Der schönste Tag im Jahr – Weihnachten mit Frank Zander

21. obdachlosenfest estrel berlin-neukoelln„Oooooaaah, is dit schööön!“, ruft die Frau direkt vor mir ihrer Begleitung zu, und ich bekomme schon eine Gänsehaut, bevor ich den Saal des Estrel Hotels, zu Frank Zanders 21. Weihnachts-feier für Obdachlose und Bedürf-tige, überhaupt betreten habe.

Letztes Jahr war ich nicht da. Zeitprobleme einer Studentin. Umso glücklicher bin ich, dass es dieses Jahr geklappt hat. Denn ich musste feststellen, dass für mich ohne dieses liebevoll arrangierte Fest mit seinen über 2800 Gästen und 250 Helfern Weiterlesen

Zum 20. Mal: Frank Zanders Weihnachtsfeier für Obdachlose und Bedürftige

1995, beim ersten Mal, waren es nur 150 Gäste, die kurz vor Weihnachten von Frank Zander begrüßt und mit einem Festmahl bewirtet wurden. Morgen, wenn der in Neukölln geborene und aufgewachsene Sänger und Entertainer zum 20. Mal Ob- dachlose und Bedürftige zur  Weihnachtsfeier  mit  Frank und mit Gänsekeulen, Rot-

frank zander_obdachlosenfest2011_estrel-hotel berlin-neukölln frank zanders obdachlosenfest 2011_estrel-hotel berlin-neukölln

kohl, Klößen, Bescherung und Bühnenprogramm einlädt, werden es wieder um die 3.000 sein, die mit warmen Worten, Händen und Umarmungen von ihm Weiterlesen

Ready for Take-off

Ob er im nächsten Moment abhebt, lieber noch eine Weile den Bundesadler imitieren oder sich ein wenig sonnen will, kann niemand vorhersagen. Selbst die Mitarbeiter vom Schloss Britz, gegenüber des Britzer Kirchteichs, nicht. Der Fischreiher (der nach

reiher_britzer kirchteich_neukölln

Information einer Leserin ein  Kormoran ist) wohne da quasi, schon seit Jahren, und sei ein richtig lustiger Vogel, der sich bestens aufs Entertainment der Passanten verstehe. Manchmal leiste ihm noch ein zweiter Gesellschaft. Auf  der  Showbühne  ist  aber  immer  nur  für  einen  Platz.

Zum ersten, zum zweiten und … zum dritten Mal gibt es heute unser Som- mer-E-Paper als pdf-Download: mit allen L- bis XL-Beiträgen, die seit dem 3. August erschienen sind, und gerahmten Infos über eine Rattenrevue, Vatapa de Fruta Pao, Frank Zanders 20. Weihnachtsfeier für Obdachlose etc. als Zugabe.

„Darf ick dit wirklich allet mitnehm?“

trixie-tisch_frank zanders obdachlosenfest_estrel_neukölln„Ham Se och wat für Katzen?“, „Kann man dit och für Ratten nehmen?“ oder „Darf ick dit wirklich allet mitnehm?“ Das sind die Fragen, die den guten Helfer- lein am Trixie Heimtierbedarf-Stand gestern bei Frank Zanders 19. Weihnachtsfest für Obdachlose und Be- dürftige pausenlos gestellt werden. Insgesamt 17.000 Geschenkbeutel mit Hundefutter und -leckerlies oder geschenke für hundehalter_frank zanders obdachlosenfest_estrel_neuköllngleichem für Katzen und Nagetiere, Kratzbäume, riesige Schlafkissen, Transportboxen, Leinen, Geschirre, Halsbänder füllen die Tische im Ho- tel Estrel. Auch die Tierarztpraxis Peter Rosin ist wieder vor Ort. Schon eine Stunde nach Einlass Weiterlesen

„Weihnachten ist warme Füße!“

8_obdachlosenfest 2012_estrel neuköllnJa, sie würde es wieder tun, sagt sie und unterstreicht das Ja verbal und hängt ihm einige Ausrufezeichen an. Elisabeth Herr- manns Antwort ist eindeutig. Die erfolg-reiche Krimiautorin war erstmals Helferin beim jährlichen Obdachlosenfest von Frank Zander im Neuköllner Estrel Hotel. Gefühl- te 30 Kilometer sei sie gelaufen, während sie unter anderem Bier verteilte und Tisch-decken zuschnitt. Die unfassbare Hilfs- bereitschaft aller hat sie fasziniert, und der Satz einer Frau, die mit Schuhen aus der Kleiderkammer beschenkt wurde, hat sich tief in Elisabeth Herrmanns Herz 4_obdachlosenfest 2012_estrel neuköllnge- graben: „Weihnachten ist warme Füße!“ Mit wie wenig man Menschen doch strahlen lassen kann.

Wobei wenig auch bei Frank Zanders 18. Weih- nachtsessen für Obdachlose definitiv nicht die Devise ist. Die Tische für die knapp 3.000 Gäste 11_obdachlosenfest 2012_estrel neuköllnsind nicht nur sehr schön gedeckt, son- dern zudem voll mit Getränken und diversen Weihnachtsleckereien.

Noch im letzten Jahr hatte Elisabeth Herrmann als rbb-Mitarbeiterin vom Fest berichtet, in diesem Jahr wollte sie selber mit anpacken: Als sie dann auf Frank Zanders Facebook-Seite das frank zander_obdachlosenfest 2012_estrel neuköllnHelfergesuch las, schrieb sie direkt eine Mail, bot ihre Unterstützung an, bekam eine Zusage – und nun ist sie heiser, total platt, aber glücklich.

Seit 8 Uhr sind die etwa 100 freiwilligen Helferinnen und Helfer in den roten und gelben Shirts im Estrel im Einsatz. Bis gegen 21 Uhr werden sie wohl bleiben. Das ist etwas länger als sonst, weil es zum ersten Mal auch Gänsebraten für die Helfer gibt, nach den Feierlichkeiten für die Wohnungslosen und Bedürftigen.

„Dass hier auch Alkohol ausgeschenkt wird, finde ich nicht gut, muss ich sagen“, erzählt mir eine freundliche Helferin im gelben Shirt. Aber ansonsten wäre es eine wirklich gute Sache hier. Sie ist Rentnerin und arbeitet ehrenamtlich bei der Bahn- hofsmission und bei Laib und Seele. Viele ihrer Kunden treffe sie hier, sagt sie, und alle freuen sich darüber und sind mehr als dankbar für das, was hier Gutes auf die Beine gestellt wird. Das Thema Alkohol ist neben der Tatsache, dass am Ende alle 1_obdachlosenfest 2012_estrel neuköllnwieder in die Kälte raus müssen, der einzige Punkt, der zu weniger Begeisterung beiträgt.

Immer wieder sind Gäste und Helfer zu sehen, denen die Tränen der Rührung über die Wan- gen laufen. Alles ist einfach überwältigend. Der Saal ist riesig und sehr schön weihnachtlich geschmückt und beschallt.

Unglaubliche Spendenmengen sind eingegan- gen. Die Tische, mit den liebevoll verpackten Geschenken für die Kleinsten, biegen sich 5_obdachlosenfest 2012_estrel neuköllnunter der Last. An alles ist gedacht. Es gibt einen Pfarrer, 25 im Akkord arbeitende Friseure vom bbw Bildungswerk, medizinische Versor- gung, einen Tierarzt, Hundefutter, Tabak und Geschenke für alle. Engel laufen von Tisch zu Tisch und verteilen 3_obdachlosenfest 2012_estrel neuköllnSchokolade und Zigaretten. Ein Clownspärchen verbrei- tet gute Laune und Seifenblasen, ein Leierkastenmann 2_obdachlosenfest 2012_estrel neuköllnleiert.

Natürlich fehlen auch die hochkarätigen Stars nicht. Als sie anfangen, Teller mit Rotkohl, Klößen und Gänse- keulen zu verteilen, schmet- tert Frank Schöbel gerade „Oh Tannenbaum, du trägst ein grünes Kleid“. Sehr ergreifend. Cem Özdemir, Wolfgang Bahro, Bürger Lars Dietrich, Graciano Rocchi- 9_obdachlosenfest 2012_estrel neuköllngiani, der inzwischen 91-jährige Herbert Köfer, Frank Kessler und Peer Kusmagk sind nur einige der Prominenten, die gut gefüllte Teller zu den Gästen bringen. Auch Neu- 10_obdachlosenfest 2012_estrel neuköllnköllner Polit-Prominenz betätigt sich kellnernd. Besonders sympathisch sind diejenigen, die nicht lange mit den Tellern für die Fotografen posen, sondern denen es tat- sächlich darum geht, etwas für andere zu tun.

Während die Kameras um die Promis und Frank Zander rummeln, füllen sich zusehends alle Tische mit Mahlzeiten – aufgetragen durch die fleißigen Helfer in Gelb und Rot, die unermüdlich zwischen den Tischen umherwuseln, um niemanden zu vergessen oder auch den ein oder 7_obdachlosenfest 2012_estrel neuköllnanderen Extrawunsch zu erfüllen.

Die Stimmung wird immer ausgelassener, und als dann das Liveprogramm auf der Bühne beginnt, stürzen einige der Gäste nach vorne um zu tanzen. Frank Schöbel, Jeanette Biedermann aber auch die Fahrer der BVG, die die Menschen in Sonderbussen aus allen Teilen der Stadt ins Estrel brachten, halten die Stimmung hoch, so dass am Ende niemand so wirklich gehen will.

Der Tag war auch für mich ein einmaliges, äu- ßerst beeindruckendes und rührendes Erlebnis, und ich hoffe sehr, dass den fleißigen Helfern die Gänsekeulen gemundet haben.

=Anna Sinnlos=

Gipfeltreffen am Neuköllner Richardplatz

weltfriedenswanderer stefan horvath, frank zander, cbs rixdorf, neukölln„Alle Achtung vor dem, was du machst, aber für mich wäre das nichts“, stellt Frank Zander an- erkennend fest. „Dit würden meine Beene nicht mitmachen.“ Gerade hat der 70-Jährige von Stefan Horvath erfahren, wel- ches Pensum der für seine Mission absolviert. Der kleine, drahtige Mann nennt sich Welt- friedenswanderer, seit er vor mehr als zwei Jahrzehnten sei- nen Job als Bauunternehmer, das geregelte Einkommen und die Vorzüge eines konventionellen Lebens in Wien hinter sich gelassen hat. Seitdem führt der heute 54-Jährige ein Nomaden-Dasein und schläft – statt im eigenen Bett – immer woanders. „Aber Berlin/Brandenburg ist schon so etwas wie weltfriedenswanderer stefan horvath, cbs rixdorf, werkschau frank zander, neuköllnmeine Homebase“, sagt er.

Die Zahlen, die Horvath nennt, beeindrucken – auch Frank Zander. Bis zu 100 Kilometern schaffe er am Tag, rund 49.000 Kilometer habe er bisher insgesamt in seiner Laufbahn als Weltfriedenswanderer  zurückge- legt und dabei 42 Paar Schuhe verschlissen. „Und was machst du, wenn du neue brauchst?“, erkundigt sich Zander. Dann gehe er in ein Sportfachgeschäft und frage den Geschäftsführer, ob er das Laufen für den Weltfrieden nicht mit einem neuen Paar Wanderstiefel unterstützen will. So sammle er sich seine komplette Ausstattung, Lebensmittel und auch sein Taschengeld zusammen. Letzteres benötige er, um nicht in Parks oder unter Brücken schlafen zu frank zander-werk mit widmung, weltfriedenswanderer stefan horvathmüssen: „Das wäre mir zu hart und zu gefährlich.“ Diesen Rest Komfort will der Österreicher sich in seiner selbstgewählten Askese erhalten.

Wenn es um andere Menschen geht, ist Stefan Horvath das Gegenteil von bescheiden. Genau wie Frank Zander, der sich seit 1995 für Obdachlose einsetzt, immer auf der Suche nach Sponsoren für das alljährliche Obdachlosenfest ist und jüngst die Spendensammlung für das Caritas-Arztmobil un- terstützte. Wegen dieses Engagements wollte der Weltfriedenswanderer ihn auch unbedingt kennen lernen, nicht wegen der Erfolge als Sänger und Entertainer. So entstand die Idee, für den Karfrei- tagnachmittag ein Gipfeltreffen der beiden Altruis- ten in der CBS-Rixdorf-Galerie am  Richardplatz frank zander-werk "musik bading", cbs rixdorf, neuköllnzu organisieren, wo eine Werkschau Zanders Talent als Maler und Grafiker zeigt. Es sind vor allem die dort ausgestellten Ham- burg-Motive, die es Stefan Horvath angetan haben. „Hamburg“, erzählt er, „ist meine nächste Station.“

Das anschließende Gespräch über die Spenden- sammelei gleicht einem Crash-Kurs für angehende Fundraiser: Bei Kreativen habe man es leichter, weil die meist sozialer seien, ist Frank Zanders Erfahrung. Horvath stimmt ihm zu. Bei der Spendenakquise in großen Unternehmen greife er zu einem anderen Trick: „Denen mach ich ein schlechtes Gewissen.“ Horvath grinst. Sein Stichwort „Weltfrieden“ sei schon etwas wie eine Trumpfkarte: „Wer will den nicht?“ Abgesehen vielleicht von allen, die von einer guten frank zander-werk "apfel vor venedig"Auftragslage  der Rüstungsindustrie profitieren. Zu- dem helfe ihm beim karitativen Einsatz für seine Projekte, die von Krankenhausbetten für Afrika über Kinderhilfe in Osteuropa bis hin zum Anti-Nazis-Engagement in Deutschland reichen, natürlich die Popularität, die ihm als Weltfriedenswanderer zuteil wird.  Frank Zander nickt: „Aber das Wichtigste ist doch, dass man seine Ideen verwirklicht. Und das vehement.“ Wenn jeder in seiner Form helfe und alle, die etwas abgeben können, die Freude am Abgeben für sich entdecken würden, wäre schon vielen geholfen, sind beide überzeugt.

Stefan Horvath muss weiter. Stolz verstaut der Rastlose den „echten Zander im wandergepäcktauglichen Kleinformat“ mit der persönlichen Widmung, die ihm „viel cbs rixdorf, werkschau frank zander, frank zander mit fans, neuköllnGlück beim Loofen“ wünscht, in seinem Rucksack. „Wir sehen uns wieder!“, versprechen sie sich zum Abschied.

Gesehen wurde inzwischen auch von vielen Passanten, dass der Meister höchstselbst zwischen seinen Kunst- werken anzutreffen ist. Mancher nutzt die Gelegenheit, sich eine handsig- nierte CD zu kaufen. Mit anderen entwickeln sich spannende Gesprä- che über die Vergangenheit, den Ist-Zustand und die Zukunft des Kiezes. Frank Zander, der hier seine Kindheit verbrachte, kennt ihn bestens. Nebenan in der Villa Rixdorf, erzählt er, habe er seinen 70. Geburtstag gefeiert, den er eigentlich – wegen des Bammels vor der 7 – gar nicht feiern wollte: „Dann war’s aber richtig schön und nach 10 Minuten war die Zahl vergessen.“ Sie habe schon für nachher einen Tisch reserviert, sagt seine Frau Evi. „Ohne Fleisch leben, wie Stefan, das könnte ich ja auch nicht“, gibt Frank Zander zu. Es ist also nicht nur eine Frage der Beine.

=ensa=

Ein großartiger Neuköllner wird 70

Das Jahr 1942 begann in Deutschland mit lausiger Kälte. Die 70-tägige Frostperiode, die erst Mitte März endete, erreichte am 26. Januar ihren Tiefpunkt: Das Quecksilber sank in Berlin auf -21 Grad. Neun Tage später, am 4. Februar, bekam die 11-jäh- rige Christa Zander, die mit ihren Eltern am Karl-Marx-Platz 17 in Neukölln wohnte, ihr Brüderchen Frank.

„In unserem Nachbarhaus hat der ge- wohnt?“, fragt der Rentner, der gerade vom Einkaufen zurückkommt, überrascht nach. Er zählt mit leuchtenden Augen ein paar Lieder des Musikers auf. Die Namen Susi, Kurt und Marie fallen, er singt „Ja, wenn wir alle Englein wären“ an, nennt auch noch den Ur-Ur-Enkel von Frankenstein. Bei Feiern seien die Hits von Frank Zander doch rauf und runter gespielt worden, erinnert sich der Mann: „Dass ich nur ’n paar Jahre älter bin als er, hätte ich aber nicht gedacht. Der wirkt doch viel jünger.“ Marija Zajac, die im Haus mit der Nummer 17 seit fünf Jahren eine Änderungs- schneiderei betreibt, verbindet mit Frank Zander etwas ganz anderes: die Weih- nachtsfeiern für Obdachlose, die der Entertainer alljährlich organisiert.

Das karitative Engagement ist es auch, was Bernd Szczepanski als erstes zu dem prominenten Neuköllner einfällt. Er sei eigentlich nicht der Richtige, um etwas über ihn zu sagen, weil er ihn noch gar nicht persönlich kennen gelernt habe, wiegelt Neuköllns Sozialstadt- rat ab. Doch gerade das verbindet Szczepanski mit denen, die jetzt – 55 Jahre nachdem die Zanders in die nicht weit entfernte Roseggerstraße zogen – am Karl-Marx-Platz wohnen oder arbeiten. „Die Musik von Zander ist wirklich nicht meine Art von Musik“, gibt der Stadtrat zu, „aber durch seinen Einsatz für Obdachlose und Bedürftige hat sich meine Ein- stellung zu ihm sehr geändert.“ Großartig und beispielgebend sei das, was Frank Zander leiste, zumal es spürbar eine Herzensangelegenheit sei und er es nicht zur Steigerung der eigenen Popu- larität tue. Das könne man gar nicht hoch genug schätzen. „Ich wünsche mir jedenfalls sehr, dass ich Frank Zander mal persönlich kennen lernen, ihm die Hand schütteln und für sein Engagement danken kann“, sagt Bernd Szczepanski.

Spätestens beim nächsten Obdachlosenfest im Estrel Hotel wird sich für Neuköllns Sozialstadtrat die Gelegenheit bieten. Dann hat sich Frank Zander vielleicht auch schon an das Alter gewöhnt, das mit der 7 beginnt.

Die besten Wünsche zum runden Geburtstag, Frank Zander!

=ensa=