Viel Platz in alle Richtungen

Sonne von oben, Wasser vor der Nase und zur Seite, Ausflugsdampfer und Paddler, die vorbeiziehen, feinster Sand, die S-Bahn und eine Bushaltestelle in Sichtweite: Die im  Rahmen des Stadtumbau West-Programms  „Neukölln  ans  Wasser“  gestaltete Terrasse am Ufer des Neuköllner Schiffahrtskanals bietet einiges von dem, was sich

sonnenterrasse_neuköllner schifffahrtskanal

viele für eine kleine Auszeit vom Alltag wünschen. Offensichtlich holen sie es sich dann aber woanders. „Die meisten denken bestimmt, dass das hier zum Hotel gehört oder Getränke und Verpflegung nebenan im Biergarten zu kaufen sind“, meint ein Mann, der es besser weiß. Was aber nicht mitgebracht werden darf, sind Hunde.

Neukölln von seiner schönsten Seite

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Das Weigandufer gehört – vor allem bei strahlendem Sonnenschein – zweifellos zu den  Schokoladenseiten des  nördlichen  Teils von  Neukölln. Problematisch ist  aller-

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dings: Wer den Anblick in ganzer Pracht genießen will, muss rüber zum Kiehlufer. Und zwar zu dem Abschnitt des Kiehlufers, der eine Mischung aus morbidem ausflugsdampfer berlin, tour c1 stern und kreisschiffahrt gmbh, neuköllner schiffahrtskanalCharme und  Verwahrlosung  versprüht. Der zu nörd- lich liegt, um über das Neukölln ans Wasser-Pro- gramm aufgepeppt zu werden, und deshalb am Rande des Neuköllner Schiffahrtskanals statt eines komfor- tablen Gehwegs nicht mehr als einen verwilderten Trampelpfad zu bieten hat.

Aber glücklicherweise ist da ja noch die Alternative, einen der Ausflugsdampfer der Stern und Kreis-schiffahrt zu entern, die täglich um 10 und 14.25 Uhr zur Brückenfahrt auf Landwehrkanal und Spree am Estrel ablegen, um sich das Weigandufer vom Wasser aus anzusehen.

=ensa=

Verschmäht

Werden öffentliche Gelder in Bauprojekte gesteckt, die niemand braucht, wird schnell der Vorwurf der Verschwendung laut. Besonders mustergültige Exempel für Prasserei finden sich anschließend im Schwarzbuch des Bundes der Steuerzahler (BdSt) wieder: So wird in dessen 2011-Ausgabe beispielsweise die Lichtinstallation „Neuköllner Tor“  aufgeführt, die nicht nur teurer als geplant wurde, sondern zudem in puncto Sinnhaftigkeit und Effekt nach Meinung des BdSt zu wünschen übrig lässt.

Guckt man sich in diesen Tagen am Neuköllner Schiffahrtskanal um, scheint ein neuer Schwarz- buch-Aspirant in Sicht. Für insgesamt 1.860.000 Euro wurde die Peripherie der Wasserstraße im Bereich um den S-Bahnhof Sonnenallee aufgepeppt.  Allein 900.000 Euro flossen im Rahmen des Projekts „Neukölln ans Wasser“ in den Neubau der Treppenanlage Sonnenbrücke Nord. Doch wie man sieht: Vom Bedürfnis der Neuköllner, sich auf den  Granitstufen und  Holzpodesten zu verlustieren, ist nichts zu sehen. Selbiges gilt

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für die Gäste des Estrel Hotels und den Biergarten, der mittels einer Investition des Unternehmens umgestaltet wurde, um ihn optisch der Treppenanlage anzupassen.

Ebenso verwaist liegt der neu gepflasterten Gehweg entlang des Kanals am südli- chen Kiehlufer  da, der – wie auch  Egidius Knops‘ Kunstobjekt „Welle“  – Teil einer weiteren  „Neukölln ans Wasser“-Baumaßnahme  ist. Ein  Fördervolumen von insge-

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samt 960.000 Euro umfasst sie. Das gemessen an der Nutzung wohl erfolgreichste Segment ist allerdings eines, das nur sehr am Rande mit Wasser zu tun hat: die Umgestaltung des Schwarzen Wegs. Vom Wasser haben nicht nur die meisten Neuköllner in diesem Sommer schon jetzt mehr als genug.

Einen Überblick über die „Neukölln ans Wasser“-Umbaumaßnahmen verschafft ein Flyer, der im Rathaus ausliegt und hier als pdf-Download bereitsteht.

=ensa=

Die ideale Alternative

Wenn sich an den Ufern des Neuköllner Schiffahrts- und Landwehrkanals Spazier- gänger,  Hunde und  Jogger gegenseitig  auf  die  Füße   treten und sich  dazwischen

Radfahrer im Slalom üben … Wenn also der Verdacht aufkommt, dass alle Down-by-the-Riverside-Plätze in Neukölln schon vergeben sind, empfehlen wir denen, die Grünes und Wasser mit Ruhe statt Trubel mögen: den Teltowkanal.

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Fein gemacht

Nicht nur für Autofahrer, sondern vor allem für Radfahrer sind viele Straßen in Neukölln eine wahre Zumutung. Insbesondere die kopfsteingepflas- terten Verkehrswege sind im Laufe der Jahre zu Teststrecken für Stoß- dämpfer und Armmuskulatur mutiert. Vergleichsweise komfortable Bedin- gungen bieten dagegen die meisten asphaltierten Straßen. So auch die Böhmische Straße, die der Donau- straße entspringt und unweit vom Richardplatz in die Richardstraße mündet. Dank des Anti-Schlagloch-Programms des Berliner Senats, das 1,7 Millionen Euro in den Bezirk geschaufelt hat, bekommt sie derzeit eine neue Asphaltdecke, die direkt vor der Haustür der Psychosozialen Dienste, einer bezirklichen Erziehungs- und Familien- beratungsstelle, endet.

südliches kiehlufer, neukölln, neukölln ans wasserAuch für den Umbau des südlichen Kiehlufers wird aktuell ordentlich Geld in die Hand genommen. Das Pro- gramm „Neukölln ans Wasser“ macht es möglich, dass der Trampelpfad am östlichen Ufer des Neuköllner Schiffahrtskanals nun zu einem be- quemen Bürgersteig wird. Dass in der Gegend kaum Fußgänger unter- wegs sind, weil das von Gewerbe- betrieben  geprägte Gebiet im Rücken des Estrel Hotels nicht eben zum Flanieren animiert, scheint irrelevant. Sonst wären die Investitionen weiter nördlich ins Kiehlufer geflossen.

=ensa=

Etwas verspätet, aber immerhin: Es ist vollbracht

sonnenbrücke neukölln,einweihung der treppenanlage am estrel hotelWolken in allen möglichen Grautönen und für wenige Augenblicke ließ sich dann sogar noch die Sonne sehen: Es hätte vorgestern Mittag an der Sonnen- brücke also schlimmer kommen können.

Schirme für alle standen bereit, als Hella Dun- ger-Löper (l.), Berlins Staatssekretärin für Bauen und Wohnen, und der Neuköllner Baustadtrat Thomas Blesing die neugestaltete Treppenanlage  am Neuköllner Schiffahrtskanal einweihten und der Öffentlich- einweihung treppenanlage sonnenbrücke, neukölln, sonnentreppe estrel hoteleinweihung treppenanlage sonnenbrücke, neukölln, brunnenanlage sonnenbrücke estrel hotelkeit übergaben. Ebenfalls dabei: Thomas Brückner (r.), einer der Direktoren des benachbarten Estrel Hotels, das eine tragende Säule bei der Public-Private-Part- nership spielt, auf der das Projekt „Treppe Sonnenbrücke Nord“ basiert.

Eigentlich sollte der neue Zugang zum Wasser schon im September eröffnet werden. „Doch dann“, so Thomas Blesing, „wurden auf dem Gelände Wasserleitungen ge- funden, von deren Existenz niemand wusste und alles verzögerte sich.“ 900.000 Euro aus dem Stadtumbau West-Budget wurden verbaut, um aus der zuvor verwilderten, einweihung treppenanlage sonnenbrücke, neukölln, sonnentreppe estrel hotel,estrel biergartenabgeschotteten Uferkante eine attraktive, öffentlich zugängliche Tribüne mit Brunnenanlage und klei- ner Bühne am Kanal zu machen.

Damit „alles wie aus ei- nem Guss“ wirkt, gibt Tho- mas Brückner bekannt, habe das Estrel zusätzlich 200.000 Euro in die Um- gestaltung des hoteleige- nen Biergartens investiert, der sich an die Treppenanlage anschließt. Auch die Kosten für die Pflege des öffentlichen Bereichs werden von Neuköllns größtem Beherbergungsbetrieb übernommen. So ganz unkommentiert wollte Brückner das Lob von Hella Dunger-Löper, dass man hier von einem gelungenen Modellprojekt für das Zusammenspiel von öffentlichem und privatem Handeln sprechen könne, aber doch nicht stehen lassen. „Leider“, sagte er, „schließen sich die anderen ge- werblichen Nachbarn entlang des Kanals nicht an.“ Die Vision einer Promenade von der Sonnenbrücke bis zum Kiehlufer sei damit vom Tisch. Zumindest vorerst.

=ensa=

Auf zu neuen Ufern

stadtumbau west,neukölln südring,presserundgang sonnenbrückeWas vor gut einem Jahr bei einem Presserund- gang auf Schautafeln groß angekündigt wurde, nimmt nun immer konkretere For- men an: Die Sonnenbrü- cke bekommt an der Ecke Sonnenallee/Ziegrastraße eine große, schicke Frei- treppe und es entsteht ein direkter und öffentlicher Zugang zum Neuköllner Schiffahrtskanal. Weiterlesen