Ärger vorprogrammiert

„Wenn das zustande kommt, gibt’s richtig Ärger!“, vermuteten schon vor rund einem Jahr viele im Kiez. Damals wurde bekannt, dass auf dem Gelände des ehema-ligen Eisenwerks Franz Weeren zwischen Delbrück- und Glasower Straße per Crowd-funding luxuriöse Wohneinheiten bauprojekt glockengiesserei franz weeren_neukoellngeplant wer-den. Inzwischen zeugen rege Bautätigkeiten vom Zustandekommen und bringen zunächst Lärm und Dreck. Den richtigen Ärger befürch-ten die Nachbarn aber erst für die Zeit nach dem Einzug der Neuen. Denn inmitten der Wohnanlage „Glockengießerei“ steht die alte Weeren-Villa, die seit 1988 an das Brauhaus Rixdorf verpachtet ist, zu dem ein lauschiger und an Schönwetter-Abenden stark frequentierter Biergarten mit entsprechendem Geräuschpegel gehört.

„Das Beste für Kunden und Kiez“: Auftakt zur dritten Saison des Marktes auf dem Neuköllner Kranoldplatz

bio-bauer klaus_die dicke linda-wochenmarkt_neukoellnVor zwei Jahren konnten die Neubritzer nur einmal im Monat auf einem Markt in ihrem Kiez einkaufen, im letzten Jahr ging es schon zweimal monatlich. Und fish&chips_die dicke linda-wochenmarkt_neukoellnseit gestern ist DIE DICKE LINDA nun ein richtiger Wochenmarkt, der jeden Samstag von 10 bis 16 Uhr auf dem Kranoldplatz zum Einkaufen und als Treffpunkt einlädt. Nicht nur, wie in den letzten beiden Jahren, vom Frühling bis zum Herbst, sondern auch in den Wintermonaten.

Knapp 30 Händler waren bei der 2016-Premiere dabei, um zum neuen Kapitel der Erfolgsgeschichte beizutragen, die 2014 begann. Damals hatte Theresa Dühn, eine Anwohnerin des Kranoldplatzes, Weiterlesen

In Neubritz geht’s um die Wurst

Currywurst_maximilian fleischwaren neukoelln„Gehse inne Stadt, wat macht dich da satt? ‚Ne Currywurst.“ So sang Herbert Grönemeyer 1982. Da gab es das lukullische Straßenkind bereits seit 33 Jahren, jedenfalls in seiner Geburtsstadt Berlin. Knappheit und Experimentierfreude waren die Antriebe, denn in der Mangelsituation nach dem 2. Weltkrieg waren Naturdärme schwer zu beschaffen. Dem begegnete der sächsische Fleischer Max(imilian) Brückner erfolgreich mit einer darmlosen Wurst, die er nach seinem Umzug nach Berlin in Spandau produzierte und daher den Namen „Spandauer ohne Pelle“ bekam. Eine seiner treuesten Kundinnen war Herta Heuwer, die diese Würste an Weiterlesen

Nicht immer, aber öfter: Die Dicke Linda geht mit zwei Markttagen pro Monat in die zweite Saison

landmarkt die dicke linda_neuköllnTheresa Dühn scheint einen recht guten Draht nach oben zu haben: Schönes Wetter hatte sie am Ostersamstag für den Auftakt der zweiten Saison ihres Landmarkts Die Dicke Linda bestellt, und das hat sie auch über weite Strecken bekommen – was die Händler und Besucher mindestens genauso freute.

Nur der Mann hinter dem Atelier Cacao-Stand voller edler Schokoladen und Pralinés sah etwas missmutig gen Himmel, wenn das Blau dort überhand nahm und Wolken in weite Ferne rückten: „Angenehmer für die Atmosphäre auf dem Markt ist es schon, wenn die Sonne scheint, Weiterlesen

Nicht nur keine Diskussion: Entscheidung in Sachen „Stolperstein für Sigurd Franzke“ gefallen

gunter demnig_stolperstein neuköllnAuch der 29. November 2013 war ein Freitag. Außerdem war es der Tag, an dem Gunter Demnig 12 Stolpersteine in Neukölln verlegte, von der Verlegung eines 13. aber absah und sich statt- dessen Bedenkzeit für den Fall Sigurd Franzke erbat. Denn der Neuköllner, der als 27-Jähriger am 13. Mai 1939 wegen „widernatürlicher sexueller Neigungen“ zu zwei Jahren Haft verurteilt, im Oktober 1940 deportiert und am 26. März 1942 in der Tötungsanstalt Bernburg ermordet wurde, ist zwar  zweifellos ein Opfer des nationalsozialis- tischen Regimes geworden. Doch der Homo- sexuelle ist auch NSDAP-Mitglied sowie Ober- scharführer der SS und als solches zugleich Täter gewesen. „Vielleicht ist in dem Fall eine vorherige öffentliche Diskussion mit dem proNeubritz, der den Gedenkstein für Sigurd Franzke spenden will, dem Museum Neukölln und dem Weiterlesen

Neuköllner Dialektik

Gemeinhin wird die S-Bahnstrecke, die sich wie ein Ring um die Berliner Innenstadt legt, Ringbahn genannt. In der Mitte und im Süden Neuköllns hat sie, seit im Norden des  Bezirks immer mehr  Neu-Neuköllner  zwischen die  Alt-Neuköllner  stoßen, aber

s-bahn-ring neukölln

einen weiteren Namen: Hipster-Schutzwall. Noch funktioniert der recht gut. In das Neukölln außerhalb der Ringbahn zu ziehen, geht für die meisten hippen Zuzugs- willigen – zur Freude der Britzer und Süd-Neuköllner – nicht mal als Plan B durch. In der Gegenrichtung ist der Hipster-Schutzwall derweil durchlässiger als ein Sieb.

Nach einer erfolgreichen Premiere am letzten Samstag, gibt es heute unser zweites Sommer-E-Paper als pdf-Download: mit allen umfangreichen Bei- trägen, die seit dem 27. Juli erschienen sind, und  diversen Veranstaltungs- tipps  für die kommende Woche als Zugabe.

„Wenn ich es jetzt nicht angehen würde, würde es bald jemand anders machen“

kranoldplatz neubritz_neuköllnSeit vier Jahren hat Theresa Dühn das Elend täglich vor Augen. Seitdem wohnt sie im Neu- köllner Ortsteil Neubritz am Kranoldplatz, der für die Bewohner des Kiezes kaum mehr als eine am Reißbrett entworfene Durchwegung ist. Keine Bank, die zum Platznehmen und Verweilen einladen könnte, stört die geometri- sche Monotonie zwischen einem Klohaus am westlichen und Gerson Fehrenbachs Brun- nenskulptur, skulpturen kranoldplatz_gerson fehrenbach_neuköllndie schon seit Jahrzehnten nicht mehr plätschert, am östlichen Rand. Wer sich etwas länger in der Mitte des Kranoldplatzes aufhalten möchte, muss das stehend tun oder mit den kniehoch gepflasterten Begrenzungen der Baumscheiben vorliebnehmen. Nicht so am kommenden Samstag und den letzten Sonnabenden der beiden Folgemonate – dank des Engagements von Theresa Dühn, Weiterlesen