Im Neuköllner Ilsenhof geboren – und geblieben

neukoellner leuchtturm_neukoellnAlle zwei Wochen treffen sich donnerstags Menschen aus dem Körnerkiez zum Erzählcafé im Neuköllner Leuchtturm. Das vom Quartiersmanagement Körner-park geförderte Projekt geht auf eine Initiative von Christiane Borgelt zurück, die zu jedem Termin einen Gast einlädt, in gemütlicher Runde von seinem Leben zu erzählen. Der Fokus liege auf einer sehr persön-lichen Sicht auf die Dinge, einem gegenseitigen Austausch und neuen Erkenntnissen, beschreibt die Stadtplanerin ihre Intention.

Am vergangenen Donnerstag war es Anneliese Gergs, die knapp einem Dutzend Interessierter Einblicke in ihr Leben gewährte: Hoch-konzentriert und chronologisch berichtete die fast 86-Jährige 1 1/2 Stunden lang von ihrem spannenden Werdegang, der 1930 im Ilsenhof im Weiterlesen

Späte Ehrung für frühe Kletterkünste

Viel Zeit war nicht, um sie zu entdecken. Nur drei Tage lang zierten 13 blaue Kera- mikkacheln den Körnerpark: Die deutsch-kanadische Künstlerin Belle Santos hatte bernhard thieß_the blue plaque_körnerpark neuköllnsich mit den Objekten namens The Blue Plaque am letzten Wochenende am B_Tour Festival beteiligt, das zu experimentellen geführten Stadttouren einlud.

Auch Bernhard Thieß, der bis vor we- nigen Wochen zusammen mit seiner Frau den Neuköllner Leuchtturm be- trieb, widmete die Künstlerin eine ihrer blauer Kacheln, die Weiterlesen

Auf dem Weg zu Empathie und Aussöhnung

ausstellung "speaking to one another", galerie im saalbau neuköllnDie gemeinsame Vergangen- heit der Türkei und Armeniens ist alles andere als unbelastet. Die Folgen der Ereignisse, die inzwischen rund 100 Jahre zu- rückliegen, überschatten das Verhältnis der beiden Nachbar- länder noch heute. Hunderttau- sende Armenier wurden da- mals, in der Ära des Osmani- schen Reichs, deportiert und er- mordet, Überlebende wurden ihres Heimatlandes beraubt. Auf dieser von Gräuel- taten geprägten Epoche beruht die Wanderausstellung „Speaking to one another“, die – nach Stationen in der Türkei, Armenien, Georgien und Zypern – derzeit in der ausstellung "speaking to one another", galerie im saalbau neukölln, carmen beckenbach, meltem aslan, matthias klingenbergGalerie im Saalbau gezeigt wird.

„Vor drei Jahren begann die Arbeit an diesem einzigartigen Oral History-Projekt mit einer Sommerakademie für armenische und türkische Stu- denten in Armenien. 2010 fand ein zweites Camp in der Türkei statt“, erklärt Matthias Klingenberg (r.), Re- gionaldirektor des Instituts für Inter-nationale Zusammenarbeit des Deut- schen Volkshochschul-Verbandes. In nie zuvor dagewesener Offenheit, sagt er, hätten sich die Teilnehmer in gegenseitigen Interviews mit dem Verhältnis ihrer Heimat- länder zueinander, mit ihrer gemeinsamen Historie, den Traumata sowie der lokalen Geschichte der Region auseinandergesetzt. Auch Carmen Beckenbach (l.), Kuratorin der Ausstellung, zeigt sich angetan von den Ergebnissen der sehr persönlichen ausstellung "speaking to one another", galerie im saalbau neuköllnGeschichtsforschung der Studenten: „Durch die Au- thentizität und Intensität der dokumentierten Ge- spräche gelingt es, dass die Ausstellung über das geschriebene Wort funktioniert.“ Ergänzt werden die ausstellung "speaking to one another", galerie im saalbau neuköllndeutschen und türki- schen Texte durch Portrait- und Land- ausstellung "speaking to one another", galerie im saalbau neuköllnschaftsfotos sowie Vi- deos. Doch es gehe nicht allein darum, dass die Besucher mit der Situation in Türkei und Armenien konfrontiert werden, ausstellung "speaking to one another", galerie im saalbau neuköllnbetont die Kuratorin: „Diese Ausstellung soll nicht wie ein Raumschiff in Neukölln wirken, sondern gewisse Dinge in den Menschen hervorrufen, die sehen. Sie sollen angeregt werden, sich mit Fragen wie ‚Wer schreibt Geschichte?‘ oder ‚Ist Versöhnung mög- ausstellung "speaking to one another", galerie im saalbau neuköllnlich?‘ zu beschäftigen.“ Eigens dafür wurde im ersten Raum der Galerie ein runder Tisch auf- gestellt; die Bögen mit beantworteten oder gar neu aufgetauchten Fragen lassen die Installation immer weiter anwachsen und werden so zum Teil der Aus- stellung, die nach ihrem Intermezzo in Neukölln nach Paris weiterziehen wird.

Eindrucksvoll ist dieses so wichtige Ergebnis der Vergangenheitsbewältigung zweier Völkergruppen zweifellos, das den ersten Schritt zu Empathie und Aussöhnung zwischen Türken und Armeniern darstellen könnte. Ein Manko dürfte jedoch für manchen Besucher die Textlastigkeit der Ausstellung sein. Man muss schon viel lesen wollen (und können!), um Einblicke in das zentrale Kapitel der gemeinsamen Geschichte und dessen Folgen zu gewinnen.

„Speaking to one another“ ist noch bis zum 28. Oktober in der Galerie im Saalbau zu sehen; Öffnungszeiten: Di. – So. 10 – 20 Uhr.

=ensa=