Prominente Schnippelhilfen im Neuköllner Ricam Hospiz

rettig_becker_brueckner_giffey_ricam-hospiz neukoellnAn Neuköllns Bezirksbürgermeisterin lag es nicht, dass am Johannistag das Mittagessen im Ricam Hospiz verspätet auf den Tisch kam. Und Thomas Brückner (2. v. r., neben Ricam-Chefin Dorothea Becker) war ebenfalls unschuldig daran. Auch Frank Winkler und Klaus Rettig, die Köche des Hauses, waren zunächst im Plan, um pünktlich um halb 1 auftischen zu können. Doch dann mussten sie erfahren, dass ein Pressetermin die gewohnten Arbeitsabläufe gehörig ins Wanken bringen kann.

Insofern lieferten Dr. Franziska Giffey und der Estrel-Direktor also schon die Ursache für die Verzögerung. Denn sie hatten bei der letzten Hospizgala verabredet, an diesem Tag gemeinsam für Ricam-Patienten und die Sponsoren der Hospizküche Weiterlesen

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Wanderung zu Orten des Abschieds in Neukölln

gradwanderung neukoellnSchon über den Namen der Veranstaltung stolperten manche: „Gradwanderung“. Es hätten einige Leute angerufen, um  darauf hinzuweisen, dass zwischen a und w ein t und kein d  gehöre, sagt Sophia Trier vom Fachbereich Kultur des Bezirksamts Neu- kölln, der den „Spaziergang zu Orten des neuer luisenstädtischer friedhof neuköllnAbschieds“ veran-staltet. Eigentlich war ihre Telefonnummer nur angegeben worden, um Anmeldungen für die Tour zentral sammeln zu können. Nun ist bei ihr nicht nur zu erfahren, dass man ein BVG-Ticket bzw. Kleingeld dafür mitbringen sollte, sondern auch, dass der vermeintliche Schreibfehler keiner ist: Weiterlesen

Ein Netz und Nest für unheilbar Kranke: Vivantes Klinikum Neukölln eröffnet eine Palliativstation

haupteingang vivantes klinikum neuköllnKeine Station ist weiter vom Haupteingang entfernt. Zwischen dem Entree zum Vivantes Klinikum Neukölln an der Rudower Straße und dem Pavillon 12, wo am 5. Januar die ersten Palliativpatienten aufgenommen werden, liegt gelände vivantes neukölln_städt kliniken neuköllnein Spaziergang über das parkartige Ge- lände, das vor über 100 Jahren für das Krankenhaus Rixdorf angelegt wurde. Pal- liativpatienten, d. h. Menschen mit der Diagnose einer schweren, unheilbaren Krankheit, bräuchten ein „abgerundetes Angebot, das nicht durch den Notfall nebenan unterbrochen wird“, sagt Christian Dreißigacker. Wunderschön sei die Station geworden, eine völlig andere Atmosphäre als alle anderen Weiterlesen

Ausgezeichnet: Neukölln hat sechs neue Ehrennadel-Träger

137 Träger der Neuköllner Ehrennadel gab es bis gestern. Seit gestern sind es sechs mehr: Bei einer Feierstunde im Schloss Britz verliehen Bezirksbürgermeister Heinz Buschkowsky und Bezirksverordnetenvorsteher Jürgen Koglin die höchste neuköllner ehrennadel-verleihung 2012Auszeichnung für Menschen, die sich um den Bezirk verdient gemacht haben, an Soran Ahmed, Beate Hau- ke, Christian Korb, Lam-Thanh Ly, Brigitte Merten und Peter Renkl.

Aber wie kommt man überhaupt an diese Ehrung, wenn man sie denn will? „Geehrt werden besonders Per- sonen, die langjährig auf dem Gebiet des kulturellen, sozialen, religiösen, wirtschaftlichen, sportlichen, gesell- schaftspolitischen und partnerschaftlichen Bereichs im Sinne Neuköllns tätig gewesen sind“, erklärt Andrea Liedmann aus dem Büro des Bezirksbürgermeisters. Politische Funktionen und Mandate seien für eine Ehrung nicht hinreichend.

Vorschläge für Auszuzeichnende, die samt einer kurze Begründung sowie einer Biographie der betreffenden Person an das Bezirksbürgermeister-Büro zu richten sind, könnten von Vereinen, Vereinigungen oder anderen Organisationen gemacht neuköllner ehrennadelwerden. Wer letztlich die Neuköllner Ehrennadel bekommt, werde dann von einem Gremium entschieden, das sich aus dem Bezirksverordne-tenvorsteher, der stellvertretenden Bezirksver-ordnetenvorsteherin, dem Bezirksbürgermeister und dem stellvertretenden Bezirksbürgermeister zusammensetzt.

Begünstigungen sind mit der Mini-Trophäe fürs Revers, die seit 1984 einmal jährlich verliehen wird, nicht verbunden. Allein mit der Ehrennadel und einer feierlichen Zeremonie müssen sich die Ausgezeichneten aber auch nicht begnügen: Sie erhalten zusätzlich eine Urkunde, werden ins Ehrennadelbuch eingetragen und im Foyer der 2. Etage des Neuköllner Rathauses namentlich auf einer Messingtafel verewigt. So wie vor ihnen bereits Wolf Henri, der Schmied vom Richardplatz, der heute 100 Jahre alt geworden wäre, Victor Kopp, der Eigentümer der Neuköllner Passage, die ehemaligen SG Neukölln-Schwimmerinnen Cathleen Rund und Britta Steffen, der Ex-Profiboxer Oktay Urkal, die Ricam Hospiz-Gründerin Dorothea Becker, der Schriftsteller Horst Bosetzky, Konrad Tack, der ehemalige Geschäftsführer des JobCenters Neukölln, der Sprach- woche-Initiator Kazim Erdogan und Christina Rau, die Schirmherrin des Campus Rütli – um nur einige zu nennen.

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Verdienstmedaille für eine Neuköllnerin: „Ich find’s maßlos übertrieben!“

Eigentlich sollte Helga Schneider schon vor einigen Wochen mit der Verdienst- medaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet werden. „Das hab ich aber erst ’ne halbe Stunde vor dem Termin erfahren und das war mir dann doch ein bisschen zu kurzfristig“, sagt die 72-Jährige. Amüsiert erzählt sie von den Irrungen und Wirrungen, die durch ihren Umzug innerhalb Berlins ob der fehlenden Koordination zwischen den gelben und grünen Briefzustellern ent- standen waren: „Mein Nachsendeantrag funktionierte zwar bei der Post einwandfrei, aber von dem wusste die PIN AG nichts, die die ganzen Schreiben vom Senat immer weiter lustig in meinen alten Briefkasten stopfte.“ Bis sich eine ehemalige Nachbarin der Sache annahm. „Das sieht alles so offiziell aus. Du kriegst bestimmt ’nen Orden“, habe die Frau geunkt, bevor sie auf Helga Schneiders Anweisung die Ku- verts öffnete und ihr telefonisch mitteilte, dass der Spaß Ernst sei und die Zeremonie bereits in einer halben Stunde beginnen solle. Die Neuköllnerin ließ den Termin verstreichen, setzte sich dann aber am nächsten Tag mit der Senatsver- waltung in Verbindung.

„Denen hab ich erstmal gesagt, dass ich es maßlos übertrieben finde, dass ich die- se Auszeichnung für mein ehrenamtliches Engagement bekommen soll, weil es viele gibt, die genauso viel oder noch mehr leisten“, erinnert sich Helga Schneider. Seit vielen Jahren ist die pensionierte Krankenschwester für das Berliner Herz, die Bürgerstiftung Neukölln und das Ricam-Hospiz tätig.

Ersteres, ein ambulantes Kinderhospiz, sei eine absolute Herzensangelegenheit und die ehrenamtliche Aufgabe, die ihr mit Abstand am wichtigsten ist: „Man kriegt da so viel zurück, wenn man sich auch nur stundenweise um schwerstkranke Kinder kümmert und den Eltern und Geschwistern dadurch die Möglichkeit schenkt, zu- mindest sporadisch ein Stück ganz normales Leben zu haben.“ Momentan kommt eine Familie im Norden Berlins jeden Dienstag in diesen Genuss. Im Ricam-Hospiz sind es vorwiegend die Pflanzen, die von Helga Schneiders Lebenselixier, Gutes tun zu wollen, profitieren. Zweimal wöchentlich wird sie dort als Blumenfee aktiv und sorgt dafür, dass die botanische Pracht, die viel zur Atmosphäre des Hauses beiträgt, wächst und gedeiht. Indes ist ihr Engagement bei der Bürgerstiftung Neukölln vor allem Spaß und Entspannung in eigener Sache: Sie helfe da beim Trödelstand mit und mache was fürs Büffet, wenn Feste sind.

„Was soll ich denn sonst tun? Ausm Fenster gucken? Oder Kreuzfahrten machen?“, fragt Helga Schneider. „Was Langweiligeres gibt’s doch gar nicht.“ Außerdem seien weite Reisen ohnehin kein Thema mehr für sie. „Die hab ich früher gemacht, vor vier Jahren die letzte. Heute kann ich in meinem Wohnwagen im Spreewald am besten auftanken.“ Sie klingt dabei wie eine, die mit ihrem Leben einfach zufrieden ist und das Glück, dass es ihr gut geht, tag- täglich lebt.

Seit gestern darf sich Helga Schneider „Trägerin der Bun- desverdienstmedaille“ nennen. Senatorin Carola Bluhm verlieh ihr die Auszeichnung im Namen von Bundespräsident Christian Wulff – nebst einer Urkunde. „Und einer Gebrauchsanleitung, in der genau steht, wie sie zu tragen ist“, erzählt sie lachend. Für Damen gelte, dass die Medaille bei öffentlichen Anlässen genau eine Handbreit unter dem Schlüsselbein auf der linken Seite anzubringen sei. „Ich finde die Auszeichnung zwar immer noch maßlos übertrieben“, sagt Helga Schneider, „habe sie aber angenommen – für alle, die namenlos und verdienstmedaille des bundesverdienstkreuzes der bundesrepublik deutschland,helga schneider,carola bluhm,berlin,neuköllnungeehrt ehrenamtlich aktiv sind.“

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Die letzte Adresse

ricam-hospiz, neukölln, tag der offenen türBerlin-Neukölln, Delbrückstraße 22. Für alle, die in der 5. Etage des Hauses ein Zimmer beziehen, ist diese Adresse die letzte. Denn hier, über den Dä- chern des Ortsteils Neubritz, hat vor 13 Jahren das Ricam Hospiz eröffnet. Damals war es das erste Hospiz in Berlin, inzwischen gibt es neun Ein- richtungen im Stadtgebiet, die auf die medizini- sche Versorgung, Betreuung und ricam-hospiz, neuköllnPflege Todkranker spezialisiert sind.

Alle haben, wie es gesetzlich für Hos- pize vorgeschrie- ben ist, 12 bis 16 Zimmer. Das Ricam Hospiz hat 15; jedes ist ein Einzelzimmer. An die meisten schließt sich ein ricam hospiz, neukölln, dachterrasseeigenes Stück Dachterrasse an, vor allen Türen hängt ein kleiner Stern aus Papier. Wer will, kann so- gar sein Haustier mitbringen, um es auf der letzten Etappe des Lebens bei sich zu haben.

Fünf Frauen und zehn Männer im Alter zwischen 46 und 82 Jahren gehen ihren finalen Weg derzeit im Ricam Hospiz. „Dieses Zahlenverhältnis hab ich vorher noch nie erlebt“, sagt Karen Marsollier, die stellvertretende Pflegedienstlerin. Woran es liegt, dass die Verhältnisse momentan auf den Kopf gestellt sind, kann sie sich nicht erklären. Aber eigentlich spiele es auch keine Rolle. Größere  Effekte auf die Pa- tienten habe ohnehin die Altersspanne. Die tut allen gut, stellt sie immer wieder fest.

Gelegenheiten das Miteinander der Menschen zu beobachten, die die Diagnose „austherapiert“ eint, haben die Mitarbeiter und rund 35 ehrenamtlichen Helfer ricam-hospiz, neukölln, dachterrasse, neubritzreichlich. Die Mahlzeiten können in den Zimmern, aber auch in der Wohnküche mit Blick auf das Wirbeln des Kochs eingenommen werden, der den Speiseplan weitgehend nach Anregungen der Patienten gestaltet. Im Sommer ist der große Dachgarten ein zusätzlicher, gerne genutzter Gemeinschaftsraum, der ein Stück Normalität bietet und Leben in die Prozesse des Sterbens holt.  Sel- biges schaffen auch Schülergruppen, die häufig im Ricam Hospiz anzutreffen sind, um den Patienten Gesellschaft zu leisten, mit ihnen zu backen, zu spielen, zu lesen ricam-hospiz, neuköllnoder einfach nur zu reden. „Gleichzeitig tragen die jungen Leute aber durch ihr Engagement auch das Thema Sterben in ihren Alltag und die Welt“, weiß Karen Marsollier.

Im Ricam Hospiz ist das Sterben Alltag. Fast alle Patienten haben Krebs im Endstadium und den Tod in Sichtweite. Die Geschwindigkeit, mit der sie sich ihm nähern, variiert, kann nur wenige Tage aber auch Wochen dauern. Viele Kranke haben sich schon lange vor ihrem Einzug angemeldet. Ob der nicht eben kurzen Warteliste  muss meist die Dringlichkeitsstufe über die Aufnahme entscheiden.

Eine brennende Kerze und ein Blumenstrauß vor der Tür zeigen an, welches Zimmer als nächstes frei wird. Wer das, so Hospizleiterin Dorothea Becker, „außerordentlich beschwerdereiche letzte Ende“ hinter sich ge- bracht hat. Was bleibt, sind Erinnerungen und der namentlich gekennzeichnete Papierstern, der vor der Zimmertür hing.

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