Ist nicht? Entfällt?

Mauergeschichten, eine Ballonaktion, Sonderführungen, Vorträge, Konzerte, Gottes- dienste und eine Lichtgrenze, vom Bürgerfest am Brandenburger Tor ganz zu schwei- gen: Der  25.  Jahrestag des Mauerfalls  wird  in Berlin am und schon vor dem 9. No-

mauerfall-veranstaltungen_berlin.de_neukölln

vember groß und mit zahlreichen Veranstaltungen gefeiert. Nur in Neukölln, das durch ein viele Kilometer langes Stück Mauer von den östlichen Nachbarn getrennt war, findet nichts statt. Mehr noch: Der ganze Bezirk findet im eigens Weiterlesen

Was ’n Zirkus!

Für die Kinder der Bouché-Grundschule im Bezirk Treptow ist die Heidelberger Straße eine ganz nor- male Straße und die Grünanlage zwischen Elsen- und Wildenbruchstraße ein Platz mit Bäumen, Rasen, Bänken und Wegen. Dass hier vor 51 Jahren ein barbarischer Grenzwall errichtet wurde, der 28 Jahre lang Treptow von Neukölln und Ost- von West-kinderzirkus cabuwazi berlin-treptowBerlinern trennte, wissen sie nur vom Hö- rensagen. Auch für die Schüle-rinnen und Schü- ler der Klasse 4a der Bouché-Grundschule, die direkt an der ehemaligen Mauer liegt, waren Begriffe wie Todesstreifen, Grenzsol- daten, Schießbefehl, Fluchttunnel, DDR und BRD bisher etwas sehr Abstraktes. Durch das  Projekt „Bunte Mauersegler“, das auf Initiative des Kinderzirkus Cabuwazi gemeinsam mit dem Berliner Landes- beauftragten für die Stasi-Unterlagen entwickelt und durchgeführt wurde, hat sich das kinderzirkus cabuwazi berlin-treptow, bouché-grundschuleentscheidend verändert.

Eine Woche lang beschäftigten sich die Kinder mit historischen Fotos und Zeit- zeugenberichten dieses Kapitels der Stadtgeschichte. Unter Anleitung erfahre- ner Zirkuspädagogen des Kinderzirkus Cabuwazi, der vor fast 18 Jahren sein Zelt auf dem einstigen Todesstreifen auf- schlug, verarbeiteten die 21 Mädchen und Jungen anschließend ihre Eindrücke zu kleinen Theaterszenen und zirzensischen Darbietungen.

Pünktlich zum 23. Jahrestag des Mauerfalls hieß es dann im bis auf den letzten Platz gefüllten Cabuwazi-Zelt: Willkommen in einem Land vor unserer Zeit! Vor stolzen Eltern, Geschwistern und Verwandten, staunenden  Freunden und frenetisch  applau-

kinderzirkus cabuwazi berlin-treptow, bouché-grundschulekinderzirkus cabuwazi berlin-treptow, bouché-grundschule

kinderzirkus cabuwazi berlin-treptow, bouché-grundschulekinderzirkus cabuwazi berlin-treptow, bouché-grundschule

kinderzirkus cabuwazi berlin-treptow, bouché-grundschulekinderzirkus cabuwazi berlin-treptow, bouché-grundschule

kinderzirkus cabuwazi berlin-treptow, bouché-grundschuledierenden Mitschülern und Lehrern führ- ten die Jungartisten – vor dokumentari- schen Fotoprojektionen und musikali- scher Untermalung durch passgenaue Songs – mit einem beeindruckenden Showprogramm durch die knapp drei Jahrzehnte währende Historie der kinderzirkus cabuwazi berlin-treptowMauer in ihrem Kiez. Doch sie zeigten mit „Bunte Mauersegler“ nicht nur, wie Geschichts- vermittlung spielerisch und kindgerecht funktionieren kann, sondern bewiesen sich selber auch, dass Team- geist aus vielen Kleinen etwas Großes machen kann.

Täglich von 14 – 20 Uhr ist die Manege des Cabuwazi in Treptow geöffnet. Für Kinder und Jugendliche gibt es verschiedene Trainings-gruppen, in denen 14 Zirkusdisziplinen von Drahtseil über Jonglage und Tanz bis hin zu Trapez  kostenlos  erlernt und geübt  werden  können.

=ensa=

Zusammengerauft

Glaubt man dem, was Statistiken besagen, dürfte es Claudia und Wolfgang eigentlich gar nicht geben. Jedenfalls nicht als Paar, denn Wolfgang ist ein Ost-Mann und  Claudia eine dieser bei Ost-Männern an- geblich so unbeliebten West-Frauen.

„Ich lieb sie trotzdem“, sagt er, der zu allem Überfluss auch noch drei Jahre jünger ist als sie. Das gemeinsame Torpedieren von Klischees schweißt offenbar zusammen, selbst wenn die im Alltag ziemlich unbe- deutend sind. „Wolle ist ’ne faule Socke, deshalb war’s ihm nie wichtig Karriere zu machen, obwohl er das Zeug dazu gehabt hätte“, beschreibt Claudia ihn. Er nickt zustimmend, grinst als er sich anhören muss, dass sie seine Bequemlichkeit, die sie anfangs fast wahnsinnig gemacht habe, mittlerweile sehr zu schätzen weiß: „Mit ihm kann man prima abschalten und den Stress im Job vergessen.“

Als am 9. November 1989 die Mauer fiel, lebte Wolfgang im Berliner Bezirk Treptow, die damals 22-jährige Claudia nur zwei S-Bahnstationen von ihm entfernt in Neukölln. „So sehr’s mich für die DDR-Leute gefreut hat, dass sie endlich raus konnten, so sehr hat mich ihre Invasion am Anfang genervt“, erinnert sich die gelernte Altenpflegerin, die seit einer Weiterbildung zur Pflegedienstleiterin als PDL in einem Seniorenwohnheim arbeitet. Einen persönlichen Bezug zu dem Trubel bekam sie erst, als sich der schon gelegt hatte: „Dadurch, dass Wolle vor mir stand.“ Im Sommer 1991 war es, weil im Altenheim, in dem Claudia tätig war, etwas repariert werden musste – von Wolfgang, dem Elektriker, und einem seiner Kollegen.

„Unser Tag der deutschen Einheit“, finden beide, „ist der 27. August.“ In diesem Jahr begingen sie ihn zum 19. Mal, die kurze Trennungs-Auszeit zwischendurch zählt nicht, haben sie beschlossen. Der 3. Oktober ist aus einem anderen Grunde für Claudia und Wolfgang wichtig: Es ist der Geburtstag ihrer Tochter, die heute 14 wird, nicht Anna, Jacqueline, Marie oder Jennifer heißt und erstmals mit verheirateten Eltern feiern kann.

_ensa_