Der Anfang vom Neuanfang

An der Ecke Fritz-Erler-Allee/Agnes-Straub-Weg feierte Freitag die degewo das Richt-fest degewo-richtfest gropiusstadt neukölln_ foto team giffeyeines Gebäudes, das in vierfacher Hinsicht ein besonderes ist. Bei der Wärmedämmung des ersten Neubaus von Mietwohnungen in der Neuköllner Gro-piusstadt seit 40 Jahren setzt die Bauherrin erstmals auf Porenbeton-Fassaden, beim Dach auf eine exten-sive Begrünung und bei der Mieterstruktur auf Inklu-sion: Neben 57 meist kleineren Wohnungen entstehen in dem Gebäude, das im Mai 2016 bezugsfertig sein soll, drei Pflege-WGs für Schlaganfall-Reha-Patienten. Die degewo zeige hier, so Bezirksbürgermeisterin Dr. Franziska Giffey, „dass es möglich ist, eine bestehende Großsiedlung sinnvoll weiter zu entwickeln“. Bis 2018 ist die Fertigstellung von fünf weiteren Neubauten mit insgesamt 290 Wohnungen geplant. Das Gros der Net-tokalt-Mieten werde zwischen 6,50 und 10,50 Euro pro Quadratmeter liegen, kündigt die degewo an.

Neuköllner Absichten – von der Skylounge Gropiusstadt

joachim-gottschalk-weg 1_skylounge gropiusstadt-neuköllnFrank Bielka weiß, dass mit der Skylounge Gropius- stadt das Rad nicht neu erfunden wurde. „Sie ist ein Plagiat“, gibt das Vorstandsmitglied der degewo AG zu. gropiusstadt_ideal-hochhaus_skylounge gropiusstadt-neuköllnDas Original steht wenige hundert Me- ter Luftlinie entfernt, ge- hört der Baugenossenschaft Ideal und ist gut 20 Meter und genau vier Etagen höher. „Die Sky-Lounge in der Fritz-Erler-Allee kam im letzten Jahr bei den Mietern und Gästen so gut an, dass wir Weiterlesen

Kunst, die bewegt

Wer von einer Wanderausstellung spricht, meint gewöhnlich eine Ausstellung, die von einem Ort zum nächsten bewegt und erst hier und dann dort gezeigt wird. Eine vitrine u-bf karl-marx-straße_neuköllnandere Art der Wanderausstellung ist „Melos – Zwischen Räumen“. Da bleiben die Exponate, wo sie sind, und alle, die sich die komplette Ausstel- lung ansehen wollen, müssen sich bewegen, über eine Distanz von 600 Metern durch Neukölln.

galerie im saalbau_neuköllnEin Teil der am letz- ten Freitag eröffneten Ausstellung ist näm- lich in der Galerie im Saalbau zu sehen, ein anderer im Kunst- kunstraum t27_neuköllnraum t27 und ein wei- terer auf dem Weg bzw. darunter: in der U7-Station Karl-Marx-Straße.

Da der Bahnhof nur über Treppen erreicht werden kann, ist es für Rollstuhlfahrer also unmöglich, „Melos – Zwi- schen Räumen“ als Ganzes anzuschauen. Es sei denn, sie finden kräftige Helfer oder nehmen den Umweg über die rollstuhlgerechteren U-Bahnhöfe am Rathaus oder S-Bahn-Knotenpunkt Neukölln in Kauf, um sich Frederik Foerts Installation „Stand-bein/Spielbein“ ansehen zu können. Eine Vitrine, in der Tische gestapelt wurden, auf denen ein Paar Schuhe und eine Whisky-Flasche stehen. Was es damit auf sich hat, konnte zumindest gestern Nachmittag nur erlesen statt erlebt werden: Die „müßig entspannte Tanzbewegung eines animierten Schuhpaares, das trotz der offen- sichtlichen Abwesenheit seines Besitzers mit den Gästen der BVG zu kommunizieren scheint“ kündigt die Beschreibung des Kunstwerks an. Bewegung herrschte aller- dings nur um die Vitrine herum, die Schuhe in ihr verharrten im Stillstand.

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Dem Grau ein Ende: Neukölln muss noch bunter werden!

Wer auf zwei gesunden Beinen unterwegs ist, nimmt sie gar nicht wahr: die beiden Stufen vor dem Eingang zum Friseur und die hohen Türschwellen innerhalb des Lieblings-Cafés oder -Restaurants. Sie werden schlichtweg übergangen statt als potenzielle Hürden Beachtung zu finden. Und über die äußerst beengten Verhältnisse im WC des Kinos um die Ecke ärgert man sich vielleicht kurz, tut sie dann aber mit der naturgemäßen bzw. architektonisch bedingten Endlichkeit von Räumen ab.

screenshot wheelmap berlin-neukölln

Nord-Neukölln (Screenshot von wheelmap.org)

Entschieden schwieriger ist die Sache für Men- schen, die mit einer Mo- bilitätseinschränkung le- ben müssen. Für die sich der Begriff No-go- Area nicht am Krimina-litätsatlas orientiert, son- dern daran, inwieweit ein Ort rollstuhlgerecht ist. Dieser Aspekt war Impulsgeber für den Ver- ein Sozialhelden, das  Projekt wheelmap.org  anzuschieben. Es könne doch nicht sein, dass Gastronomie-Webseiten zwar über die Speisen-Angebote informieren, nicht aber darüber, ob es für Rollstuhlfahrer wie ihn überhaupt möglich ist, durch die Tür zu raul krauthausen, foto: wheelmap.orgkommen, ärgerte sich Sozial-helden-Gründer Raul Krauthausen damals. Im September 2010 ging die Online-Karte wheelmap.org an den Start, die öffentliche Orte aufführt und Transparenz über deren bauliche Hindernisse verschafft. Ein Service, der nicht nur für die rund 1,6 Millionen Rolli-Fahrer in Deutschland von ho- hem Nutzwert ist, sondern auch den Alltag von Müttern oder Vätern mit Kinderwagen und Menschen mit Gehbehinderungen und Rollatoren planbarer macht.

Zugleich will das mehrfach ausgezeichnete Projekt Behörden, Gastronomen und Hotelliers, Einzelhändler und Kulturort-Betreiber sensibilisieren, ihre Einrichtungen auf die Rollstuhlgerechtigkeit hin abzuklopfen. Beim im Dezember letzten Jahres am U-/S-Bahnhof Neukölln er- öffneten 2A Hostel floss das Augenmerk auf die Zielgrup- pe der Menschen mit Behin- derungen bereits in das Konzept und die Planung ein: Alle öffentlichen Berei- che des Hauses sind bar- rierefrei. In der – selbstver- ständlich per Aufzug erreich- baren – 1. Etage wurden zudem zwei geräumige Zimmer mit Dusche und WC explizit für Gehandicapte und ihre Begleitpersonen ausgestattet. Grund genug, die Markierung des Hostels auf der wheelmap-Karte zu aktualisieren: Aus dem Grau wurde heute ein Grün.

Jeder kann – ohne vorherige Registrierung – dazu beitragen, dass Neukölln auf der wheelmap.org-Karte wesentlich bunter und die Orientierung für Menschen mit Mobilitätseinschränkung im Bezirk erleichtert wird: Einfach bekannte, noch grau markierte Örtlichkeiten anklicken und nach dem Ampel-System bewerten oder neue Lokalitäten in die Karte eintragen.

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