der unverminderte Zuzug von Roma in den Bezirk indes für Neuköllns Schulstadträtin Franziska Giffey (Foto oben: 2. v. r.): „Die Zahl der schulpflichtigen Roma-Kinder er- höht sich jeden Monat um etwa 20, was heißt, dass wir alle vier Wochen eine neue Kleinklasse einrichten müssten, um den Bedarf zu decken.“ Da das unmöglich sei, würden Neuankömmlinge zunächst in Deutsch-Kursen der Volkshochschule auf die Schule vorbereitet werden. Den Eltern der Kinder und Jugendlichen die deutsche Sprache näher zu bringen, hat auch Roland Hägler vor: Eigens für sie wird in der Hermann-von-Helmholtz-Schule zur Förderung der Integration vormittags ein kosten- loser Deutsch-Kurs angeboten. Bislang, muss der Schulleiter feststellen, sei die Resonanz aber leider sehr verhalten.

Die Foto-Ausstellung „Die Stadt in meinen Augen – Roma-Jugendliche zeigen ihre kreative Sicht auf Berlin“ ist  noch bis zum 14. Dezember im Foyer in der 2. Etage des  Neuköllner Rathauses  zu sehen; Öffnungszeiten: Mo. – Fr. 8 – 18 Uhr.

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Hilfe zur Selbsthilfe mit dem Bio-Knoblauch Romanes

roma-projekt, bio-knoblauch romanes, august-heyn-gartenarbeitsschule neukölln, verein "european neighbours", hermann-von-helmholtz-schule, walter-gropius-schule, schule am zwickauer dammVampire dürften künftig einen weiten Bogen um das Gelände der August-Heyn-Gartenarbeitsschule im Neuköllner Ortsteil Britz machen. Denn dort wurde gestern mit dem Pflanzen der von ihnen verhassten Knollen das Projekt Bio-Knoblauch Romanes – ein nachhaltiges ökosoziales Zukunftsprojekt für Roma in Europa“ roma-projekt, bio-knoblauch romanes, august-heyn-gartenarbeitsschule neukölln, verein "european neighbours", hermann-von-helmholtz-schule, walter-gropius-schule, schule am zwickauer damm  gestartet.

Jugendliche der Hermann-von- Helmholtz-Schule, der Walter-Gropius-Schule und der Schule am Zwickauer Damm, die der- zeit in Lerngruppen für Schüler ohne Deutschkenntnisse unter- richtet werden, nehmen daran teil. Ziel ist, dass die Schüle- rinnen und Schüler aus der Roma-Community Pflanzung, Pflege und Ernte sowie die Herstellung von Knoblauch-Produkten und den Verkauf eigenverant-wortlich übernehmen und so Spracherwerb nebst Berufsorientierung forciert werden. Perspektivisch sollen ihnen aber Möglichkeiten aufgezeigt werden, wie sie in ihren Heimatländern ihren Lebensunterhalt selber verdienen können.

Der österreichische Verein european neighbours, der das Modellprojekt entwickelte roma-projekt, bio-knoblauch romanes, august-heyn-gartenarbeitsschule neukölln, verein "european neighbours", hermann-von-helmholtz-schule, walter-gropius-schule, schule am zwickauer dammund es – außer in Neukölln – auch in Graz/ Österreich, Pecs/Ungarn, Banska Bystrica/ Slowakei, Koprivnica/Kroatien und Moldava Noua/Rumänien initiierte, macht diesbe-züglich eine plausible Rechnung auf: Aktuell würden 80 % des Knoblauchs in Europa aus China importiert; Verkaufs- erlöse von 10 – 12 Euro pro Kilogramm Bio-Knoblauch ließen das Potenzial des Anbaus der Pflanze in Europa erahnen. Die Weichen dafür, dass im nächsten Jahr Knofi aus Neukölln auf den Wochenmärkten im Bezirk angeboten wird, sind gestellt.

Neukölln-Gewinnspiel: Die Bescherung geht weiter (5)

Heute, am vorvorletzten Tag unseres Zwischen-den-Jahren-Gewinnspiels, geht es im wahrsten Sinne des Wortes um die Wurst: Der Preis, der dem/der Gewinner/in winkt, kommt nämlich aus Neuköllns berühmtester Fleischerei – der Blutwurstmanufaktur. Und dieses Rätsel ist zuvor zu lösen:

Im Juli 2011 sollten in Neukölln insgesamt 43 Kinder in drei Wochen einen Grundwortschatz Deutsch lernen. Dafür wurden fünf Lehrer von der Berliner Senatsverwaltung bereitgestellt; der Bezirk finanziert drei weitere Schulhelfer für das Projekt. Welche Zielgruppe sollte erreicht werden?

Zu gewinnen ist eine Tüte vol- ler leckerer, in traditioneller Handwerkskunst hergestell- ter Wurstspezialitäten aus der Blutwurstmanufaktur. Schon seit 1902 wird am Karl-Marx- Platz am Rande des Böhmi- schen Dorfs in Neukölln  ge- fleischert; vor einigen Jahren übernahmen Blutwurstritter Marcus Benser und Mathias Helfert den Betrieb und benannten die ehemalige Fleischerei Gleich in Blutwurstmanufaktur um. Wichtig: Die Zusendung des Gewinns ist nicht möglich, d. h. er muss bei der Blutwurstmanufaktur abgeholt werden.

Wer die Wurst-Tüte gewinnen möchte, schreibe das Lösungswort sowie (5) in die Betreffzeile einer E-Mail und schicke sie bis morgen (30. Dezember) um 12 Uhr an: Der/die Gewinnerin wird direkt benachrichtigt. Gehen mehrere richtige Lösungen ein, entscheidet das Los. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Wir wünschen viel Glück!

Update (30.12., 16:15 Uhr): Mit dem Begriff „Roma-Kinder“ oder einer ähnlichen Variante musste die Zielgruppe bezeichnet werden, um die Chance auf den Gewinn der Wurst-Tüte von der Blutwurstmanufaktur zu wahren.

Die Hand von Glücksfee Pauline, die heute in den Losbeutel griff, entschied sich für einen Gewinner, dessen Name die Achtjährige  vor eine echte Herausforderung stellte. Lustig sei er, aber schwierig vorzulesen, fand sie.

Bildungshunger auf Diät gesetzt

Wenn – wie jetzt gerade – Ferien sind, sinkt offensichtlich bei manchem Neuköllner Kind die  Lust darauf, das  Angenehme mit dem  Nützlichen zu verbinden, ziemlich ra-

herbstferien, russisch brot, neukölln, buchstabenkekse

pide. Ganz anders sieht es dagegen bei vielen Roma-Kindern aus: Weil sie während der Sommerferien so rege  an der Sprachförderung teilnahmen, geht das Programm in den Herbstferien weiter – und auch darüber hinaus.

Eine Neuköllner Besonderheit und ihre Folgen

Einige müssten eigentlich, tun’s jedoch bestenfalls sporadisch. Viele machen’s mehr oder weniger gerne aber regelmäßig. Und manche würden gerne, dürfen allerdings nicht! Die Rede ist von Neuköllner Kindern im schulpflichtigen Alter und dem Schulbesuch.

„Es ist ein Skandal, dass die vom ehemaligen Neuköllner Bildungsstadtrat Schimmang be- schlossene Regelung immer noch gültig ist, dass nur polizeilich gemeldete Kinder in Neuköllns Schulen angemeldet werden kön- nen“, findet Anna Schmidt von Amaro Drom. Der Verein führte jüngst eine Befragung im Flughafen- und Donaukiez durch, um die Situationen und Bedarfe der dort lebenden Roma zu ermitteln. Insbesondere für aus Rumänien und Bulgarien stammende Roma-Familien, so die Erkenntnis, stelle eine wahre Kette von Probleme eine enorme Belastung dar: Sie leben mit viel zu vielen Menschen in viel zu kleinen Wohnungen, erhalten deshalb oft keine Meldebescheinigung und können demzufolge ihre Kinder nicht in wohnortnahe Schulen schicken. Der Ausweg des Besuchs von Schulen in anderen Bezirken, wo es keine derartigen bürokratischen Hürden gibt, sei oft nicht praktikabel: „Die Konsequenz ist daher  meist, dass die Kinder beim Zugang zu Bildung außen vor bleiben.“

Auch Erich Mitbach, Regionalleiter des Jugendamts Neukölln, fand bei der Präsentation der Amaro Drom-Studie deutliche Worte für die Gangart der Behörden des Bezirks. „Die Nichtbeschulung ist das gravierendste Problem bei der Eingliederung von Roma“, stellte er fest. Das Thema müsse mit Dringlichkeit auf politischer Ebene behandelt werden, da es nicht sein dürfe, dass Kindern im schulpflichtigen Alter der Schulbesuch verwehrt bleibe. Kürzlich, wusste Mitbach zu berichten, habe sich der Neuköllner Migrationsbeirat mit einem Schreiben an Franziska Giffey, die amtierende Bildungsstadträtin, gewandt und um eine Stellungnahme gebeten. Nicht ausgeschlossen, dass das Thema bei der heutigen Sitzung des Ausschusses für Bildung, Kultur und Schule behandelt wird.

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