Hinter einer hohen Mauer am Columbiadamm

pyramidengarten neukoellnEine Gruppe gärtnerisch, sozial und politisch engagierter Menschen gründete 2007 den inter-kulturellen Pyramidengarten am Columbiadamm, um sich nahe am Nord-Neuköllner Kiez zwischen Sehitlik Moschee und Tempelhofer Feld, mit ange-bautem Gemüse, Früchten, Kräutern und Blumen teilweise selbst zu versorgen. „Der Pyramiden-garten ist mehr als ’nur‘ Garten. Unser Garten ist ein Lernort, wo wir vorurteilsfrei und respektvoll miteinander umgehen und von-einander lernen wollen“, teilt der Verein, dem derzeit 40 Mitglieder mit Weiterlesen

Jetzt als Buch: die typische bunte Neuköllner Mischung

stadtgespräche aus neukölln_gmeiner-verlagWas hat Neukölln mit München, Itzehoe, Rosen- heim, Hamburg, Balingen, Kempten und Wien gemeinsam? Auf den ersten Blick sicher nicht viel, auf den zweiten aber liefert das Programm des Gmeiner-Verlags aus der oberschwäbi- schen Kleinstadt Meßkirch eine Antwort: In dessen Stadtgespräche-Reihe steht Neukölln nun zwischen München und Rosenheim – oder, bei aufsteigender chronologischer Sortierung, ganz vorne.

„Die Idee entstand schon vor etlichen Jahren, kurz nachdem ich nach Neukölln gezogen war“, erzählt Michaela Behrens, die Autorin der Neu- köllner Stadtgespräche. „Seitdem wollte ich im- mer gern ein Buch machen, in dem Bewohner des Bezirks von ihrem alltäglichen Leben erzählen: was sie umtreibt, was sie freut oder traurig macht.“ Als sie 2013 von der neuen Gmeiner-Reihe erfuhr, Weiterlesen

Pflicht, Kür und ein Geschenk für den Weihnachtsmann

weihnachtsbaum_adventsbasar körnerpark_neuköllnAuf den ersten Blick gibt es nur wenig Gemeinsames zwischen dem Alt-Rixdorfer Weihnachtsmarkt auf dem Richardplatz und dem Weihnachtsbasar im aufbau_adventsbasar körnerpark_neuköllnKörnerpark: Ersterer dauert drei Tage, hat eine lange Tradition und ist ein Besucher-Magnet. Letzterer ist nach drei Stunden vorbei, eher familiär und gemütlich, und gestern fand er erst zum 7. Mal statt. Was jedoch beide eint, ist, dass kommerzielle Anbieter keine Chance haben, einen der Marktstände zu ergattern, wobei die des Weihnachtsbasars im Körnerpark fast durchweg sozialen oder Weiterlesen

Weihnachtsstimmung, Aquaplaning und Kurt Krömer im Körnerpark

1_weihnachtsmarkt körnerpark_neukölln3_weihnachtsmarkt körnerpark_neuköllnEngel, ein Weihnachtsmann, der kleine Gaben an Kinder ver- teilte, rund 20 Marktstände, an denen von Initiativen aus dem Kiez Dinge für das leibliche Wohl sowie für Geschenke-sucher angeboten wurden, ein kleines stimmungsvolles Büh- nenprogramm und Kurt Krö- mer als Stargast, der den Weihnachtsmarkt im Körnerpark blesing+lautenschläger+krömer_weihnachtsmarkt körnerpark_neuköllnzusammen mit Neu- köllns Baustadtrat Tho- mas Blesing (l.) und Ulli Lautenschläger (M.) vom Quartiersmanagement eröffnete.

Es hätte alles so schön werden können vorgestern Nachmittag. Doch dann kam erst das Tauwetter, das den zuvor verschneiten  Platz  vor der  Orangerie in  eine hochgradig  glitschige Seenlandschaft  verwandelte, und  pünktlich  zum Beginn der Veranstaltung

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gesellten sich noch Niesel- und Regenschauer dazu. Alles zusammen führte dazu, dass  nicht nur die Bänke vor der Bühne  weitgehend unbesetzt blieben, sondern der

nogat-singers_weihnachtsmarkt körnerpark_neukölln6_weihnachtsmarkt körnerpark_neuköllnsultaninen-chor_weihnachtsmarkt körnerpark_neukölln

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Markt insgesamt wesentlich weniger Besucher als in den Vorjahren anzog bzw. deren Verweildauer drastisch reduzierte. Einer, der sich jedoch völlig unbeeindruckt davon 7_weihnachtsmarkt körnerpark_neuköllnkurt krömer+weihnachtsmann_weihnachtsmarkt körnerpark_neuköllnzeigte, war Kurt Krömer, der am Vortag der Pre- miere von „Die Abenteuer des Huck Finn“, sei- nem ersten Kinder-Kinofilm, stundenlang über den Markt watete und geduldig jeden Auto- gramm- und Fotowunsch erfüllte. Damit be- wies er wieder einmal, dass die Patenschaft für den Körnerkiez etwas ist, wofür er mehr als seinen Namen zu geben bereit ist.

=ensa=

Grüne Oase mit Warteliste

pyramidengarten neukölln, multikultureller nachbarschaftsgarten neukölln columbiadammNein, die Schuhe, die auf der Mauer neben dem Tor zum Pyramidengarten Neukölln stehen, sind keine Fund- stücke, die auf ihre Abholung warten. Die seien im letzten pyramidengarten neuköllnJahr für die Aktion „Grüner Kiez – Los geht’s“ be- pflanzt gewesen, erklärt Christian Hoffmann. Er ist Vorsitzender des Vereins, der den 2007 gegründeten multikulturellen Nachbarschaftsgarten betreibt. Damals gab es mit dem von griechischen Senioren initiierten Interkulturellen Garten Perivoli nur ein einziges Projekt im Bezirk, das auf  ge- meinsames Gärtnern  setzte und eine  Alternative zum Schrebergarten  bot: „Wir fanden, dass es für so etwas auch im Norden von Neukölln einen Bedarf gibt, und lehmofen pyramidengarten neukölln, multikultureller nachbarschaftsgarten neukölln columbiadammpachteten vom Bezirksamt das brach- liegende Grundstück, auf dem vorher eine Friedhofsverwaltung war.“

Insgesamt 2.550 Quadratmeter ist es groß, etwa 1.000 davon nutzt der Stein- bildhauer Marcus Leicher, auf der rest- lichen Fläche rund um das Vereins- pyramidengarten neukölln, multikultureller nachbarschaftsgarten neukölln columbiadammhaus mit dem pyramidenför- migen Dach grünt und blüht es. Gemüse, Obst, Kräuter und Blumen gedeihen auf den Beeten, die von den Vereinsmitgliedern bewirtschaftet werden. Wer den Garten als Mitglied nutzt, zahlt pro Jahr einen Mindestbeitrag von 60 Euro, maximal ist es das Dreifache. „Die Nachfrage ist groß“, sagt Christian Hoffmann. „Wer momentan bei uns mit dem Gärtnern anfangen will, muss auf die Warteliste, weil alle Parzellen vergeben sind.“  Mit dem Wunsch, auf einer eigenen Scholle dem Urban Gardening zu frönen, ist es allerdings im  Pyramidengarten nicht getan: Wer hier einsteigt, muss auch die  Bereit-

pyramidengarten neukölln, multikultureller nachbarschaftsgarten neukölln columbiadamm pyramidengarten neukölln, multikultureller nachbarschaftsgarten berlin-neukölln columbiadamm pyramidengarten neukölln, multikultureller nachbarschaftsgarten neukölln columbiadamm

schaft mitbringen, sich um die  Pflege der gemeinschaftlich genutzten Flächen und Einrichtungen zu kümmern. Das Vereinsheim, das auch für Feiern und Workshops bereitsteht, und die Gartengeräte müssen in Schuss gehalten, gelegentlich keine Reparaturen ausgeführt, Obstbäume abgeerntet und die Früchte verarbeitet werden. Bestenfalls folgen der bekundeten pyramidengarten neukölln, multikultureller nachbarschaftsgarten neukölln columbiadamm, dr. christian hoffmannBereitschaft zum Wohle der Gemeinschaft dann auch Taten: „Das klappt natürlich leider nicht immer, ist aber normal bei der Arbeit in Vereinen.“

40 Kilogramm Weintrauben hätten die Reben auf dem Grundstück im letzten Jahr getragen, erinnert sich Christian Hoffmann. Massenweise Obst und insektenhotel pyramidengarten neukölln, multikultureller nachbarschaftsgarten neukölln columbiadammGemüse sei eingekocht und als Marmeladen oder Chut- neys zubereitet worden, um sie auf Märkten und Kiez- festen zu verkaufen. Das gilt auch für den Honig, den die Bienen produzieren, die im Insektenhotel des Pyramidengartens einchecken. Ein  Lern- und Lehrort sei das Kleinod bereits – nicht nur für die Vereinsmitglieder und ihre Familien. Etwa ein Drittel von ihnen bringt durch einen Migrationshintergrund Leben in den multikulturellen Ansatz. Außerdem seien oft Gruppen oder Studenten zu Gast, um sich über die praktische Umsetzung von Nachbarschaftsgärten zu informieren. Auch von Projekten aus anderen Kiezen werde der Pyramidengarten häufig genutzt: Am ersten Juli-Wochenende kommen die  Coolen Kids  zu Übernachtung und Klima-Frühstück, im August startet eine längerfristige Kooperation mit Marions Kochtheater und dem FABIZ Familienbildungszentrum. „Auf solche Vernetzungen haben wir schon immer großen Wert gelegt“, sagt pyramidengarten neukölln, multikultureller nachbarschaftsgarten berlin-neukölln columbiadammHoffmann. „Davon lebt unser Projekt.“

In manchen Fällen ist das durchaus wörtlich zu neh- men: Gedüngt werde hier mit  Mist aus dem Tierpark pyramidengarten neukölln, multikultureller nachbarschaftsgarten berlin-neukölln columbiadammNeukölln. In anderen wird das Networking-Engagement mit Man- power und Projektgeldern belohnt, die zur Finan- zierung des Gartens beitragen. „Schön wäre es“, findet Christian Hoffmann, „wenn der Pyramidengarten noch verstärkter als Treffpunkt genutzt werden würde.“ Aber leider wüssten viele ja gar nicht, was für eine grüne Oase sich hinter der hohen, roten Mauer am  Columbiadamm  versteckt.

Jeden  Sonntag  ist im  Pyramidengarten Neukölln  ab 14 Uhr Tag der offe- nen Tür. An jedem  ersten Sonntag des Monats  können auch Gäste nach Voranmeldung aus mitgebrachtem Teig im  Lehmofen  Brote backen.

=ensa=

Regen, Hagel, Kälte, Böen und rare Lichtblicke

2. ostermarkt schillerkiez, pro schillerkiez e.v., schillermarkt, neukölln, wetter-kapriolenWodurch nur, fragen sich die Leute vom Pro Schillerkiez, haben wir es uns mit dem Wettergott so dermaßen versaut? „Bei unserem Adventsmarkt am 26. November war es wärmer“, meint Beate Hauke, die Vorsitzende des Vereins, und liegt damit richtig.  Damals schaffte es die Temperatur locker über die 5 Grad-Hürde, vorgestern 2. ostermarkt schillerkiez, pro schillerkiez e.v., schillermarkt, neukölln, grognicht. So geriet der am Oster- samstag vom Pro Schillerkiez veranstaltete Ostermarkt auf dem Neuköllner Herrfurthplatz zu einer skurrilen Mischung aus Winter- und  Frühlings-Event.

Heißer Grog, leuchtende Primeln, Sonnenbrillen, Hand- schuhe, Regenschirme und Wetter in seiner ganzen Viel- falt – wer Gegensätze mag, 2. ostermarkt schillerkiez, pro schillerkiez e.v., schillermarkt, neukölln, japanische kirschehatte reichlich Gründe, sich auf dem Markt wohlzufühlen. Doch viele waren es nicht, die das Kontrastprogramm zu schätzen wussten. „Der Markt war einfach kein Ort, an dem man sich gerne längere Zeit aufhalten wollte“, muss Beate Hauke einräumen. Noch härter als die Besucher, die nach eigenem Gutdünken kommen und gehen konnten, traf es aber die Menschen hinter den Marktständen, die Kunst, Handarbeiten, Gebasteltes und Selbstgebackenes oder -gekochtes unters Volk bringen wollten.

Während sich die professionellen Markthändler, die Woche für Woche auf dem Markt im Schillerkiez ihre Produkte anbieten, längst an Wetter-Kapriolen und die 2. ostermarkt schillerkiez, pro schillerkiez e.v., schillermarkt, neuköllndortigen äußerst ungemütlichen Windverhältnisse gewöhnt haben, wurden sie für die Amateure zur Herausforderung. „Was wir vergessen haben, sind Styroporplatten zum Draufstellen, gegen die Kälte von unten“, bedauert Christian Hoffmann vom Pyrami- dengarten Neukölln. „Und das Bedrucken der Etiketten per Tintenpisser war auch 2. ostermarkt schillerkiez, pro schillerkiez e.v., schillermarkt, bio-honig pyramidengarten neukölln, neuköllnkeine gute Idee.“ Eini- ge der Chutney-, Honig- und Marmeladengläser haben ziemlich unter den Regen- und Hagelschauern gelitten, die vom Wind quer  durch die Stände gedrückt wurden. Andere packten gar nicht erst ihr komplettes Sortiment aus oder gaben vorzeitig entnervt, durchge- 2. ostermarkt schillerkiez, pro schillerkiez e.v., schillermarkt, neuköllnfroren und mit von der Feuchtigkeit lädierten Bildern auf. Auch dem Pro Schillerkiez-Infostand musste zwischendurch wieder zu Stabilität ver- holfen werden – bis eine Böe ihn knapp zwei Stunden vor dem Ende des Markts völlig zerlegte.

„Das mit dem Wind ist auf der östlichen Seite des Herrfurthplatzes ein großes Problem“, sagt Beate Hauke. Kommt der vom Tempelhofer Feld, drückt er sich  an der Genezareth-Kirche vorbei durch die Herrfurth- in Richtung Hermannstraße. Noch kritischer ist es, wenn – wie Samstag – mehr als ein laues Lüftchen aus Nordwest weht und mit der Schillerpromenade eine weitere Schneise ins Spiel kommt. Das Ergebnis sind kräftige Turbulenzen auf dem Marktplatz. Der vorgestern erstmals von der Markt- verwaltung Perske gestartete Versuch, den Wind durch einen parkenden LKW zu stoppen, kann wohl nur als gescheitert betrachtet werden. Effektiver wäre es sicher, wenn der Markt ganz auf die gegenüberliegende Seite umzöge, wo es meist 2. ostermarkt schillerkiez, pro schillerkiez e.v., schillermarkt, neuköllnerheblich windstiller und zudem länger sonnig ist – wenn die Sonne scheint.

Dass der Ostermarkt bei besseren äuße- ren Bedingungen für die Händler lukra- tiver  und die Besucher attraktiver ge- wesen wäre, wissen die Organisatoren des Pro Schillerkiez. Schließlich haben sie es beim ersten Ostermarkt im letzten Jahr 2. ostermarkt schillerkiez, pro schillerkiez e.v., schillermarkt, neuköllnerlebt, bei dem T-Shirt-Wetter herrschte, die Sonne mit den Mienen der Marktbesucher um die Wette strahlte, die Hasen in ihren Plüschkostümen schwitzten statt froren und die Mühen der wochenlangen Vorberei- tungen mit einem schönen Fest belohnt wurden.

Auch den Stress der Organisation eines kleinen Kulturprogramms hätten sich die Veranstalter rück- blickend für die zweite Ostermarkt-Auflage sparen können. Für die Tontechnik, die  die Sängerin Milistu für ihre Chansons und die Teilnehmer einer Schreibwerkstatt für ihre Lesung gebraucht hätten, war es unter freiem Himmel zu nass. Für die Outfits der Familie Khajuria, die auf dem Markt indische Tänze präsentieren wollte, zu nass und zu kalt. „Hätte es nicht kurzfristig die Möglichkeit gegeben, die Auftritte nach nebenan ins Café Selig zu verlegen“, so Hauke, „hätten wir sie ganz absagen müssen.“ Dem Streben der Veranstalter, die Attraktivität des Schillermarktes durch künstlerische und kulturelle Angebote zu steigern, half es dort aber gewiss nicht.

Im nächsten Jahr fällt der Ostersamstag auf den 30. März. Damit steht also schon jetzt fest, dass der dritte Ostermarkt  launischem April-Wetter knapp entgehen wird.

=ensa=

So wird das nix!

feiermeile boddinstraße, neukölln, flughafenkiez-fest, umweltconsulting dr. hoffmann, green mobilityWer am vorletzten Wochenende die „Feiermeile Boddinstraße“ besucht hat,  bekam dort am Stand des Neu- köllner Pyramidengartens einige Mög- lichkeiten präsentiert, wie sich All- tagsutensilien zu mobilen Klein- oder Kleinstgärten umfunktionieren las- sen.

Die liebevoll gestalteten Exponate der GreenLandArt-Aktion unter dem Motto GreenMobility – ein Schuh, ein Rol- lator und ein Einkaufswagen – verfehlten ihre Wirkung nicht. Wie sich bereits jetzt greenmobility neuköllnsporadisch auf Neuköllner Bürgersteigen zeigt, haben sie manchen zur Nachahmung inspiriert.

Dieser äußerst minimalistisch angegan- gene Versuch, zu einem grünenden blü- henden Kleinod zum Mitnehmen zu kom- men, dürfte allerdings scheitern. So wie der Traum eines Bewegungslegasthenikers Akrobat zu werden.

=ensa=

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