Ein Hauch von Oranje in Neukölln

Es sind – abgesehen von der Britzer Mühle, einer vor fast 150 Jahren erbauten Hol- ländermühle – vornehmlich dezente Spuren, die in Neukölln auf niederländische Einflüsse hinweisen: Moghul Rikschas bezieht seine Lastenräder aus dem Land, in dem  heute König Willem-Alexander Königin Beatrix ablöst und  Troonswisseling  ge-

britzer mühle_neukölln

feiert wird. Vor dem Rathaus des Bezirks ist das Wappen der Neuköllner Partnerstadt Zaanstad zu finden, und der Künstler Marc van der Kemp, der das Sowieso Neukölln betreibt, stammt aus dem Land der Tulpen, Klompen, Grachten und Poffertjes, des Käses und Campingurlaubs. Sonderlich viele Landsleute sind es nicht, die sich ebenfalls in Neukölln niedergelassen haben: Gerade mal 487 ermittelte das Amt für Statistik Berlin-Brandenburg zum letzten Jahreswechsel. 18 davon sind älter als 65; fast so viele Windmühlen – nämlich 16 – drehten sich einst in Neukölln.

Prokrastination leicht gemacht

Für Neuköllner, die etwas auf die lange Bank schie- ben wollen, sind die Mög- lichkeiten beschränkt, das innerhalb des Bezirks zu tun. Auch die vor 34 Jahren von den Partnerstädten An- derlecht, Boulogne-Billan-court, Hammersmith, Mari- no und Zaanstad gespen- dete Bank im Rathaus Neukölln ist  – wenn über- haupt – nur unwesentlich länger als eine handels- übliche Parkbank.

Geradezu himmlische Be- dingungen bieten sich eif- rigen Prokrastinierern da- gegen am Bahnhof Süd- kreuz im Nachbarbezirk Tempelhof-Schöneberg. Dass deshalb dort alles ein wenig länger dauert als in Neukölln, darf aber bezweifelt werden.

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