Fast 3.000 einerseits, neun andererseits

Die Fans des deutschen Teams können sich noch ein paar Tage in Vorfreude üben: Erst am Sonntag beginnt für ihre Elf in Moskau die Fußball-WM – und für sie die Zeit des kollektiven Jubelns, Echauffierens, Bangens oder Leidens. In Neukölln dürfte heute aber trotzdem gegrölt und geböllert werden, falls das WM-Eröffnungsspiel zwischen Russland und Saudi-Arabien (Anpfiff um 17 Uhr) dazu Anlass gibt. Denn in Berlins 160-Nationen-Bezirk leben 2.880 Menschen, die aus dem Gastgeberland der WM stammen; 734 davon besitzen nach wie vor den russischen Pass. Gering ist dagegen die Zahl potenzieller Anhänger der gegnerischen Mann-schaft: Gerade einmal sechs Männer und drei Kinder mit saudi-arabischer Staats-angehörigkeit (Stand: 31.12.17) stellt die kleinste WM-Fan-Community in Neukölln.

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Manches neu macht nicht nur der Mai

Allmählich nimmt die Neuköllner Bezirksverordnetenversammlung nach den Wahlen im September ihre reguläre Arbeit wieder auf. Vergangenen Dienstag tagte der cordula-simon_europabeauftragte-neukoellnAusschuss für Integration zum ersten Mal nach seiner konstituierenden Sitzung.

Bezirksbürgermeisterin Dr. Franziska Giffey stellte die in ihrem Ressort neugeschaffene Stabsstelle für Innovation und Integration vor, die in der Zählge-meinschaftsvereinbarung von SPD und Grünen manifestiert wurde und voraussichtlich im April ihre Arbeit beginnen wird. Leiterin der Stabsstelle soll die bisherige Europabeauftragte Cordula Simon (r.) werden, die derzeit für die Teilnahme an einem Aufstiegslehrgang freigestellt ist. Der neuen Abteilung werden die Beauftragte für Menschen mit Behinderung, Katharina Smaldino, die Gleichstellungsbeauftragte Sylvia Edler sowie die Abteilung der Weiterlesen

Irgendwer jubelt immer

Gestern begann, was erst heute in einem Monat wieder enden wird: die 20. Fußball-Weltmeisterschaft. Teams aus 32 Ländern spielen in Brasilien um die begehrteste Kicker-Trophäe, die zuletzt von den Spaniern gewonnen wurde. Ob sie den Titel vertei- digen können, wird sich zeigen. Ebenso, wie weit  Deutschland und Gastgeber Brasi-

fußball_baobab2012_neukölln

lien beim FIFA World Cup kommen. Schon jetzt ist indes sicher: In Neukölln kann nach jedem Spiel gefeiert werden, das nicht unentschieden endet, weil Menschen aller WM-Teilnehmernationen hier leben. Manchmal sind es nur Weiterlesen

Einfach super!

gruppenbild rollberger superschüler 2013_neukölln„Die Urkunde hängt sie bestimmt in ihrem Zimmer auf“, meint die Mutter von Alma-Ada und sieht stolz auf das von Neuköllns Bezirksbürgermeister und der Schulstadträtin mit blauer Tinte unterschriebene Zertifikat. Ihre Tochter, die bis zum Beginn der Som- merferien die F4 der Regenbogen-Grundschule besucht hat, gehört zu denen, die am vergangenen Montag als Roll- berger Superschüler 2013 ausgezeichnet wurden. Alma-Ada habe sich diese Eh- rung durch „hervorragende Leistungen im erfolgsorientierten Lernen und sozialen giffey_rollberger superschüler 2013_neuköllnVerhalten“  verdient, attestiert die Urkunde.

21 Mädchen und 15 Jungen der beiden im Kiez an- sässigen Schulen haben sie in diesem Jahr im Frei- zeitzentrum Lessinghöhe aus den Händen von Fran- ziska Giffey (l.) erhalten. Einige von ihnen, verrät die Schulstadträtin, seien ihren Mitschülern nicht zum ers- ten Mal durch mehr als schulische Leistungen auf- gefallen und dafür geehrt worden: „Dass Kinder in ihrem positiven Verhalten bestärkt werden, ist eine der wichtigsten Aufgamohamed wendland_aki e.v. neuköllnben, und ich danke auch allen Eltern und Lehrern, die das unter-stützen.“

Schon seit 2008 gibt es den kiezinternen Wettbewerb, der vom Arabischen Kulturinstitut (AKI) e. V. initiiert wurde. Statt einer Jury sind es die Mitschüler, die vorschlagen und ent- scheiden, wer zum Rollberger Superschüler gekürt wer- den soll. Und statt bemerkenswerter Zensuren sei es ins- besondere ein vorbildliches soziales Verhalten und Enga- gement, das honoriert wird, erklärt AKI-Vorstandsmitglied Mohamed Wendland (r.), wendland_mengelkoch_giffey_ziemann_rollberger superschüler 2013_neuköllndenn schließlich würden die Kinder einmal die Stütze unserer Gesellschaft sein.

Das Rüstzeug, das den 36 Ausgewählten von ihren Mitschülern bescheinigt wird, ist breitgefächert.  Fleißig, immer zuverlässig, aufmerksam, hilfsbereit, gut gelaunt, wissbegierig, verantwortungsvoll, besonnen, Leistungen deutlich verbes- sert, freundlich, geduldig, ehrgeizig: Emily und Paula, zwei  Schülerinnen der  Regen-

ehrung_rollberger superschüler 2013_neukölln rollberger superschüler 2013 ehrung_neukölln

bogen-Grundschule, die zusammen mit AKI-Mitarbeiterin Manon Ziemann durchs Programm führten, baten nicht nur namentlich jeden einzeln auf die Bühne, sondern nannten auch die Begründungen, die zur Auszeichnung geführt hatten.

superschülerinnen_rollberger superschüler 2013_neuköllnAls Belohnung gab es für die Erst- bis Zehntklässler der Regenbogen- und Zuckmayer-Schule neben der Urkunde eine Medaille vom Neuköllner Migrations- beauftragten Arnold Mengelkoch; anschließend über- reichte Mohamed Wendland einen von der schokoriegel_rollberger superschüler 2013_neuköllnHugendu- bel-Filiale in den Neukölln Arcaden gestifteten, mit Sü- ßigkeiten dekorierten Büchergutschein.

Gegen welches Buch der eingetauscht wird, wo die Medaille ihren Platz findet und ob die Urkunde Zimmer- schmuck oder doch besser in der Zeugnismappe abgelegt werden soll – in diesen Punkten herrschte bei vielen der Rollberger Superschüler noch Unschlüssigkeit. Für die Verwendung der Schokoriegel galt das nicht.

=ensa=

Ye… was?

yezidentum_info-veranstaltung neuköllnWenn Cengizkhan Hasso über sie spricht, klingt es, als würde er über die australische Hardrock-Band AC/DC reden und dabei das letzte C verschlucken. Doch um Musik ging es bei der Infoveranstaltung mit Podiums- diskussion nicht, zu der die Neuköllner Gleichstellungs- beauftragte Sylvia Edler und der Migrationsbeauftragte Arnold Mengelkoch eingeladen hatten. Zentrales Thema waren die Yeziden, eine  kurdische Volksgruppe mit eige- yeziden_info-veranstaltung neuköllnner, hierzulande noch weitgehend unbekann- ter  Religion.

Um dem Zustand des Un- wissens und fatalen Nährbodens für Vorurteile durch fundierte Informationen zu begegnen, hatten Edler und Mengelkoch vier Experten ins Neuköllner Rat- haus eingeladen: Sukriye Dogan, die Iranistik und Erziehungswissenschaften studierte und heute Mit- arbeiterin im Jugendmigrationsdienst des Diakoni- schen Werk Neukölln ist, die Dolmetscherin und Schulsozialarbeiterin  Nurhan Kizilhan, den Sozialpädagogen Yilmaz Günay und den Psychologen  Cengizkhan Hasso, der – ebenso wie Kizilhan und Günay – den Yezi- den angehört und den Status des Geistlichen inne hat.

Wer sind also diese Yeziden? Was macht ihre Kultur und Religion aus, was unterscheidet sie von anderen? Weshalb muss man sich mit dem Yezidentum beschäftigen und wie viele Anhänger der Religion gibt es denn überhaupt? Die Kapazitäten des Köln-Zimmers im Neuköllner Rathaus stießen an ihre Grenzen, noch nach Beginn der Veranstaltung ebbte der Zustrom Informationshungriger nicht ab, ständig mussten weitere Stühle herbei geschafft werden. Knapp 100 Menschen waren es schließlich, die sich die immer dünner werdende Luft im Saal zu teilen hatten. „Etwa 1 Million Yeziden gibt es weltweit, die Zahl der  in Deutschland lebenden yeziden gebote_info-veranstaltung neuköllnwird aktuell auf 120.000 geschätzt und in Berlin wohnen gut 250 Fami- lien yezidischen Glaubens“, erklärte Sukriye Dogan. Die Tendenz sei stei- gend, da Yeziden in der Türkei verfolgt würden, viele in den Irak und nach Syrien geflüchtet waren, dort nun ebenfalls um ihr Leben fürchten müssten und nach Deutschland kom- men, um der Bedrohung zu entgehen: „Hier sind sie schon seit 1989 als verfolgte religiöse Gemeinschaft anerkannt und im Raum Hannover, Bielefeld und Oldenburg mit größeren Gemeinden vertreten.“ Dass das religiöse Leben der Yeziden unauffälliger als das von Christen oder Muslimen stattfindet, sei vor allem der Tatsache geschuldet, dass zur Ausübung der Religion keine Gotteshäuser ge- braucht werden. Sie haben lediglich die Tempelanlage im irakischen Lalisch als religiöses Zentrum. Was das Yezidentum außerdem von anderen Glaubensrich- yezidentum_info-veranstaltung_neuköllntungen unterscheidet, ist, dass es keine Buchreligion, sondern von der mündlichen Überlieferung geprägt ist, und dass man nicht konvertieren kann, sondern als Yezide geboren wird – in ein striktes Kastensystem hinein.

Insbesondere letzteres bereite nach Deutschland migrierten Yeziden der zweiten und dritten Generation größte Probleme, berichtete Nurhan Kizilhan, die seit 1986 in Berlin lebt und derzeit an einem Dokumentarfilm über yezidische Frauen arbeitet: „Die Religion schreibt ihnen vor, dass als Partner nur jemand infrage kommt, der ebenfalls Yezide ist und zur selben Kaste gehört. Aber wer erkundigt sich schon zunächst danach und verliebt sich erst dann?“ Dazu kommen Konflikte, die denen vieler anderer Migranten aus traditionsbeladenen Kulturen gleichen, wenn reaktionen auf yeziden_info-veranstaltung neuköllnstarre Sitten und Gebräuche des Herkunftslandes auf neue Möglich-keiten in der neuen Heimat treffen. Es seien enorme psychosoziale Belas-tungen, die sich aus dieser ambiva-lenten Haltung hinsichtlich des Le- benskonzepts ergäben, und das gel- te gleichermaßen für yezidische Frau- en und Männer.

Um ihnen zu helfen, wurde 2004 u. a. durch Yilmaz Günay in Neukölln der MIB e. V. gegründet. „Das Anliegen war“, der Sozialpädagoge, „eine Anlaufstelle für yezidische Gemeindemitglieder und Neuankömmlinge zu sein und ihnen Orien- tierung für das alltägliche Leben in Deutschland zu bieten.“ Schließlich dürfe man auch nicht außer Acht lassen, dass das Bildungsniveau in den Herkunftsländern sehr niedrig ist, es unter Yeziden viele An-Alphabeten gebe und die meisten erst in Europa mit Bildung und einer modernen Gesellschaft in Berührung kommen. Weil die Aus- stattung mit finanziellen Mitteln endete, musste der Verein seine Arbeit 2010 jedoch wieder einstellen. Der Ist-Zustand sei, dass die besondere Situation der  Yeziden bei yilmaz günay+cengizkhan hasso_info-veranstaltung yeziden_neuköllnallen staatlichen Integrationsmaßnah- men nicht berücksichtigt wird. „Und das ist ein Skandal!“, echauffierte sich Yilmaz Günay (l.).

Cengizkhan Hasso (r.), der zur Kaste der Sheikhs gehört, pflichtete ihm bei. Yezi- den seien seit Jahrzehnten Bestandteil der deutschen Gesellschaft, deshalb müsse Deutschland auch eine Infra- struktur schaffen und Aufklärungsar- beit finanzieren. „Aber stattdessen wer- den Angebote zum Nulltarif durch Ehren-amtliche erwartet“, warf er nicht nur Arnold Mengelkoch vor, der schweigend neben ihm saß. Mehr noch würde das Yezidentum schon dadurch, dass es häufig in einem Atemzug mit dem Islam erwähnt werde, gerne von einer Religion zum Politikum gemacht. „Tatsache ist aber, dass es zwischen Yeziden und Christen mehr Verbindungen als zu Muslimen gibt.“ Auch das mit den Kasten werde oft aus Unwissenheit oder rigiden Verhaftungen im Traditionellen instrumentalisiert. „Das Kastensystem“, so Hasso, „ist wesentlich durchlässiger als meist behauptet wird.“

Wie es denn mit Gewalt sei, fragte jemand aus dem Publikum und erinnerte an die Ermordung zweier yezidischer Mädchen durch Familienangehörige in 2011. „Gewalt ist in unserer Religion verboten, nur zur Selbstverteidigung nicht“, räumt der Geistliche ein. Wie stehen Yeziden zum Thema Beschneidung? Die sei keine religiöse Vorschrift, antwortete Cengizkhan Hasso. Ob es bei Yeziden, wie bei Mus- nachtaufnahme_neukölln rathausturmlimen, Bestimmungen beim Essen gebe? „Nein, bei uns ist weder Schweinefleisch noch Alkohol verboten.“ Überhaupt sei das Yezidentum eine äußerst tolerante Religion. Das klinge wirklich alles sehr fortschrittlich, bestätigte Sylvia Edler: „Leider erfahren wir aber in unseren Bera- tungsstellen oft genau das Gegenteil.“

Eine Mischung aus Verwirrung, gestilltem Wis- sensdurst und weiteren Fragen begleitete die meisten, die nach knapp drei Stunden das Rathaus verließen. In der Broschüre „Religionen in Neukölln“, deren überarbeitete Fassung am 21. März präsentiert wird, werden sie nichts Neues erfahren. „Obwohl die meisten yezidi- schen Familien, die nach Berlin kommen, in Neukölln leben, spielen die Yeziden in unserem Religionsführer keine Rolle“, musste Arnold Mengelkoch zugeben.

=ensa=

In der Neuköllner Vielfalt gestrauchelt

„Religionen in Neukölln“ heißt eine neue, vom Ressort des Migrationsbeauftragten im Neuköllner Bezirksamt heraus- gegebene Broschüre – und de- ren Präsentation muss zunächst mal als ziemlich misslungen bezeichnet werden. Ausgerech- net auf den 29. September hatte Neuköllns Migrationsbeauftrag- ter Arnold Mengelkoch die Vor- stellung des Nachschlagewerks in der Genezareth-Kirche gelegt: auf Rosch ha-Schana, den Tag des jüdischen Neujahrsfest. Ein Fauxpas, der zur Folge hatte, dass sich verständlicherweise kein einziger Vertreter der jüdischen Gemeinde bei der Veranstaltung blicken ließ, um sich in die Riege der Protagonisten anderer Glaubensrichtungen einzureihen.

88 in Neukölln ansässige religiöse Gemeinschaften führt die in einem leider recht dubiosen Ordnungsschema  gestaltete Broschüre auf: christliche und islamische verschiedenster Ausrichtungen, hinduistische und jüdische sowie kleinere Glau- bensvereinigungen von der Universalreligion Bahai bis zu den Rosenkreuzern. Lediglich Kontaktdaten und Internetadressen sind genannt, über die  Inhalte und Angebote der einzelnen Gemeinden er- fährt man nichts. Ganz bewusst, wie Arnold Mengelkoch betont: „Das Heft soll in erster Linie die Vielfalt der Religionen in Neu- kölln darstellen und die Vernet- zung untereinander initiieren.“ An letzterem Punkt setzte dann auch das Programm des Abends an. Zwischen einer beeindruckenden Musik- und Derwisch-Tanz-Einlage des Sufi-Ensembles und dem Auftritt der Gruppe Salsabil berichteten die Vertreter der 22 anwesenden Gemeinden in Kurzform von ihrer Arbeit, um den Einstieg ins gegenseitige Kennenlernen einzuleiten. In einer zweiten Runde wurden die interreligiösen Begegnungen durch Gespräche in wechselnden Kleingruppen über vorgegebene Themen intensiviert. Um religöse Lieblingsfeste, die Bedeutung der Symbole der verschiedenen Glaubens- richtungen und Wünsche an das Mit- einander der Religionen ging es – vor dem Gang zum Büffet.

Interessierte erhalten die Broschüre „Religionen in Neukölln“ beim Migra- tionsbeauftragten im Bezirksamt Neu- kölln.

Einblicke in den Islam und die Arbeit islamischer Gemeinden in Berlin ver- mittelt der morgige Tag der offenen Moschee. Mit der Yeni-, der Gazi Osman Pasa– und der Sehitlik-Moschee sowie dem Islamischen Kultur- und Erziehungszentrum Berlin und der Neuköllner Begegnungsstätte nehmen auch fünf Neuköllner Moscheen daran teil und bieten Führungen an. Ebenfalls morgen lädt das Sufi-Zentrum Berlin ab 15 Uhr zum Tag der offenen Tür ein – und zum Mitmachen beim Derwisch-Drehen.

=ensa=

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel

Die erste Welle der Empörung rund um die Integra-Vorkommnisse ist abgeebbt, doch erledigt ist das Thema längst noch nicht. Ein Kommentar von Thomas Hinrichsen (Mitglied im Quartiersrat Schillerpromenade):

Das Bezirksamt Neukölln, mit Bürgermeister Heinz Buschkowsky an der Spitze, hat sowohl dem Quartiersrat Schillerpromenade als auch dem zuständigen Ausschuss der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) für Verwaltung und Gleichstellung wichtige Informationen in Sachen „Task Force Okerstraße“ vorenthalten (zum 5. Beitrag scrollen). Der für Integration zuständige Migrationsbeauftragte Arnold Mengelkoch entschuldigte sich dafür im Köln-Zimmer der Neuköllner Rathauses vor den von ihm eingeladenen Mitgliedern des Quartiersrates Schillerpromenade. Als Mitglied des amtierenden Quartiersrates nehme ich die Entschuldigung an. Ich weise aber jeden Wunsch Buschkowskys nach „Rotterdamer Möglichkeiten“ zurück.

Buschkowsky und sein Adlatus Mengelkoch wünschen sich, dem Vernehmen nach zusammen mit der Polizei, dass es keinen gesetzlichen Datenschutz gibt. Leider, so Mengelkoch,  wurde dem Datenschutz durch politische Intervention des Landes Berlin bereits mit der Einrichtung der Task Force Okerstraße Rechnung getragen. So wird es weiterhin nur im rechtstaatlichen Rahmen möglich sein, folgende Auswüchse der Globalisierung zu bekämpfen, wie Heinz Buschkowsky sie am 2. Juni 2010 in der Beantwortung einer großen Anfrage benennt: „Anlass (für die Task Force Okerstraße) waren die von einigen Problemhäusern ausgehenden Auswüchse der organisierten Kriminalität wie unbeaufsichtigte Kinder, Prostitution, Schwarzarbeiterkolonnen aus Rumänien und teilweise völlig überbelegte Wohnungen.“ Buschkowsky und Mengelkoch wählen den Rotterdamer Weg, die Opfer zu diskriminieren und zu verhaften, statt die Täter dingfest zu machen. „Sie glauben gar nicht, wie schwierig es ist, das Recht eines Hauseigentümers einzuschränken.“ Da ist es einfacher, über Roma aus Südosteuropa so zu reden wie Arnold Mengelkoch vor den von ihm eingeladenen Quartiersräten: “Sie leben in überbelegten Wohnungen und fahren von dort aus zur Schwarzarbeit.“

Die politische Entscheidung über den weiteren Kurs des Bezirksamtes treffen wir im September als Wählerinnen und Wähler. Als Mitglied des Quartiersrates Schillerpromenade kann ich jetzt sagen: Das Bezirksamt und das Quartiers- management Schillerpromenade versuchen weiterhin,  den Quartiersrat als Feigenblatt zu nutzen, um die in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und der von Buschkowsky dominierten Steuerungsrunde gefällten Entscheidungen abnicken zu lassen. Die BSG Brandenburgische Stadterneuerungsgesellschaft mbh als Träger des Quartiersmanagements im Schillerkiez ist in dieser Hinsicht parteipolitisch sehr konform.

„Ich bin ja froh, dass es das Quartiersmanagement gibt. Die bringen doch die verschiedenen Säulen zusammen“, seufzt Arnold Mengelkoch. Er meint damit die öffentlichen Organe inklusive Polizei und Jugendamt, und gutes Steuergeld beziehende private Träger wie die BSG. Zuvor hatte Mengelkoch eingeräumt, dass der Personalabbau im öffentlichen Dienst zu folgendem geführt hat: Das Neuköllner Rechtsamt habe zwar „viele Referendare“, müsse aber eine private Anwaltskanzlei mit dem Prozess gegen Integra e. V. beauftragen. Buschkowsky schließlich sprach vor der BVV von „Betrug“.

Was wirklich vorgefallen ist in der Zusammenarbeit von Integra e. V., Bezirksamt und Quartiersmanagement wird sich erst vor Gericht aufklären. Auffällig ist dabei das Verhalten des Bezirksamtes. Nachdem sich Integra e. V. per Presseerklärung gegen die Aufkündigung der weiteren Zusammenarbeit gewehrt hat, nachdem das Mitternachtsboxen über sechs Wochen unbezahlt weiter geführt wurde, kommen öffentliche Betrugsvorwürfe merkwürdig an.

Wer hat jetzt Recht? War es Karl Marx, der sagte, es sei die Kunst des Spitzbuben, die Sache so kompliziert wie möglich zu machen?