Die Licht- und Schattenseite des Neuköllner Mittelwegs

„In Gefahr und großer Not bringt der Mittelweg den Tod“ gehört zu den bekanntesten Zitaten des deutschen Barock- dichters Friedrich von Logau. Über 300 Jahre nach dessen Tod kam das Sinngedicht zu cineastischen Ehren: 1974 ent- stand unter der Regie von Alexander Kluge ein Film, des- sen Titel auf von Logaus Zitat zurückgeht.

Auch der Neuköllner Mittelweg hat viel mit dem Tod zu tun; ein Friedhof, neben dem zwei weitere liegen, zieht sich ein ganzes Stück weit an ihm entlang. Für das FACETTEN-Magazin bedeutet dieser Beitrag über den Mittelweg jedoch alles andere als den Tod: Es  feiert  mit ihm sein  zweijähriges Bestehen.

Am 3. August 2010 kroch es aus den Tiefen des Internets ans Licht der Öffentlichkeit und liefert seitdem  täglich  Neues aus Neukölln.  Über 770 Beiträge mit mehr als 2.100 Fotos wurden bislang veröffentlicht, um zu informieren, Neuköllnern wie auch Auswärtigen Einblicke in den Facettenreichtum des Bezirks zu geben und die Vielfalt zwischen den medial überstrapazierten Begriffen Trend- und Problembezirk aufzuzeigen. Die stetig weiter über die 10.000er-Marke hinauswachsende Leserzahl  beweist das große Interesse auch an vermeintlich kleinen Themen. Leserbriefe bzw. -mails, die die Authenzität gepaart mit journalistischer Qualität loben, bestätigen, dass der von uns gewählte Mittelweg genau der richtige ist. Ohne den großen ehrenamtlichen Einsatz des Autoren- und Redaktionsteams  wäre der Weg zweifellos nicht gehbar – ebenso wenig ohne die, die uns Informationen und Bildmaterial zuspielen.

Weitere Mitmacher, die sich in Neukölln auskennen und gerne schreiben oder fotografieren, sind uns selbstverständlich jederzeit willkommen. Aber wir freuen uns natürlich auch über alle, die sich fragen, wie sie unseren  täglichen Einsatz sonst unterstützen  könnten (bitte Stichwort „Wunschzettel“ angeben), um zum Gedeihen des FACETTEN-Magazins beizutragen … oder einfach „nur“ per E-Mail zum Geburtstag gratulieren wollen.

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Gefahrenquelle Mittelweg

Natürlich weisen auch im Mittelweg Schilder darauf hin, dass die Benutzung des Bür- gersteigs für Fußgänger nicht eben unge- fährlich ist. Doch wer beachtet die War- nungen vor Gehwegschäden angesichts ihrer in Neukölln nahezu standardmäßigen Präsenz an Straßenrändern überhaupt noch und nimmt sie ernst?

Im Mittelweg, der Beinahe-Verbindung von Hermann- und Karl-Marx-Straße, sollte man das aber der eigenen Gesundheit zuliebe tun. Denn die dort vorherrschenden Geh- wegschäden sind beträchtlicher als die üblichen Unebenheiten, die durch kleine Senken oder das obligatorische Ausfüllen fehlender Pflastersteine mit Asphalt ent- stehen. Verschärfend kommt hinzu, dass sich ob der suboptimalen Straßenbeleuchtung das Elend bei Dunkelheit oft erst offenbart wenn es zu spät ist. Die Wurzeln der Straßenbäume haben unter dem schmalen, asphaltierten Bürgersteigs des Mittelwegs wahrlich ganze Arbeit geleistet.

Das Stadium einer eher harmlosen Bodenwelle hat manche Erhebung längst verlassen und sich im Laufe der Jahre zu einer Stolperfalle mit Sprungschanzen-Potenzial entwickelt. Folglich sollten nicht nur Fußgänger auf dem Trottoir im Mittelweg auf ihre Schritte achten, sondern auch Radfahrern ist höchste Aufmerksamkeit empfohlen: Wer dort sein Rad schiebt, sollte unbedingt – um Kollisionen zu vermeiden – auf eine horizontale Stellung der Pedale achten. Wer verkehrswidrigerweise den Fußweg als Radweg benutzt, besser auch.

=ensa=