Verfrühte Hommage

Es wird noch einige Zeit dauern, bis auch der letzte doppelschlitzige Brief- kasten von Berlins Bürgersteigen verschwunden und durch einen Ein- schlitzer ersetzt ist. Sukzessive werde man den Aus- tausch vor- nehmen, teil- te die Post mit, als sie Anfang 2011 mit der Reali- sierung der Maßnahme begann. Durch den Einsatz moderner Lese- und Sortiermaschinen sei es  schlichtweg unnötig geworden, dass Kunden selber ihre Post vorsortieren und Sendungen für Berlin/Branden- burg in den rechten Schlitz und für alle anderen Destinationen in den linken werfen. Aktuell ist das aber noch vielerorts Realität.

Insofern ist die Hommage an die Doppelschlitzbriefkästen, die sich derzeit an der Litfasssäule vor dem Eingang zum Sommerbad Neukölln präsentiert, etwas früh dran. Aber viel Aufmerksamkeit findet sie dort ohnehin nicht, denn auch fürs Baden unter freiem Himmel ist die Zeit noch nicht gekommen.

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Die gewöhnungsbedürftige Leichtigkeit des Seins

Eigentlich sieht er ganz vertrauenswürdig aus: Er ist gelb, trägt rechts und links das traditionelle Posthorn-Emblem und hat einen Schlitz mit einer Klappe davor an der Stirn-seite. Es spricht also vieles dafür, dass es sich um einen Briefkasten handelt.

Trotzdem steht mancher potenzielle Absen- der derzeit noch etwas zögernd davor und beäugt den schlanken Quader mit dem de- zenten Zeltdach skeptisch – in der linken Hand die Kuverts für andere Postleit- zahlen, rechts die, die in die Region Berlin-Brandenburg verschickt werden sollen. Die Macht der Gewohnheit, denn in der Hauptstadt wird nicht nur der Müll getrennt, sondern wurde auch jahrzehntelang die Post feinsäuberlich vom Absender sortiert, bevor sie in den Briefkasten fiel. Dieses andernorts gänzlich unübliche Prozedere soll nun auch hier sukzessiv überflüssig werden. Irgendwann gehören Adrenalinschübe, weil versehentlich die falschen Umschläge im falschen Einwurfschlitz gelandet sind, dann ganz der Vergangenheit an.

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