Neukölln hat eine Nummernstraße weniger

Knapp 80 Jahre lang hatte die Straße 574 ihren Namen, seit vorgestern heißt sie Dora-Mendler-Straße. Umbenannt wurde die ehe-malige Nummernstraße in Rudow – mit einem kleinen Festakt, Bratwürsten und einem gut bestückten Getränkewagen – nach Berlins bekannter Stadtbäuerin Dora Mendler, die 1925 in Neukölln geboren wurde und seit 1982 in Rudow den Milchhof Mendler leitete.

In Berlin betreibt die Familie Mendler seit den 1920er Jahren Landwirtschaft. Zu dieser Zeit gab es rund 2.000 kleinbäuerlichen Betriebe mit Kühen und Schweinen, um die Städter mit frischen Weiterlesen

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Eine Berliner und fünf Neuköllner Ehrennadeln

161 Frauen und Männern wurde seit 1984 für ihre Verdienste um den Bezirk die Neuköllner Ehrennadel verliehen. Heute kommen fünf weitere Persönlichkeiten neukoellner-ehrennadeldazu, die von Bezirksbürgermeisterin Giffey und Bezirksverordnetenvorsteher Oeverdieck mit der höchsten Auszeichnung Neuköllns geehrt und auf Messingtafeln im Rathaus verewigt werden:

Die prominenteste von ihnen ist der Unterneh-mer Ekkehard Streletzki, der vor 22 Jahren an der Sonnenallee das Estrel Hotel eröffnete und es als Herzensangelegenheit bezeichnet, soziale Einrich-tungen und Projekte zu unterstützen. Auch Michael Zeise, Geschäftsführer der BrauCo GmbH, ist der Meinung, dass Unternehmen gesellschaftliche Verantwortung übernehmen sollten; seit Jahren engagiert sich die Neuköllner Firma für die Schule am Regenweiher. Schon mehr als ein halbes Jahrhundert ist Benno Wischer Weiterlesen

Zwei, die eng miteinander verbunden waren: Manfred Motel und das Böhmische Dorf

manfred-motel_foto-neukoelln-info-centerNeuköllns früherer Bezirksbürgermeister Prof. Bodo Manegold hatte Manfred Motel einst anerkennend „unseren Oberböhmen“ genannt. Dr. Franziska Giffey, die amtierende Rathaus-Chefin, bescheinigte dem mit der Neuköllner Ehrennadel und dem Bundesverdienstkreuz Ausgezeichneten, dass er den Bezirk über Jahrzehnte geprägt habe.

Nach langer schwerer Krankheit starb Manfred Motel am 8. September im Alter von 74 Jahren; letzten Sonnabend fand im Kirchsaal der Brüdergemeine die Trauerfeier statt. Für das Bezirksamt nahm Sozialstadtrat Bernd Szczepanski an der Zeremonie Weiterlesen

Bronze-Medaille für eine Neuköllner Ehrennadel-Trägerin

Eine unprätentiöse Halle am Mariendorfer Weg. Direkt gegenüber waren erst Flüchtlinge und im letzten Winter eine Notunterkunft für Obdachlose untergebracht, ebjc-trainingsstaette_mariendorfer weg_neukoellndirekt nebenan ist die Hermann-Sander-Schule, eine sportbetonte Ganztagsgrundschule. Erster tafel ebjc-trainingsstaette_mariendorfer weg_neukoellnBerliner Judo-Club steht auf einer dezenten Tafel, die besagt, dass sich hier die Trainingsstätte des Vereins befindet.

Seit gestern Abend ist dessen prominentestes Mitglied, Laura Vargas Koch, um einen sportlichen Erfolg reicher: In Rio erkämpfte sich die 26-jährige Mittelgewichtlerin die Bronze-Medaille. Es war bereits das zweite Mal, dass die Judoka auf brasilianischem Boden Edelmetall gewann; im August 2013 wurde sie hier Vize-Weltmeisterin. Knapp vier Monate später wurde Weiterlesen

Nadel, wem Ehre gebührt

neukoellner ehrennadelIn Neukölln wohnen muss man nicht. Entscheidend ist, dass man sich langjährig um den Bezirk verdient gemacht hat: im kulturellen, sportlichen, wirtschaftlichen, religiösen, sozialen oder gesellschaftlichen Bereich, ehrenamtlich oder im Beruf. Dann kann es passieren, blumen+urkunde_neuköllner ehrennadeldass man – so man sie denn haben will – bei einem Festakt im Schloss Britz die Neuköllner Ehrennadel ver-liehen bekommt.

Heute ist es wieder soweit. Am Abend zeichnen Dr. Franziska Giffey und der Bezirks-verordnetenvorsteher Jürgen Koglin drei Frauen und drei Männer mit dieser höchsten Ehrung des Bezirks aus. Überreichen Blumen, stecken die Weiterlesen

Lernen, dass das Lernen auch Spaß machen kann: 30 Jahre Alphabetisierung in Neukölln

1_30 jahre lesen +schreiben ev neuköllnDer Begegnung zweier Frauen ist es zu verdanken, dass letzten Freitag in Neukölln ein rundes Jubiläum gefeiert 30 jahre lesen +schreiben ev neukölln_haus des älteren bürgerswerden konnte: Eine der beiden war An-Alphabetin und zur Meisterin des Ver- tuschens geworden – bis sie das Leiden unter ihrem Defizit nicht mehr aushielt und sich das Leben nahm. Die andere heißt Marie-Luise Oswald, studierte damals, in den 1970er Jahren, Päda- gogik und kam durch die Verzweiflungstat der anderen Frau zu einer Lebensaufgabe: Die, Menschen zu helfen, die nicht lesen und schreiben können.

1980 erstellte Oswald als Co-Autorin für das Bundesmi- nisterium für Bildung und Wissenschaft eine der ersten Studien zur Alphabetisie- rung in Deutschland. 1983 gründete sie zusammen mit anderen in Neukölln den Verein  Lesen und Schreiben  (LuS e. V.), der sich seitdem dafür Weiterlesen

Es geschah in Neukölln

Hier wurde Horst Bosetzky am 1. Februar 1938, also heute vor genau 75 Jahren, geboren. Hier ging er zunächst zur Volksschule, die später als Rütli-Schule bekannt wurde, und hier machte er sein Abitur am Albert-Schweitzer-Gymnasium. Es folgten die Lehre zum Industriekaufmann bei Siemens und ein Studium der Soziologie, Psychologie, BWL und VWL an der FU Berlin. Vor genau 40 Jahren wurde er schließlich Professor für Soziologie an der Berliner Fachschule für Verwaltung und Rechtspflege – und blieb es bis zum Jahr 2000. Eine beeindruckende Karriere für jemanden, der den  Malus Neukölln  in die Wiege gelegt bekommen hatte.

horst bosetzky_lesung in neuköllnDoch diese eine reichte Horst Bosetzky nicht: In den 1970er Jahren begann er unter dem Pseudonym -ky Hörspiele, Drehbücher und Krimis zu schreiben. Etwa 20 Jahre später kamen biografische Romane sowie Spannungsromane dazu, und mit „Brennholz für Kartoffelschalen“ begann der schriftstellernde Professor aus Neukölln, der nun Wilmersdorfer war, eine mehrbändige Familiensaga.

Um den Jubilar nicht über Gebühr bei seinen Geburtstagsvorbereitungen zu stören, haben wir ihm fünf eher geschlossene Fragen gestellt – hier sind sie, samt Horst Bosetzkys sehr offener Antworten:

Nervt es eigentlich, als längst in einem anderen Bezirk Wohnender nach wie vor mit Neukölln in Verbindung gebracht oder als Ex-Rütli-Schüler tituliert zu werden?
Bosetzky: Nein, es freut mich, ich prahle geradezu damit, aus Neukölln zu kommen. Meine Mutter, geb. 1910, war sogar noch echte Rixdorferin. Die Ossastraße war mein Paradies (und das von Manfred Matuschewski in „Brennholz für Kartoffelschalen“).

Glauben Sie, dass Ihr Leben anders verlaufen wäre, wenn es nicht im damaligen Arbeiterbezirk Neukölln begonnen hätte?
Bosetzky: Ja. Wäre ich z. B. in Zehlendorf aufgewachsen, hätte ich nie die Nähe zu den sogenannten „einfachen Menschen“ haben können, zum „Volk“. Mir geht es da wie Heinrich Zille, der auch nur Zille geworden ist, weil er aus dem „Milljöh“ selbst gekommen ist. Bei mir gilt das für beide Berufe/Berufungen: die Soziologie wie das Schreiben. Und als Sportler (1. FC Neukölln, TuS Neukölln und Neuköllner Sport- freunde) wollte ich auch im sozialen Bereich siegen: Vom Neuköllner Hinterhof und der Rütlischule zum Professor und zur „deutschen Krimilegende“.

Was verbindet Sie heute mit dem Bezirk?
Bosetzky: Das Emotionale, die (verklärende) Erinnerung vor allem. Als Träger der goldenen Ehrennadel, also Ehrenbürger, werde ich oft eingeladen – und steige dann am Hermannplatz oder Rathaus Neukölln aus der U- und auf dem Bahnhof Neukölln aus der S-Bahn. Alle Jahre wieder lese oder diskutierte ich auch da, wo ich das Abitur gemacht habe, in der Albert-Schweitzer-Schule. Außerdem wohnen meine Schwie- gereltern in der Gropiusstadt, und die besuchen wir dort mindestens einmal im Monat. Stehe ich im 17. Stock auf dem Balkon, liegt mir ganz Neukölln zu Füßen.

Mit welchen drei (maximal fünf) Wörtern würden Sie Neukölln beschreiben?
Bosetzky: Neukölln ist unbeschreiblich spannend.

Was wünschen Sie Neukölln für die nächsten 75 Jahre?
Bosetzky: Dass die Neuköllner mit dem berühmten Migrationshintergrund bald so waschechte Berliner werden wie die Hugenotten nach 1700, wirtschaftlich und kul- turell ebenso bedeutend wie diese. Dann ist Neukölln unschlagbar.

Aktuell schreibt Horst Bosetzky an einem Roman über Heinrich Zille; außerdem sind neue Bände für die Krimiserien „Es geschah in Berlin“ und „Es geschah in Preußen“ in Arbeit. Gerade erschienen ist das Buch „Berliner Leichenschau“, das Bosetzky zusammen mit dem Rechtsmediziner Prof. Dr. Günther Geserick schrieb.

Wir wünschen Horst Bosetzky ein neues Jahr voller Glück, Gesundheit, Erfolg, guter Ideen und erfüllter Wünsche.